Prognose für den Unternehmensbereich Pharma Geprüft

Prognose für die Pharmabranche allgemein

Das Marktforschungsinstitut IMS Health erwartet für 2010 weltweit ein Wachstum des Pharmaumsatzes um 4 bis 6 % auf 820 bis 830 Mrd US-$. Mit der gleichen Steigerungsrate soll der US-amerikanische Markt 2010 auf Volumina zwischen 310 und 320 Mrd US-$ anwachsen. Die fünf größten Märkte Europas nehmen laut IMS 2010 um 1 bis 3 % zu und erreichen einen Gesamtumsatz von 145 bis 155 Mrd US-$. Für Japan gehen die Marktbeobachter von einer Stagnation bis hin zu einem Rückgang um 2 % aus, so dass dieser Markt 2010 dann zwischen 86 und 90 Mrd US-$ groß sein dürfte.

Bis 2013 wird der weltweite Pharmamarkt den Prognosen zufolge bei einer durchschnittlichen jährlichen Rate zwischen 4 und 7 % auf ein Volumen von bis zu 1.005 Mrd US-$ steigen. Der US-amerikanische Markt allein soll bis 2013 im Schnitt 2 bis 5 % pro Jahr zulegen, die fünf größten Märkte Europas sollen genauso wie Japan pro Jahr um 1 bis 4 % wachsen.

Die größten Wachstumsraten sieht IMS Health für aufstrebende Märkte, die im Schnitt zwischen 13 und 16 % pro Jahr auf dann 160 bis 190 Mrd US-$ anwachsen sollen. Dazu gehören die vier BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) sowie die Türkei, Südkorea und Mexiko. Diese sieben Staaten werden 2010 einen Anteil am Weltpharmamarkt von 12 bis 14 % ausmachen. Chinas Pharmamarkt soll jährlich mit über 20 % wachsen und bis 2013 einen Volumenanteil von 21 % des Weltmarkts erreichen. Nach IMS-Health-Erwartungen wird China 2011 Deutschland als weltweit drittgrößten Pharmamarkt ablösen. Im Jahr 2013 werden die USA Nummer eins sein, gefolgt von Japan, China, Deutschland und Frankreich.

Prognose für die Sparte Merck Serono

Für die Sparte Merck Serono rechnen wir 2010 mit einem Anstieg der Gesamterlöse – ausgehend von 5.345 Mio € im Jahr 2009 – in einem Korridor zwischen 2 und 5 %. Beim Operativen Ergebnis wollen wir nach dem niedrigen Niveau 2009 von 355 Mio € ein Plus in einem Bereich zwischen 30 und 40 % erreichen. Wir rechnen im Folgejahr 2011 ebenfalls mit Steigerungen bei den Gesamterlösen und beim Operativen Ergebnis.

Für Merck sehr wichtig sind die Märkte Multiple-Sklerose- und Krebstherapeutika. Für den weltweiten Markt der Onkologiemedikamente rechnet IMS Health 2010 mit einem Wachstum von 13 % und 2011 mit einer Zunahme um 10 %. Dabei werde die Bedeutung der Märkte Europas und Japans zunehmen, gleichzeitig die Dominanz des US-Markts schrumpfen. Evaluate Pharma, ein weiteres Marktforschungsinstitut, geht bis 2014 davon aus, dass der Markt für Onkologiemedikamente im jährlichen Durchschnitt um 6 % auf ein Marktvolumen von dann 70 Mrd US-$ wächst. Damit ist und bleibt dies der größte Markt an rezeptpflichtigen Präparaten. Für das Segment der Multiple Sklerose behandelnden Mittel schätzt Evaluate Pharma, dass es bis 2014 jährlich um 5 % zulegen wird.

Für Forschung und Entwicklung werden wir mit Merck Serono wie auch 2009 über dem Ziel einer Forschungsquote von 20 % liegen. Dies liegt an der hohen Zahl von klinischen Studien in der letzten, aufwendigsten Phase III vor einer möglichen Einreichung zur Marktzulassung. Merck Serono bearbeitet zurzeit in seinem Entwicklungsportfolio 23 Projekte in den Therapiegebieten Onkologie, Neurodegenerative Erkrankungen, Autoimmun- und Entzündungskrankheiten und bestimmten Gebieten der Endokrinologie.

