
wenn wir zwölf Monate zurückblicken und uns der seinerzeitigen Unsicherheiten erinnern, dürfen wir uns heute freuen, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise bei Merck glimpflicher verlaufen ist, als es zu befürchten stand. Natürlich war unser Geschäftsjahr 2009 auch von Höhen und Tiefen geprägt. Insgesamt legen wir aber einen Jahresabschluss vor, der angesichts der Rahmenbedingungen zufriedenstellen kann.
Die Gesamterlöse wuchsen um 2,1 %. Die Umsatzrendite lag bei 8,4 %, und der Basis Free Cash Flow wuchs auf 852 Mio €. Damit stieg unsere neben der Umsatzrendite wichtigste Steuerungskennzahl, der auf die Gesamterlöse bezogene Basis Free Cash Flow (FCR), auf 11,0 %. Unser Ergebnis nach Steuern blieb annähernd konstant. Dies sichert uns hohe Liquidität und – vor dem Hintergrund niedriger Schulden – solide Bilanzrelationen.
„Gerade in Krisenzeiten bewährt sich
unser ausbalanciertes Geschäftsmodell.“
Dr. Karl-Ludwig Kley

Gab es ein Rezept zur Bewältigung der Krise?
Keines, das wir hätten erfinden müssen. Zum einen reagieren unsere Pharma- und Chemie-Geschäfte wegen ihres großen Spezialitätenanteils nur moderat auf konjunkturelle Schwankungen. Außerdem bewährt sich – gerade in Krisenzeiten – unser ausbalanciertes Geschäftsmodell. Und schließlich half unsere schnelle Reaktion auf den Abschwung: Wir haben die Produktion zeitnah angepasst, wo nötig Kurzarbeit eingeführt, Neueinstellungen auf ein Minimum begrenzt und sind bei den Kosten auf die Bremse getreten. Unsere Mitarbeiter sind nicht nur engagiert und flexibel, sie haben sich auch sehr kostenbewusst verhalten. Dafür gilt ihnen mein ganz besonderer Dank.
Das Pharmageschäft erwies sich erwartungsgemäß als konjunkturresistent und erzielte ein Wachstum von 6,5 %.
Für die Sparte Merck Serono verlief das Jahr zwar sehr erfolgreich, hat uns aber einmal mehr vor Augen geführt, dass die Erforschung und Entwicklung neuer Arzneimittel stets Risiken birgt: Anfang des Jahres mussten wir Raptiva® vom Markt nehmen. Dann kam – für alle überraschend – keine Zulassungsempfehlung für Erbitux® in der Indikation Lungenkrebs durch die europäische Arzneimittelbehörde. Und schließlich die Nicht-Annahme unseres Zulassungsantrags für Cladribin-Tabletten in den USA. Diesen Rückschlägen stehen aber mindestens ebenso viele Erfolge gegenüber: Wir konnten unsere Position als führender Hersteller biologischer Arzneimittel weiter festigen.
Zwei Produkte stehen exemplarisch für unser Sortiment an Biopharmazeutika, die 60 % zum Umsatz der Sparte Merck Serono beitrugen:
- Erbitux® gilt heute als Erstlinien-Standardtherapie bei Darmkrebs, schaffte den Durchbruch bei Kopf- und Halskrebs und eroberte den japanischen Markt. Alle drei Faktoren sorgten für ein Wachstum von 23 %.
- Rebif® zur Therapie der Multiplen Sklerose schrieb seine Erfolgsgeschichte mit Umsätzen von 1.537 Mio € fort. Zu den Zuwächsen von 15 % trug die Neueinführung von Rebismart®, der ersten elektronischen Injektionshilfe, wesentlich bei.
Kuvan® führten wir in den Märkten der EU ein und könnten so den rund 50.000 Patienten helfen, die an Hyperphenylalaninämie leiden – einer sehr seltenen, bislang nicht behandelbaren Stoffwechselkrankheit.
