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Pipeline von Merck Serono im Jahr 2013 Geprüft

Merck Serono betreibt Forschung und Entwicklung schwerpunktmäßig in den Bereichen Onkologie, Immunonkologie, Immunologie und Neurologie. Die Entwicklungspipeline ist nach wie vor stark auf Onkologiepräparate ausgerichtet. Die Sparte konnte 2013 die wissenschaftliche und geschäftliche Entwicklung, aber auch in anderen Bereichen entscheidend vorantreiben. Merck Serono setzt bei F&E auf ein offenes Kooperationsmodell und ist im Zuge dessen 2013 zahlreiche Partnerschaften eingegangen, von denen einige im Folgenden hervorgehoben werden sollen.

Im Dezember 2013 genehmigte die Europäische Kommission die Änderung der Produktinformation zu Erbitux® (Cetuximab), wodurch die Indikation von Erbitux® um die Behandlung von Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mCRC) vom RAS-Wildtyp aktualisiert wurde. Die Zustimmung der Europäischen Kommission stützt sich auf die Gesamtheit der Daten, die zur Rolle des RAS-Tumorstatus bei mCRC auf das Nutzen-Risikoprofil von monoklonalen Anti-EGFR-Antikörpern erhoben wurden. Die Genehmigung bezieht sich primär auf neue Biomarkerdaten der OPUS-Studie (Oxaliplatin and Cetuximab in first-line treatment of mCRC). Die OPUS-Studie ist eine randomisierte, kontrollierte Studie der Phase II mit 337 mCRC-Patienten, davon 179 mit KRAS-Wildtyptumoren (Exon 2). Sie belegt die Wirksamkeit von Erbitux® plus FOLFOX-4 (Oxaliplatin-basierte Chemotherapie) im Vergleich zu Monotherapie mit FOLFOX-4. Die Ergebnisse einer Analyse des RAS-Tumorstatus wurden im Januar 2014 auf dem Gastrointestinal Cancers Symposium der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in San Francisco (USA) vorgestellt. In jüngsten Auswertungen verschiedener Studien mit monoklonalen, gegen den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR) gerichteten Antikörpern wie beispielsweise Erbitux® wurde der KRAS-Wildtyp-Tumorstatus (Exon 2) hinsichtlich zusätzlicher RAS-Mutationen (definiert als Mutationen in den Exons 3 oder 4 des KRAS-Gens und/oder den Exons 2, 3 oder 4 des NRAS-Gens) untersucht. Die Ergebnisse dieser Studien deuten darauf hin, dass Patienten mit RAS-Wildtyptumoren von der Behandlung mit Erbitux® profitieren könnten, Patienten mit RAS-Mutation dagegen möglicherweise nicht. Die Fachinformation (SmPC) zu Erbitux® ist jetzt entsprechend der Genehmigung der Europäischen Kommission aktualisiert worden.

Erste Ergebnisse der unabhängig durchgeführten FIRE-3-Studie, einer randomisierten, kontrollierten Head-to-Head-Studie der Phase III zum Vergleich von Erbitux® und Bevacizumab als Zusatz zu einer Standardchemotherapie (FOLFIRI) bei Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mCRC) vom KRAS-Wildtyp, wurden auf der Jahrestagung 2013 der American Society of Clinical Oncology (ASCO) durch die Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) vorgestellt. Die Studie hat ihren primären Endpunkt nicht erreicht, insofern als dass die objektive Ansprechrate (ORR) keine wesentlichen Unterschiede in den beiden Behandlungsarmen aufwies: 62 % bei der Kombination mit Erbitux® versus 58 % bei der Kombination mit Bevacizumab. Die Prüfärzte berichteten jedoch, dass – basierend auf einer Ereignisrate von 57 % – das mediane Gesamtüberleben (OS) für die mit Erbitux® plus FOLFIRI behandelte Gruppe 28,7 Monate betrug, im Vergleich zu 25,0 Monaten bei der mit Bevacizumab plus FOLFIRI behandelten Gruppe. Die Toxizitätsprofile der zwei Gruppen waren beherrschbar und entsprachen der Erwartung basierend auf vorausgegangenen Studien.

