Bioethik

Die Bioethik befasst sich mit grundsätzlichen Fragen, die sich aus dem Umgang des Menschen mit anderen Lebewesen, sowohl mit anderen Menschen als auch mit Tieren, ergeben. Diese Fragen werden in der Öffentlichkeit zum Teil sehr kontrovers diskutiert, dies auch, weil jegliche ethische Position auch den unterschiedlichen kulturellen, gesellschaftlichen und religiösen Hintergrund der Beteiligten widerspiegelt.

Bioethische Themen ergeben sich für Merck aus einer Reihe von Beschäftigungsfeldern des Unternehmens. Dazu gehören unter anderem die Nutzung von Stammzellen, der Einsatz von genetisch veränderten Mikroorganismen, Forschung zu und Anwendung von Medikamenten zur Behandlung der Infertilität und der weite Bereich der klinischen Forschung.

Klinische Studien

Wir wollen durch Forschung und Entwicklung innovativer Medikamente menschliches Leiden lindern. Dabei orientieren wir uns an entsprechenden gesetzlichen, regulatorischen Vorgaben und Industriestandards. Bei klinischen Studien sind dies beispielsweise die Deklaration von Helsinki , die Prinzipien des amerikanischen Verbands PhRMA  (Pharmaceutical Research and Manufacturers of America) zu klinischen Studien oder das „Casebook on Ethical Issues in International Health Research“  der Weltgesundheitsorganisation WHO. Diese Richtlinien werden in interne „Standard Operating Procedures“ und detaillierte Handlungsanweisungen übersetzt, die allen Beteiligten zur Kenntnis gebracht werden und deren Einhaltung kontrolliert wird. Um der Öffentlichkeit unsere Position näherzubringen, veröffentlichen wir unsere Richtlinie zur Durchführung von klinischen Studien.

Stammzellforschung

Wo klare gesetzliche und regulatorische Vorgaben fehlen, hat Merck in enger Zusammenarbeit mit Experten entsprechende Richtlinien entwickelt. Die in der Richtlinie „Stem Cells and Human Cloning Principle“  beschriebenen Vorgaben ermöglichen Merck, im Rahmen etablierter ethischer Grundsätze und im eng definierten gesetzlichen Rahmen Forschung mit Stammzellen zu betreiben, ohne mit geltendem Recht in Konflikt zu geraten. Therapeutische Eingriffe in das menschliche Genom lehnt Merck ab und verfolgt solche Ansätze auch nicht.

Forschung für die Therapie von Unfruchtbarkeit

In der Behandlung der Infertilität verzichtet Merck auf jegliche Art der invasiven pränatalen Diagnostik. Wir sind im Rahmen unserer Richtlinie „Fertility Research Policy“  aber sehr wohl daran interessiert, die Überlebensrate befruchteter Embryonen zu verbessern und dadurch die Erfolgsrate der In-vitro-Fertilisation zu verbessern.

Merck Bioethics Advisory Panel

Das gesellschaftliche Umfeld, in dem bioethische Themen diskutiert werden, ist vielfältig: Viele dieser Frage werden von Land zu Land sehr unterschiedlich betrachtet und unterliegen darüber hinaus dem allgemeinen gesellschaftlichen Wandel. Für Merck als globales Unternehmen ist es daher notwendig, diese Entwicklungen auf internationaler Ebene zu berücksichtigen, Veränderungen wahrzunehmen und sie in unsere Positionen einfließen zu lassen. Um dies zu bewerkstelligen, hat Merck im Jahr 2011 das „Merck Bioethics Advisory Panel“ (MBAP) ins Leben gerufen, das mindestens einmal im Jahr tagt. Das Beratungsgremium setzt sich aus renommierten Experten auf dem Gebiet der Bioethik zusammen. Die Mitglieder vertreten eine Reihe von relevanten Disziplinen wie Recht, Theologie und Medizinethik.

Themen des Expertengremiums waren im Jahr 2011 unter anderem Stammzell- und Fertilitätsforschung, klinische Studien und Tierschutz. Als Konsequenz aus der Diskussion wurden die Forschungsrichtlinien für Stammzell- und Fertilitätsforschung sowie Tierschutz überarbeitet und von der Geschäftsleitung verabschiedet. Darüber hinaus wurde auf Anregung des MBAP ein interner Überwachungsausschuss für Stammzellforschung („Stem Cell Research Oversight Committee – SCROC“) eingerichtet.

Außerdem werden Themen besprochen, die Merck darauf vorbereiten, neue und durchaus schwierige Projekte im Einklang mit modernen ethischen Standards umzusetzen. Im Jahr 2012 war deshalb die klinische Forschung in Entwicklungs- und Schwellenländern Schwerpunkt der Diskussionen des MBAP. Hier ist besonders das Praziquantel-Projekt zu nennen:

Im Merck-Praziquantel-Spendenprogramm bekämpft Merck gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation WHO die Wurmerkrankung Bilharziose bei afrikanischen Schulkindern. Bisher sind Praziquantel-Tabletten nur für Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren geeignet; bei jüngeren Kindern kann die Krankheit derzeit nicht adäquat behandelt werden. Im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft (Public-Private Partnership – PPP ) forscht Merck an einer Formulierung von Praziquantel für Kleinkinder. Dieses Projekt macht klinische Studien mit Kindern in Afrika notwendig. Die Erziehungsberechtigten müssen in ethisch einwandfreier Weise über die Risiken einer Studienteilnahme aufgeklärt werden und ihre Einverständniserklärung abgeben. Wie das im Detail umgesetzt werden kann, wurde im MBAP besprochen.

Im Jahr 2013 wird das MBAP weitere Aspekte klinischer Forschung in Entwicklungs- und Schwellenländern diskutieren. Außerdem wird es bioethische Themen besprechen, die sich aus den Entwicklungen der personalisierten Medizin ergeben.