Umsatz- und Ergebnisprognose für die Merck-Gruppe Geprüft

Umsatz- und Ergebnisprognose für die Merck-Gruppe

Merck verfügt über ein umfangreiches Risiko- und Chancenmanagement, das im Risikobericht beschrieben ist. Bezogen auf den hier dargestellten Prognosezeitraum von zwei Jahren sehen wir im Wesentlichen geschäftsbezogene Chancen und Risiken. Durch die Diversifizierung und das breit angelegte Produktportfolio von Merck ergeben sich je Sparte sehr unterschiedliche Spektren wichtiger Chancen und Risiken. Erläuterungen hierzu finden sich bei den jeweiligen Spartenkommentierungen im Lagebericht.

Unsere Prognosen für Merck berücksichtigen die Risiko- und Chancenabwägungen des Unternehmens nach Maßgabe unserer operativen Planung und mittelfristigen Annahmen. Mögliche Akquisitionen, Veräußerungen und andere Sondereffekte dagegen sind nicht enthalten.

Die Prognosen gehen von einer moderaten Energie- und Rohstoffpreisentwicklung sowie von steigenden Personalkosten aus. Da wir Spezialchemikalien herstellen, wirkt sich die Volatilität des Ölpreises nicht unmittelbar aus. Als global tätiges Unternehmen ist Merck unterschiedlichsten Wechselkursrisiken ausgesetzt, insbesondere aus dem US-Dollar und Schweizer Franken, denen in bestimmtem Maße durch gezielte Risikoabsicherung entgegengewirkt wird.

Vor dem Hintergrund der zu erwartenden gesamtwirtschaftlichen Entwicklung rechnet die Geschäftsleitung für die Jahre 2012 und 2013 mit einem leichten Wachstum der Gesamterlöse für die Merck-Gruppe. Sowohl in der Sparte Performance Materials als auch im Pharmabereich, insbesondere aufgrund der strukturellen Probleme der Gesundheitssysteme, sehen wir uns jedoch einem relativen Preisdruck mit entsprechender möglicher Auswirkung auf die Gesamterlöse ausgesetzt.

Die Geschäftsleitung geht im Weiteren davon aus, dass das EBITDA vor Sondereinflüssen der Gruppe in 2012 leicht und 2013 erneut steigen wird. Das berichtete EBITDA könnte bedingt durch Einmalaufwendungen im Rahmen der Effizienzsteigerungs- und Kostensenkungsprogramme allerdings reduziert werden. Auch in den kommenden zwei Jahren belasten planmäßige Abschreibungen auf die Buchwerte der immateriellen Vermögenswerte mit bestimmter Nutzungsdauer, welche durch die Serono- und die Millipore-Akquisition zum beizulegenden Zeitwert angesetzt wurden, das EBIT. Mit Wirkung ab April 2011 wurde zudem die Abschreibungsdauer für das Produkt Rebif® um zwei Jahre auf das Jahr 2019 verkürzt. Für das Jahr 2012 wirkt daraus die planmäßige Abschreibung des ersten Quartales in Höhe von 17 Mio € im Vergleich zusätzlich belastend. Zudem werden sich durch die Inbetriebnahme der Large-Scale-Biotech-Produktionsanlage im Jahr 2012 in der Schweiz die planmäßigen Abschreibungen auf Sachanlagen um 26 Mio € pro Jahr erhöhen. Merck strebt für das Jahr 2012 eine Forschungsquote von rund 14 % bezogen auf die Gesamterlöse an. Im Jahr darauf erwarten wir, dass die Forschungsausgaben weiter zurückgehen. Wir rechnen weiterhin mit einer Steuerquote von rund 25 % in den beiden folgenden Geschäftsjahren.

Auch für 2012 und 2013 gehen wir von einem hohen Free Cash Flow aus dem operativen Geschäft aus. Falls es zu Zahlungen für Rechtsstreitigkeiten kommen sollte, würde der Free Cash Flow negativ beeinflusst werden. Die Finanzschulden der Merck-Gruppe werden in den nächsten Jahren, auch aufgrund unseres hohen Free Cash Flows, stetig zurückgeführt werden können. Die Investitionen in Sachanlagen werden im Jahr 2012 moderat auf ca. 360 – 380 Mio € steigen und in 2013 ungefähr auf dieser Höhe konstant verlaufen. Bei der Eigenkapitalquote erwarten wir für die kommenden beiden Jahre einen leichten Anstieg auf hohem Niveau.

