Unser Unternehmen bezieht zahlreiche Rohstoffe, Verpackungsmaterialien, technische Produkte, Komponenten und Dienstleistungen aus aller Welt. Unser Ziel ist es, die Stabilität der Lieferkette zu fördern und gleichzeitig unseren Kunden hochwertige Produkte und Dienstleistungen zu bieten. Wir erwarten von unseren Lieferanten, dass sie die in unseren Grundsätzen für verantwortungsvolle Beschaffung geregelten ethischen, sozialen und rechtlichen Standards teilen und sich auch in ihren eigenen Lieferketten danach richten.
Unser Ansatz für eine nachhaltigere Lieferkette
Eines der Ziele unseres Lieferantenmanagements ist die Einhaltung grundlegender Umwelt- und Sozialstandards – neben hoher Qualität, zuverlässiger Lieferung und wettbewerbsfähigen Preisen. Zu diesem Zweck haben wir entsprechende Strategien, Prozesse und Richtlinien eingeführt. Diese verbessern wir kontinuierlich, um Verstößen gegen Lieferkettenstandards vorzubeugen. Unsere Lieferketten sind vielfältig und weisen unterschiedliche Merkmale auf: Einige Lieferketten sind automatisiert, andere – vor allem im Dienstleistungssektor – sind arbeitsintensiv. Unser risikobasierter Auswahl- und Management-Ansatz berücksichtigt diese Vielfalt. So können unsere Mitarbeiter in der Beschaffung geeignete Maßnahmen zur Risikominderung für bestimmte Lieferanten ergreifen und Verbesserungen anregen.
Unser Ansatz für unsere strategischen Lieferanten (welche circa 43 % unserer Gesamtausgaben ausmachen) zur Identifizierung, Überwachung und Bewertung von Risiken in der Lieferkette besteht aus vier Hauptelementen:
- Lieferantenrisikobewertung: zur Erfassung der übergreifenden Risiken auf Ebene des Lieferanten-Einzelunternehmens, einschließlich verschiedener Risikodomänen. Im Jahr 2019 erhöhten wir die Datenqualität, indem wir unseren Datenquellenpool um NGOs und neue Finanzinformationsanbieter erweiterten.
- Warnsystem: zur Benachrichtigung unserer Procurement-Einheit, wenn bei einem unserer Lieferanten eine mögliche Störung droht.
- Materialrisikobewertungen: zur Erfassung der Risiken jener Materialien, aus denen unsere wichtigsten Endprodukte bestehen.
- Risk Response Tracker: zur Erarbeitung und Überwachung von Maßnahmen zur Risikominderung. Den Tracker führen wir nach einer Testphase im Jahr 2020 ein.
Wir berechnen die Risikofaktoren für Lieferanten und Rohmaterialien, indem wir die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Risikos mit den Risikoauswirkungen multiplizieren. Wir berücksichtigen 29 Risikoarten – beispielsweise „wirtschaftliche Freiheit“, „soziale Unruhen“, „unfaire Geschäftspraktiken“ und „schlechte Arbeitspraktiken“.
Für Lieferanten, die oberhalb einer bestimmten Kostenschwelle liegen, erweiterten wir zudem unsere Risikobewertungsmethode: Wir integrierten zusätzliche Faktoren wie Länder-, Branchen- und Lieferantenrisiken sowie die Auswirkungen auf unser Geschäft. Außerdem nahmen wir Kriterien auf, um Lieferanten zu identifizieren, die von Nachhaltigkeitsrisiken wie Mineralienbeschaffung oder Tierschutz betroffen sind.
Um eine möglichst ganzheitliche Sicht auf unsere Lieferkette zu erhalten, führten wir im Jahr 2019 den beschriebenen Risikomanagement-Ansatz mit unseren Nachhaltigkeitsaktivitäten zum „Programm zur Versorgungssicherheit“ („Supply Security Program“) zusammen. Auf diese Weise wollen wir die Corporate Responsibility (CR) innerhalb unseres Standardbeschaffungsprozesses weiter stärken.
Wie wir Corporate Responsibility-Standards entlang der Lieferkette umsetzen
Dem konzernweiten Bereich „Group Procurement“ obliegt es, die Corporate-Responsibility-Anforderungen in die relevanten Phasen unserer Beschaffungs- und Lieferantenmanagement-Prozesse zu integrieren. Bei diesem Bereich handelt es sich um eine weltweite Organisation mit direkter Verantwortung sowie Personal in den einkaufsrelevanten lokalen Tochtergesellschaften. Unser „Center of Excellence for Supplier Security“ (Kompetenzzentrum für Lieferantensicherheit) koordiniert die entsprechenden Maßnahmen. Diese sind beispielsweise die Aktualisierung unserer Richtlinien, die Überprüfung von Prozessen und die Koordination unserer Beteiligung an externen Initiativen. Einkaufsmitarbeiter, die für die Auswahl und Beauftragung von Lieferanten zuständig sind, informieren wir durch interne Kommunikationskanäle und Schulungen über unsere Richtlinien, CR-Anforderungen und regelmäßig über Neuerungen.
