Infektions­krankheiten

Viele Infektionskrankheiten, die in Entwicklungsländern häufig vorkommen, sind in Industrieländern kaum bekannt. Die Folgen: eine geringe öffentliche Aufmerksamkeit und wenig Forschungsgelder. Ein prominentes Beispiel für diese sogenannten (Neglected Tropical Diseases, NTD) ist die Wurmkrankheit . Für die schleichende, parasitäre Erkrankung gibt es bislang für Kinder unter sechs Jahren keine geeigneten Behandlungsmöglichkeiten. Auch Malaria ist nach wie vor ein Problem für die öffentliche Gesundheit. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge ist fast die Hälfte der Weltbevölkerung von Malaria bedroht. Zwar gibt es bereits ein großes Angebot an zugelassenen Produkten und Entwicklungssubstanzen gegen Malaria, allerdings steigt gleichzeitig die Anzahl resistenter Erreger. Daher werden dringend neue Präparate und Lösungen benötigt. Auch bakterielle Infektionen und antimikrobielle Resistenzen sind weltweite Herausforderungen, die immer mehr an Bedeutung gewinnen. Dringendes Handeln ist nötig, um diese zu verhindern beziehungsweise zu kontrollieren.

Unser Ansatz zur Prävention und Behandlung von Infektionskrankheiten

Wir wollen die Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern verbessern. Dazu entwickeln wir neuartige und integrierte Gesundheitslösungen für Infektionskrankheiten und stellen die nachhaltige Umsetzung dieser Innovationen sicher. Unsere konzernweiten Initiativen und Programme kümmern sich insbesondere um den bisher nicht gedeckten medizinischen Bedarf von Frauen und Kindern. Schwerpunkte sind die Krankheiten Bilharziose, Malaria sowie bakterielle Infektionen und antimikrobielle Resistenzen. Unsere integrierte Strategie setzt dabei nicht nur auf die Entwicklung und Bereitstellung von Arzneimitteln, sondern umfasst auch Lösungen für eine bessere Diagnose, die Bekämpfung der Krankheitsübertragung, die Kontrolle von Krankheiten sowie die Stärkung von örtlichen Gesundheitssystemen.

Unser umfassendes, weltweites Gesundheitsportfolio beinhaltetfolgende Programme:

  1. Entwicklung einer kleinkindgerechten Behandlungsform bei Bilharziose
  2. Entwicklung eines neuen Wirkstoffs für die Behandlung und Prävention von Malaria bei Kleinkindern
  3. Screening unserer Substanzdatenbanken auf der Suche nach potenziellen neuen Wirkstoffen gegen Bilharziose und Malaria
  4. Entwicklung eines Diagnose-Sets für und Malaria
  5. Entwicklung von Produkten und Technologien, um präventive Maßnahmen zu verbessern.

Mit unseren Maßnahmen gegen bakterielle Infektionen und antimikrobielle Resistenzen konzentrieren wir uns darauf,

  • die Qualität von Antibiotika zu verbessern und Laborkapazitäten für die Erkennung antimikrobieller Resistenzen zu schaffen,
  • die Nutzung von Antibiotika durch Gesundheitsdienstleister und Patienten zu optimieren
  • sowie branchenweite Leitlinien für die Kontrolle von Antibiotika mitzugestalten.

Darüber hinaus fördern wir Bildungsprogramme und Initiativen, um die Forschungskapazitäten und die Infrastruktur in afrikanischen Ländern auszubauen.

Wie wir unsere Aktivitäten gegen Infektionskrankheiten organisieren

Verantwortlich für unsere konzernweiten Initiativen, Programme und Förderungen zum Thema Infektionskrankheiten ist unser „Merck Global Health Institute“. Unsere Experten dort arbeiten eng mit den drei Unternehmensbereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials zusammen, um deren Fähigkeiten und Fachkompetenzen zu nutzen. Beispielsweise ist die Zusammenarbeit mit Performance Materials darauf ausgerichtet, unser Insektenabwehrmittel IR3535® zur Vorbeugung von Malaria nutzbar zu machen.

Darüber hinaus arbeiten wir in Partnerschaften mit führenden Institutionen und Organisationen des weltweiten Gesundheitswesens in Industrie- und Entwicklungsländern zusammen. Zum Beispiel entwickelt die Pediatric Praziquantel Consortium“ kleinkindgerechte Behandlungsformen gegen Bilharziose für Kinder unter sechs Jahren.