Für Merck sind neben Europa die Länder Brasilien, China, Indien, Japan, Mexiko, Russland, Südkorea und die USA strategisch wichtig. Ausführungen zur jeweiligen Geschäftserwartung und erwarteten Entwicklung dieser Länder finden sich in den Prognosen der Sparten.

Für das Geschäftsjahr 2011 behalten wir unsere bisherige, langfristig orientierte Dividendenpolitik bei und schlagen der Hauptversammlung eine Dividende von 1,50 € je Aktie vor. Auf Basis unserer Ergebniserwartung für die kommenden zwei Jahre kann Merck seinen Eigentümern – der Merck-Familie und den Aktionären – eine weiterhin ergebnisorientierte Ausschüttung in Aussicht stellen.

Merck hat die im Vorjahr abgegebenen Wachstumsprognosen in einem global schwierigen ökonomischen Umfeld in Bezug auf die Gesamterlöse weitestgehend erreicht. Das im Vorjahr für das Operative Ergebnis prognostizierte Wachstum konnte bedingt durch negative Einmaleffekte im zweiten Quartal des Geschäftsjahres nicht erreicht werden. Unter Nichtberücksichtigung dieser Einmaleffekte wäre auch das für das Operative Ergebnis gesetzte Ziel erreicht worden.

Die tatsächlichen Ergebnisse der Merck-Gruppe und ihrer Sparten können wesentlich von den Erwartungen über die voraussichtliche Entwicklung abweichen, wenn eine der hier angesprochenen oder andere Unsicherheiten eintreten oder sich die den Aussagen zu Grunde liegenden Planungsannahmen als unzutreffend erweisen.

Prognose für die Sparte Merck Serono

Von besonderer Bedeutung für die Sparte Merck Serono sind die Märkte der Krebstherapeutika und der Multiple-Sklerose-Behandlung mit den jeweils angebotenen Behandlungsoptionen. Bei der Behandlung von Diabetes haben wir mit Glucophage® den sogenannten Gold-Standard gegen Typ-II-Diabetes.

Externe Marktbeobachter wie IMS Health sehen in Medikamenten zur Behandlung von Krebserkrankungen den weltgrößten Markt für Arzneimittel. Lag das Volumen dieses Marktes 2010 bei 57,1 Mrd US$, so soll es bis 2015 jährlich um 5 % bis 8 % auf zwischen 75 Mrd US$ und 80 Mrd US$ steigen. Evaluate Pharma teilt diese Einschätzung. Dieser Markt soll bis 2016 im jährlichen Mittel um 7,1 % auf 90,5 Mrd US$ zulegen. Erbitux® wird 2016 nach Schätzungen von Evaluate Pharma weltweit einen Umsatz von 2,23 Mrd US$ erzielen, wobei die Zahlen von Merck, Bristol-Myers-Squibb und Eli Lilly addiert sind.

Der weltweite Markt für Medikamente zur Behandlung von Multipler Sklerose wird im Jahr 2012 laut dem Marktforschungsunternehmen Evaluate Pharma von Copaxone (Teva Pharmaceuticals, 28,1 % Marktanteil) dominiert werden, gefolgt von Avonex (Biogen Idec, 20,8 %), Rebif® (Merck, 16,1 %), Betaferon / Betaseron (Bayer, 10,9 %) sowie Tysabri (Elan, 6,9 %). Bis 2016 erwartet Evaluate Pharma ein Marktvolumen für MS-Medikamente von 14,5 Mrd US$. Jährlich soll es im Schnitt um 4,5 % zunehmen.

Nach den Erwartungen von IMS Health nimmt der Markt für Medikamente gegen Mutliple Sklerose im Jahr 2015 mit einem Volumen zwischen 12 Mrd US$ und 15 Mrd US$ – oder einem jährlichen Wachstum zwischen 5 % und 8 % – Rang 13 aller Therapiegebiete ein.

