Finanzrisiken Geprüft

Als international tätiges Unternehmen und durch seine Präsenz am Kapitalmarkt ist Merck verschiedenen Finanzrisiken ausgesetzt. Dies sind vor allem Liquiditäts-, Ausfall-, Währungs- und Marktpreisrisiken sowie Risiken von Veränderungen von Marktwerten materieller und immaterieller Vermögenswerte und Schwankungen bei der Bewertung der Pensionszusagen.

Liquiditäts- und Finanzierungsrisiken

Um den eigenen Fortbestand zu sichern, muss ein Unternehmen zu jedem Zeitpunkt seine fälligen Verpflichtungen aus operativer und finanzieller Tätigkeit erfüllen können. Eine zentrale, konzernweite Liquiditätssteuerung reduziert potenzielle Liquiditätsrisiken. Darüber hinaus steht uns mit der bis zum Jahr 2014 laufende „Syndicated Multicurrency Credit Facility“ eine Kreditlinie über 2 Mrd EUR zur Verfügung, die trotz des positiven operativen Cash Flows der Gruppe bei möglichen Liquiditätsengpässen die weitere Zahlungsfähigkeit von Merck sicherstellt. Da in unseren Kreditverträgen keine „Financial Covenants“ vereinbart wurden, sind diese kontrahierten Kreditzusagen auch bei schlechterer Bonität von Merck abrufbar. Zusätzlich hat Merck im Geschäftsjahr 2009 ein „Debt-Issuance Program“ aufgesetzt, das den vertraglichen Rahmen für die Begebung von Anleihen darstellt. 2010 wurde das Volumen dieses Programms von bisher 5 Mrd EUR auf 10 Mrd EUR verdoppelt.

Ausfallrisiken

Ausfallrisiken entstehen sowohl im Zusammenhang mit finanziellen Anlagen, Aufnahmen und Finanzierungszusagen als auch bei operativen Forderungen. Durch die Finanzkrise haben sich die Ausfallrisiken für Forderungen im Euro-Raum zum Teil erhöht. Merck hat daher alle Positionen gegenüber den betroffenen Ländern überprüft und, sofern erforderlich, die Vorsorge für Ausfallrisiken angepasst. Merck minimiert diese Risiken durch die Streuung seiner Finanzpositionen und die damit verbundene aktive Steuerung seiner Handelspartner. Wesentliche Finanztransaktionen mit Kreditrisiko werden ausschließlich mit Banken guter Bonität und einem Mindestrating von A- der Rating-Agentur Standard & Poor’s abgeschlossen. Darüber hinaus reduziert der große Bankenkreis von Merck – die bestehende Kreditlinie über 2 Mrd EUR wurde mit 17 Banken syndiziert – mögliche Verluste bei einem etwaigen Ausfall. Trotzdem kann dadurch der Ausfall einzelner Handelspartner, auch bei hervorragender Bonitätseinstufung, nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Währungs- und Zinsrisiken

Durch die internationale Geschäftstätigkeit in unterschiedlichen Währungs- und Zinsregionen ist Merck zwangsläufig auch Währungs- und Zinsrisiken unterworfen. Merck ist durch seine globale Konzernstruktur und den damit verbundenen Finanzgeschäften, operativen Forderungen und Verbindlichkeiten sowie erwarteten zukünftigen Zahlungsströmen aus Umsätzen und Kosten in Fremdwährung von Marktpreisrisiken betroffen. Wir nutzen Derivate, um Währungsrisiken beziehungsweise Finanzierungskosten zu minimieren, die durch Wechselkurs- oder Zinsschwankungen bedingt sind. Finanzgeschäfte, operative Außenstände und Verpflichtungen werden im Wesentlichen kursgesichert. In bestimmten Fällen sichert das Unternehmen zusätzlich erwartete Umsätze und künftig anfallende Kosten für einen Zeitraum von bis zu drei Jahren ab (Details finden sich im Anhang zum Konzernabschluss in den Anmerkungen [40] bis [42]).

Marktpreis- und Marktwertrisiken

Die Wertansätze einzelner Bilanzposten sind dem Risiko sich verändernder Markt- und Geschäftsverhältnisse und damit auch Änderungen der beizulegenden Zeitwerte ausgesetzt. Im Fall notwendiger Wertminderungen können sich signifikante Ergebnisbelastungen und Auswirkungen auf die Bilanzrelationen ergeben. Dies gilt insbesondere für die hohen immateriellen Vermögenswerte einschließlich der Firmenwerte, die durch die Akquisitionen von Serono im Jahr 2007 sowie von Millipore im Jahr 2010 deutlich an Bedeutung für den Konzern gewonnen haben (Details finden sich im Anhang zum Konzernabschluss in der Anmerkung [23]).

Risiken im Zusammenhang mit Pensionszusagen

Merck hat Verpflichtungen im Zusammenhang mit Pensionszusagen. Die Höhe des Barwertes dieser Versorgungsverpflichtungen kann sich durch Veränderungen relevanter Bewertungsparameter, zum Beispiel des Zinssatzes, der Gehaltssteigerungsrate oder der Sterbewahrscheinlichkeiten, wesentlich erhöhen oder verringern. Die Pensionsverpflichtungen werden regelmäßig, mindestens jährlich, auf Basis extern erstellter versicherungsmathematischer Gutachten bewertet. Der größte Teil der Verpflichtungen ist durch die in der Bilanz ausgewiesenen Pensionsrückstellungen abgedeckt, während der kleinere Teil mit fondsfinanzierten Versorgungszusagen beziehungsweise mit zu diesem Zweck in der Bilanz ausgewiesenen langfristigen Geldanlagen unterlegt ist. Letztere beliefen sich 2010 auf 217 Mio EUR. Soweit Altersversorgungszusagen durch Planvermögen gedeckt sind, welches aus verzinslichen Wertpapieren, Aktien, Immobilien und anderen Vermögensanlagen besteht, können sich sinkende oder negative Renditen dieser Anlagen ungünstig auf den Wert des Planvermögens auswirken und somit weitere Zuführungen zu den Pensionsrückstellungen bedingen. Das Risiko von Marktwertschwankungen des Planvermögens wird durch eine diversifizierte Anlagestrategie reduziert.

Einschätzung durch unabhängige Rating-Agenturen

Der Kapitalmarkt nutzt Einschätzungen von Rating-Agenturen, um Fremdkapitalgeber bei der Beurteilung der Risikosituation eines Finanzinstruments zu unterstützen. Derzeit wird Merck von Standard & Poor’s und Moody‘s bewertet. Bei Standard & Poor’s hatte Merck im Dezember 2010 ein langfristiges Rating von BBB+ mit einem stabilen Ausblick. Moody’s bewertete uns im Dezember 2010 mit einem langfristigen Rating Baa2 mit stabilem Ausblick. Damit bestätigten uns beide Agenturen ein solides Investment-Grade-Rating.