Auf der Jahrestagung 2013 der ASCO wurden ebenfalls Daten von zwei Proof-of-Concept-Studien der Phase II vorgestellt, die die Sicherheit und Wirksamkeit von Sym-004 untersuchen. Dieser Entwicklungskandidat der Frühphase wurde von Symphogen, einem biopharmazeutischen Privatunternehmen mit Sitz in Dänemark, das rekombinante Antikörpermixturen entwickelt, einlizenziert. Sym-004 ist eine Kombination aus zwei chimären monoklonalen Antikörpern (mAKs), die sich gegen unterschiedliche Bestandteile des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors (EGFR) richten. Beide mAKs binden EGFR mit hoher Affinität, weisen einzeln aber nur begrenzte präklinische Aktivität auf. Die Sym004-Mixtur zeigte jedoch sowohl in vitro als auch in vivo synergistisches Inhibitionsvermögen. Ergebnisse einer Phase-II-Studie belegten die klinische Wirksamkeit bei Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom vom KRAS-Wildtyp nach Versagen einer vorausgegangenen Anti-EGFR-Therapie, was weitere Entwicklungsaktivitäten rechtfertigt. Es wurden keine unerwarteten Nebenwirkungen beobachtet. In einer Phase-II-Studie zu Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und Halses (SCCHN) zeigte Sym004 klinische Wirksamkeit bei intensiv vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem SCCHN, die während oder nach Behandlung mit bereits verfügbaren monoklonalen Anti-EGFR-Antikörpern Progression gezeigt hatten. Es wurden keine unerwarteten Toxizitäten berichtet.

Zu TH-302, einem in der Forschung befindlichen Wirkstoff, der auf Hypoxie gerichtet ist, wurde Ende 2013 die weltweite Phase-III-Studie MAESTRO gestartet. Sie soll die Wirksamkeit und Sicherheit von TH-302 in Kombination mit Gemcitabin bei Patienten mit zuvor unbehandeltem, lokal fortgeschrittenem inoperablem oder metastasiertem Adenokarzinom der Bauchspeicheldrüse untersuchen. Die Aufnahme dieser Studie basierte auf einer positiven Phase-II-Studie in dieser Indikation, die auf der Jahrestagung 2012 der American Association for Cancer Research (AACR) vorgestellt wurde. Bei MAESTRO handelt es sich um eine internationale, randomisierte, placebokontrollierte, doppelblinde multizentrische Studie der Phase III zu TH-302 in Kombination mit Gemcitabin im Vergleich zu Placebo plus Gemcitabin mit einer voraussichtlichen Teilnehmerzahl von 660 Patienten. Als primärer Wirksamkeitsendpunkt ist das Gesamtüberleben (OS) definiert. Zu den sekundären Endpunkten zählen das progressionsfreie Überleben (PFS), die Gesamtansprechrate und die Tumorkontrollrate sowie die Bewertung von Sicherheit und Verträglichkeit, Pharmakokinetik und Biomarker. Die Studie wird gemäß einem Abkommen mit der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA im Rahmen eines „Special Protocol Assessment“ (SPA) durchgeführt. In diesem Protokollbewertungsverfahren unterzieht die FDA eine klinische Studie, die vorrangig als Grundlage für einen Wirksamkeitsanspruch innerhalb eines Antrags auf Marktzulassung herangezogen werden soll, einer speziellen Überprüfung. MAESTRO ist die zweite Phase-III-Studie zu TH-302 neben einer laufenden Studie in der Indikation Weichteilsarkom zur Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von TH-302 in Kombination mit Doxorubicin. Diese Studie soll 620 Patienten einschließen, um den Einfluss auf das Gesamtüberleben bei Patienten, die mit dieser Kombination behandelt werden, zu untersuchen. Die Studie wird von Threshold Inc. im Rahmen eines SPA-Verfahrens durchgeführt.

Im ersten Quartal 2013 gab Merck bekannt, dass der primäre Endpunkt einer signifikanten Steigerung des Gesamtüberlebens in seiner Phase-III-Studie CENTRIC mit dem experimentellen Integrininhibitor Cilengitide unter Kombinationsbehandlung mit einer Standard-Radiochemotherapie bei Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom (Hirntumor) und methyliertem MGMT-Genpromotorstatus verfehlt wurde. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit der European Organisation for Research and Treatment of Cancer (EORTC) durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im Juni 2013 auf der Jahrestagung der ASCO vorgestellt. Angesichts der Ergebnisse dieser Studie entschied das Unternehmen, das gesamte Entwicklungsprogramm zu Cilengitide einzustellen.

