Zu unseren grundsätzlichen Erwartungen an unsere Lieferanten und Dienstleister gehört, dass sie elementare Umwelt- und Sozialstandards einhalten. Wir haben daher unsere Beschaffungsstrategien weiterentwickelt, um die Einhaltung von Umwelt-, Compliance- und Sozialstandards in unserer Lieferkette weltweit zu stärken und Verstößen vorzubeugen.
Lieferantenmanagement
Für unsere Geschäftstätigkeit benötigen wir Rohstoffe, Verpackungsmittel, technische Produkte, Komponenten und Dienstleistungen; 2012 haben wir all diese Güter von mehr als 50.000 Lieferanten aus über 100 Ländern weltweit bezogen. Von den 2012 beschafften Gütern und Dienstleistungen (inklusive F&E-Leistungen) von ca. 4 Mrd. € entfielen 55 % auf Lieferanten, die in EU-Ländern ansässig waren, und 33 % auf Lieferanten aus OECD-Ländern außerhalb der EU. Ein Anteil von 12 % stammte von Lieferanten aus Nicht-OECD-Ländern außerhalb der EU.
Beschaffungsvolumen 2012 in %

Zu unseren grundsätzlichen Erwartungen an unsere Lieferanten und Dienstleister gehört, dass sie elementare Umwelt- und Sozialstandards einhalten, die sich im Wesentlichen aus den ILO-Kernarbeitsnormen und dem UN Global Compact ableiten. Seit 2009 unterstützen wir deshalb die Compliance-Initiative des deutschen Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME ), außerdem haben wir den BME-Verhaltenskodex unterzeichnet. Er enthält grundsätzliche Regeln zur Bekämpfung von Korruption, Kartellen und Kinderarbeit sowie Mindestanforderungen für den Umweltschutz in der Lieferkette.
Infobox: Regeln und Mindeststandards des BME-Verhaltenskodex
Der BME-Verhaltenskodex enthält internationale und branchenübergreifende Mindeststandards wie grundsätzliche Regeln zur Bekämpfung von Korruption und von kartellrechtswidrigen Absprachen oder von Kinder- und Zwangsarbeit sowie zur Einhaltung ethischer Grundsätze. Er umfasst überdies Grundsätze zur Wahrung der Menschenrechte, zum Umwelt- und Gesundheitsschutz sowie zu fairen Arbeitsbedingungen.
In den letzten beiden Jahren haben wir unsere Beschaffungsstrategien unter Corporate Responsibility(CR)-Gesichtspunkten weiterentwickelt, um die Einhaltung von Umwelt-, Compliance- und Sozialstandards in unserer Lieferkette weltweit zu stärken und Verstößen vorzubeugen. Wir haben eine neue Einkaufsrichtlinie in Kraft gesetzt und neue Verfahrensanweisungen zum Lieferantenmanagement- und zum Einkaufsprozess der Merck-Gruppe veröffentlicht. Wir wollen so CR-Aspekte im Einkauf stärker verankern, damit sie bei der Auswahl, der Bewertung und dem Management von Lieferanten besser berücksichtigt werden.
Wir haben „Merck Responsible Sourcing Principles “ erstellt, die neben Umwelt-, Sozial und Compliance-Aspekten auch die Anforderungen, die wir beispielsweise bei der Beauftragung zur Durchführung von Tierversuchen erwarten, enthalten. Die „Merck Responsible Sourcing Principles“ bündeln unsere Anforderungen an verantwortliches Handeln, die wir an unsere Lieferanten stellen. Zusätzlich verweisen wir durch diese Prinzipien auch deutlich auf die Verantwortung der Lieferanten, unsere Corporate-Responsibility-Standards auch auf ihre vorgelagerte Wertschöpfungskette zu übertragen.
Es ist beabsichtigt, die „Merck Responsible Sourcing Principles“ im Laufe des Jahres 2013 in der Merck Gruppe weltweit in die jeweiligen Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu integrieren. So untermauern wir unsere bereits im Verhaltenskodex und in unserer Sozialcharta festgelegten Prinzipien mit einem einheitlichen Dokument gegenüber unseren Lieferanten.
Zentrale Elemente unseres nachhaltigen Ansatzes zum CR-Lieferantenmanagement sind:
- Allgemeine Geschäftsbedingungen: In unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) integrieren wir weltweit die Verpflichtung zur Einhaltung der Prinzipien unseres Verhaltenskodex und der Sozialcharta. Ende des ersten Quartals 2013 haben nahezu alle Landesgesellschaften ihre AGB angepasst. Im Laufe des Jahres 2013 werden die AGB sukzessive um einen Verweis auf die „Merck Responsible Sourcing Principles“ ergänzt.
