Weltwirtschaft deutlich geschwächt
Die im Sommer 2007 durch die Immobilienkrise in den USA ausgelöste Finanzkrise verursachte 2008 rezessive Tendenzen in der Weltwirtschaft. Diese zogen in vielen Ländern Nachfrageschwächen in produzierenden Industriezweigen nach sich und schlugen sich im realen Bruttoinlandsprodukt (BIP) der beiden letzten Quartale des Jahres 2008 nieder. War 2007 noch von einem weltweit um 5 % wachsenden BIP geprägt, so ging dieser Wert gemäß Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) 2008 auf 3,7 % zurück. Der deutsche „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ registrierte für 2008 ein Weltwirtschaftswachstum von 2,8 %. Für ihre 30 Mitgliedsländer berichtet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) einen Anstieg des BIP im Jahr 2008 von 1,4 %.
Die Rohstoffpreise, die in der zweiten Jahreshälfte 2008 gefallen sind, spiegeln laut IWF den weltweiten wirtschaftlichen Abschwung, den zu dieser Zeit wieder erstarkten US-$ und die Finanzkrise wider.
Zudem ging während der zweiten Jahreshälfte 2008 das Vertrauen der Verbraucher zurück, was zu weniger Konsum und verschobenen Investitionen und damit zu geringerem Produktabsatz führte.
Registrierten die USA 2007 noch eine BIP-Zunahme von 2,0 %, so sank dieser Wert im Jahr 2008 auf 1,4 %. In der Euro-Zone wuchs das BIP 2007 um 2,6 % und 2008 laut IWF und Eurostat noch um 1,2 %. Bedeutende europäische Volkswirtschaften wie Deutschland, Frankreich, Italien oder Spanien verzeichneten 2008 alle eine Abschwächung ihrer BIP-Zunahme. Das BIP-Wachstum in Deutschland ging von 2,5 % im Jahr 2007 auf 1,3 % im Folgejahr zurück und schrumpfte ab dem zweiten Quartal kontinuierlich. Frankreich verzeichnete nach Angaben der OECD einen Rückgang der Zuwachsrate von 2,2 % im Jahr 2007 auf 0,8 %, und Italiens BIP-Wachstum rutschte von einem Plus von 1,5 % im Jahr 2007 sogar auf ein Minus von 0,2 % im Jahr 2008.
Auch wachstumsstarke Länder wie China, Russland oder Indien konnten sich den globalen Tendenzen nicht ganz entziehen, waren aber zunächst nur gering von den Turbulenzen am Finanzmarkt und der globalen Konjunkturschwäche betroffen. Chinas zweistelliges Wachstum aus dem Jahr 2007 von 12 % ging nach IWF-Daten auf 9,7 % im Jahr 2008 zurück. Damit wuchs die Wirtschaft Chinas erstmals seit fünf Jahren nur noch einstellig.
Russland war von den globalen Schwächetendenzen ebenfalls betroffen und litt wegen des Georgien-Konflikts zusätzlich unter Kapitalabfluss. So ging das BIP-Wachstum von 8,1 % im Jahr 2007 gemäß Daten des deutschen „Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ auf 7 % im Jahr 2008 zurück, OECD und Weltbank gehen sogar von niedrigeren Raten aus.
Indien verbuchte nach IWF-Angaben 2008 eine BIP-Zunahme um 7,8 %, nach einem Anstieg um 9,3 % im Jahr 2007.
Laut IWF-Daten wuchs die japanische Volkswirtschaft im Jahr 2008 nur noch um 0,5 %, nachdem sie im Vorjahr noch um 2,1 % angestiegen war.
Weltweite Pharmamärkte mit moderatem Wachstum
Nach Erhebungen des Marktforschungsinstituts IMS Health legte der weltweite Pharmamarkt im Jahr 2008 zwischen 4,5 % und 5,5 % auf ein Volumen von 780 Mrd US-$ zu.
Der weltgrößte Pharmamarkt, die USA, wuchs nach IMS-Zahlen um 1 % auf 208 Mrd US-$. Gründe für das schwächere Wachstum werden sowohl in geringerer Nachfrage nach neu zugelassenen Produkten gesehen als auch im wirtschaftlichen Klima, das sich möglicherweise auf das Verschreibungsverhalten der Ärzte niederschlägt.
Für Japan, den weltweit zweitgrößten Pharmamarkt, berichtete IMS Health ein Wachstum um 4 % auf 66 Mrd US-$, gefolgt von Deutschland, dessen Volumen um 4 % auf 36 Mrd US-$ zulegen konnte. In Frankreich, dem viertgrößten Markt der Welt, verzeichnete der Umsatz mit Medikamenten im Jahr 2008 ein Plus von 1 % auf 31 Mrd US-$.
Chemiemärkte leiden unter Konjunkturabschwung
Der europäische Chemieverband CEFIC, der etwa die Hälfte der weltweiten Chemieunternehmen vertritt, spricht für 2008 für seine Mitgliedsunternehmen von einem Zuwachs der Produktion von Chemikalien inklusive Pharmawirkstoffen um 0,2 %. In den USA ging die Herstellung von Chemikalien inklusive der Produktion von Medikamenten um 1,1 % zurück. Exklusive der Produktion von Pharmazeutika berichtet CEFIC von einem Rückgang der Chemikalienherstellung in Europa von 0,6 %, in den USA ging diese Zahl im Berichtsjahr nach CEFIC-Daten um 2,4 % zurück. Spezialchemikalienhersteller verringerten ihren Ausstoß im Jahr 2008 um 1,3 %, die Produktion konsumnaher Chemikalien schrumpfte 2008 um 1,4 %.
Der deutsche Chemieverband VCI geht für 2008 von einer stagnierenden Produktion und einem Umsatzplus von 3 % auf 179 Mrd € aus. Im 2. Halbjahr war die Chemieproduktion nach Daten des Verbands bereits rückläufig, da sich die Finanzkrise auf immer mehr Abnehmerbranchen der Chemie ausgewirkt habe. Der Industrieverband nennt vor allem die Automobil- und die Bauindustrie als Branchen, deren Nachfrage abnahm.
Nach Angaben des weltweiten Chemieverbands ICCA sind in der Chemieindustrie über 7 Mio Personen beschäftigt. Inklusive der von der chemischen Industrie indirekt abhängigen Industriezweige sind es über 20 Millionen Menschen, die in der chemischen Industrie arbeiten. Deren weltweiter Umsatz liegt bei einem Volumen von rund 2.000 Mrd €, der größte Markt ist Asien, gefolgt von Europa.
