
2010 haben wir die Transformation von Merck zu einem führenden Innovations- und Hochtechnologieunternehmen weiter vorangetrieben und dabei wichtige Meilensteine erreicht.
„Wir haben den Anspruch, das Unternehmen zu sein,
bei dem Freude an der Arbeit und Innovationskraft
zusammenfinden.“
Karl-Ludwig Kley
Wir haben die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von Merck nach dem Krisenjahr 2009 eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Unsere Gesamterlöse stiegen um 20 % auf den Rekordwert von 9,3 Mrd EUR. Das operative Ergebnis verbesserte sich sogar um 72 % auf 1,1 Mrd EUR. Der um Akquisitionen bereinigte Free Cash Flow überschritt mit fast 1,7 Mrd EUR erstmals und überaus deutlich die Milliarden-Schwelle. Das Ergebnis nach Steuern liegt um 70 % über Vorjahr. Angesichts dieser Zahlen werden wir der Hauptversammlung am 8. April vorschlagen, die Dividende auf 1,25 EUR pro Aktie zu erhöhen.
Mit der Akquisition von Millipore und der Kombination unserer Geschäfte sind wir zu einem weltweit führenden Partner der Life-Science-Industrie geworden. Unser Portfolio reicht von Laborchemikalien bis zu Komplettlösungen zur Herstellung von biopharmazeutischen Arzneimitteln und verhilft unseren Kunden zu Erfolgen in Forschung, Entwicklung und Produktion. Zugleich erschließen wir Möglichkeiten, Synergien mit unseren bestehenden Geschäften zu realisieren sowie neue Gebiete in Angriff zu nehmen.
Auch in der Geschäftsleitung haben wir die Weichen für die Zukunft gestellt. Stefan Oschmann hat zum 1. Januar 2011 als Verantwortlicher für das Pharmageschäft die Nachfolge von Elmar Schnee angetreten, der das Unternehmen verlassen hat. Auch an dieser Stelle geht mein Dank an Herrn Schnee, der die Integration von Merck Serono entscheidend geprägt und viel dazu beigetragen hat, dass wir das Geschäft von einer guten Basis aus weiterentwickeln können. In die Geschäftsleitung eintreten werden weiterhin Kai Beckmann, der zum 1. April das neu geschaffene Personalressort übernehmen wird, sowie Matthias Zachert, der zum 1. Juni 2011 die Nachfolge von Michael Becker als das für Finanzen zuständige Geschäftsleitungsmitglied antritt. Mit diesem neu aufgestellten Team schaffen wir hervorragende Voraussetzungen dafür, nun ein neues und erfolgreiches Kapitel der einzigartigen Merck-Geschichte aufzuschlagen.
Wir können das Unternehmen von der wirtschaftlich robusten und innovationsstarken Basis des Jahres 2010 aus weiterentwickeln.
Merck Serono, unsere Sparte für innovative, verschreibungspflichtige Medikamente, verzeichnete ein über dem Marktdurchschnitt liegendes Umsatzplus von 8,3 %. Anhaltend erfolgreich waren die beiden größten Produkte Rebif® (+8,6 % auf fast 1.700 Mio EUR) und Erbitux® (+18 % auf 820 Mio EUR). Die bereinigte Umsatzrendite belief sich auf 22 %. Wir haben aber nicht alle Ziele erreicht. So hat sich das wissenschaftliche Beratungsgremium der europäische Behörde European Medicines Agency (EMA) abschließend gegen die Zulassung von Cladribin-Tabletten zur Behandlung von Multipler Sklerose ausgesprochen. In den USA müssen wir noch auf das Ergebnis der behördlichen Prüfung warten.
Unser Selbstmedikationsgeschäft führen wir in der Sparte Consumer Health Care, die ihren Wachstumskurs fortgesetzt hat – abgesehen von unserem noch im Aufbau befindlichen Geschäft in China. Die dortigen Restrukturierungsmaßnahmen dämpften nicht nur das Umsatzwachstum, sondern schlugen auch auf die Rentabilität durch.
Seit Juli 2010 konsolidieren wir unser Life-Science-Geschäft einschließlich der akquirierten Millipore in der neuen Sparte Merck Millipore. Trotz der laufenden Integrationsarbeit konnten wir die Umsätze deutlich steigern. Die um die Akquisition bereinigte Umsatzrendite betrug fast19 %.