Unser Selbstmedikationsgeschäft wuchs mit einem Plus von 5,7 % deutlich stärker als der Markt. Die Konzentration auf vier Gesundheitsthemen und regionale Schlüsselmärkte macht sich bezahlt.
Im Unternehmensbereich Chemie sind wir besser als mancher Wettbewerber davongekommen und konnten zum Jahresende einen fulminanten Endspurt hinlegen.
Vor allem die Sparte Liquid Crystals holte im 4. Quartal wieder deutlich auf und erreichte ein Umsatzplus von 23 % bei einer für ein Chemiegeschäft nach wie vor außergewöhnlichen Umsatzrendite. Und das trotz des erheblichen Nachfrageeinbruchs und intensiven Preiswettbewerbs. Unsere innovativen PS-VA-Flüssigkristallmischungen avancieren zur bevorzugten Technologie für hochwertige Bildschirme, vor allem in Fernsehern. So konnten wir unsere Markt- und Technologieführerschaft weiter sichern.
Für die Sparte Performance & Life Science Chemicals war 2009 – teilweise – ein sehr problematisches Jahr. Während sich die Laborprodukte und die Life-Science-Geschäfte weitgehend stabil entwickelten, verloren wir im Pigmentgeschäft insgesamt rund 10 % unseres Umsatzes – trotz eines guten 4. Quartals. An allen Standorten haben wir das Arbeitsvolumen zeitnah der Auftragslage angepasst und Betriebe zeitweise stillgelegt sowie erstmals Kurzarbeit eingeführt. Unser Vertrauen in das Pigmentgeschäft wurde indes nicht geschmälert. Das zeigt auch unsere Akquisition von Taizhu, einem führenden Hersteller von Effektpigmenten in China.
Was erwartet uns in der nahen Zukunft?
Die Weltwirtschaftskrise ist noch nicht vorbei. Wir gehen daher davon aus, dass auch 2010 ein schwieriges Jahr wird. Und leider leben wir bei Merck nicht auf einer Insel der Seligen, an der das rasende Wasser der Krise vorbeiströmt. Fest steht, dass wir uns – vielleicht sogar noch stärker als bisher – auf Innovationen konzentrieren. Sie sind unser Lebenselixier. Klar ist auch, dass wir die Risiken, die mit jeder Forschung einhergehen, durch unsere verschiedenen Geschäftsbereiche ausbalancieren wollen. Beides steht in Einklang mit der Strategie „Bewahren – Verändern – Wachsen“, die wir weiter aktiv verfolgen.
Unsere derzeitige Pharma-Pipeline ist trotz der Rückschläge die beste in der Geschichte von Merck und einer unserer wichtigen Wachstumspfeiler. Mit zehn Projekten allein in der letzten Phase der klinischen Entwicklung ist uns um die Zukunft nicht bange. Auch in der Chemie sind technologische Innovationen von enormer Bedeutung. Hier wollen wir Antworten auf drängende Fragen wie Energieknappheit und Ressourcenschonung finden. Darum geben wir jährlich insgesamt deutlich mehr als 1 Mrd € für Forschung und Entwicklung aus.
Zum Wachsen gehört auch der regionale Ausbau der Geschäfte. 2009 ist allen voran Japan zu nennen, wo wir deutlich zugelegt haben. Aber auch China, wo wir unser asiatisches Zentrum für pharmazeutische Forschung und Entwicklung aufbauen und weitere 200 Arbeitsplätze schaffen wollen, war 2009 sehr erfolgreich. Ungehobene Marktpotenziale sehen wir für uns noch in den USA und in Indien. An Lösungen arbeiten wir.
Wachsen können wir nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Insofern danke ich – auch im Namen meiner Kollegen in der Geschäftsleitung – unseren Mitarbeitern, der Familie Merck und nicht zuletzt Ihnen, unseren Aktionären, für Ihre Unterstützung. Bleiben Sie uns gewogen: Wir werden auch künftig daran arbeiten, Ihr Vertrauen zu rechtfertigen.

