Nach einem heftigen Absturz stabilisierte sich die Konjunktur weltweit im Laufe des Jahres 2009. Der Pharmamarkt wuchs noch leicht, die Chemiebranche verlor aber deutlich. Indien und China blieben Wachstumsmärkte.
Weltwirtschaft in der Krise
Die Weltwirtschaft und der weltweite Handel sahen sich Ende 2008 und Anfang 2009 den tiefsten Einbrüchen seit dem Zweiten Weltkrieg – vielleicht seit der Großen Depression – ausgesetzt. Weltweit senkten Zentralbanken ihre Zinsen und versorgten die Banken praktisch unbegrenzt mit Liquidität, um die ausgetrockneten Interbankenmärkte zu ersetzen. Parallel dazu unterstützten die Regierungen in Schwierigkeiten geratene Banken durch Garantien und Kapitalspritzen und erhöhten die Garantien für private Bankguthaben. Des Weiteren legten Regierungen weltweit Programme auf, um die Konjunktur zu stützen und anzukurbeln. Viele Staaten verschuldeten sich hierfür in hohem Maß, was nach Auffassung von nicht wenigen Ökonomen eine größere Bedrohung für das weltweite Wirtschaftssystem darstellt als die Finanzkrise.
Weltwirtschaft schrumpft – Wachstum in Indien und China
Für 2009 gehen Experten von einem Rückgang der durchschnittlichen weltweiten Wirtschaftsleistung aus: Zwar gab es in vielen Ländern schon ab dem 2. und spätestens dem 3. Quartal wieder Wachstum, doch glich das den steilen Absturz zu Jahresbeginn nicht aus.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) bilanzierte im Januar 2010 die weltweite Wirtschaft im Jahr 2009 mit einem Rückgang von 0,8 %. In den USA ging das BIP um 2,5 % zurück, in der Euro-Zone um 3,9 %. Indien erreichte nach Schätzungen des IWF dagegen ein Plus von 5,6 %, China wuchs sogar um 8,7 %.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht für die 30 OECD-Staaten insgesamt von einem Rückgang des BIP um 3,5 % aus. Die US-Volkswirtschaft schrumpfte gemessen am BIP um 2,5 %, die japanische um 5,3 % und das BIP der OECD-Mitgliedsländer der EU ging um 4 % zurück.
Pharmamarkt wenig von der Krise betroffen
Das Marktforschungsinstitut IMS Health ging davon aus, dass der weltweite Pharmamarkt im Jahr 2009 bei einem Wachstum zwischen 5,5 und 6,5 % ein Volumen zwischen 775 und 785 Mrd US-$ erreichte. Dieses Volumen lag über den Erwartungen vom April 2009 von 750 Mrd US-$, aber unter den optimistischen Prognosen vom Oktober 2008 von über 820 Mrd US-$. Auch der US-Pharmamarkt konnte 2009 nach IMS-Berechnungen stärker als erwartet wachsen und erreichte ein Plus von 4,5 bis 5,5 %. Im April 2009 war noch von einem Rückgang dieses Markts um 1 bis 2 % ausgegangen worden.
Weniger beeinträchtigt von der Finanz- und Wirtschaftskrise war das Wachstum 2009 in Ländern, in denen Medikamente durch staatliche Gesundheitssysteme erstattet werden. Dies galt beispielsweise für Deutschland, Japan und Spanien. In Staaten hingegen, in denen Patienten die Gesundheitsversorgung weitestgehend selbst finanzieren, wie Russland, Mexiko und Südkorea, verlangsamte sich das Wachstum der Pharmamärkte.
Im so genannten Selbstmedikationsgeschäft mit nicht rezeptpflichtigen Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten etablierte sich China wie auch Russland unter den Top-10-Ländern weltweit. Der Selbstmedikationsmarkt wuchs im vorletzten Jahr erstmals kräftiger als der Markt mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Damit könnte das Geschäft mit rezeptfreien Produkten auch wieder für große Pharmaunternehmen interessant werden, umso mehr als der Selbstmedikationsmarkt nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Nicholas Hall sogar im Krisenjahr 2009 um 3 % wuchs.
Chemiebranche leidet stark unter dem Konjunkturabschwung
Nach Berechnungen des VCI (Verband der Chemischen Industrie, Deutschland) sank die weltweite chemische Produktion inklusive Pharmazeutika 2009 um 3,1 %: Japan bildete zusammen mit Deutschland mit –9 % beziehungsweise –10 % das Schlusslicht, die EU verzeichnete einen Rückgang um 4,9 %, und die USA verbuchten ein Minus von 4,2 %. Indien ragte mit einem Plus von 6,7 % und China mit einem Zuwachs von 7,2 % in der Chemieproduktion positiv heraus. Der Umsatz der deutschen chemischen Industrie ging laut VCI um 15 % zurück.
Der europäische Branchenverband CEFIC (Conseil Européen des Fédérations de l‘Industrie Chimique) beobachtete 2009 einen Einbruch in der europäischen Chemieproduktion um 12 % verglichen mit einem Rückgang um 4,5 % im Jahr 2008. Diese Zahlen betreffen die Chemieproduktion ohne die Herstellung von Pharmazeutika.
Besonders die Hersteller von anorganischen Produkten litten nach CEFIC-Angaben unter einem Produktionseinbruch von 20 %, gefolgt von den Kunststoffproduzenten, deren Rückgang bei knapp 20 % lag. Am besten schnitten die Hersteller von konsumentennahen Chemikalien ab, deren Produktion um 6,5 % zurückging. Der Bereich mit dem zweitbesten Ergebnis waren die Spezialchemikalienhersteller. Die beiden letzteren sind mehr oder weniger die Bereiche, in denen Merck mit seinem Unternehmensbereich Chemie positioniert ist.