- Selbstauskunft von Lieferanten: Im Rahmen von Selbstauskünften geben unsere Lieferanten Auskunft zur Einhaltung unseres Verhaltenskodex und der Sozialcharta sowie zu vorhandenen (ISO)-Zertifikaten. Wir haben den 2010 begonnenen Selbstauskunftsprozess, dem sich unsere Lieferanten unterziehen müssen, im Berichtszeitraum ausgeweitet. Er ist jetzt in Deutschland, Brasilien, Mexiko, der Schweiz, Japan und Indien etabliert. Bis Ende 2013 wird dies auch in Frankreich, den USA, China, Italien, Großbritannien und Irland der Fall sein. In diesen Ländern fordern wir von Lieferanten mit einem erhöhten Risiko, bei denen wir ein definiertes Einkaufsvolumen übertreffen, eine Selbstauskunft ein. Der weltweite Implementierungsprozess für die Selbstauskünfte läuft und wird sukzessive mit der Einführung unseres neuen IT-gestützten Lieferantenmanagementsystems umgesetzt.
- Nachhaltigkeitsaudits: Um die Einhaltung unseres Verhaltenskodex und der Sozialcharta zu kontrollieren, führen wir abhängig vom Risikopotenzial Nachhaltigkeitsaudits bei ausgewählten Lieferanten durch. Für die Durchführung und Nachverfolgung der Audits wurde 2012 eine gruppenweite Arbeitsanweisung erstellt. Um Lieferanten für ein Audit auszuwählen, teilen wir unser Lieferantenportfolio in Risikogruppen ein, die auf den Kriterien Länderrisiko, Produktkategorie und Umsatz mit dem jeweiligen Lieferanten basieren. Dabei kommen beispielsweise Lieferanten, die aus einem OECD-Mitgliedsland stammen, in eine niedrigere Risikogruppe. Des Weiteren werden auch diejenigen Lieferanten auditiert, bei denen wir Hinweise auf die fehlende Einhaltung unserer Anforderungen haben. Die Audits können jeweils mit dem Ergebnis „kritische Mängel“, „wesentliche Mängel“ oder „geringe Mängel“ abgeschlossen werden. Ihr Ergebnis und notwendige Verbesserungsmaßnahmen werden dem Lieferanten mitgeteilt. Bei als kritisch oder wesentlich bewerteten Ergebnissen überprüfen wir die Umsetzung der definierten Korrekturmaßnahmen und leiten gegebenenfalls Lieferantenneuqualifizierungen / -dequalifizierungen ein. Das Auditteam legt zusätzlich fest, in welchem zeitlichen Abstand Folgeaudits durchzuführen sind.
2011 und 2012 haben wir 36 Audits nach dem neu entwickelten System durchgeführt. Keines davon ergab kritische Mängel. Gleichwohl haben wir bei 18 Audits wesentliche Mängel festgestellt, die von uns nachgehalten werden. Aus diesem Grund haben wir von den betroffenen Lieferanten einen „Corrective Action Plan (CAPA)“ eingefordert, der beschreibt, mit welchen Maßnahmen die Mängel korrigiert werden. Dies wird von Auditoren überprüft. Außerdem werden wir diese Lieferanten ab 2014 erneut auditieren. Aufgrund unserer Risikopotenzialanalyse planen wir jährlich rund 30 Audits bei Lieferanten mit hohem Risikopotenzial. Sie finden vorwiegend in Nicht-OECD-Ländern statt.
Infobox: Bewertung von Auditergebnissen und Follow-up
Kritisch: Jeder als „kritisch“ eingestufter Mangel muss so schnell wie möglich behoben oder gemindert werden. Ein Vorschlag mit Korrekturmaßnahmen ist vom Lieferanten innerhalb von einer Woche nach Erhalt des Auditberichts bei Merck einzureichen.
Wesentlich: Jede als „wesentlich“ eingestufte Beobachtung wird für wichtig genug erachtet, dass eine formelle Reaktion hinsichtlich Korrekturmaßnahmen vom Lieferanten innerhalb einer Woche nach Erhalt des Auditberichts zu erfolgen hat.
Geringfügig: Jede als „geringfügig“ eingestufte Beobachtung erfordert keinen formellen Plan zu Korrekturmaßnahmen, und die Umsetzung der entsprechenden Korrekturmaßnahmen wird auch nicht nachverfolgt.
Für sämtliche Maßnahmen im Rahmen der weiteren Einbeziehung von Corporate-Responsibility-Aspekten in unsere Beschaffungsprozesse und das Lieferantenmanagement ist unsere Konzernfunktion Procurement verantwortlich. Sie hat seit 2011 einen CR-Beauftragten ernannt, der die Einkaufsaktivitäten in Hinsicht auf den Themenbereich Corporate Responsibility bündelt und die Umsetzung der verschiedenen Teilprojekte koordiniert. Eine spezielle Intranetseite informiert die Mitarbeiter des Einkaufs in allen Ländern über die Richtlinien und Maßnahmen, mit denen wir unsere Lieferkettenstandards sicherstellen.
