
das Jahr 2007 war für Merck ein anspruchsvolles, arbeitsreiches und nicht selten sogar aufregendes Jahr. Die Stichworte dazu lauten Serono-Akquisition, Trennung von Generics, Kapitalerhöhung, Aufnahme in den DAX®.
Vorsitzender der Geschäftsleitung der Merck KGaA
Und es war bei allen Veränderungen das bislang erfolgreichste Jahr für Merck, wie der Blick auf eine der wichtigsten Messgrößen für unternehmerischen Erfolg zeigt: Das Ergebnis nach Steuern betrug 3,5 Mrd €. Dieses Rekordergebnis beruht nicht zuletzt auf Sondereffekten, was uns dazu bewogen hat, der Hauptversammlung am 28. März neben der erhöhten Dividende von 1,20 € je Aktie auch einen Sonderbonus von 2,00 € je Aktie vorzuschlagen. Damit wollen wir unsere Kapitalgeber am Sondererlös aus dem Verkauf der Sparte Generics für 4,9 Mrd € beteiligen.
Strategisch haben wir uns in den vergangenen Jahren neu ausgerichtet. Am bedeutendsten ist der im Januar 2007 abgeschlossene Kauf von Serono, der uns zu einem der weltweit führenden Unternehmen für Biopharmazeutika gemacht hat. Die Bilanz, die wir nach dem ersten Jahr der neuen Sparte Merck Serono ziehen, kann sich sehen lassen. Das Integrationsprojekt wurde im September, drei Monate früher als geplant, abgeschlossen. Die Gesamterlöse stiegen um 7,4 % – bei einer Pro-forma-Betrachtung, die Serono für 2006 einbezieht. Entsprechend den gesetzlichen Vorgaben werden in diesem Geschäftsbericht die Zahlen meist durch die rechtliche Brille betrachtet, also ohne Serono im Jahr 2006. Demnach haben sich die Gesamterlöse mehr als verdoppelt.
Rund 60 % des Umsatzes von Merck Serono entfallen auf biopharmazeutische Arzneimittel. Diese sind zur Behandlung einer ganzen Reihe gerade schwerer Krankheiten inzwischen unverzichtbar geworden. Sie liefern die Therapiefortschritte, die das Leben von Patienten zum Beispiel mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen verlängern können. Unser Krebsmedikament Erbitux® gehört dazu – auch 2007 wieder mit starkem Wachstum. Bei Multipler Sklerose zögert die moderne biopharmazeutische Immunmodulator-Therapie schwerere Behinderungsstadien hinaus und hilft so nicht nur dem einzelnen Patienten, sondern senkt auch die volkswirtschaftlichen Kosten. Für eine neue, verträglichere Formulierung von Rebif® – einem der erfolgreichsten Präparate in diesem Markt – erhielten wir 2007 eine europäische Zulassung.
Und natürlich ist Merck nicht nur Pharma. Auch in der Chemie basieren unsere Erfolge auf anspruchsvollen Technologien. So halten wir seit Jahren die Spitzenposition bei Flüssigkristallen und decken zwei Drittel der weltweiten Nachfrage. Wenn wir von unseren Flüssigkristallen sprechen, werde ich oft gefragt, wie wir den Wettbewerb meistern. Meine Antwort ist: Der Markt wächst. Die Kundenbedürfnisse wachsen. Die Displays – vom Handy bis zum LCD-Fernseher – werden immer größer. Wir haben hohe Qualität, moderne Produktionstechnologien, entsprechende Kapazitäten, ein innovatives Produktportfolio und vor allem ausgezeichnete, gewachsene Kundenbeziehungen. Das organische Wachstum im Jahr 2007 betrug 14 % – bei weiter sehr hohen Renditen.
Für nachhaltigen unternehmerischen Erfolg bedarf es eines ständigen Abgleichs der operativen Entscheidungen mit langfristigen Zielen. Der Titel „Bewahren. Verändern. Wachsen.“ dieses Geschäftsberichts ist gleichzeitig die Kurzfassung unserer Unternehmensstrategie. Wenn Sie die nächsten Seiten lesen, erhalten Sie einen Eindruck davon, woher wir kommen und wohin wir wollen.
Für uns sind Massenmärkte in Chemie und Pharma nicht das Ziel. Deshalb ist Größe für uns auch nicht alles. Wir wollen profitabel wachsen – als innovatives Unternehmen in Spezialitäten-Geschäften.
Dennoch halten wir – bei aller Neuorientierung – an Grundsätzen fest, mit denen wir uns selbst treu bleiben. Es ist nicht en vogue, sowohl in Pharma als auch in Chemie aktiv zu sein. Aber es ist der Merck-Weg: Wir diversifizieren unser Risiko innerhalb eines integrierten Unternehmens. Neben dem Forschungs- und Produktportfolio für stark expandierende Märkte gibt es auch stabile Geschäfte in reifen Marktsegmenten – etwa unsere Sparten „Consumer Health Care“ und „Performance & Life Science Chemicals“. Wir setzen nicht alles auf eine Karte.
Finanziell stehen wir auf soliden Beinen: Der um Akquisitionen und Veräußerungen bereinigte Free Cash Flow betrug rund 1 Mrd €. Zum Jahresende belief sich die Nettoverschuldung auf 355 Mio €, das Gearing, die Relation zwischen Netto-Schulden und dem Eigenkapital, lag bei 0,18.
Für unsere Mitarbeiter waren die Veränderungen im vergangenen Jahr nicht immer einfach: Die größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte, ein zügiger Integrationsprozess, eine globalere Steuerung des Unternehmens.
Umso mehr freue ich mich, dass viele die Chancen sehen und wir den Weg gemeinsam gehen. Und wir kommunizieren offen miteinander – auf dem Fundament von gemeinsamen Werten wie Transparenz und Respekt. Dafür gilt mein Dank allen 30.968 Mitarbeitern von Merck.
Zwei personelle Veränderungen möchte ich hervorheben: Den 4.641 Mitarbeitern der Anfang Oktober veräußerten Sparte Generics danke ich für ihre Leistung und wünsche ihnen viel Erfolg mit und bei Mylan. Zur Hauptversammlung 2007 haben wir den Führungswechsel in der Geschäftsleitung vollzogen. Auch an dieser Stelle danke ich Michael Römer für ein fast 30 Jahre währendes, großartiges Engagement für dieses Unternehmen.
Meine Kollegen in der Geschäftsleitung und ich bedanken uns bei Ihnen, liebe Aktionäre und Freunde von Merck, und bei den Gesellschaftern der Familie Merck herzlich für das entgegengebrachte Vertrauen. Wir wollen unternehmerischen Erfolg, der auf gelebten Werten basiert und immer neue wirtschaftliche Werte schafft. Erst damit können wir Verantwortung übernehmen – etwa gesellschaftlich durch unser Praziquantel-Spendenprogramm mit der WHO – und insbesondere für unsere Kunden, Mitarbeiter und Eigentümer.


