Die Sicherheit unserer Anlagen und Prozesse ist ein zentrales Element unseres betrieblichen Umweltschutzes. So schützen wir sowohl unsere Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen als auch die Menschen in unserer direkten Nachbarschaft. Leistungsstarke Sicherheitssysteme tragen außerdem dazu bei, Fehler in der Produktion zu minimieren und wirtschaftlichem Schaden vorzubeugen.
Unser Ansatz für Prozess- und Anlagensicherheit
Wir wollen Gefahren im Produktionsablauf minimieren, um Arbeitsunfälle, Produktionsausfälle oder die Freisetzung von Chemikalien zu verhindern. Regelmäßige Schulungen helfen unseren Mitarbeitern, menschliche Fehler zu vermeiden und technische Fehler zu erkennen, bevor sie Schaden verursachen.
Wie wir unsere Prozess- und Anlagensicherheit organisieren
Die Konzernfunktion „Environment, Health, Safety, Security, Quality“ (EQ) koordiniert die Anlagen- und Prozesssicherheit in unserem Unternehmen („Betrieblicher Umweltschutz“). Die operative Verantwortung liegt bei unseren Standorten und deren EHS-Managern. Insbesondere der Brandschutz ist bedeutend für die Sicherheit unserer Anlagen und Prozesse.
Wir überprüfen unsere Prozess- und Anlagensicherheit durch interne EHS-Audits. Dabei kontrollieren wir auch Lieferanten. Diese wählen wir anhand von Kriterien wie Einkaufsvolumen, Art der gelieferten Rohstoffe und geografischer Lage aus. Stellen wir technische oder organisatorische Mängel bei Arbeitsschutz und Anlagensicherheit fest, sind unsere Lieferanten angehalten, diese zu beheben. An unseren eigenen Standorten ist es verpflichtend, die im Audit erkannten Mängel zu beheben. Der Auditor kontrolliert, dass unsere Standorte die vereinbarten Verbesserungsmaßnahmen auch ergreifen. Bei unseren Lieferanten kontrolliert dies unsere Einkaufsorganisation.
Integration von Versum Materials und Intermolecular
Im Zuge der Integration der von uns akquirierten Unternehmen Versum Materials und Intermolecular prüfen wir die dort bestehenden Managementstrukturen, Policies, Standards und Abläufe für Prozess- und Anlagensicherheit. Wo notwendig, implementieren wir unsere internen, unternehmensweiten Vorgaben. Ebenso überprüfen wir den bisherigen Erhebungsprozess für Kennzahlen zur Prozess- und Anlagensicherheit und arbeiten an einer Vereinheitlichung der Methodologie sowie der Zeitvorgaben. Ab dem Berichtsjahr 2020 beziehen wir Kennzahlen zur Prozess- und Anlagensicherheit für Versum Materials und Intermolecular in unsere Berichterstattung ein.
Wozu wir uns verpflichten: Standards und Gesetze
Unser konzernweit gültiger EHS-Standard „Plant and Process Safety“ schreibt sicherheitsrelevante Regeln für alle unsere Produktionsanlagen und Lager vor. Diese Vorgaben erstrecken sich über den gesamten Lebenszyklus einer Anlage – von Planung und Bau, über Betrieb, Änderungen, Wartung und Instandhaltung bis hin zur Stilllegung. Bevor wir eine Anlage in Betrieb nehmen, erarbeiten wir ein Sicherheitskonzept. Dieses überprüfen wir bis zu ihrer Stilllegung regelmäßig und passen es gegebenenfalls an. Es enthält eine Übersicht über potenzielle Risiken und entsprechende Schutzmaßnahmen.
Der konzernweit gültige EHS-Standard „Spillage Control“ regelt unseren Umgang mit Gefahrstoffen. Er macht organisatorische Vorgaben, die eine Freisetzung von giftigen Stoffen bei Lagerung und Transport verhindern sollen. Darüber hinaus legt der sogenannte „Risk Management Process“ für all unsere Standorte fest, wie wir Risiken identifizieren und bewerten. Bei Bedarf erarbeiten wir mithilfe dieses Prozesses zusätzliche Maßnahmen, um diese Risiken zu minimieren. Unsere „Group Procedure Hazard and Operability Study“ definiert, wer bei einer Neuinstallation, einem Umbau oder sicherheitstechnisch relevanten Veränderungen einer Anlage potenzielle Gefahren untersuchen muss. Darin ist außerdem festgelegt, wie diese Gefahrenermittlung durchgeführt und dokumentiert werden soll. 2019 überarbeiteten wir den Standard „Fire Protection“. Er gibt unseren Standorten klare Vorgaben zum Feuerschutz an die Hand.
Die aktualisierte EU-Richtlinie zur „Beherrschung der Gefahren schwerer Unfälle mit gefährlichen Stoffen“ (kurz: Seveso III) wurde 2017 mit der Neufassung der „12. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes“ (kurz: Störfall-Verordnung - 12. BImSchV) in deutsches Recht umgesetzt. Unsere Prozesse und Dokumente, um potenzielle Gefahren zu ermitteln und zu melden, entsprechen den gesetzlichen Anforderungen. Die Öffentlichkeit kann unsere Sicherheitsberichte jederzeit auf Anfrage einsehen. Am Standort Darmstadt informieren wir durch Nachbarschaftstreffen über potenzielle Gefahren sowie Schutzmaßnahmen im Falle eines Störfalls. Unsere begleitende Störfallbroschüre aktualisieren wir alle drei Jahre; nach jeder Aktualisierung verschicken wir sie an circa 17.000 Haushalte im weiteren Standortumfeld. Sie ist zudem auf unserer Webseite abrufbar.