Antidiabetika machen nach Einschätzung des externen Beobachters IMS Health in 2015 den zweitgrößten Block an Gesundheitsausgaben weltweit aus. Der Markt wird dann voraussichtlich ein Volumen zwischen 43 Mrd US$ bis 48 Mrd US$ erreicht haben, was einer jährlichen Zunahme zwischen 4 % und 7 % entspricht. Auch diese Erwartung wird von Evaluate Pharma bestätigt. Dieser Markt soll im Schnitt 7,5 % pro Jahr auf 47,3 Mrd US$ im Jahr 2016 ansteigen und nach Onkologika das Therapiegebiet mit dem zweitgrößten Marktvolumen sein.

Für die Sparte Merck Serono erwarten wir, dass die Gesamterlöse im Jahr 2012 auf Vorjahresniveau bleiben und 2013 leicht steigen werden. Das Effizienzsteigerungs- und Kostensenkungsprogramm könnte das berichtete EBITDA vor allem in 2012, aber auch noch in 2013 belasten. Auf Ebene des EBITDA vor Sondereinflüssen sollte allerdings der erfreuliche Wert aus dem Jahr 2011 in 2012 leicht übertroffen werden. Sollten die Effizienzsteigerungsmaßnahmen erfolgreich umgesetzt werden, ist für das Jahr 2013 mit einem weiteren Anstieg des EBITDA vor Sondereinflüssen zu rechnen. Der Free Cash Flow der Sparte wird wegen der diesjährigen Vereinnahmung des Erlöses des in 2010 verkauften Théramex-Geschäfts in Höhe von rund 270 Mio € zunächst in 2012 deutlich sinken, in 2013 jedoch aufgrund des moderat ansteigenden Ergebnisses und gleichzeitig stabiler Investitionen wieder im Vergleich zum Jahr 2012 zunehmen.

Als regelmäßig wiederkehrenden Aufwand enthält das EBIT der Sparte planmäßige Abschreibungen auf die Buchwerte der immateriellen Vermögenswerte mit bestimmter Nutzungsdauer, die im Rahmen der Serono-Akquisition zum beizulegenden Zeitwert angesetzt wurden. Die planmäßigen Abschreibungen werden im Jahr 2012 voraussichtlich rund 660 Mio € betragen und 2013 wegen der Beendigung der Abschreibungsdauer einiger Vermögenswerte auf rund 600 Mio € sinken. Die Kosten für Marketing und Vertrieb, Verwaltung sowie Forschung und Entwicklung könnten sich in den folgenden zwei Jahren im Zuge des Effizienzsteigerungsprogramms reduzieren.

Merck Serono geht davon aus, dass die Umsätze von Rebif®, dem umsatzstärksten Produkt der Sparte, wegen des gestiegenen Wettbewerbsdrucks im Bereich der Multiple-Sklerose-Therapien in den kommenden Jahren rückläufig sein werden. Das Krebstherapeutikum Erbitux® wird 2012 und 2013 weiterhin ein leichtes Wachstum verzeichnen können. Für die Geschäftseinheiten Fruchtbarkeit sowie Herzkreislauf- und Allgemeinmedizin rechnen wir ebenfalls mit einem leichten Wachstum in den nächsten beiden Jahren. Produkte wie Kuvan® und Egrifta™, die in den vergangenen Jahren neu zugelassen wurden, verhelfen der Geschäftseinheit Endokrinologie zu einer höheren Umsatzsteigerung. Geografische Wachstumstreiber in den kommenden Jahren werden weiterhin die Märkte in Asien und Lateinamerika sein. Chancen für Europa und die USA, die wichtigsten Absatzmärkte der Sparte, ergeben sich durch die Weiterentwicklung bestehender Produkte (Life-Cycle-Management), beispielsweise die Entwicklung neuer Darreichungsformen.

Wichtige Chancen und Risiken für die Sparte sind eng mit der erfolgreichen Einführung neuer Produkte verbunden. Die anhaltend hohe Staatsverschuldung in einigen Ländern und die damit verbundene mögliche Senkung von Ausgaben im Gesundheitswesen können zu weiteren Umsatzeinbußen führen. Des Weiteren sind seit Jahren Rechtsstreitigkeiten in der Pharmabranche ausgeprägt, die auch in der Vergangenheit Merck Serono belastet haben. Es ist nicht auszuschließen, dass dies auch in den kommenden Jahren der Fall sein wird.