Tecemotide, eine gegen das MUC1 gerichtete antigenspezifische Krebsimmuntherapie (vormals als Stimuvax und L-BLP25 bekannt) wird bei Patienten mit inoperablem, lokal fortgeschrittenem, bei nicht kleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) untersucht. Im September entschied Merck, das Programm im Rahmen einer neuen Phase-III-Studie fortzusetzen: START2 soll rund 1.000 Patienten einschließen. Diese Entscheidung basierte auf den Ergebnissen der Phase-III-Studie START, die ebenfalls auf der Jahrestagung 2013 der ASCO vorgestellt wurden, sowie auf Gesprächen mit bestimmten Zulassungsbehörden. Während der primäre Endpunkt der START-Studie nicht erreicht wurde, zeigte eine Post-hoc-Analyse einer vordefinierten großen Untergruppe von Patienten dieser Studie (n = 853), die Tecemotide nach kombinierter Radiochemotherapie (RCT) erhalten hatten, für diese Patienten eine längere Gesamtüberlebenszeit als für die Gruppe, die mit kombinierter RCT plus Placebo behandelt wurde (30,8 Monate gegenüber 20,6 Monaten; p = 0,016). Bei START2 handelt es sich um eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte multizentrische klinische Studie der Phase III zur Bewertung der Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Tecemotide bei Patienten mit inoperablem, lokal fortgeschrittenem NSCLC, die ein Ansprechen oder eine stabile Erkrankung nach mindestens zwei Zyklen platinhaltiger kombinierter RCT zeigten. Die kombinierte RCT gilt gegenwärtig als Standardbehandlung für diese Patienten. Primärer Endpunkt von START2 ist das Gesamtüberleben. Merck hat das Studienprogramm in einem sogenannten „Scientifc Advice Procedure“ mit der Europäischen Zulassungsbehörde EMA (European Medicines Agency) diskutiert und wird die Studie in Abstimmung mit der FDA im Rahmen eines SPA-Verfahrens durchführen.

Auf der Jahrestagung der ASCO im Juni 2013 wurden ebenfalls Daten von zwei Studien mit Pimasertib vorgestellt. Ergebnisse einer Phase-I-Studie in Kombination mit dem dualen PI3K/mTOR-Inhibitor (SAR245409) von Sanofi bei fortgeschrittenen soliden Tumoren zeigten, dass kontinuierliche tägliche Dosen von Pimasertib und SAR245409 verträglich sind und gewisse Wirksamkeit zeigen. Darüber hinaus haben Ergebnisse der laufenden Studie zu Pimasertib in Kombination mit Gemcitabin bei Patienten mit Pankreaskarzinom Wirksamkeit bei zweimaliger Verabreichung von 60 mg pro Tag aufgezeigt. Die Untersuchungen werden in dieser Indikation fortgesetzt. Im vierten Quartal 2013 wurde eine weitere Phase-I-Studie zu Pimasertib in Kombination mit dem hDM2-Inhibitor (SAR405838) von Sanofi bei Patienten mit soliden Tumoren gestartet.

Im Juni hat Merck Serono die Einrichtung einer ganz auf die Immunonkologie spezialisierten translationalen Innovationsplattform (TIP) bekannt gegeben, die Forschungs-, frühe Entwicklungs- und Biomarkerstrategien vereint, und mit diesem Schritt ihr Engagement für die onkologische Immuntherapie unterstrichen. In Ergänzung zur bestehenden onkologischen Plattform der Sparte fokussiert die neue immunonkologische Plattform auf die Entwicklung von Therapien, die sich die natürliche Fähigkeit des Immunsystems zur Tumorbekämpfung zu Nutze machen und in Kombination mit bestehenden und zukünftigen Therapien eingesetzt werden können.

