Die Ergebnisse zahlreicher Studien zum monoklonalen Antikörper Erbitux® (Cetuximab) belegen eindrucksvoll, dass diese zielgerichtete Krebstherapie gut wirksam und vielseitig einsetzbar ist. Bei der Behandlung von metastasiertem Darmkrebs beispielsweise ist es nun möglich, durch die Verwendung des KRAS-Gens als Biomarkers diejenigen Patienten zu identifizieren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine Erbitux®-Therapie ansprechen. Das sind jene Patienten mit KRAS-Wildtyp-Tumoren.
Die Ergebnisse einer Phase-III-Studie (CRYSTAL) unterstreichen den Stellenwert von Erbitux® als neuem Standard in der Erstlinienbehandlung von metastasiertem Darmkrebs: Bei 60 % der behandelten Patienten mit KRAS-Wildtyp-Tumoren führte das Produkt in Kombination mit einer Chemotherapie zu einer signifikanten Tumorverkleinerung. Die erzielte Rate übertrifft deutlich die Ergebnisse, die mit einer Chemotherapie allein erreicht wurden. Mit der Tumorverkleinerung nach der Erbitux®-Behandlung reduzierte sich gleichzeitig das Risiko für erneutes Tumorwachstum, und ein Trend zur Verlängerung des Gesamtüberlebens konnte für alle Patienten mit KRAS-Wildtyp-Tumoren beobachtet werden. Darüber hinaus kann die effektive Verringerung der Tumormasse bewirken, dass Lebermetastasen vollständig operativ entfernt werden können. Die Heilungschancen erhöhen sich dadurch. Eine weitere randomisierte Phase-II-Studie (CELIM) untersuchte die Wirksamkeit von Erbitux® in Kombination mit Standard-Chemotherapie bei Patienten mit ursprünglich inoperablen Lebermetastasen. Bei 79 % der Patienten mit KRAS-Wildtyp-Tumoren stellte sich eine Tumorverkleinerung ein, und 43 % konnten sich einem chirurgischen Eingriff unterziehen. Bei 34 % der Patienten war eine vollständige operative Entfernung des Tumors möglich – für die Betroffenen eine Chance zur Heilung. Diese zählen zu den besten Daten, die jemals hinsichtlich der vollständigen operativen Entfernung von Lebermetastasen bei metastasiertem Darmkrebs erzielt wurden.
Vielversprechende Ergebnisse für Erbitux® bei Lungen- und Magenkrebs
In einer Phase-III-Studie mit der Bezeichnung FLEX konnte nachgewiesen werden, dass Erbitux® in der Erstlinienbehandlung in Kombination mit einer Platin-basierten Chemotherapie die mediane Gesamtüberlebenszeit von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) signifikant verlängern kann. Dies war der Fall über alle Patientensubgruppen hinweg, die verschiedene Tumorgewebsarten aufwiesen. Die mit Erbitux® behandelten Patienten, die schon früh einen akneähnlichen Hautausschlag entwickelten, profitierten besonders davon; das mediane Gesamtüberleben lag dabei bei 15 Monaten. Lungenkrebs liegt bei den krebsbedingten Todesursachen weltweit vorn: Bei Männern ist er mit etwa 975.000 Todesfällen pro Jahr die häufigste, bei Frauen mit 376.000 Todesfällen die nach Brustkrebs zweithäufigste.
In einer weiteren Phase-III-Studie (EXPAND) haben wir im 3. Quartal 2008 damit begonnen, die Wirksamkeit von Erbitux® in Kombination mit Chemotherapie zur Erstlinienbehandlung von Magenkrebs zu untersuchen. Jedes Jahr wird bei nahezu 930.000 Menschen weltweit diese Diagnose gestellt, bei etwa 700.000 führt die Erkrankung zum Tod.
Erweiterte therapeutische Perspektiven in der Onkologie
Zwei weitere Wirkstoffe, Stimuvax® und Cilengitide, befinden sich zurzeit in Phase-III-Studien. Mit Stimuvax® (liposomaler Impfstoff BLP25) entwickeln wir einen therapeutischen Krebsimpfstoff, der eine Immunantwort auf das MUC1-Protein auf der Oberfläche von Tumorzellen bewirken soll. Bei MUC1 handelt es sich um ein Protein-Antigen, das auf häufig vorkommenden Tumoren verstärkt vorkommt, etwa bei Lungen-, Brust- und Darmkrebs. Stimuvax® befindet sich derzeit in einer Phase-III-Studie mit Patienten, die an nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) erkrankt sind. Der Wirkstoff ist der erste therapeutische Krebsimpfstoff, der bei inoperablem lokal fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom in einer klinischen Studie der Phase III geprüft wird (START). Ergebnisse einer randomisierten Phase-II-Studie hatten gezeigt, dass in einer Patientengruppe mit inoperablem fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs nach drei Jahren noch fast doppelt so viele Patienten am Leben waren wie in der Kontrollgruppe.
In der Entwicklung des Wirkstoffs Cilengitide untersucht die Sparte Merck Serono einen so genannten Integrin-Hemmer derzeit auf seine Wirkung gegen Glioblastome – die aggressivste Form von Hirntumoren – sowie gegen Kopf-Hals-Krebs. Unsere Forscher gehen davon aus, dass Cilengitide die Neubildung von Blutgefäßen (Angiogenese) unterdrückt und den Tumor so direkt von der Blutversorgung abschneidet. Des Weiteren wird vermutet, dass Cilengitide den Tumor auch direkt angreift. Nach Ergebnissen einer Phase-II-Studie wird seine Wirksamkeit bei der Behandlung von Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom nun im Rahmen einer Phase-III-Studie (CENTRIC) weltweit untersucht. Diese Patienten weisen eine chemische Modifikation eines bestimmten DNA-Abschnitts auf („methylierter MGMT-Promotor“). Gegenstand einer weiteren Phase-II-Studie (ADVANTAGE) ist derzeit die neuartige Kombination von Cilengitide und Erbitux® bei der Behandlung von Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und Halses. Darüber hinaus wird Merck Serono im Rahmen einer weltweiten Allianz mit dem US-Unternehmen Lpath den monoklonalen Antikörper Sonepcizumab (ASONEP™) entwickeln und vermarkten. Der Antikörper wird zurzeit in der Phase I für die Behandlung verschiedener Krebsarten untersucht.