Prognose für die Sparte Consumer Health Care

2011 stieg das Volumen des weltweiten Marktes für rezeptfreie Medikamente nach Daten der Marktforscher von Nicholas Hall um 4,5 % auf 81 Mrd € an. Für 2012 geht Nicholas Hall von einem stärkeren Wachstum um 5,9 % auf rund 85,4 Mrd € aus, für 2013 wird ein Anstieg um 5,1 % auf dann etwa 89,7 Mrd € antizipiert.

Wachstum prognostizieren die Marktforscher vor allem in Lateinamerika (knapp über 10 % je Jahr) und Asien (knapp über 9 % je Jahr). Der Markt in Europa soll laut Nicholas Hall um 4,3 % im Jahr 2012 bzw. 4,2 % im Jahr darauf wachsen. Für die USA geht Nicholas Hall von Wachstum um 3,6 % in 2012 und 2,4 % in 2013 aus.

Merck nimmt für seine Sparte Consumer Health Care an, dass die Gesamterlöse im Jahr 2012 und 2013 leicht steigen werden. Der Fokus wird allerdings in den kommenden zwei Jahren auf die Steigerung der Profitabilität gelegt. Für 2012 sowie für 2013 wird daher mit einer Erhöhung des EBITDA vor Sondereinflüssen gerechnet. Dies wird unter anderem durch eine starke Kostenkontrolle über alle Funktionsbereiche sowie durch die Fokussierung auf Wachstumsmärkte gewährleistet werden. Parallel zur Steigerung von EBITDA vor Sondereinflüssen wird in den kommenden zwei Jahren eine positive Entwicklung des Free Cash Flow erwartet.

In den kommenden zwei Jahren stehen Chancen und Risiken der Sparte Consumer Health Care in engem Zusammenhang mit der Entwicklung des vorhandenen Produktportfolios sowie der geografischen Ausrichtung. Der Fokus liegt dabei gleichermaßen auf strategischen und lokalen Marken. Die Steigerung der Profitabilität vorhandener Produkte steht im Vordergrund. Geografisch fokussiert sich Consumer Health Care weiterhin sowohl auf den Kernmarkt Europa als auch auf Wachstumsmärkte in Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Risiken bestehen insbesondere in den sich global ändernden gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen wie auch im Kaufverhalten der Konsumenten, welche sich negativ auf das Geschäft auswirken können.

Prognose für die Sparte Merck Millipore

Die Marktbeobachter von Frost & Sullivan rechnen für die beiden Jahre 2012 und 2013 mit einem Marktvolumen für Laborprodukte, einem der Hauptmärkte von Merck Millipore, von 39,2 Mrd US$ (+3,7 %) und 40,5 Mrd US$ (+3,5 %).

Frost & Sullivan betont, dass die Märkte in China und Indien zweistellig zulegen werden, und zwar von 2010 bis 2013 um 17,5 % in Indien und im gleichen Zeitraum um 16,6 % in China. Beide Märkte würden dann Ende 2013 jeweils 9 % des Gesamtmarktes weltweit ausmachen. Andere Märkte würden nur jeweils einstellig wachsen.

Evaluate Pharma sieht die weltweiten Forschungs- und Entwicklungsausgaben der Pharma-Industrie, und damit den Kunden von Merck Millipore, von 2010 bis 2016 jährlich im Durchschnitt um 2,5 % steigen. Die Ausgaben liegen den Angaben zufolge im Jahr 2012 bei 134,1 Mrd US$ (+1 %) und im Jahr 2013 bei 137,1 Mrd US$ (+2,2 %).

Es ist davon auszugehen, dass die staatlich unterstützte akademische Forschung weiterhin unter Sparmaßnahmen der öffentlichen Haushalte leiden wird. In den USA z. B. sehen die Marktforscher von Frost & Sullivan diesen Ausgabenblock im Jahr 2012 um nur 0,3 % steigen und im Folgejahr sogar um 0,7 % sinken. Insgesamt werden weltweit die staatlichen Ausgaben für Pharma- und Biotech-Forschung nach Daten von Frost & Sullivan in 2012 wieder um 2,4 % ansteigen. 2011 gingen sie noch um 1,1 % zurück.

