Abfall enthält wertvolle Rohstoffe, die der Produktion wieder zugeführt werden können. Wir legen daher großen Wert sowohl auf die Vermeidung als auch auf die weitestgehende Wiederverwertung unserer Abfälle.
Unser Ansatz zu Abfall und Recycling
Wir wollen die Umweltauswirkungen unserer Abfallentsorgung so weit wie möglich minimieren und den Verlust von Rohstoffen begrenzen. Deshalb haben wir uns das Ziel gesetzt, Umweltbelastungen, die durch unseren Abfall entstehen, bis zum Jahr 2025 um 5 % zu verringern (im Vergleich zu 2016). Dieses Ziel wurde 2017 von der Geschäftsleitung verabschiedet.
Grundsätzlich versuchen wir, Abfälle zu vermeiden – beispielsweise durch die Entwicklung neuer und die Optimierung bestehender Produktionsverfahren. Da dies nicht immer machbar ist, möchten wir die anfallenden Abfälle soweit wie möglich stofflich oder energetisch wiederverwerten. Mit Maßnahmen wie Abfalltrennung ermöglichen wir eine Wiederverwertung der Rohstoffe. Abfälle, die nicht wiederverwertet werden können, beseitigen wir umweltverträglich und nach höchsten Entsorgungsstandards. Dabei richten wir uns nach den gesetzlichen Vorgaben vor Ort sowie den vorhandenen Entsorgungsmöglichkeiten.
Verantwortung für den Entsorgungsprozess
Als Abfallerzeuger sind wir bis zur endgültigen Entsorgung für unseren Abfall verantwortlich. Daher wählen wir unsere Dienstleister mit größter Sorgfalt aus und legen die Entsorgungsbedingungen vertraglich fest. Jeder unserer Dienstleister muss belegen können, dass er unseren Abfall ordnungsgemäß entsorgt. Mit stichprobenartigen eigenen Audits (beziehungsweise externen Audits in den USA) kontrollieren wir die fachgerechte Entsorgung unserer Abfälle – vor allem, wenn es sich um gefährliche Abfälle handelt.
Die Nichteinhaltung der Entsorgungsbestimmungen könnte für uns Bußgelder oder einen Reputationsverlust zur Folge haben. Für die von uns beauftragen Dienstleister wäre eine mögliche Folge die Beendigung des Geschäftsverhältnisses.
Wie wir unser Abfallmanagement und die Wiederverwertung organisieren
Die oberste Verantwortung für Abfallmanagement und Wiederverwertung trägt unsere Konzernfunktion „Environment, Health, Safety, Security, Quality“ (EQ). An unseren jeweiligen Standorten setzen die EHS-Manager unsere Vorgaben um (siehe hierzu auch das Kapitel Betrieblicher Umweltschutz). Auf das Abfallmanagement entfielen 2017 circa 25 % unserer EHS-Kosten. Darin enthalten sind die Personalaufwendungen der involvierten Abteilungen sowie die Kosten für die Abfallentsorgung durch externe Dienstleister.
Das Abfallmanagement ist Teil unseres unternehmensweiten Umweltmanagementsystems, das nach der internationalen Norm ISO 14001 zertifiziert ist. Neben der externen Zertifizierung prüfen wir unser Abfallmanagement zusätzlich im Rahmen von internen EHS-Audits (Corporate-Environment-Health-and-Safety-Audits). Unsere lokalen EHS- und Standortmanager informieren und sensibilisieren wir regelmäßig zum Thema Abfallentsorgung. Dies erfolgt beispielsweise im Rahmen von EHS-Foren oder -Kongressen. So stellen wir sicher, dass unsere Umweltstandards überall eingehalten werden.
Wozu wir uns verpflichten: konzernweiter EHS-Standard
Mit unserem konzernweit gültigen EHS-Standard „Waste Management“ haben wir einen einheitlichen Rahmen für das Abfallmanagement für alle Standorte geschaffen. Er definiert organisatorische Strukturen und Mindestanforderungen. Nach diesem Standard dokumentieren alle Standorte ihre Abfälle nach Art und Menge und übermitteln sie an die Konzernfunktion EQ.