Wozu wir uns verpflichten: Leitlinien und Selbstverpflichtungen

Unsere Programme und Initiativen gegen Infektionskrankheiten sind Teil unserer Bemühungen, den Zugang zu Gesundheit zu verbessern. Dabei gelten insbesondere die „Leitlinien zur Forschung und Entwicklung zu Infektionskrankheiten“.

Unser Merck Global Health Institute orientiert sich an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) und richtet die eigenen Initiativen und Programme hauptsächlich auf die SDGs Nummer 3, 4, 6, 9 und 17 aus.

Wir zählen zu den ersten Organisationen, die die Londoner Erklärung im Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten bereits bei ihrem Start 2012 unterschrieben haben. In der Erklärung verpflichten sich Unternehmen, Regierungen und private Stiftungen zur Eindämmung oder gar Ausrottung der zehn wichtigsten dieser Krankheiten beizutragen. Wir beteiligen uns vor allem am Kampf gegen Bilharziose.

Kampf gegen Bilharziose

Unsere Forschung für den Kampf gegen Bilharziose setzten wir 2017 fort.

Etwa 10 % der weltweit circa 220 Millionen Bilharziose-Patienten sind jünger als sechs Jahre. Sie können nicht mit Praziquantel behandelt werden, der Standardtherapie gegen diese Wurminfektion. Es fehlt an klinischen Daten, aber auch die Darreichungsform des Medikaments ist bislang nicht für Kinder unter sechs Jahren geeignet. Dies möchten wir ändern: Seit Juli 2012 arbeiten wir gemeinsam mit einem Konsortium von Partnern aus Wirtschaft und Forschung sowie geldgebenden Organisationen daran, die Darreichungsform von Praziquantel so weiterzuentwickeln, dass damit auch Kleinkinder behandelt werden können. Wir initiierten 2016 eine an der Elfenbeinküste. Hier testen wir seitdem bei Kindern unter sechs Jahren, die mit Bilharziose infiziert sind, die Wirksamkeit und Sicherheit von zwei unterschiedlichen Formulierungen für . Erste Ergebnisse erwarten wir Mitte 2018. Für dieses Engagement erhielt unser Forschungskonsortium 2017 bereits zum dritten Mal eines der renommierten Forschungsstipendien des japanischen „Global Health Innovation Technology Fund“.

Mit unseren Partnern neue Lösungen suchen

Gemeinsam mit dem australischen Institut für Tropengesundheit und -medizin der James Cook University in Townsville, Queensland, und dem US-amerikanischen Baylor College of Medicine in Houston, Texas, erforschen wir seit 2017 neue Biomarker, um Diagnoseformen für Bilharziose zu entwickeln. Ebenso gründeten wir 2017 eine „Drug Discovery Plattform“. Dort suchen wir nach neuen Wirkstoffen mit langer Wirkdauer, um juvenile Formen der Bilharziose zu behandeln, die Wirksamkeit zu verbessern und Reinfektionen zu verhindern. Im Rahmen von Forschungskooperationen wollen wir darüber hinaus eine neue Methode zur Genomveränderung erforschen, um Bilharziose-Erreger zu bekämpfen.

Einsatz gegen Malaria

Auch die Kontrolle der Malariakrankheit erfordert einen integrierten Ansatz. Als Wissenschafts- und Technologieunternehmen sind wir nicht nur in der Lage, einen Beitrag zur Behandlung von Malaria zu leisten, sondern auch Diagnoseformen und Präventionsmaßnahmen zu entwickeln und zu verbessern. Dabei arbeiten wir eng mit vielen verschiedenen Partnern zusammen.

Malaria eindeutig diagnostizieren

Manchmal lässt sich Malaria nur schwer von anderen fiebrigen Erkrankungen unterscheiden. Damit Arzneimittel gegen Malaria nur an Patienten gegeben werden, die auch wirklich an der Krankheit leiden, entwickeln wir verlässliche Diagnoseformen.

Unser Merck Global Health Institute entwickelt derzeit eine neuartige Zellanalyse zur Diagnose und Typisierung von Malaria, die im Rahmen unserer „Muse© Zytometrie Plattform“ anwendbar ist. Mit dieser Analyse lässt sich Malaria eindeutig diagnostizieren und der Erregertyp und das Belastungslevel durch den Erreger feststellen. Das Projekt machte im Berichtszeitraum Fortschritte in der präklinischen Phase und erzielte dabei vielversprechende Ergebnisse. Wir erwarten die Registrierung dieses neuen Diagnose-Sets für Malaria für das Jahr 2020.