  • Therapeutische Krebsimpfstoffe: Gezielter Angriff auf Tumorantigene, um eine tumorspezifische Immunantwort zu provozieren
  • Krebsstammzellen: Gezielter Angriff auf Krebsstammzellen, um Tumorbildung zu verhindern oder vermindern und Metastasenbildung zu hemmen
  • Immuntoleranz: Eliminierung oder Umgehung von Hemmwirkungen innerhalb des Immunsystem, aufgrund derer Krebszellen vom Körper nicht erkannt und bekämpft werden können

Um eine breit angelegte Plattform für die immunonkologische Forschung und Entwicklung in frühen Phasen zu ermöglichen, wurde ein internes Team aus Forschern und Klinikern zusammengestellt, das ein Portfolio von experimentellen Immuntherapien aufbauen soll. In Ergänzung zur internen Expertise wird das Team dabei mit führenden akademischen Einrichtungen, Forschungslaboren und Industrieunternehmen zusammenarbeiten. Das derzeitige immunonkologische Portfolio umfasst eine solide Pipeline präklinischer Moleküle sowie einige Arzneimittelkandidaten in der frühen klinischen Entwicklung (Phase I) für solide Tumoren. Hierzu gehören:

  • Anti-PD-L1, ein monoklonaler Antikörper, der gegen den von unterschiedlichen Tumoren exprimierten PD-Liganden 1 (für programmierten Zelltod) gerichtet ist
  • NHS-IL12, eine Krebsimmuntherapie, die IL-12 gezielt in nekrotische Tumorbereiche einschleust; gefördert vom US National Cancer Institute (NCI)
  • NHS-IL2, eine Krebsimmuntherapie, die IL-2 gezielt in nekrotische Tumorbereiche einschleust

Merck verfolgt den Ansatz, Immuntherapien zu entwickeln, die mit anderen Therapiemodalitäten kombiniert werden können, um durch den Angriff auf mehrere Krebsziele die Wahrscheinlichkeit eines therapeutischen Erfolgs zu erhöhen.

Im Laufe des Jahres wurden mehrere Partnerschaften des Unternehmens mit anderen Organisationen im Bereich Onkologie bekannt gegeben. Hierzu zählten:

  • Eine Zusammenarbeit zur Durchführung von Innovationsprojekten im Bereich Onkologie unter dem Dach eines von der BioMed X GmbH betriebenen Innovationszentrums auf dem Campus der Universität Heidelberg. Ziel sind Finanzierung und Förderung von onkologischen Forschungsprojekten in der Frühphase. Dieses Forschungszentrum wird neue Wege der Innovationsförderung beschreiten. Das Innovationskonzept wurde von Merck Serono und BioMed X gemeinsam entwickelt. Merck kann so in der dynamischen Umgebung einer „Open-Innovation“-Laboreinrichtung mit fachübergreifenden Projektteams aus talentierten Jungwissenschaftlern, die weltweit rekrutiert und von einem Betreuer von Merck Serono angeleitet werden, Forschungsprojekte durchführen.
  • Kooperation mit Selvita, einem Biotechnologieunternehmen mit Sitz im polnischen Krakau, zur gemeinsamen Entdeckung und Leitstrukturoptimierung von niedermolekularen Wirkstoffen („Small Molecules“), die am Tumorstoffwechsel beteiligte Proteine angreifen. Die Partner wollen sich auf die Hauptstoffwechselwege konzentrieren, die an der Aufrechterhaltung von Wachstum und Proliferation von Krebszellen beteiligt sind, um Arzneimittelkandidaten für mehrere Indikationen in der Onkologie anbieten zu können, die potenziell die ersten Vertreter einer neuen Therapieklasse sind.
  • BeiGene Co., Ltd., ein biotechnologisches Forschungs- und Entwicklungsunternehmen aus China. Merck schloss 2013 zwei Vereinbarungen mit diesem Unternehmen bezüglich der gemeinsamen Entwicklung und Vermarktung von zwei Molekülen für die Krebstherapie ab: BeiGene-283, ein BRAF-Inhibitor der zweiten Generation, der sich derzeit in der vorklinischen Entwicklung befindet. BRAF ist ein Protein und nachgeschalteter Bestandteil der MAPK (Mitogen-aktivierte Proteinkinase)-Signalkette, die an der Förderung des Tumorzellwachtums beteiligt sein soll. Das Protein ist bei einer Reihe von Krebserkrankungen beim Menschen fehlgesteuert. BeiGene-290, ein starker Inhibitor der Poly(ADP-Ribose)-Polymerase (PARP), der sich derzeit in der vorklinischen Entwicklung befindet. PARP-Inhibitoren zielen auf eine Enzymfamilie ab, die an vielen zellulären Prozessen einschließlich der DNA-Reparatur und dem programmierten Zelltod beteiligt ist.
  • Das nationale spanische Krebsforschungszentrum CNIO im Bereich der Entwicklung von Krebstherapien. Die Vereinbarung baut auf den Erkenntnissen aus der CNIO-Forschung mit dem Ziel der Entwicklung und Vermarktung von neuen Wirkstoffen auf. Im Rahmen der Vereinbarung erhält Merck vom CNIO die Exklusivrechte auf Entwicklung und Vermarktung der neuen Hemmstoffe der Proteinkinase ATR (Ataxia Telangiectasia and Rad3-related) von CNIO. Dieses Enzym spielt eine wichtige Rolle bei der Reaktion der Zelle auf DNA-Schäden und der Förderung des Zellüberlebens. Aufgrund der Tatsache, dass Tumorzellen mehr DNA-Schäden anhäufen als gesunde Zellen, scheint die Blockierung der ATR-Kinase mithilfe selektiver Hemmstoffe ein für bestimmte Tumortypen lohnender strategischer Ansatz, der weiterverfolgt werden sollte.

