Prognostizierte weltweite gesamtwirtschaftliche Entwicklung Geprüft

Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert für 2012 eine Zunahme des weltweiten Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 3,3 %, darunter für die Industrieländer eine Steigerung von 1,2 %. Industrieländer mit guten wirtschaftlichen Verbindungen nach Asien sollen sich der Einschätzung zufolge 2012 am besten entwickeln. Die Staatsschuldenkrise in der EU bedrohe die Wirtschaft weltweit, die Euro-Zone selbst gehe 2012 laut IWF in eine schwache Rezession.

Für Entwicklungs- und Schwellenländer erwartet der IWF ein BIP-Wachstum von 5,4 %. Dass die Aussichten für Schwellenländer (Emerging Markets) wieder moderater sind, begründet der IWF u.a. mit der Situation in Europa wie auch mit schwächerer Binnennachfrage. Für das Jahr 2013 geht der IWF von einem weltweiten Wachtsum von 3,9 % aus. Für die Industrieländer wird im Jahr 2013 mit einem Wachstum von 1,9 % des BIP gerechnet.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht für die kommenden Jahre davon aus, dass das Wachstum der gesamten Weltwirtschaft gemessen am BIP weiter mehrheitlich von den Schwellen- und Entwicklungsländern und nicht von ihren Mitgliedsstaaten getragen wird.

Für ihre Mitgliedsstaaten prognostiziert die OECD für das Jahr 2012 ein um 1,6 % steigendes BIP und für 2013 eine Zunahme um 2,3 %. Sollte sich die Euro-Krise jedoch verschärfen und die Wirtschaft in den USA sich schlechter entwickeln, wären obige Zahlen Makulatur und müssten nach unten korrigiert werden. In diesem Szenario würde dann das BIP der USA um 1,8 % (2012) und 0,1 % (2013) zurückgehen; für die Eurozone würde dann ein Schrumpfen des BIP um 2,1 % (2012) und 2,3 % (2013) erwartet. Wird die Euro-Krise jedoch schnell eingedämmt, sähe die BIP-Entwicklung wie folgt aus: In den USA würde es um 2,8 % (2012) bzw. 3,4 % (2013) zunehmen und im Euro-Raum um 1,3 % (2012) bzw. 3,3 % (2013) ansteigen.

Der Wirtschaftsdatendienstleister Datamonitor kommt zu ähnlichen Prognosen für 2012 wie der IWF und die OECD und untermauert daher deren Annahmen über die bevorstehenden Entwicklungen.

Die von uns vorgelegte Prognose berücksichtigt Unwägbarkeiten und Unsicherheiten im Zusammenhang mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sowie in einzelnen Märkten soweit möglich.

Allgemeine Prognose für die Pharmabranche

Nach Kalkulationen des Pharmadatendienstleisters Evaluate Pharma wird der weltweite Markt für verschreibungspflichtige und sogenannte „Over the Counter“ (OTC)-Produkte im Jahr 2012 um 2,7 % auf 765 Mrd US$ steigen. Für 2013 wird ein Umsatzanstieg gegenüber 2012 um 3,8 % auf 794 Mrd US$ prognostiziert. Evaluate Pharma geht zudem davon aus, dass in den kommenden Jahren die Präparate mit biotechnologischen Ursprung unter den 100 meist verkauften Pharmaprodukten auf einen Anteil von 44 % ansteigen werden.

Das Pharmamarktforschungsunternehmen IMS Health (Intercontinental Marketing Services Health) prognostiziert bis 2015 ein jährliches Wachstum des weltweiten Pharmamarktes zwischen 3 % und 6 % ausgehend vom Jahr 2010 mit einem Umsatz von 856 Mrd US$. In den fünf Jahren zuvor nahm der Markt durchschnittlich um 6,2 % jährlich zu. Insgesamt soll den Daten zufolge das Volumen bis 2015 zwischen 210 Mrd US$ und 240 Mrd US$ zulegen und dann eine Größe zwischen 1.065 Mrd US$ und 1.095 Mrd US$ erreichen. Machte der US-amerikanische Markt 2010 noch 36 % des weltweiten Marktes aus, so soll dieser Anteil bis zum Jahr 2015 auf 31 % sinken. Damit sind die USA (320 Mrd US$ bis 350 Mrd US$) dann immer noch führend. IMS Health sieht Japan auch in 2015 auf Platz zwei (11 % Anteil, 110 Mrd US$ bis 140 Mrd US$), gefolgt von China (115 Mrd US$ bis 125 Mrd US$) und Deutschland (38 Mrd US$ bis 43 Mrd US$).

Allgemeine Prognose für die Chemiebranche

Für die Jahre 2012 und 2013 rechnen die Marktforscher von ICIS damit, dass die weltweite Chemikalienproduktion um 5,3 % bzw. 4,7 % wächst, setzen diese Prognose aber unter den Vorbehalt, dass sich keine Rezession einstellt. Steigende Energiepreise, zurückgehende Bautätigkeit sowie die europäische und die US-amerikanische Schuldenkrise könnten sich negativ auf die Prognose auswirken.

Die weltweiten Investitionen nehmen laut ICIS ausgehend von 548 Mrd US$ im Jahr 2011 bis zum Jahr 2016 auf über eine Billion US$ zu. Die Schwellenländer werden laut Prognosen des ICIS ein stärkeres Wachstum als die Industrieländer verzeichnen, allen voran China, das heute schon der weltgrößte Produzent an Chemikalien sei. Auch Indien werde hohe Wachstumsraten erreichen. Im Markt der Spezialchemikalien, in dem Merck aktiv ist, erwartet ICIS 4 % Wachstum im Jahr 2012 und 2,9 % im Folgejahr.

Der europäische Chemieverband Conseil Européen de lIndustrie Chimique (CEFIC) erwartet einen Anstieg der Chemieproduktion der europäischen Chemieunternehmen im Jahr 2012 um 2,5 %. Im Jahr 2013 könnte erstmals wieder das Niveau erreicht werden, welches zuletzt 2007, vor der ernsten Krise im Jahr 2008, gesehen wurde. Im CEFIC zusammengeschlossene Unternehmen repräsentieren 21 % der weltweiten Produktion an Chemikalien.

Der deutsche Chemieverband VCI (Verband der Chemischen Industrie) erwartet für 2012 ausgehend von einem 2011er-Umsatz von 186,5 Mrd € eine Steigerung um 2 %. Die Produktion soll dabei um 1 % zulegen.

Der französische Chemieverband Union des Industries Chimiques (UIC), in Europa neben dem deutschen Verband VCI führend, hat im November 2011 den Ausblick für 2012 von zuvor 2,4 % Produktionszuwachs auf 1,8 % Zuwachs revidiert. Gründe seien die spürbare Wirtschaftkrise und damit einhergehende Zurückhaltung der Kunden, ihre Lager wieder zu füllen.