Das „Merck Waste Scoring System“
Anfallender Abfall wird in unserem Unternehmen auf verschiedene Arten verwertet beziehungsweise beseitigt. Diese Entsorgungsarten haben unterschiedliche Umweltauswirkungen. Um dies bei unseren Maßnahmen zur Abfallreduzierung systematisch zu berücksichtigen, entwickelten wir 2016 das „Merck Waste Scoring System“:
Durch den „Merck Waste Score“ wollen wir das Abfallaufkommen der Standorte vergleichen und die Entwicklung unseres Abfallaufkommens verfolgen: Dazu wird die Abfallmenge den in der Grafik dargestellten fünf Kategorien zugeordnet und mit einem Faktor multipliziert, der mit der Umweltbelastung der Entsorgungsmethode ansteigt. Die Summe der Ergebnisse aller Kategorien ergibt dann den „Merck Waste Score“.
Weniger abfallbedingte Umweltauswirkungen bis zum Jahr 2025
2017 ermittelten wir konzernweit den „Merck Waste Score“ für das Jahr 2016. Auf Basis dieses Niveaus hat die Geschäftsleitung 2017 das Ziel verabschiedet, die Umweltbelastung durch unseren Abfall bis 2025 um 5 % zu verringern. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir bereits 2016 damit begonnen, unsere Produktionsprozesse und Entsorgungswege auf Verbesserungspotenziale hin zu untersuchen. 2017 führten wir die Untersuchung fort. Grundsätzlich sollen alle Standorte ihren Beitrag zur Abfallreduzierung leisten. Boden-, Bauschutt-, und Abbruchabfälle sowie Abfälle aus der Abwasserbehandlung gehen nicht in den „Merck Waste Score“ ein.
Unser Abfallaufkommen im Jahr 2017 ist gegenüber 2016 konstant bei 252 Kilotonnen geblieben. Boden-, Bauschutt- und Abbruchabfälle machen nach wie vor den größten Anteil unseres gesamten Abfallaufkommens aus: 37 % im Jahr 2017 und 31 % im Jahr 2016. Vor allem der Umbau unserer Unternehmenszentrale in Darmstadt verursachte große Mengen solcher Abfälle. Die Unternehmenszentrale wird 2018 fertiggestellt.
Umweltfreundlichere Entsorgungsmethode etabliert
An unserem Standort Molsheim, Frankreich, setzen wir unser neues Abfallziel bereits um: Seit April 2017 werden dort Nährmedienabfälle aus der Produktion kompostiert statt verbrannt. Hierfür werden die Abfälle in biologisch abbaubare Beutel gefüllt und zu lokalen Kompostieranlagen gebracht. Vor Ort werden sie zusammen mit Gemüse- und Grünabfällen kompostiert. Der Kompost wird von Gemeinden oder Privatpersonen zum Pflanzen genutzt. Jährlich müssen so 80 Tonnen weniger Abfall verbrannt werden.
Reduktion von Filterabfällen
Seit 2015 stellen wir die bisher mehrstufige Filterung von Fotolacken auf einen einstufigen Prozess um. Wir verwenden nur noch einen einzigen (statt mehrerer) Filter und sparen damit 50 % bis 70 % der Filterabfälle ein. Dieses Verfahren setzen wir seit 2017 auch in Anseong (Korea) ein – neben unseren Standorten in Hsinchu (Taiwan), Shizuoka (Japan) und Suzhou (China).
Optimierung und Modernisierung in Darmstadt
Am Standort Darmstadt haben wir verschiedene Prozesse angestoßen, um Abfälle zu reduzieren und Stoffe zu recyceln. So haben wir unter anderem 2016 und 2017 durch einen Lösungsmittel-Recyclingprozess 500 Tonnen Methanol wiederverwertet. Diese fallen bei der Herstellung von Bestandteilen für Kosmetikprodukte und der Aminosäure Glycin an.
Außerdem ersetzten wir 2016 die alte Abluftreinigung mittels Ölwäsche durch ein Verfahren, dass katalytische Verbrennung nutzt. 2017 erzielten wir so eine Abfallreduktion von 340 Tonnen und sparten dabei circa 150.000 € ein.