Die Sparte treibt die Entwicklung eines Biosimilars-Portfolios für den Einsatz in unterschiedlichen Krankheitsgebieten wie der Onkologie und Rheumatologie voran.

Im Bereich der Multiplen Sklerose (MS) zeigte ONO-4641 (Ceralifimod), ein Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Modulator, positive Ergebnisse in der Phase-II-Studie DreaMS bei Patienten mit schubförmiger MS. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung 2012 der American Academy of Neurology (AAN) vorgestellt. 2013 wurden weitere Studien, sowohl nicht klinische als auch klinische, durchgeführt und lieferten mehr Informationen zur Wirksamkeit, Sicherheit und dem Differenzierungspotenzial dieses Wirkstoffs. Hierzu zählen auch die Zwölfmonatsergebnisse der laufenden blinden DreaMS-Anschlussstudie, die auf der 29. Jahrestagung des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) im Oktober vorgestellt wurden. Merck Serono führt derzeit Gespräche mit bestimmten Gesundheitsbehörden bezüglich potenzieller Studiendesigns für die Prüfung in Phase III. Die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Phase-III-Programms wird im zweiten Quartal 2014 getroffen werden.

Ein Projekt aus dem Bereich MS erreichte im vierten Quartal 2013 die Phase II. Plovameracetat, ein Immunmodulator auf Peptidcopolymerbasis der zweiten Generation, der an 550 Patienten mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose (RRMS) in über 120 Prüfzentren weltweit untersucht werden soll. Außerdem beendete ein Wirkstoff zur Auslösung von immunologischer Toleranz die Phase I der klinischen Prüfung. ATX-MS-1467 soll die unangemessenen Immunreaktionen von Patienten auf bestimmte Bestandteile ihres eigenen Nervengewebes verringern. Der Wirkstoff wird für eine Proof-of-Principle-Studie der Phase IIa bei Patienten mit RRMS vorbereitet, die im ersten Halbjahr 2014 starten soll.

Anfang 2013 gab Merck den Erhalt einer Lizenzoption von Opexa Therapeutics, Inc. für die Entwicklung und Kommerzialisierung von Tcelna™ (Imilecleucel-T), dem ersten Vertreter einer möglichen neuen Behandlungsklasse für MS-Patienten bekannt. Tcelna™ wird von Opexa entwickelt und derzeit in einer klinischen Phase-IIb-Studie bei Patienten mit sekundär progredienter MS (SPMS) geprüft. Der Wirkstoff wird als personalisierte Therapie entwickelt, die speziell auf das individuelle Krankheitsprofil eines jeden Patienten abgestimmt wird, und ist bereits in klinischen Studien der Phase I und II in der Indikation MS untersucht worden. Tcelna™ erhielt von der FDA den Status einer sogenannten „Fast Track Designation“ als mögliche Behandlung für SPMS zugesprochen, der einen beschleunigten Zulassungsprozess erlaubt.