Wichtige Chancen und Risiken für die Sparte Merck Serono sehen wir eng mit der erfolgreichen Einführung neuer Produkte verbunden. Im Fokus steht 2010 und 2011 die Markteinführung von Cladribin. Cladribin-Tabletten haben als orale Therapie der schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose ein hohes Marktpotenzial und bieten daher wesentliche Chancen für die Sparte und für Merck insgesamt. Demgegenüber stehen für Cladribin – wie auch generell für alle anderen Substanzen in diesem weit fortgeschrittenen Stadium der Medikamentenentwicklung – nicht zu unterschätzende Risiken bis zu einer erfolgreichen Einführung in den einzelnen Märkten. So darf aber aus der Nicht-Annahme des Zulassungsantrags von Cladribin durch die amerikanische Zulassungsbehörde FDA im 4. Quartal zum jetzigen Zeitpunkt noch keine abschließende Aussage abgeleitet werden. Vor allem kann die Nicht-Annahme nicht mit einer endgültigen Ablehnung der Markteinführung gleichgesetzt werden, da wir uns für eine erfolgreiche erneute Beantragung der Zulassung eng mit der FDA abstimmen. Neben der Vermarktung selbstentwickelter Produkte bestehen, wie in der Pharmaindustrie üblich, auch Chancen und Risiken in der Ein- und Auslizenzierung von Produktrechten.

Daneben bietet auch das bestehende Geschäft Wachstumschancen. Diese liegen insbesondere in Märkten wie Asien, speziell China, Russland oder Lateinamerika sowie in einer Weiterentwicklung bestehender Produkte (Life-Cycle-Management) beispielsweise mit neuen Darreichungsformen.

Prognose für die Sparte Consumer Health Care

Für die Sparte Consumer Health Care gehen wir davon aus, dass die Gesamterlöse 2010 zwischen 5 und 10 % zulegen werden. Damit liegen unsere Erwartungen für die Sparte weit über gängigen Schätzungen externer Marktbeobachter. Sie rechnen damit, dass sich die Kaufzurückhaltung der Konsumenten auch 2010 fortsetzen wird, da Verbraucher zuerst an freiwilligen Ausgaben sparen und nicht zum Beispiel bei rezeptpflichtigen Produkten. Nicholas Hall, ein auf Selbstmedikation spezialisierter Marktbeobachter, geht davon aus, dass 2010 weltweit der Absatz von Medikamenten zur Selbstmedikation um 3,2 % zunimmt, Europa soll den Zahlen zufolge um 1,9 % zulegen. Vergleichsweise stark soll mit 6,1 % Asien wachsen, gefolgt von Lateinamerika mit einer Zunahme um 4,2 %. Japans Markt für Selbstmedikation stagniert diesen Prognosen zufolge.

Beim Operativen Ergebnis geht Merck für Consumer Health Care von einem Nullwachstum bis hin zu einem Ergebnisrückgang von 10 % aus. Dabei planen wir insbesondere höhere Aufwendungen für Forschungs- und Vertriebsaktivitäten. Merck ist optimistisch, dass die Sparte im Jahr 2011 Gesamterlöse und Operatives Ergebnis wieder steigern wird.

Für die Sparte ergeben sich gegenüber der aufgezeigten Entwicklung Chancen, wenn die konjunkturelle Erholung schneller vonstatten geht und die Kaufzurückhaltung der Konsumenten abnimmt. Chancen bieten sich zudem, wenn es gelingt, geplante Neueinführungen von Produkten im Markt zu beschleunigen oder neue regionale Märkte zu durchdringen. Risiken für das Geschäft bestehen darin, dass Konsumenten vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirtschaftskrise weiter bei Selbstmedikationsprodukten sparen. Außerdem können sich geänderte gesundheitspolitische Rahmenbedingungen negativ auf das Geschäft auswirken.