Behandlung von Kleinkindern ermöglichen

Im September 2017 startete die für unser Malariamittel. Bereits seit 2015 entwickeln wir einen innovativen Wirkstoff gegen Malaria. Der neue Wirkstoff soll als Kombinationstherapie mit Einmalgabe entwickelt werden, um Malaria bei Kleinkindern zu behandeln und möglicherweise auch vorzubeugen. Die in Australien durchgeführte Phase-I-Studie dient dazu, die Sicherheit des Wirkstoffs zu bewerten. Die Substanz wird dabei hinsichtlich ihrer Wirksamkeit erstmals an freiwilligen gesunden Probanden getestet, die mit Malariaerregern infiziert werden. Dies ermöglicht es uns, früh auszuwerten, wie die Substanz wirkt. So möchten wir ihr Potenzial als Heilmittel mit Einmalgabe bestätigen. Wir erwarten Ergebnisse der Phase-I-Studie und des Tests im zweiten Quartal 2018. Diese Aktivitäten werden durch Forschungsgelder des britischen Wellcome Trusts, einer gemeinnützigen biomedizinischen Forschungseinrichtung mit Sitz in London, unterstützt.

Neue Wirkstoffserien entwickeln

Seit 2015 arbeiten wir im Rahmen einer strategischen Partnerschaft mit der Universität Kapstadt, Südafrika, zusammen. Im Zuge dieser Zusammenarbeit haben wir eine neue Forschungs- und Entwicklungsplattform geschaffen. Diese nutzt unsere eigene Wirkstoffdatenbank, um neue Wirkstoffserien für die Behandlung von Malaria zu identifizieren. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei Formen von und Wirkstoffe mit langer Wirkdauer, die die Prophylaxe nach einer Behandlung verbessern sollen. In einer weiteren Kooperation wird derzeit ein neues Zellmodell der Malariainfektion im Leberstadium entwickelt.

Übertragungen verhindern und kontrollieren

Als Präventionsmaßnahme gegen die Ausbreitung der Malaria wollen wir den Zugang zu Insektenabwehrmitteln verbessern, um so die Übertragung zu bekämpfen. Mit internen und externen Kooperationen arbeiten wir darauf hin, die Wirksamkeit unseres Wirkstoffs IR3535® gegen Malaria in Afrika nachzuweisen. Unser Ziel ist es, IR3535 zur Vorbeugung von Malaria nutzbar zu machen. Der Wirkstoff wird unter anderem bereits in der Prävention gegen das Zika-Virus und Dengue-Fieber eingesetzt. Er ist insbesondere geeignet für Kinder und Schwangere.

Dialog und Austausch zu Infektionskrankheiten

Unsere Experten des Merck Global Health Institute suchten auch 2017 den Dialog mit wichtigen Akteuren und Experten zum Thema Infektionskrankheiten. Dies geschah durch die Teilnahme an etwa 30 internationalen Konferenzen und Events, auf denen wir teilweise auch mit Vorträgen vertreten waren. Darunter:

  • Die „Keystone Symposia“-Konferenz zu Malaria in Kampala, Uganda, im Februar 2017
  • Das Festival der International Society for Neglected Tropical Diseases (ISNTD) in London im Februar 2017. Unser Unternehmen erhielt dort den „ISNTD Award“ für wissenschaftliches Engagement.
  • Die „Towards Elimination of Schistosomiasis“ (TES-Konferenz in Yaoundé, Kamerun, im März 2017
  • Der „NTD Summit 2017“ in Genf, Schweiz, im April 2017. In diesem Zusammenhang vertrat Belén Garijo, Mitglied der Geschäftsleitung und CEO Healthcare, unseren Konzern zum fünften Jahrestag der Londoner Erklärung. Anlässlich dieser Veranstaltung gaben wir auch die Gründung des Merck Global Health Institute bekannt.
  • Die 6. „International Conference on Vivax Research“ (ICPVR) in Manaus, Brasilien, im Juni 2017
  • Der „World Health Summit“ in Berlin im Oktober 2017
  • Der „Europäische und Amerikanische Kongress zu Tropenmedizin und Internationaler Gesundheit“ (ECTMIH, und ASTMH) in Antwerpen, Belgien (Oktober 2017) beziehungsweise Baltimore, USA (November 2017).

Das Merck Global Health Institute hat sich 2017 außerdem Initiativen wie der „Worldwide Malaria Campaign“ angeschlossen und ist wichtigen Interessengruppen beigetreten. Dazu gehören die „Swiss NTD Alliance“ und die „Swiss Malaria Group“.

Kompetenzen im Gesundheitswesen stärken

Gemäß unserem integrierten Ansatz im Kampf gegen Infektionskrankheiten arbeiten wir weiterhin daran, die Kapazitäten im Gesundheitswesen in und zugunsten von Entwicklungsländern auszubauen.