Im vierten Quartal 2013 unterzeichnete Merck Serono eine Absichtserklärung mit dem israelischen Biotechnologieunternehmen Kadimastem, das Produkte auf der Basis von pluripotenten menschlichen Stammzellen entwickelt. Ziel ist die Nutzung der Screening-Plattform von Kadimastem zur Charakterisierung neuer Verbindungen, die als Wirkstoff zur Remyelinisierung bei Multipler Sklerose fungieren könnten. Denkbar ist auch die Ausweitung der Kooperation auf verwandte Forschungsgebiete wie der amyotrophen Lateralsklerose, einer degenerativen Erkrankung des motorischen Nervensystems.

Im Bereich Immunologie entschied sich Merck zur Fokussierung auf seinen Arzneimittelkandidaten Sprifermin (rekombinanter humaner FGF-18) in der Indikation Osteoarthrose und zur Einrichtung einer neuen multinationalen Phase-IIb-Studie namens FORWARD bei Patienten mit Kniegelenksarthrose. Die Studie wird im Rahmen einer strategischen Allianz mit Nordic Bioscience A/S zur klinischen Entwicklung von Sprifermin durchgeführt. Die Vereinbarung zur Zusammenarbeit mit dem dänischen Unternehmen wurde Anfang 2013 abgeschlossen. Sprifermin ist ein Protein, das als Chondrozyten bekannte Zellen stimulieren soll, Knorpelmatrix zu bilden und sich selbst zu erneuern. Die Allianz bündelt die gemeinsame Expertise und Ressourcen von Merck und Nordic Bioscience. Der Vertragspartner wird für Merck klinische Entwicklungsleistungen inklusive anteiliger Übernahme des Entwicklungsrisikos erbringen. Die volle Verantwortung für die Entwicklung und Vermarktung von Sprifermin verbleibt bei Merck. Ziel der FORWARD-Studie ist die weitere Untersuchung von Sprifermin zur Hemmung des Fortschreitens von strukturellen Schäden, Linderung von Schmerzen und Verbesserung der Körperfunktion bei Patienten mit Kniegelenksarthrose. Die Studie wurde im dritten Quartal 2013 initiiert und soll über 500 Patienten einschließen.

Merck untersucht aktuell Atacicept (Anti-BlyS/Anti-APRIL-Fusionsprotein) zur Behandlung von systemischem Lupus erythematodes (SLE). Die klinischen Ergebnisse und die Biomarkerergebnisse der Phase-II-Studie APRIL SLE zu Atacicept wurden im Juni 2013 auf der Jahrestagung der European League Against Rheumatism (EULAR) vorgestellt. Bei APRIL SLE handelte es sich um eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie zur Bewertung des therapeutischen Nutzens von Atacicept bei SLE. Während kein statistisch signifikanter Unterschied bei der Anzahl der Patienten, die während der 52-wöchigen Behandlungszeit unter 75 mg Atacicept oder Placebo einen Krankheitsschub erlitten, ermittelt werden konnte, deuteten Post-hoc-Analysen an, dass bei Behandlung mit 150 mg Atacicept weniger Patienten einen SLE-Schub erlitten als unter Placebo (36,6 % gegenüber 54,1 %). Auf Basis aller Daten aus der APRIL-SLE-Studie entschied sich Merck, eine neue Phase-II-Studie einzuführen: ADDRESS II. Hierbei handelt es sich um eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie zur weiteren Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit von Atacicept in zwei Dosierungen (75 mg und 150 mg, einmal wöchentlich subkutan verabreicht) bezüglich der Reduzierung der Krankheitsaktivität von SLE bei Patienten, die eine Standardbehandlung erhalten. Der primäre Endpunkt der Studie wird den Einfluss von Atacicept auf die Reduzierung der Krankheitsaktivität untersuchen.

