Die Entwicklungsprojekte im Therapiegebiet Neurodegenerative Erkrankungen konzentrieren sich auf innovative Ansätze zur Behandlung von Multipler Sklerose (MS) und der Parkinson-Erkrankung – Krankheiten mit großem ungedecktem medizinischen Bedarf. Für sein erfolgreiches MS-Medikament Rebif® will die Sparte Merck Serono das Spektrum der zugelassenen Indikationen auf Basis klinischer Studien erweitern, damit beispielsweise mehr Patienten in einem früheren Krankheitsstadium von einer Behandlung profitieren können. Im September konnten wir die Rekrutierung von über 500 Patienten für REFLEX abschließen, eine der wichtigsten Studien zur Weiterentwicklung von Rebif®. In dieser auf zwei Jahre angelegten zulassungsrelevanten Phase-III-Studie wird die Wirksamkeit der neuen Formulierung von Rebif® beim klinisch isolierten Syndrom geprüft. In dieser neuen Indikation trat unter den Studienteilnehmern bislang nur ein MS-artiges Symptom auf, eine nach den derzeit gültigen klinischen Kriterien diagnostizierte MS liegt jedoch nicht vor. Die Studie soll den therapeutischen Nutzen von Rebif® hinsichtlich der Zeitspanne bis zum Ausbruch von MS bei diesen Patienten untersuchen.
Erste Ergebnisse der laufenden Phase-IIIb-Studie IMPROVE nach 16 Wochen Behandlungsdauer zeigen, dass der primäre Endpunkt erreicht wurde. Der therapeutische Effekt der neuen Formulierung von Rebif® bei MS-Patienten ist damit belegt. Die durch Kernspintomographie bestimmte Zahl aktiver Hirnschädigungen fiel bei Patienten, die mit Rebif® behandelt wurden, signifikant niedriger aus als in der mit Plazebo behandelten Patientengruppe.
Orale MS-Behandlung als neue Therapieoption in der Entwicklung
Mit Cladribin-Tabletten entwickelt Merck Serono ein Medikament, das bei erfolgreicher Marktzulassung das erste zur oralen Behandlung der schubförmig verlaufenden MS wäre. Patienten müssten diese exklusive Formulierung eines Nucleosid-Analogons in Tablettenform nur einige Male im Jahr über einen Zeitraum von jeweils vier bis fünf Tagen einmal täglich einnehmen – die Behandlung würde dadurch deutlich bequemer, die Chance für eine höhere Behandlungstreue größer. Cladribin-Tabletten sind von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA in das beschleunigte Zulassungsverfahren aufgenommen worden. Im Rahmen der zulassungsentscheidenden Phase-III-Studie CLARITY haben wir die Sicherheit und Wirksamkeit von Cladribin-Tabletten als MS-Monotherapie in zwei Dosierungen bei über 1.300 Patienten untersucht. Nach den Ergebnissen dieser Studie, die den primären Endpunkt erreicht hat, konnte die Schubrate signifikant reduziert werden: Bei Patienten, die die niedrigere Gesamtdosis erhielten, zeigte sich eine relative Verringerung der Schubrate um 58 % pro Jahr im Vergleich zu Placebo. Um 55 % verringerte sie sich bei Patienten mit der höheren Gesamtdosis. Im September haben wir mit ORACLE-MS eine weitere Phase-III-Studie gestartet. Sie wird die Wirksamkeit von Cladribin zur Vorbeugung eines Übergangs zu klinisch gesicherter MS bei Patienten untersuchen, bei denen ein erstes klinisches Ereignis auf MS hinweist. In der laufenden Phase-II-Studie ONWARD wird die Sicherheit und Wirksamkeit von Cladribin als Zusatztherapie zur Behandlung mit Interferon beta – beispielsweise der neuen Formulierung von Rebif® – untersucht.
Die Substanz Atacicept entwickelt Merck Serono auch für die Behandlung von Multipler Sklerose. Im April 2008 haben wir eine Phase-II-Studie bei Patienten mit schubförmig verlaufender MS initiiert. Diese Studie soll die entzündungshemmende Wirkung von Atacicept untersuchen. Im Juni hat eine weitere Studie der Phase II zur Untersuchung der Wirksamkeit von Atacicept bei optischer Neuritis begonnen. Diese Entzündung des Sehnervs ist häufig das erste klinische Anzeichen für das Risiko einer MS-Erkrankung.
Safinamid als potenzielle Zusatztherapie zur Behandlung von Parkinson-Patienten
Ebenfalls in der späten Phase der klinischen Entwicklung befindet sich Safinamid, eine oral verabreichte Zusatztherapie mit einem neuartigen Wirkmechanismus. Gemeinsam mit dem italienischen Pharmaunternehmen Newron entwickeln wir Safinamid, um die Parkinson-Krankheit zu behandeln. Eine Phase-III-Studie zur Behandlung von Parkinson-Patienten im fortgeschrittenen Krankheitsstadium mit Safinamid als Begleittherapie zu Levodopa hat ihren primären Endpunkt erreicht. Die motorischen Funktionen der Patienten verbesserten sich signifikant. So konnten die Zeitabschnitte, in denen die motorischen Funktionen ihre höchsten Werte erreichen („On-Zeit“), um 1,3 Stunden verlängert werden. Für die Behandlung von Patienten im Frühstadium, die zusätzlich einen Dopamin-Agonisten erhalten, untersuchen wir Safinamid in der Phase-III-Studie MOTION.