Im Rahmen einer 2015 gestarteten Partnerschaft mit der University of Namibia fördern wir drei Doktoranden. Unterstützt durch die Malaria-Programme der Regierung untersuchen die Wissenschaftler einen Malariaerreger, der in Namibia, Botswana und Sambia sehr weit verbreitet ist. Darüber hinaus arbeiten sie an der Charakterisierung von Unterarten des Erregers, die in diesen Ländern vorkommen.

Neben den Doktoranden fördern wir mehrere internationale Fellowship-Programme für sogenannte Postdoc-Wissenschaftler aus Entwicklungs- und Schwellenländern durch unsere Kooperation mit der „European and Developing Countries Clinical Trials Partnership“ (EDCTP). Die Nachwuchsforscher erhalten Schulungen zu klinischen Studien sowie im klinischen Management. Das Programm vermittelt die Teilnehmer außerdem für einen Zeitraum von bis zu 24 Monaten an weltweit führende Pharmafirmen, auch an unser Unternehmen. Bei der Rückkehr in ihre Heimatländer und an ihre Universitäten besitzen die Stipendiaten dann Schlüsselkompetenzen, um ihre klinische Forschung dort im Einklang mit internationalen behördlichen Anforderungen und Standards fortzusetzen.

Mit der Unterstützung unseres Merck Global Health Institute konnte die Forschungsinfrastruktur in einigen Ländern 2017 ausgebaut werden. Wir sponsern zum Beispiel eine neu errichtete Station für Gynäkologie im Bezirkskrankenhaus in Akonolinga, Kamerun, sowie ein klinisches Zentrum an der Elfenbeinküste. Dort wird auch unsere Phase-II-Studie im Rahmen des sogenannten Pädiatrischen Praziquantel Programms zur Behandlung von Bilharziose bei sehr jungen Kindern durchgeführt.

Vernachlässigte Tropenkrankheiten
Vernachlässigte Tropenkrankheiten (Neglected Tropcial Diseases (NTD)) treten vornehmlich in Entwicklungsländern auf. Zu ihnen zählen Bilharziose (Schistosomiasis), Eingeweidewürmer, Trachom, lymphatische Filariose und Onchozerkose. Diese Gruppe von Krankheiten wird als „vernachlässigt“ bezeichnet, da sie – trotz einer erheblichen Zahl von Betroffenen – in der Vergangenheit im Vergleich zu anderen Krankheiten weniger Aufmerksamkeit und Forschungsmittel erhielten.
Bilharziose
Schistosomiasis oder Bilharziose ist eine Wurmkrankheit, die in warmen Binnengewässern durch Schnecken als Zwischenwirt verbreitet wird.
Bilharziose
Schistosomiasis oder Bilharziose ist eine Wurmkrankheit, die in warmen Binnengewässern durch Schnecken als Zwischenwirt verbreitet wird.
öffentlich-private Partnerschaft
Als öffentlich-private Partnerschaft (Public-Private Partnership, PPP) wird die Zusammenarbeit von öffentlichen Körperschaften, Privatunternehmen und/oder Not-for-Profit-Organisationen bezeichnet.
Phase-II-Studie
Klinische Studien der Phase II prüfen eine neue biomedizinische Intervention oder Verhaltensintervention bei einer größeren Personengruppe (einige Hundert), um die Wirksamkeit zu ermitteln und die Sicherheit weiter zu untersuchen.

Quelle: http://www.who.int/ictrp/glossary/en/
Schmelztablette
Eine Schmelztablette zergeht innerhalb von 30 Sekunden im Mund. Es muss kein Wasser nachgetrunken werden. Der Wirkstoff wird über die Mundschleimhaut und zum Teil auch über die Magenschleimhaut aufgenommen.
Phase-I-Studie
Klinische Studien der Phase I prüfen eine neue biomedizinische Intervention erstmalig bei einer kleinen Personengruppe (zum Beispiel 20 - 80), um die Sicherheit zu bewerten (etwa um einen sicheren Dosisbereich zu ermitteln und Nebenwirkungen zu identifizieren).

Quelle: http://www.who.int/ictrp/glossary/en/
Malaria im Leberstadium
Einige Formen des Malariaerregers (Plasmodium vivax und ovale) können in den Leberzellen lange Zeit überdauern, ohne Krankheitssymptome auszulösen. Erst nach Wochen oder sogar Jahren werden diese Formen wieder aktiv und treten in den Blutkreislauf ein. Eine Behandlung gegen die Infektion in diesem Leberstadium ist derzeit nicht möglich.

Sustainable Development Goals

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