Weitere Analysen der Phase-III-Studie CRYSTAL haben den therapeutischen Wert von Erbitux® erneut belegt. Neue Daten zeigen, dass Patienten mit metastasiertem Darmkrebs (mCRC) vom KRAS-Wildtyp, bei denen während einer Erbitux®-basierten Erstlinientherapie ein frühzeitiges Schrumpfen des Tumors beobachtet wurde, im Mittel 28,3 Monate lebten – ein Gesamtüberleben, das bisher noch nie gezeigt werden konnte. Ebenfalls in Phase III der klinischen Entwicklung sind die EXPAND-Studie bei Magenkrebs sowie die Studie PETACC-8, die Erbitux® als adjuvante Therapie bei Darmkrebs untersucht.
Erste Ergebnisse der randomisierten Phase-II-Studie BALI-1 haben Hinweise auf das therapeutische Potenzial von Erbitux® bei Brustkrebs geliefert. So hatte eine Behandlung mit Erbitux® in Kombination mit Chemotherapie bei metastasiertem dreifach rezeptornegativem Brustkrebs (TNBC, triple negative breast cancer) positive Resultate gezeigt. Bei Patientinnen, die zusätzlich zur Chemotherapie mit Erbitux® behandelt worden waren, hatte sich das mittlere progressionsfreie Überleben mehr als verdoppelt. Auch wenn sich das Tumoransprechen nahezu verdoppelte, so wurde doch der primäre Endpunkt der Studie, die Ansprechrate, nicht erreicht. TNBC ist eine aggressive, schwer behandelbare Erkrankung mit hoher Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall und Metastasierung.
Stimuvax®: Studienprogramm fortgesetzt, Hürden erfolgreich überwunden
Im Juni hat Merck das Studienprogramm mit Stimuvax® (liposomaler Impfstoff BLP25) bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC), einschließlich der Phase-III-Studien START und INSPIRE, fortgesetzt. Die Behandlung und die Rekrutierung von Patienten wurden nach Genehmigung der lokalen Behörden und klinischer Ethikkomitees wieder aufgenommen. Dies wurde ermöglicht durch die Entscheidung der US-amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA), die Aussetzung der Studien teilweise aufzuheben und die Fortführung der START-Studie zu genehmigen. Dagegen blieb die Aussetzung der Phase-III-Studie STRIDE bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs durch die FDA weiterhin bestehen. Merck Serono hat entschieden, diese Studie einzustellen.
Nach einem vermuteten, unerwarteten, schweren Nebenwirkungsfall waren die Studien im März 2010 durch die FDA ausgesetzt worden. Ein Patient, der an einer explorativen Phase-II-Studie mit der Krebs-Immuntherapie bei einer Form von Knochenmarkkrebs (Multiples Myelom) teilnahm, war an einer Gehirnentzündung erkrankt. Seit 2007 untersuchen wir in der START-Studie die Wirksamkeit und Sicherheit der Therapie mit Stimuvax® bei Patienten mit inoperablem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom im Stadium III. Die Entscheidung, die Studie durchzuführen, gründete auf den Ergebnissen einer randomisierten Phase-IIb-Studie. Hier hatte Stimuvax® bei einer Untergruppe von Patienten mit lokoregionalem, nicht-kleinzelligem Lungenkrebs des Stadiums IIIb einen Anstieg des Gesamtüberlebens von 13,3 Monaten in der Kontrollgruppe auf 30,6 Monate in der behandelten Gruppe gezeigt. Im Jahr 2009 haben wir in Asien die Phase-III-Studie INSPIRE in der Indikation NSCLC initiiert. Sollten die Phase-III-Studien erfolgreich abgeschlossen werden, könnte diese Krebs-Immuntherapie eine wichtige Rolle in der Behandlung von Lungenkrebs-Patienten spielen, deren Therapieoptionen derzeit noch eingeschränkt sind.
Langzeitergebnisse aus Cilengitide-Studie an Glioblastom-Patienten
Cilengitide ist der erste so genannte Integrin-Inhibitor, der in der Onkologie die Phase III in der Entwicklung erreicht hat. In der Studie CENTRIC untersuchen wir diesen Wirkstoff bei Glioblastom (GBM), der aggressivsten Form von Hirntumoren. Es wird angenommen, dass Integrin-Inhibitoren zielgerichtet auf Krebszellen und die Blutgefäße wirken, die den Tumor versorgen und das Wachstum der Krebszellen fördern. Im Jahr 2010 wurden Langzeitdaten einer randomisierten Phase-II-Studie mit zwei unterschiedlichen Cilengitide-Dosierungen beim rezidiviertem Glioblastom publiziert. Sie haben gezeigt, dass 37 % der Patienten, die die höhere Cilengitide-Dosierung (2000 mg) erhielten, nach einem Jahr am Leben waren. Die derzeitige Prognose für Patienten mit rezidiviertem Glioblastom ist dagegen mit einem mittleren Gesamtüberleben von vier bis sieben Monaten und einer Ein-Jahres-Überlebensrate von etwa 20 % schlecht.
Pipeline: Alle Ressourcen für aussichtsreiche Projekte
Merck Serono bleibt seinem hohen Engagement in der Onkologie-Forschung und -Entwicklung verpflichtet. Unser Ziel ist, Patienten mit hohem medizinischem Bedarf in verschiedenen Indikationen zusätzliche Therapieoptionen anzubieten. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg ist die Ende 2010 vereinbarte weltweite Forschungs- und Entwicklungskollaboration mit Sanofi-Aventis. Sie erlaubt die wechselseitige Untersuchung experimenteller Wirkstoffkombinationen. Eingeschlossen sind der MEK-Inhibitor von Merck sowie zwei frühe Entwicklungssubstanzen des Partners. Wir untersuchen derzeit drei Wirkstoffe in Phase-I-Studien bei soliden Tumoren und hämatologischen Indikationen. Des Weiteren laufen fünf Phase-II-Studien in den Indikationen Brustkrebs, Kopf- und Halskrebs, nicht-kleinzelliger Lungenkrebs sowie Darmkrebs.
Da wir in der Pipeline über eine Vielzahl von Substanzen mit hohem therapeutischem Potenzial verfügen, bleiben wir bestrebt, die Projekte voranzutreiben, die den nachhaltigsten Erfolg versprechen. Umgekehrt wollen wir solche Projekte frühzeitig beenden oder abgeben, die weniger erfolgversprechend sind. So stellen wir sicher, unsere Ressourcen zum Wohl der Patienten einzusetzen und die Risiken für unser Unternehmen zu kontrollieren. Im Jahr 2010 haben wir vier Onkologie-Projekte in frühen Phasen eingestellt: In Phase-I-Studien den Aurora-Kinase-Inhibitor sowie den monoklonalen Antikörper Sonepcizumab und in Phase II das Immunzytokin Tucotuzomab Celmoleukin und den monoklonalen Antikörper Adecatumumab.
