Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erwartet für ihre 34 Mitgliedstaaten eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,4 % im Jahr 2013 und 2,3 % im darauffolgenden Jahr. Die Prognose für die Eurozone geht von einem nahezu unveränderten BIP im Jahr 2013 aus (–0.1 %) und nimmt für 2014 ein Wachstum von 1,3 % an. Für die USA erwartet die OECD ein BIP-Wachstum von 2,0 % im Jahr 2013 und eine weitere Steigerung um 2,8 % im darauffolgenden Jahr.
Brasilien dürfte der OECD zufolge 2013 und 2014 einen Anstieg des BIP von 4,0 % bzw. 4,1 % verzeichnen, während in diesen Zeiträumen das BIP-Wachstum in China mit 8,5 % bzw. 8,9 % und in Indien mit 5,9 % bzw. 7,0 % veranschlagt wird.
Zugleich weist die OECD in ihrem Ausblick auf eine deutlich gesunkene Zuversicht hin, was größtenteils darauf zurückzuführen ist, dass die politischen Maßnahmen zur gemeinsamen Bewältigung der globalen Wirtschaftskrise als zu wenig ausreichend oder effektiv empfunden werden. Ferner stellt die OECD fest, dass die Lage in der Eurozone nach wie vor die größte Bedrohung für die Weltwirtschaft darstellt. Die Krise in der Eurozone wird von drei negativen Rückkopplungseffekten geprägt: Bedenken über die Solvabilität des Bankensektors, ein mögliches Auseinanderbrechen der Währungsunion und die Staatsschuldenkrise. Laut OECD ist eine voll ausgebaute Bankenunion unabdingbar, um das Konstrukt der Eurozone zu vervollständigen. Eine solche Bankenunion würde eine Aufsicht auf EU-Ebene und effektive Verfahrensweisen zur länderübergreifenden Krisenbewältigung schaffen.
Für die USA erachtet die OECD die gegenwärtige Politik für angemessen, da sich die Aussichten am Arbeitsmarkt verbessern und die Inflationserwartungen überschaubar sind.
Sollten ernst zu nehmende Abwärtsrisiken zutage treten, müssten weitere geld- und fiskalpolitische Anreize geschaffen werden. Zu den Risiken zählen die Krise in der Eurozone und übermäßige Haushaltskürzungen in den USA (die „Fiskalklippe“) sowie Risiken geopolitischer Natur.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) stuft die Abwärtsrisiken höher ein als zuvor. Ausschlaggebend für seine Prognose ist, ob die globale Wirtschaft lediglich in eine weitere turbulente Phase eintritt oder der gegenwärtigen Abkühlung eine längerfristige Komponente anhaftet. Die IWF-Prognosen basieren auf der Annahme, dass die politischen Entscheidungsträger in Europa und den USA ihre wesentlichen kurzfristigen Herausforderungen pro-aktiv angehen werden. Aus diesem Grund geht der IWF in seinen Prognosen davon aus, dass die Konjunktur weltweit wieder an Fahrt gewinnen wird. Mittelfristig erachtet der IWF die Frage weiterhin als wichtig, wie sich die globale Wirtschaft angesichts einer hohen Staatsverschuldung entwickeln wird, und ob die Schwellenländer ihre starken Wachstumsraten aufrechterhalten können, während sie sich zugleich von exportdominierten Wirtschaftsräumen hin zu von der Binnennachfrage angetriebenen Volkswirtschaften entwickeln.
