Die Merck Serono Entwicklungs-Pipeline ist stark auf Onkologiepräparate ausgerichtet. Derzeit befinden sich 16 Projekte in der klinischen Entwicklungsphase.
2012 genehmigte das japanische Gesundheits-, Arbeits- und Sozialministerium die Anwendung von Erbitux® bei erwachsenen Patienten mit Kopf- und Halskrebs. Die Sparte gab außerdem die Entscheidung bekannt, den Marktzulassungsantrag an die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) für die Erweiterung der Indikation von Erbitux® bei einer bestimmten Patientengruppe mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) zurückzuziehen. Nach Aussage der EMA wären weitere klinische Daten erforderlich gewesen. Ferner veröffentlichte Merck Serono negative Ergebnisse bei der EXPAND-Studie zu Erbitux® bei Patienten mit fortgeschrittenem Magenkarzinom sowie bei der PETACC-8-Studie zu Erbitux® als adjuvante Behandlung von Darmkrebs. Merck hat infolgedessen die Entwicklung von Erbitux® für die Indikationen Lunge, Magen oder adjuvante Behandlung von Darmkrebs eingestellt. Diese Ergebnisse haben keinen Einfluss auf die derzeitige Nutzung von Erbitux® bei Patienten mit mCRC vom KRAS-Wildtyp und bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder rezidivierendem bzw. metastasierendem SCCHN in den Märkten, in denen Erbitux® derzeit für diese Indikationen zugelassen ist.
Die Sparte stärkte ihre Pipeline erneut im frühen und mittelfristigen Entwicklungsstadium mittels strategischer Transaktionen. 2012 wurden zwei Onkologie-Projekte einlizenziert. Auf eine globale Vereinbarung über die Einlizenzierung und gemeinsame Entwicklung von TH-302, einen in der Entwicklung befindlichen Wirkstoff, der auf Hypoxie gerichtet ist, folgte eine weltweite Exklusivlizenzvereinbarung für die Substanz Sym004, die auf dem bestehenden Geschäft mit Erbitux® aufbauen und dieses ergänzen könnte.
Zum Zeitpunkt der Einlizenzierung wurde TH-302 bereits im Zuge einer Phase-III-Studie mit Patienten mit Weichteilsarkom (Soft Tissue Sarcoma, STS) untersucht. TH-302 ist ein Molekül, das bei Sauerstoffmangel des Tumors aktiviert werden soll. Infolge der positiven Ergebnisse einer Phase-IIb-Studie mit Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom (pancreatic carcinoma, PaCa), die auf der Tagung der Association for Cancer Research im April 2012 veröffentlicht wurden, fiel die Entscheidung, das Molekül in Phase III weiterzuentwickeln. Für beide Indikationen (STS und PaCa) wurde mit der FDA eine Einigung bezüglich eines SPA-Verfahrens (Special Protocol Assessment), das heißt eine schriftliche Vereinbarung über den Aufbau und den Umfang einer Studie als Grundlage für eine neue Arzneimittelanwendung, erzielt. Der STS-Indikation wurde ferner in den USA und in der EU der „Orphan Drug Status“ (Arzneimittel gegen eine seltene Krankheit) zuerkannt. Die Anwendung von TH-302 bei anderen soliden Tumoren und hämatologischen Erkrankungen ist ferner Gegenstand mehrerer Phase-I-Studien.
Sym004 ist ein in der Entwicklung befindliches, aus zwei Antikörpern bestehendes Produkt, das zum einen die Ligandenbindung, Rezeptoraktivierung und Signalübertragung blockieren soll. Zum anderen soll es ein Verschwinden der EGF-Rezeptoren von der Oberfläche von Krebszellen hervorrufen, indem es die Internalisierung und den Abbau der Rezeptoren auslöst. Sym004 wird derzeit in einer Studie der Phase I/II mit Patienten mit fortgeschrittenem mCRC vom KRAS-Wildtyp untersucht. Die Substanz wird außerdem in einer einarmigen, offenen Phase-II-Studie bei Patienten mit SCCHN nach Versagen einer vorausgegangenen Anti-EGFR-Therapie geprüft.
Pimasertib, Merck Seronos MEK-Inhibitor, ist ein chemischer MEK1/2-Hemmer im Prüfstadium. MEK1/2 ist Teil des MAPK-Signalwegs, der bei verschiedenen Krebsarten hochreguliert ist. Pimasertib ist für PaCa sowie für N-Ras-mutiertes kutanes Melanom in Phase II der klinischen Prüfung. Rund 25 % der Melanom-Patienten leiden an N-Ras-mutierten Tumoren, und die Möglichkeiten einer effektiven Behandlung sind derzeit begrenzt.