Verantwortung in der Mica-Lieferkette
Im Rahmen einer Studie in der Lieferkette für Mica, einem Rohstoff für eine Produktgruppe unserer Pigmente, hatten wir im Jahr 2008 festgestellt, dass am Beginn der Lieferkette teilweise auch Kinder – in der Regel gemeinsam mit ihren Eltern – Glimmer sammeln. Dies ist nicht vereinbar mit unseren Unternehmenswerten und den Vorgaben unserer Sozialcharta. In der Folge haben wir die Lieferkette neu ausgerichtet, um zu verhindern, dass weiterhin Kinder mitarbeiten und um sicherzustellen, dass die Prinzipien unserer Sozialcharta eingehalten werden.
Es war uns wichtig, unsere Geschäftsbeziehungen zu den Lieferanten in den Gebieten, aus denen der Glimmer kommt, aufrechtzuerhalten und dadurch Arbeitsplätze in Jharkhand, einer Region im Nordosten Indiens, die geprägt ist von Armut und politischer Unsicherheit, zu erhalten. Heute beziehen wir ausschließlich Glimmer aus Minen und nicht mehr aus Sammlungen. Basierend auf von unseren Lieferanten bereitgestellten Informationen haben wir ein System zur Nachverfolgung der Herkunft des Rohstoffs eingeführt. Es wird regelmäßig durch Mitarbeiter unseres neu in der Region eingerichteten Büros überprüft. Wir stehen in regelmäßigem und engem Kontakt mit unseren Geschäftspartnern in Jharkhand und haben sie umfassend über unsere Werte und unsere Erwartungen an die einzuhaltenden Sozial- und Umweltstandards informiert. Wir selbst und beauftragte Dritte führen zusätzlich Audits bei unseren Lieferanten und den Weiterverarbeitern durch und überprüfen, ob unsere Anforderungen an Umweltschutz, Sicherheit, Arbeitsstandards und Compliance eingehalten werden. Stellen wir Abweichungen fest, werden sie in einem Auditbericht dokumentiert und es werden Korrekturmaßnahmen definiert. Wir kontrollieren die Umsetzung dieser Maßnahmen.
Ergänzend zur Umstellung des Mica-Bezugs arbeiten wir an einer Verbesserung der Bildungsangebote und der Gesundheitsversorgung in den Gebieten, aus denen der Rohstoff kommt. Zu diesem Zweck finanzieren wir drei Schulen mit angeschlossenem Kindergarten, die mittlerweile regelmäßig von rund 380 Kindern besucht werden, sowie ein Ausbildungszentrum für Schneiderei und Schreinerei. Die medizinische Versorgung verbessern wir durch ein Gesundheitszentrum vor Ort. Ein Arzt und eine Krankenschwester stehen täglich zur Verfügung, sie besuchen regelmäßig die umliegenden Dörfer und unsere Schulen. Außerdem unterstützen wir eine indische Nichtregierungsorganisation bei einem Projekt zur Entwicklung „kinderfreundlicher Dörfer“, das zum Ziel hat, das Verständnis für Kinderrechte und die Rahmenbedingungen für den regelmäßigen Schulbesuch zu verbessern.
Während der gesamten Zeit der Umstellung unserer Lieferkette haben wir interessierte Kunden und weitere Stakeholdern regelmäßig über die Fortschritte bei der Glimmerbeschaffung und den begleitenden Projekten informiert.
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Ziele: Lieferantenmanagement | ||||
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Strategisches Ziel |
Maßnahmen |
Bis? |
Fortschritt 2011 und 2012 |
Status |
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Nachhaltigkeit in der Lieferkette |
Einführung des neuen Lieferantenmanagementprozesses in den wichtigsten Ländergesellschaften |
Ende 2012 |
Ein neuer Lieferantenmanagementprozess wurde in den wichtigsten Landesgesellschaften eingeführt. |
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Anpassung der AGB zur Integration der Merck Responsible Sourcing Principles in allen Bestellungen |
Ende 2013 |
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Durchführung von CR-Audits bei 30 Lieferanten mit Risikopotenzial |
Ende 2013 |
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Schaffung der technischen Voraussetzungen für die Einholung von Lieferantenselbstauskünften in Frankreich, USA, China, Italien, Großbritannien und Irland durch Implementierung eines neuen IT-gestützten Lieferantenmanagementsystems |
Ende 2013 |
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Erfassung der Lieferantenselbstauskunft von Lieferanten mit einem erhöhten Risiko, bei denen wir ein definiertes Einkaufsvolumen übertreffen in den Ländern Deutschland, Brasilien, Mexico, der Schweiz, Japan, Indien Frankreich, den USA, China, Italien, Großbritannien und Irland |
Ende 2013 |
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Legende: | ||||

Fundstelle 05