Anfang 2013 gaben Merck und das Feinstein Institute for Medical Research, die Forschungsabteilung des North Shore-Long Island Jewish Health System in New York, bekannt, dass sie bei der Entwicklung von Antikörpern zur potenziellen Behandlung von systemischem Lupus erythematodes (SLE) zusammenarbeiten werden. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit kann die Sparte ihre Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet des SLE verstärken, um neue Behandlungen für diese Erkrankung zu entwickeln.

Im März teilte Merck Serono die Gründung von Calypso Biotech in Genf bekannt. Dieses Spin-off-Unternehmen resultiert aus dem unternehmenseigenen Partnerschaftsprogramm für Existenzgründer (Entrepreneur Partnership Program, EPP), das im April 2012 eingeführt wurde. Mit seinem F&E-Portfolio zu entzündlichen Darmerkrankungen will sich Calypso Biotech ausgewählten Nischenindikationen mit hohem unerfülltem medizinischem Bedarf zu widmen.

Merck Serono hat eine lange Tradition im Bereich der Fruchtbarkeitsbehandlung und ist auch weiterhin Vorreiter für innovative Wissenschaft, mittels derer die Sparte dem Ziel höherer Schwangerschafts- und Geburtenraten näherkommen will. Gonal-f® (rekombinantes Follitropin alfa zur Injektion) wird als Ergänzung zu oder Ersatz von natürlichem follikelstimulierendem Hormon (FSH), einem wesentlichen und in der Fruchtbarkeitsbehandlung häufig eingesetzten Hormon, verschrieben. Im vierten Quartal 2013 erhielt Merck Serono von der FDA die Zulassung für Gonal-f® RFF Redi-ject™ (Follitropinalfa-Injektion). Diese vorgefüllte Einweg-Applikationshilfe zur subkutanen Injektion einer flüssigen Formulierung von Gonal-f® RFF (Revised Formulation Female) gehört zu einer globalen Produktfamilie von gebrauchsfertigen Pens mit nachgewiesener Dosiergenauigkeit für die Selbstverabreichung der Fruchtbarkeitshormone (Gonadotropine) von Merck durch die Patienten. Merck Serono arbeitet kontinuierlich an Innovationen, um seine Applikationshilfen zu verbessern und so den Bedürfnissen von Patienten und Ärzten besser gerecht zu werden.

Forschung im Therapiegebiet Fruchtbarkeit bleibt ein wichtiger Schwerpunktbereich für Innovationen innerhalb von F&E. Im Dezember 2013 gab Merck Serono die Gründung von TocopheRx bekannt, einem in Boston ansässigen Unternehmen, das aus dem EPP hervorgeht und Anschubfinanzierung aus dem MS-Ventures-Fonds erhält. Als achtes Spin-off im Rahmen des EPP wird sich TocopheRx auf die Entwicklung eines oralen Agonisten des follikelstimulierenden Hormons (FSH) zur Behandlung von Unfruchtbarkeit konzentrieren, einem aussichtsreichen frühen Entwicklungskandidaten, der Paaren bei der Bewältigung ihrer Fruchtbarkeitsprobleme helfen könnte. Ein oraler FSH-Agonist hätte offensichtliche Vorteile für die Patienten, weil keine Hormoninjektionen mehr notwendig wären. TocopheRx wird das präklinische Programm von Merck Serono bis zur klinischen Prüfung vorantreiben und damit ein innovatives Forschungsprodukt von Merck Serono durch externe Hand kapitaleffizient voranbringen. Dieses Projekt ist ein Zeichen des fortwährenden Engagements von Merck für die Entwicklung von Fruchtbarkeitsbehandlungen der nächsten Generation sowie der erforderlichen Technologien, um die Erfolgsraten bei der Invitro-Fertilisation sowie den Komfort der Patienten zu verbessern.