Sicherheit genau im Blick
Mit unseren EHS-Leistungsindikatoren machen wir Sicherheit messbar und identifizieren Verbesserungspotenzial. Die EHS-Leistungsindikatoren erheben wir an allen Produktions- und Lagerstandorten sowie an großen Forschungsstandorten. Dabei erfassen wir sowohl Unfälle als auch Beinaheunfälle. Wir untersuchen jedes einzelne Ereignis und ergreifen Gegenmaßnahmen, die auf dieser Auswertung basieren. So vermeiden wir, dass sich derartige Unfälle zukünftig wiederholen.
Mit unserer „EHS Incident Rate“ (EHS IR, siehe nächster Abschnitt) erfassen und bewerten wir alle kleinen und großen Ereignisse; sie enthält auch den Indikator „Loss of Primary Containment“ (LoPC, deutsch: Freisetzung chemischer Stoffe durch Versagen des Einschlusssystems). Ein weiterer wichtiger Indikator ist die „EHS Leading Rate“ (EHS LR) – diese beinhaltet die Anzahl und Analyse von Beinaheunfällen und kritischen Situationen. 2019 definierten wir den zusätzlichen Indikator „Occupational Illness Rate“ (OIR, deutsch: Berufsbedingte Krankheitsrate). So wollen wir zukünftig arbeitsbedingte Erkrankungen und ihre Langzeitwirkungen erfassen. Damit ergänzt die OIR unsere EHS IR, die spontane Unfallereignisse erfasst.
Wir haben uns außerdem zum Ziel gesetzt, die „Lost Time Injury Rate“ (LTIR) bis 2020 konzernweit auf 1,5 zu stabilisieren. Sie misst weltweit Unfälle mit mindestens einem Ausfalltag pro eine Million Arbeitsstunden. Teilweise definieren unsere Unternehmensbereiche eigene Jahresziele für die EHS IR sowie für die EHS LR. Informationen über die EHS-Leistungsindikatoren werden auf Ebene der Unternehmensbereiche monatlich berichtet; die Geschäftsleitung erhält halbjährliche Berichte.
Unfall- und Ereignishäufigkeitsrate
Um Unfälle und andere Ereignisse zu dokumentieren, erheben wir die „EHS Incident Rate“ (EHS IR, Unfall- und Ereignishäufigkeitsrate). Sie setzt sich aus vier Arten von Vorfällen zusammen:
- Die Anzahl der Arbeitsunfälle unserer Mitarbeiter sowie der Mitarbeiter von Drittfirmen, die an unseren Standorten beschäftigt sind
- Umweltrelevante Ereignisse nach der Definition des europäischen „Chemical Industry Council“ (Cefic) und des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) – beispielsweise die Freisetzung von Substanzen
- Das Auslösen betrieblicher Sicherheitsvorkehrungen ohne Auswirkungen für Mensch und Umwelt – beispielsweise das präventive Abschalten von Anlagen
- Festgestellte Abweichungen bei externen Überprüfungen und Audits
In die Berechnung der EHS IR fließen die Anzahl der Vorfälle und die Schwere des Ereignisses im Verhältnis zu den geleisteten Arbeitsstunden ein. Je niedriger die EHS IR, desto sicherer ist also ein Standort.
3,6
betrug unsere Kennzahl EHS IR im Jahr 2019. Damit sank sie deutlich im Vergleich zum Vorjahr (2018: 5,3). Im Berichtsjahr führten wir eine neue Berechnungsmethode ein, die bedingt, dass die Werte für die EHS IR von den bisher berichteten abweichen.
Im Jahr 2019 registrierten wir konzernweit keine wesentlichen störungsbedingten Freisetzungen von Substanzen an unseren Produktions-, Forschungs- und Lagerstandorten.
Schulungen und Austausch
Die Sicherheit unserer Anlagen und Prozesse beruht auf einem guten Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Wir legen großen Wert darauf, unsere Mitarbeiter regelmäßig zur Prozess- und Anlagensicherheit zu schulen. Auch die internen Fortbildungsmaßnahmen für Standort-, Produktions-, Technik- und EHS-Verantwortliche umfassen dieses Thema. Alle neuen EHS-Manager erhalten Einstiegsschulungen zur Prozess- und Anlagensicherheit. 2019 nahmen 25 neue EHS-Manager an solchen Schulungen teil.
Um die Sicherheit zu verbessern, gibt es zudem einen fortlaufenden Informations- und Erfahrungsaustausch. So können alle unsere Produktionsstandorte aus den Ereignissen an anderen Standorten lernen und vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Standortleiter und EHS-Manager tauschen sich beispielsweise monatlich in den „Safety Leadership Calls“ über neue Erfahrungen aus. Ergänzend gibt es regelmäßige Gesprächsrunden zwischen den EHS-Managern der Standorte.