Absatzmarkt für einige Produkte der Sparte Merck Millipore ist die Lebensmittelindustrie. Für die Getränkeindustrie prognostiziert der Wirtschaftsdatendienstleister Datamonitor für 2012 und für 2013 eine Zunahme des weltweiten Marktvolumens um jeweils 3,9 %. Für die Nahrungsmittelindustrie sieht Datamonitor eine Wachstumsrate für 2012 von 3,3 % und für 2013 von 3,5 %.

Vor diesem Hintergrund rechnet die Geschäftsleitung von Merck in der Sparte Merck Millipore mit einem moderaten Wachstum der Gesamterlöse im Jahr 2012 sowie auch für 2013. Nach dem starken Anstieg des EBITDA im Geschäftsjahr 2011 auf Grund des nun ganzjährig enthaltenen Millipore-Geschäftes wird für 2012 mit einem weiteren Anstieg des EBITDA vor Sondereinflüssen gerechnet. Auch für das Jahr 2013 gehen wir von einer erneuten Steigerung des EBITDA vor Sondereinflüssen im Vergleich zum Jahr 2012 aus.

Das EBIT der Sparte beinhaltet die planmäßigen Abschreibungen auf die Buchwerte der immateriellen Vermögenswerte, die im Zusammenhang mit der Millipore-Akquisition zum beizulegenden Zeitwert angesetzt wurden. Diese werden in den Folgejahren voraussichtlich rund 190 Mio € betragen. Ein Schwerpunkt für das zukünftige Wachstum der Sparte sind Innovationen und neue Produkteinführungen. Aus diesem Grund werden sich die Kosten für Forschung und Entwicklung voraussichtlich in den folgenden Jahren weiterhin erhöhen. Trotz in 2012 und 2013 steigender Investitionen in Sach- und Produktionsanlagen zur Unterstützung des Wachstums wird der Free Cash Flow in den nächsten Jahren deutlich positiv sein.

Die Merck-Millipore-Geschäftseinheit BioScience entwickelt Produkte, die zu einem schnelleren Verständnis von biologischen Zusammenhängen und der Entwicklung von Therapien führen. Das umfangreiche Produktportfolio von Merck Millipore ist gut positioniert, um im dynamischen BioScience-Markt zu wachsen. Teile des BioScience-Markts werden sich auch weiterhin Herausforderungen gegen übersehen. Das verlangsamte weltweite Wirtschaftswachstum in Verbindung mit einer Kürzung der staatlichen Forschungsgelder sorgt momentan für eine Abschwächung im Life-Science-Markt. Weitere Risiken für diese Geschäftseinheit sehen wir insbesondere bedingt durch die anhaltende Konsolidierung und Restrukturierung der pharmazeutischen Industrie, aber auch aufgrund von ablaufendem Patentschutz sowie bei der Entwicklung neuer Produkte. Die Geschäftseinheit Lab Solutions bietet ein breites Portfolio an innovativen, hochwertigen und zuverlässigen Produkten, die für allgemeine Laboranwendungen in verschiedensten Bereichen geeignet sind. Für die Geschäftseinheit Process Solutions liegen die Chancen insbesondere sowohl in einem umfassenden Produkt- und Dienstleistungsportfolio und der geografischen Präsenz in zukünftigen Wachstumsmärkten als auch in der möglichen Volumenausweitung, die sich durch die Biosimilar-Produzenten entwickeln könnte.

Geografische Wachstumstreiber in der Sparte Merck Millipore werden neben den etablierten Märkten Europa und Nordamerika insbesondere China und Indien sein. Wesentliche Risiken für die Sparte bestehen auf Grund des Kostendrucks im Bereich der biopharmazeutischen Industrie. Insgesamt ist es unser Ziel, in einem unsicheren Marktumfeld durch ein breites Produktportfolio, die weltweite Ausrichtung des Geschäfts sowie die Nutzung der regionalen Stärken im Ergebnis weiter zu wachsen.

Prognose für die Sparte Performance Materials

Display Search, ein Marktforschungsunternehmen für den Display-Sektor, prognostiziert einen Anstieg der verkauften Displays basierend auf Flüssigkristallen für 2012 von 15 % und für 2013 von 11 %. Getragen wird das Wachstum hauptsächlich von LCD-Fernsehgeräten, gefolgt von zunehmender Nachfrage nach LC-Displays in Monitoren. In den beiden Jahren 2012 und 2013 soll sich dann der Anteil der LCD-Fernsehgeräte von 84 % im Jahr 2011 auf über 90 % im Jahr 2012 auf dann 94 % im Jahr 2013 erweitern.

