Rücknahmekonzepte sowie umweltverträgliche Entsorgung und Verwertung von Chemikalien und Verpackungen sehen wir als Teil unserer unternehmerischen Verantwortung. Durch die kontrollierte Rücknahme von benutzten Produkten und Verpackungen trägt Merck gemeinsam mit seinen Kunden dazu bei, die Umweltauswirkungen unserer Produkte und Dienstleistungen zu verringern. Dies spielt für Merck auch international eine wichtige Rolle, wir fördern dies auch in Schwellenländern.
Retrologistik®
In Deutschland und einigen anderen Ländern hat Merck schon vor über 20 Jahren unter dem Begriff Retrologistik ein eigenes System aufgebaut, dessen Ziel die umweltgerechte und sichere Entsorgung gebrauchter Verpackungen und Chemikalien ist. Dies ist ein etablierter und von den Kunden geschätzter Service.
2010 sind wir unter dem Namen „Environmentally Sound Management of Chemical Waste in South East Asia“ eine strategische Allianz mit der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ ) eingegangen. Sie hat zum Ziel, das Konzept der Retrologistik in Indonesien, auf den Philippinen und in Thailand zu etablieren, um das dortige Umweltbewusstsein zu stärken und den Umgang mit gefährlichen Stoffen zu verändern. Der Transfer von Merck-Technologie und -Wissen spielt dabei eine entscheidende Rolle. Mit diesem Projekt möchten wir zum einen Kenntnisse und Kompetenzen für eine umweltgerechte Lagerung von Chemikalien schaffen und zum anderen unseren Projektpartnern dabei helfen, den entstandenen Abfall fachgerecht zu klassifizieren, zu transportieren und zu beseitigen oder, sofern möglich, zu verwerten. Ursprünglich bis 2012 geplant, wurde das Gemeinschaftsprojekt von Merck und GIZ in Südostasien bis zum Sommer 2013 verlängert.
Nach drei Projektjahren sind wichtige Ergebnisse der strategischen Allianz die Verbesserung von Trainings-, Auditierungs- und Durchsetzungskapazitäten in den Ländern, eine größere Zahl von Anwendern, die ihre Chemikalien umweltverträglich handhaben und entsorgen, sowie ein größeres Angebot an qualifizierten Entsorgungsbetrieben.
Im Rahmen des Projekts wurden Informations- und Schulungsmaterialien entwickelt und in den jeweiligen Landessprachen zur Verfügung gestellt. Merck und GIZ haben gemeinsam über 1.000 Personen als „Trainer“ geschult, darunter Beschäftigte von Universitäten (Thailand) und Regierungsorganisationen (z. B. dem Philippine Department of Science and Technology oder dem indonesischen Umweltministerium). Das erworbene Wissen wird durch die Trainer – als Multiplikatoren – in ihren Institutionen und ihren Ländern weitergegeben. Bislang entsorgten die geschulten thailändischen Universitäten bereits acht Tonnen Laborabfälle, von staatlichen Laboren auf den Philippinen wurden zwei Tonnen Chemikalien über einen Projektpartner ordnungsgemäß entsorgt.
Außerdem wurden Anwender von Laborchemikalien zum richtigen Umgang mit Chemikalien etwa bei der Lagerung oder Entsorgung geschult, einige öffentliche Labors wurden als „Vorzeigelabors“ ausgestattet, die verantwortungsvolles und umweltverträgliches Chemikalienmanagement zeigen.
Die strategische Allianz unterstützt außerdem ausgewählte Unternehmen im Abfallsektor. So wurde im Industriepark der indonesischen Stadt Jababeka eine Anlage zum Waschen restentleerter Chemikalienflaschen errichtet, die nach europäischen Standards arbeitet. Sie kann von mindestens 150 Unternehmen genutzt werden. Auch die Umsetzung des Retrologistik-Konzepts auf den Philippinen speziell für Küvettentests für Fotometer ist weit fortgeschritten. So nehmen in der Region Luzon bereits 25 Unternehmen am System der fachgerechten Entsorgung teil. Mittlerweile konnten 3.000 Testsätze sicher entsorgt werden.
Die Ausweitung des Projekts nach Indien hat das Ziel, dort ein marktorientiertes Rücknahme- und Entsorgungssystem zu etablieren. Es soll, gestützt auf industrieweite Selbstkontrolle zum Umgang mit gefährlichen Abfällen und anerkannt durch verantwortliche Regulierungsbehörden, dem gesamten Markt zur Verfügung stehen. Nach der erfolgreichen Etablierung in zwei Pilotregionen wird das System landesweit ausgerollt.
Ech2o™: Recycling-Programm für Wasserfilterkartuschen
Das Geschäftsfeld Lab Water von Merck Millipore hat das ech2o -Programm für das Recycling von Wasserfilterkartuschen entwickelt. Das Programm ermöglicht es unseren Kunden, ihre Kartuschen zum Recycling zurückzusenden und damit traditionelle Entsorgungsmethoden wie Deponierung oder Verbrennung zu umgehen. Eine Lebenszyklusanalyse hat ergeben, dass es die Umweltauswirkungen der Kartuschen um 10 bis 15 % verringern kann. Mehr als 300 Kunden nutzen das Programm bereits.
Biopharma-Rücknahme- und -Recyclingprogramm
Einwegprodukte spielen in der biopharmazeutischen Industrie eine zunehmende Rolle. Verbesserungen bei der Entsorgung dieser Produkte ist wegen der fehlenden Recycling-Infrastruktur, dem Materialmix der Produkte und den speziellen Anforderungen für den Umgang mit Rückständen biologisch gefährlicher Materialien eine Herausforderung. Als einer der führenden Anbieter von Produkten für die Life-Science-Industrie startete Merck Millipore 2012 in den USA gemeinsam mit fünf Kunden ein Rücknahme-Pilotprogramm.
Das Pilotprojekt zeigte, dass das Recycling die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu traditioneller Entsorgung um bis zu 14 % reduzieren können. Dies wurde in einer „End-of-Life“-Lebenszyklusanalyse bestätigt. Im Pilotprojekt identifizierte Barrieren für das Recycling werden nun bei der Produktentwicklung berücksichtigt, um das Recyclingpotenzial neuer Produkte stetig zu verbessern, z. B. durch die vereinfachte Demontage oder die Erhöhung des Anteils wiederverwendbarer Materialien.
Für Ech2o und das Biopharma-Programm wurde Merck Millipore im Mai 2012 mit dem Boston Business Journal Green Business Award und im November 2012 mit dem MassRecycle Business Innovation Award ausgezeichnet.
