
hinter uns liegt ein Geschäftsjahr, das zunehmend von den Turbulenzen auf den Finanz- und Wirtschaftsmärkten geprägt war. Dennoch haben wir bei Merck die zu Jahresbeginn veröffentlichten Ziele weitgehend erreicht. Sie können daher mit dem Geschäftsjahr 2008 insgesamt zufrieden sein.
Vorsitzender der Geschäftsleitung der Merck KGaA
Beim Operativen Ergebnis erzielten wir mit 1,1 Mrd € das höchste Niveau überhaupt in unserer Geschichte. Unsere Gesamterlöse konnten wir um 7,1% auf 7,6 Mrd € steigern. Die Dividende, die wir der Hauptversammlung vorschlagen, liegt bei 1,50 € pro Aktie.
Obwohl fast alle Sparten unter negativen Währungseffekten zu leiden hatten, wuchs die Umsatzrendite auf 15,0%. Der Unternehmensbereich Pharma erreichte bei den Gesamterlösen ein Plus von 11% auf 5,4 Mrd €. Der Unternehmensbereich Chemie verzeichnete einen leichten Rückgang um 1,3% auf 2,1 Mrd €, da die Flüssigkristalle zum Jahresende in den Sog der konjunkturellen Abwärtsspirale gerissen wurden. Sie haben ihre Zielsetzung knapp verpasst. Dies ist für uns wirklich ein Wermutstropfen, wir setzen aber weiter auf die Zukunftsfähigkeit und den Erfolg dieses Geschäfts.
Ein ausbalanciertes Geschäftsmodell…
Wir verfügen über gute Marktpositionen sowie eine starke Bilanz und sind bekannt für eine vorsichtige Finanzpolitik. Das schützt uns in diesen Krisenzeiten. Wir sind als Pharma- und Chemieunternehmen solide aufgestellt und haben gleichzeitig Wachstumschancen.
Wir sind Marktführer in High-Tech-Branchen: In der „roten“, der medizinischen Biotechnologie sind wir in Europa führend. Weil wir diese Position nicht nur halten, sondern auch ausbauen wollen, haben wir im November in der Schweiz den Grundstein für Europas modernste Biotech-Fabrik gelegt. Wir sind stolz darauf, dass wir 2008 – intern oft als Erbitux®-Jahr bezeichnet – drei neue Zulassungen für unser Krebsmedikament bekommen haben.
Als Zulieferer für die Display-Industrie sind wir weltweiter Markt- und Technologieführer mit Flüssigkristallen, die in Mobiltelefonen, Navigationsgeräten, Laptops und Flachbild-Fernsehern eingesetzt werden.
Daneben sind wir auch in reifen Marktsegmenten mit sehr stabilen Geschäften tätig – von klassischen Arzneimitteln bis hin zu Wirkstoffen und Laborchemikalien.
Wir fühlen uns daher gut gerüstet, die gegenwärtige Wirtschaftskrise nicht nur aus eigener Kraft zu überstehen, sondern sie sogar zu nutzen, um zu wachsen und unsere Wettbewerbsposition zu stärken.
… und eine starke Führungskultur...
Um dauerhaft erfolgreich zu sein, bedarf es einer Unternehmensführung, die auf gemeinsamen Werten und gegenseitigem Vertrauen aufbaut. Je stärker diese Faktoren, je solider eine Unternehmenskultur auf gemeinsam getragenen Werten beruht, desto weniger müssen zentrale Kontrollmechanismen und Bürokratie aufgebaut werden.
Weltweit arbeiten 32.800 Menschen aus 117 Nationen für Merck. Die Klammer, die über unterschiedliche kulturelle Hintergründe hinweg die Verbindung zwischen dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern herstellt, sind unsere Werte. Diese Werte geben uns die Freiheit, Unternehmer zu sein und die Zukunft unseres Unternehmens zu gestalten, nicht zu verwalten. Dezentrales Unternehmertum ist dabei für uns essenziell, um Märkte zu kennen und Kunden zu erreichen.
Auch im Namen meiner Kollegen in der Geschäftsleitung danke ich allen Mitarbeitern für ihr ungebrochenes und großes Engagement für dieses, unser Unternehmen – gerade in schwierigen Zeiten. An dieser Stelle gilt mein Dank auch Walter W. Zywottek, der Mitte 2008 aus der Geschäftsleitung ausgeschieden ist. Über 40 Jahre lang war er erfolgreich für Merck im Einsatz und hat sich mit seiner Tatkraft und Kompetenz um das Unternehmen verdient gemacht.
… machen uns auch in schweren Zeiten zuversichtlich
Trotz allem: Einer globalen Wirtschaftskrise kann sich auch Merck nicht entziehen. Wir haben zwar ein robustes Geschäftsmodell und eine Kultur des unternehmerischen Handelns. Das schützt uns jedoch nicht vor sinkender Nachfrage unserer Kunden. Auch wir müssen den Gürtel enger schnallen und auf diese Situation mit Kürzungen bei den Kosten und beim Kapitaleinsatz reagieren. Doch lassen sich die konkreten Auswirkungen auf Merck nicht in Zahlen fassen. Noch nicht jedenfalls. Die Geschäftsleitung von Merck sieht es als unverantwortlich an, heute eine Prognose abzugeben, die wir in zwei Monaten vielleicht schon wieder anpassen müssten. Wir werden daher dieses Jahr auf eine Prognose verzichten. Reaktionen unserer Kapitalgeber auf diesen Entschluss haben uns in unserer Haltung bestätigt.
Unsere Strategie des profitablen Wachstums werden wir fortführen. Wir setzen dabei auf drei Kernpunkte:
- Wir konzentrieren uns weiter auf forschungsorientierte Spezialitätengeschäfte und treiben Innovationen voran.
- Wir werden unsere organischen Wachstumspotenziale stärker nutzen, um unsere Marktposition zu verbessern. Dazu wollen wir weiter in den regionalen Märkten investieren. Schwerpunkte bilden dabei China, Indien, Japan und die USA.
- Externes Wachstum durch Allianzen und Akquisitionen gehört ebenfalls zu unserer Strategie.
Um auch in schwierigen Zeiten das Richtige zu tun, helfen uns unsere Werte. Gerade die beiden Werte „Mut“ und „Leistung“ haben jetzt eine besondere Bedeutung.
In diesem Sinne wollen wir die 340-jährige Erfolgsgeschichte von Merck fortsetzen. Ich danke Ihnen auch im Namen meiner Kollegen in der Geschäftsleitung, dass Sie uns mit Ihrem Vertrauen auf diesem Weg begleiten.