Im Jahr 2019 umfassten unsere Schulungsaktivitäten – beispielsweise die „Procurement Training Academy“ – für Mitarbeiter von Group Procurement auch Veranstaltungen zum Thema Nachhaltigkeit.
Integration von Versum Materials und Intermolecular
Der Zukauf der beiden Unternehmen Versum Materials und Intermolecular führte zu einer Veränderung unseres Lieferantenportfolios. Die dargestellten Beschaffungsprozesse gelten derzeit nicht in vollem Umfang für Versum Materials und Intermolecular. Wir prüfen zurzeit die Konformität der bestehenden Prozesse und werden sie, wo notwendig, entsprechend anpassen.
Bis zum Abschluss dieser Integration wendet Versum Materials weiterhin eigene Richtlinien und Prozesse an. Versum Materials veröffentlicht einen Konfliktmineralienbericht gemäß Rule 13p-1 des US-amerikanischen Aktien- und Börsengesetzes („Securities Exchange Act of 1934“). Das Unternehmen verfügt über eine Konfliktmineralienrichtlinie sowie über entsprechende Due-Diligence-Prozesse.
Wir sind dabei, einen unternehmensweiten Due-Diligence-Prozess für „Responsible Minerals Sourcing“ (verantwortungsvolle Beschaffung von Mineralien) gemäß der OECD-Richtlinie zu entwickeln. In diesen Prozess beziehen wir Maßnahmen ein, die in unseren Unternehmensbereichen bereits umgesetzt sind, und entwickeln sie weiter. In der zweiten Jahreshälfte 2019 etablierten wir ein interdisziplinäres Team mit Vertretern aus den Unternehmensbereichen und Konzernfunktionen sowie eines Vertreters von Versum Materials. Ende 2019 entwarfen wir ein Managementsystem für Konfliktmineralien; dessen Bestandteile werden im Jahr 2020 näher definiert.
Wozu wir uns verpflichten: Richtlinien und Standards
Wir erwarten von allen Lieferanten und Dienstleistern, dass sie Umwelt- und Sozialstandards einhalten. Diese Standards ergeben sich vor allem aus den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und dem Global Compact der Vereinten Nationen.
Darüber hinaus unterstützen wir die Compliance-Initiative des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME) und sind Unterzeichner des BME-Verhaltenskodex. Dieser Kodex enthält insbesondere Regelungen zur Bekämpfung von Korruption, Kartellbildung und Kinderarbeit, zur Wahrung der Menschenrechte, zum Schutz von Umwelt und Gesundheit sowie zur Förderung fairer Arbeitsbedingungen.
Wir sind bestrebt, unsere Geschäftstätigkeit im Einklang mit Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards sowie unter Einhaltung der Menschenrechte auszuüben. Darüber hinaus halten wir uns an die in unserem Verhaltenskodex und unserer Menschenrechtscharta geregelten Standards. Wir erwarten von unseren Lieferanten, dass sie die in unseren Grundsätzen für verantwortungsvolle Beschaffung geregelten Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards einhalten und deren Einhaltung auch bei ihren Lieferanten sicherstellen.
Wir berücksichtigen alle Änderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen. Bei Bedarf ergreifen wir geeignete Maßnahmen. Im Jahr 2019 überarbeiteten wir unser Lieferantenmanagementverfahren. Die neue Version trat Ende 2019 in Kraft. Wir beziehen nun bei der Auswahl von Schlüssellieferanten deren Corporate Responsibility-Programm mit ein und überprüfen Fortschritte bei Corporate Responsibility-Aspekten im Rahmen unserer Lieferantenleistungsbewertung.
Weltweite Beschaffung
Der Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die wir im Jahr 2019 von über 55.000 Lieferanten aus fast 150 Ländern beschafften, belief sich auf rund 7,5 Milliarden €1; gegenüber 7,4 Milliarden € im Jahr 2018. Das entspricht einem Anstieg von 2 %. 23 % dieser Waren und Dienstleistungen (einschließlich F&E-Leistungen) bezogen wir von Lieferanten aus Nordamerika, 53 % von europäischen Zulieferern, 16 % von Lieferfirmen aus dem Asien-Pazifik-Raum, 1 % von Lieferanten des Nahen Ostens und des afrikanischen Kontinents und 4 % von Zulieferern aus Lateinamerika.
Beschaffungsvolumen und Lieferanten nach Region – 20191,2
2) Die Zahlen enthalten keine Daten von Versum Materials und Intermolecular, da der Prozess der Integration noch läuft. Für weitere Informationen siehe Berichtsprofil.
Botschafter für nachhaltigere Lieferketten
Im Oktober 2019 veröffentlichte die Initiative Together for Sustainability (TfS) auf dem sozialen Netzwerk LinkedIn eine Plattform mit dem Titel „Sustainable Procurement Pledge“ (Bekenntnis zu nachhaltiger Beschaffung). Diese Plattform wendet sich an alle Einkaufsmitarbeiter, Wissenschaftler und Studenten, die Nachhaltigkeitsbotschafter werden wollen, um durch ihr persönliches Engagement eine verantwortungsvolle Beschaffungsagenda zu fördern. Da wir Mitglied des TfS sind, unterzeichneten das Bekenntnis bereits viele unserer Einkaufsmitarbeiter.