Merck sagte umfangreiche finanzielle Unterstützung für das GFI-Programm (Grant for Fertility Innovation) mit Fördergeldern in Höhe von insgesamt bis zu 4 Mio € für 2013 und 2014 zu. Die Ankündigung erfolgte im Rahmen der 29. Jahrestagung der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE). Das 2009 eingeführte Förderprogramm für Innovationen auf dem Gebiet der Fruchtbarkeit hat sich zum Ziel gesetzt, innovative translationale Forschungsprojekte in konkrete Gesundheitslösungen umzuwandeln, um die Ergebnisse der assistierten Reproduktionstechnologie (ART) zu verbessern. Über 600 Anträge aus über 50 Ländern in aller Welt gingen in den letzten fünf Jahren beim GFI-Förderprogramm ein und 26 Projekte aus 16 Ländern wurden mit Fördergeldern in Höhe von insgesamt 6 Mio € bedacht. Merck Serono hat jüngst ähnliche Förderprogramme für Innovationen in den Bereichen Multiple Sklerose, Onkologie und Wachstumsstörungen eingeführt. Im Rahmen der 29. Jahrestagung der ECTRIMS wurden im Oktober 2013 in Kopenhagen die ersten vier Auszeichnungen des „Grant for Multiple Sclerosis Innovation (GMSI)“ vorgestellt.

Merck Serono hat einige Partnerschaften abgeschlossen, die über alle Kerngebiete der eigenen F&E – Onkologie, Immunonkologie und Neurologie – hinweg von Bedeutung sind. Hierzu gehören:

  • Merck und Ablynx gaben im dritten Quartal 2013 die Ausweitung ihrer Zusammenarbeit durch eine Forschungsallianz, die zu mehreren Forschungs- und Entwicklungskooperationen führen könnte, bekannt. Merck Serono wird bei Ablynx eine eigenständige Arbeitsgruppe zur Entwicklung von Nanobodies® gegen eine Vielzahl von krankheitsspezifischen Zielstrukturen (Targets), die für die Sparte von Interesse sind, finanzieren.
  • Merck and Open Monoclonal Technology, Inc., ein führendes Unternehmen im Bereich der Genmanipulation von Tieren zur Entwicklung humaner therapeutischer Antikörper, gaben die Ausweitung ihrer 2012 vereinbarten Zusammenarbeit bekannt. Damit verfügt Merck Serono jetzt über einen unbegrenzten Zugang zur Omni-Rat™-Technologieplattform.
  • Merck Serono vereinbarte eine auf fünf Jahre angelegte strategische Partnerschaft mit der Lead Discovery Center GmbH (LDC) aus Dortmund, einer renommierten Organisation zur translationalen Forschung, zur Ausweitung ihrer Zusammenarbeit. Diese neue Vereinbarung bringt die Erfahrung und Ressourcen beider Organisationen zusammen, um die Entdeckung und Entwicklung von Therapiekandidaten in Gebieten mit dringendem medizinischem Bedarf voranzutreiben. Das erste Projekt im Rahmen der neuen Vereinbarung wird in der Immunologie durchgeführt und entstand aus einer laufenden Kooperation zwischen dem LDC und dem Max-Planck-Forscher und Nobelpreisträger Prof. Robert Huber.

Der Merck Serono Israel Bioincubator wurde 2013 weiter ausgebaut. Der Bioinkubator wird vom Merck Serono Ventures Israel Bioincubator Fonds finanziert, der mit 10 Mio € ausgestattet ist, und konzentriert sich auf die Anschubfinanzierung von potenziellen Unternehmensgründungen der Frühphase in Israel. Neben dem ersten Nutznießer Neviah Genomics wurden Ende 2013 folgende zwei Unternehmen aufgenommen: Metabomed konzentriert sich auf die Erforschung des Krebsstoffwechsels und den Bereich der rechnerbasierten Biologie und ChanBio auf die Entdeckung von Antikörpern, die selektiv für Ionenkanäle sind, welche wiederum als wichtige therapeutische Ziele für die Behandlung von Multipler Sklerose angesehen werden.

Im Bereich der Wachstumsstörungen wurde im September 2013 anlässlich des 9. Joint Meeting of Paediatric Endocrinology unter Federführung der European Society for Paediatric Endocrinology (ESPE) eine aktualisierte Version des easypod®-Systems für den europäischen Markt vorgestellt. Das easypod®-System ist eine vollautomatische elektronische Applikationshilfe zur Injektion von rekombinantem humanem Wachstumshormon, die genaue Daten über die Einhaltung der Therapie liefert. Das neue easypod®-System bietet Ärzten hilfreiche Informationen, um die häufig unter Wachstumshormonbehandlung auftretenden Probleme der unzureichenden Therapietreue und niedrigen Adhärenzraten seitens der Patienten anzugehen.