Die Sparte Performance Materials, in der wir unsere Materialiengeschäfte neu zusammengefasst haben, blickt auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück. Sie war mit einem Umsatzplus von 38 % unser größter Wachstumstreiber. Die Flüssigkristalle überschritten erstmals die Umsatzschwelle von 1 Mrd EUR, die Umsatzrendite der Sparte erreichte 42 %.
Auch regional waren wir erfolgreich. So erzielten wir in Asien, unserer zweitgrößten Region hinter Europa, mit einem Zuwachs von 37 % einen Umsatz von 2,3 Mrd EUR. In den USA stiegen die Umsätze auf 1,4 Mrd EUR – ein Plus von 32 %.
Wir blicken optimistisch in die Zukunft. Natürlich erwarten wir weitere Auswirkungen der weltweiten Finanz-, Wirtschafts- und Schuldenkrise, denn wichtige Volkswirtschaften sind derzeit noch weit von ihrer Stabilität und Dynamik früherer Tage entfernt. Auch der Finanzsektor bleibt verwundbar. Trotz aller dieser Risiken gehen wir aber für 2011 von einer positiven Wirtschaftsentwicklung aus. Für uns erwarten wir ein Wachstum der Gesamterlöse in einer Größenordnung von 13 % – 18 %. Das operative Ergebnis wollen wir zwischen 35 % und 45 % steigern.
Vor allem aber liegt unser Augenmerk darauf, Ihr Unternehmen strategisch weiterzuentwickeln:
Aufbauend auf unserer starken Position bei den Display-Materialien werden wir neue Gebiete und neue Technologien in Angriff nehmen. Nachdem wir zuletzt mit IPS, VA und PS-VA immer bessere Flüssigkristall-Technologien für schnellere und schärfere Bilder bei geringerem Energieverbrauch entwickelten, arbeiten wir heute schon an möglichen Nachfolgetechnologien.
Parallel dazu wollen wir uns auch in neuen Gebieten als Materiallieferant etablieren. Dazu gehören innovative Leuchtstoffe auf LED-und OLED-Basis, Materialien für die Energiespeicherung im Automobilbereich oder auch Produkte für die Photovoltaikindustrie, die in Solarzellen der nächsten Generation eingesetzt werden.
Mit Merck Millipore streben wir eine führende Rolle als Life-Science-Anbieter an. So etwa im biopharmazeutischen Markt, der hochrentabel ist und derzeit mit 12 % pro Jahr wächst. Kennzeichnend für die Prozesse in der modernen Biotech-Produktion ist die Zusammenarbeit mit Kunden bereits in Forschungs- und Entwicklungsprogrammen, wo wir unsere kombinierte Chemie-/Pharma-Expertise in Innovation ummünzen können. Und das zum Nutzen unserer Kunden, die - ist der Produktionsprozess für ein Medikament zugelassen - mit einem bewährten Lieferanten auch den gemeinsamen langfristigen Erfolg suchen.
Bei Merck Serono fokussieren wir uns auf Facharzt-Therapiegebiete mit hohem medizinischem Bedarf. Unsere Forschungsaktivitäten haben drei Schwerpunkte: Onkologie, neurodegenerative Erkrankungen sowie rheumatologische Indikationen. Parallel zur Entwicklung von spezifischen Therapien wollen wir konsequent Methoden der Patientenstratifizierung einsetzen: Wir werden noch stärker der Frage nachgehen, bei welchen Patientengruppen unsere Medikamente wirken und wie sich die Wirksamkeit von Therapien für einzelne Patienten vorhersagen lässt.
Wir haben den Anspruch, das Unternehmen zu sein, bei dem Freude an der Arbeit und Innovationskraft zusammenfinden. Denn das macht Merck aus: Ein inspirierendes und motivierendes Arbeitsumfeld, in dem jeder die Chance hat, außergewöhnliche Leistungen zu vollbringen und sich gleichzeitig weiterzuentwickeln.
Und deshalb engagieren sich unsere über 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tatkräftig zum Nutzen der Kunden und des Unternehmens. Ihnen, unseren Anteilseigenern und Kunden, gehört unser Dank für die Unterstützung und das Vertrauen. Meine Kollegen in der Geschäftsleitung und ich werden auch weiterhin alles daran setzen, dieses Vertrauen Tag für Tag aufs Neue zu rechtfertigen.