L-BLP25 (vormals Stimuvax) ist eine MUC1-Antigen-spezifische Krebs-Immuntherapie im Prüfstadium, die eine Immunantwort des Körpers gegen Krebszellen, die MUC1 exprimieren, auslösen soll. MUC1 wird bei vielen Krebsarten wie etwa NSCLC exprimiert. L-BLP25 wurde in der weltweiten Phase-III-Studie START untersucht und ist derzeit Gegenstand der Phase-III-Studie INSPIRE in Asien. Beide Studien prüfen die Substanz in der Indikation inoperables NSCLC vom Stadium III. Ende 2012 wurde bekannt gegeben, dass die START-Studie den primären Endpunkt einer Verbesserung des Gesamtüberlebens nicht erreicht hat. Dennoch konnten in bestimmten Untergruppen deutliche Behandlungserfolge beobachtet werden. Merck Serono wird auf Grundlage noch ausstehender Analysen über die Zukunft des L-BLP25-Entwicklungsprogramms während des Jahres 2013 entscheiden. Das laufende klinische L-BLP25-Programm, einschließlich INSPIRE, wird vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Zulassungsbehörden fortgesetzt.
Die Ergebnisse der zulassungsrelevanten, randomisierten Phase-III-Studie CENTRIC mit Merck Seronos Integrin-Inhibitor Cilengitide sollen im ersten Halbjahr 2013 vorliegen. Die Studie orientiert sich am Vorliegen eines Biomarkers und schließt neu diagnostizierte Glioblastom-Patienten mit methyliertem MGMT-(Methylguanin-DNA-Methyltransferase)-Genpromotor-Status ein, da angenommen wird, dass diese Untergruppe womöglich mehr von der Kombinationstherapie aus Temozolomid, Strahlentherapie und Cilengitide profitiert. Um die Verfügbarkeit eines zuverlässigen Diagnostikums sicherzustellen, wurde die Zusammenarbeit mit dem Diagnostikunternehmen MDxHealth erweitert, das Merck Serono bei der Entwicklung und Zulassung eines MGMT-Tests unterstützen soll. Infolge negativer Phase-II-Ergebnisse wurde 2012 die Entwicklung von Cilengitide in der Indikation SCCHN eingestellt. Die Phase-II-Studie zu Cilengitide in Kombination mit Erbitux® und Chemotherapie für die Behandlung von NSCLC läuft weiter. Da Erbitux® für NSCLC nicht zugelassen ist, können die Ergebnisse dieser Studie lediglich als Grundlage für weitere Hypothesen genutzt werden.
Im Bereich MS erhielt der Rebif®-RebiDose-Injektor für Patienten mit schubförmig verlaufender MS Anfang 2013 die Zulassung durch die FDA. Der Pen wurde in einer 12-wöchigen, multizentrischen, offenen, einarmigen Phase-IIIb-Studie zur Selbstverabreichung von Rebif® hinsichtlich Benutzerfreundlichkeit, Patientenzufriedenheit und -akzeptanz sowie der Funktionssicherheit bewertet.
Zum Sphingosin-1-phosphat-Rezeptor-Modulator ONO-4641 wurden auf der Tagung der American Academy of Neurology im Mai 2012 positive Ergebnisse der DreaMS-Phase-II-Studie bei Patienten mit schubhafter MS präsentiert; derzeit werden weitere nicht-klinische und klinische Studien durchgeführt, die mehr Informationen über die Wirksamkeit, Sicherheit und das Differenzierungspotenzial dieses Wirkstoffes liefern und Merck Serono eine solide Entscheidungsgrundlage bieten sollen, dieses Projekt gegebenenfalls im Jahr 2013 im Rahmen einer Phase III weiterzuentwickeln.
Die Ergebnisse der Phase-I-Studie für ein Immuntoleranz-Therapeutikum (ATX-MS-1467) sollen in Kürze vorliegen. Darüber hinaus hat die Sparte nach sorgfältiger Bewertung verfügbarer Phase-I-Daten beschlossen, die Entwicklung langwirkender Interferone im Bereich MS einzustellen.
Im Bereich Immunologie analysiert Merck Serono derzeit die Daten aus einer doppelt-verblindeten, placebokontrollierten Phase-II-Studie (April SLE), die den therapeutischen Stellenwert von Atacicept bei systemischem Lupus Erythematodes untersucht. Diese Studie untersuchte anfänglich zwei Dosierungen von Atacicept bei Patienten mit einem stabilen Krankheitsverlauf nach allmählicher Reduktion der Steroidgabe und erhob die Wirksamkeit des Medikaments bei neuen Krankheitsschüben. Die Studie schloss mehr als 450 Patienten ein. Die vollständigen klinischen Daten und Informationen zu den Biomarkern werden voraussichtlich auf einer wissenschaftlichen Konferenz im ersten Halbjahr 2013 präsentiert.
Die Entwicklung von Sprifermin (Fibroblasten-Wachstumsfaktor 18), einem rekombinanten Protein, wird im Rahmen einer Phase-II-Studie für die Behandlung von Knorpelverletzungen im Knie fortgesetzt. Zwei Phase-I-Studien mit Patienten mit Kniearthrose wurden abgeschlossen.

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