Wie wir unsere Lieferkette überprüfen
Um unsere Lieferanten zu überprüfen und die Einhaltung unserer Standards und Werte sicherzustellen, verfolgen wir eine Reihe unterschiedlicher Ansätze. Sie richten sich grundsätzlich nach dem Risikopotenzial, das sich aus den Faktoren Länderrisiko, Branchenrisiko und Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb, ergibt.
- Im Rahmen der von Unternehmen der chemischen Industrie ins Leben gerufenen Initiative Together for Sustainability (TfS) fordern wir unsere Lieferanten auf, sich entweder anhand von Selbstauskünften oder Audits bewerten zu lassen. Wir sind seit 2014 Mitglied der TfS.
- In ausgewählten Fällen führen wir bei Lieferanten eigene CR-Audits durch.
- Bezüglich unserer Glimmer-Lieferkette beauftragen wir ein international tätiges Beratungsunternehmen mit der Durchführung von Audits; die indische Organisation IGEP übernimmt zusätzliche Kontrollen.
Im Jahr 2019 entschieden wir uns, neben TfS weitere CR-Zertifizierungen und Audits unserer Lieferanten anzuerkennen. Anerkannt werden jetzt auch Prüfungen nach der „Pharmaceutical Supply Chain Initiative“ (PSCI) und nach dem „Sedex Members Ethical Trade Audit“ (SMETA).
Lieferantenbewertungen und -audits durch TfS
Im Rahmen von TfS erfolgt die Bewertung der Lieferanten entweder anhand der bei Audits gewonnenen Informationen oder anhand von Selbstauskünften und öffentlich zugänglichen Informationen. Letztere stellt die unabhängige Rating-Agentur EcoVadis bereit. EcoVadis bewertet Lieferanten aus 155 Ländern und 198 Branchen in den vier Kategorien Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik sowie nachhaltige Beschaffung. Die TfS-Mitgliedsunternehmen erhalten – unter Einhaltung aller wettbewerbsrechtlichen Bestimmungen – Einsicht in diese Ergebnisse. Der strategische Schwerpunkt der TfS-Aktivitäten liegt vor allem auf nachweisbaren Verbesserungen der Nachhaltigkeitsstandards von Lieferanten. Im Jahr 2019 änderte TfS ihr Kennzahlen-Portfolio (KPI-Portfolio), um die Aktivitäten der Mitglieder besser messen zu können. Der Schwerpunkt liegt seither stärker auf Fortschritt und Verbesserung statt auf der Anzahl der Bewertungen und Audits.
Wir führten mehrere interne Online-Seminare durch und luden Lieferanten zu einer TfS-Schulung in Schanghai (China) ein.
Über die TfS-Initiative haben wir Zugriff auf Bewertungen von mehr als 1.600 unserer Lieferanten. Im Jahr 2020 wollen wir die Bewertungsergebnisse intensiver analysieren und umfassende Maßnahmen zur Risikominderung implementieren.
Durchführung eigener Audits
Je nach geschäftlichen Anforderungen führen wir in ausgewählten Fällen eigene Audits durch. Dabei gab es im Berichtszeitraum weder Hinweise auf Verstöße gegen das Recht auf Vereinigungsfreiheit beziehungsweise auf Kollektivverhandlungen noch auf Fälle von Kinderarbeit, Zwangsarbeit oder Pflichtarbeit.
Lokale Lieferanten
Wir haben keine internen Richtlinien, die bei der Vergabe von Aufträgen eine Bevorzugung lokaler Lieferanten vorschreiben. Daten dieser Art erheben wir daher nicht. Unsere Waren und Dienstleistungen beschaffen wir grundsätzlich weltweit. Allerdings haben lokale Anbieter in einigen Fällen einen Vorteil: Es kann günstiger sein, ein Produkt vor Ort einzukaufen, da die Transportkosten geringer sind. Länderspezifische Bestimmungen, etwa über Importzölle oder Lizenzen, fließen ebenfalls in die Entscheidung ein, ob wir unsere Waren vor Ort oder weltweit beschaffen. In einigen Ländern ist durch nationale Gesetze vorgeschrieben, dass Aufträge an Lieferanten aus der Region zu vergeben sind.
Vielfalt der Lieferanten
In den USA verfügen wir über ein spezielles Programm zum Thema Lieferantenvielfalt, das bereits deutlich gewachsen ist. Im Rahmen dieses Programms für Kleinunternehmen („Small Business Program“) stiegen die Ausgaben für Kleinunternehmen im Jahr 2019 gegenüber 2018 um 146 %, für von Frauen geführte Kleinunternehmen („Small Women-owned companies“) sogar um 294 %. Unsere Maßnahmenschwerpunkte legten wir auf verschiedene interne Sensibilisierungskampagnen, „Supplier Diversity Days“, Schulungen für unsere Beschaffungsmanager sowie Investitionen in Tools, um unsere Datenbank für Lieferantenvielfalt zu erweitern.