Ein Teil unserer Pigmente wird in Lacken für die Fahrzeugindustrie verwendet. Für den PKW-Markt erwartet der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) 2012 ein Wachstum um 4 % auf 68 Mio Einheiten. Das Wachstum wird demzufolge in Indien (+10 %) und China (+8 %) erwartet, womit beide Länder gemeinsam dann ein Viertel des weltweiten PKW-Marktes ausmachen. Auch für Brasilien ist der VDA mit einem Zuwachs von 3 % optimistisch.

Hautpflegeprodukte sollen den Erhebungen Datamonitors zufolge ihren Markt 2012 um 4 % ausweiten und im Folgejahr mit 3,9 % in ähnlicher Größenordnung zulegen. Dies ist ebenfalls ein Markt für Produkte der Sparte Performance Materials. Datamonitor erwartet zudem, dass der weltweite Markt für Make-up-Kosmetika, ein weiterer Absatzmarkt für unsere Produkte, im Jahr 2012 um 4,2 % wachsen wird und im Folgejahr um 4,1 %.

Die Sparte Performance Materials besteht aus den beiden Geschäftseinheiten Liquid Crystals und Pigments & Cosmetics sowie dem Bereich Advanced Technologies, der den Aufbau neuer Wachstumsgeschäfte verantwortet. Die Geschäftseinheit Liquid Crystals liefert Materialien für Flüssigkristallbildschirme sowie neue Beleuchtungs- und Displaytechnologien. Die Einheit Pigments & Cosmetics liefert Effektpigmente für die Kunststoff-, Druck- und Lackindustrie. Weitere wichtige Kunden sind Kosmetikhersteller, die mit dekorativen Pigmenten sowie Wirkstoffen versorgt werden. Der Aufbau neuer Geschäfte wird vom Bereich Advanced Technologies vorangetrieben.

Die Sparte geht davon aus, dass die Geschäftseinheit Liquid Crystals ihre führende Marktposition bei LC-Mischungen in den kommenden Jahren beibehalten wird, wobei wir ein stetiges Wachstum des Marktvolumens erwarten. Der Druck im Markt auf die LC-Mischungspreise wird allerdings weiter anhalten, Wachstumstreiber werden neue LC-Mischungen für innovative LCD-Technologien sein. Zur Beibehaltung der Technologieführerschaft bei Flüssigkristallen werden die F&E-Aktivitäten auf hohem Niveau weitergeführt. Dies gilt auch für die zukunftsträchtigen Geschäfte mit reaktiven Mesogenen, OLEDs und Solid State Lighting, die überdurchschnittlich zum Wachstum der Performance-Materials-Sparte beitragen werden. Auf das überproportional wachsende Displaygeschäft in China sind wir vorbereitet und begleiten dieses mit lokalen Investitionen.

Zudem rechnet Performance Materials damit, dass die Geschäftseinheit Pigments & Cosmetics nur leicht wachsen wird. Diese Entwicklung ist durch die temporäre Abschwächung der Konjunktur bedingt.

Die Sparte Performance Materials rechnet für 2012 und für 2013 mit einer leichten Steigerung der Gesamterlöse. So wird das Volumenwachstum insbesondere bei Liquid Crystals möglicherweise durch den Preisdruck im Markt kompensiert werden. Das EBITDA vor Sondereinflüssen in 2012 wird daher ungefähr auf Vorjahreshöhe liegen. Auch 2013 sollte das EBITDA vor Sondereinflüssen ungefähr konstant verlaufen. Durch Effizienzsteigerungsmaßnahmen könnte das berichtete EBITDA vor allem in 2012, aber auch noch in 2013 belastet werden. Unter Nichtberücksichtigung von Veräußerungen wird sich der Free Cash Flow in den kommenden zwei Jahren weiterhin auf dem hohen Niveau der Vorjahre befinden. Dies wird unter anderem durch eine kontrollierte Steuerung der Investitionen und des Umlaufvermögens sichergestellt.