Der Klimawandel ist eine der zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Auch unser Unternehmen erzeugt Treibhausgase. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, diese Emissionen zu reduzieren, um das Klima zu schützen. Dies erwarten auch unsere Kunden und Stakeholder von uns. Zwar können durch strengere regulatorische Anforderungen Planungs- und Investitionsunsicherheiten entstehen. Aber Klimaschutz zahlt sich aufgrund zunehmender gesetzlicher Regulierung und steigender Energiekosten auch finanziell immer mehr aus.
Unser Beitrag zum Klimaschutz
Wir wollen unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Unser Ziel ist es, sowohl unsere direkten Treibhausgasemissionen (Scope 1) als auch die indirekten Emissionen (Scope 2) bis 2020 im Vergleich zu 2006 um 20 % zu reduzieren. Dieses Ziel hat die Geschäftsleitung im Jahr 2009 verabschiedet. Scope 1 umfasst Emissionen, die in unserem Unternehmen entstehen, beispielsweise bei der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen. Scope 2 bezieht sich auf Emissionen aus zugekaufter Energie wie etwa Strom oder Fernwärme.
Weltweit sind 40 unserer Standorte für rund 80 % unserer Treibhausgasemissionen verantwortlich. Auf diese zielen unsere Maßnahmen schwerpunktmäßig ab.
Energieeinsparungen sind für uns ein zentraler Bestandteil von Klimaschutz. Durch technische Anpassungen und Modernisierungen verbessern wir die Energieeffizienz bei unserer Forschung, in der Produktion sowie in unseren Gebäuden. Die gleiche Bedeutung für den Klimaschutz messen wir der Reduktion von prozessbedingten Emissionen bei. Darüber hinaus arbeiten wir daran, unsere Emissionen aus der Energieerzeugung zu senken. Sofern wirtschaftlich sinnvoll, setzen wir dazu auch auf die Eigenerzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen.
Wie wir unsere Klimaschutzmaßnahmen organisieren
Für die weltweite Steuerung aller Klimaschutzmaßnahmen ist unsere Konzernfunktion „Environment, Health, Safety, Security, Quality“ (EQ) verantwortlich („Betrieblicher Umweltschutz“). Die Standorte nehmen die konkrete Umsetzung der vorgegebenen Klimaschutzmaßnahmen vor.
Wozu wir uns verpflichten: Standards und gesetzliche Rahmenbedingungen
Unser konzernweit einheitliches Management von Energie und prozessbedingten Emissionen stellen wir durch unsere EHS-Standards (Corporate Environment, Health and Safety Standards) „Energiemanagement“ und „Emissionen von Kältemitteln“ sicher. Wir prüfen die Einhaltung aller EHS-Standards stichprobenartig im Rahmen unseres EHS-Audit-Prozesses.
Wir wissen, dass effizientes Energiemanagement sowohl eine herausragende Rolle für den Klimaschutz spielt als auch für unsere Kunden zunehmend wichtig ist. Deshalb haben 13 unserer Standorte entschieden, sich nach der internationalen Energiemanagement-Norm ISO 50001 zertifizieren zu lassen.
Unser Konzern unterliegt verschiedenen nationalen und internationalen Energie- und Emissionsvorschriften. Dazu gehören beispielsweise das deutsche Energieeinsparungs- und das Erneuerbare-Energien-Gesetz sowie die EU-Richtlinie 2012/27/EU. Diese Richtlinie schreibt vor, dass betroffene Unternehmen Energiemanagementsysteme einrichten oder regelmäßige Energie-Audits durchführen müssen. Die Standorte, die diesen Verpflichtungen unterliegen, sind für deren Umsetzung selbst verantwortlich und lassen sich durch interne oder externe Experten auditieren.
Im April 2018 trat die überarbeitete Emissionshandelsrichtlinie in Kraft. Die Richtlinie soll den rechtlichen Rahmen für emissionshandelspflichtige Anlagen in der Europäischen Union (EU) setzen, und zwar für die vierte Handelsperiode des EU-Emissionshandels (2021 – 2030). Wir rechnen damit, dass wir in dieser vierten Handelsperiode Emissionszertifikate hinzukaufen müssen, die wir in der dritten Handelsperiode (2013 – 2020) noch überwiegend kostenlos erhalten.
Energieverbrauch leicht gestiegen
Wir haben 2018 insgesamt 2.232 Gigawattstunden Energie verbraucht – im Vergleich zu 2.194 Gigawattstunden im Jahr 2017. Bezogen auf den Umsatz im Berichtszeitraum betrug unsere Energieintensität 0,15 Kilowattstunden pro Euro.
Sinkende Emissionen trotz Wachstum
Unsere Treibhausgasemissionen haben wir trotz Wachstum des operativen Geschäfts im Vergleich zum Jahr 2006 um rund 11 % gesenkt. So verringerten wir unter anderem unsere prozessbedingen Emissionen von 111.000 Tonnen im Jahr 2017 auf 92.000 Tonnen im Berichtsjahr. Insgesamt stießen wir im Jahr 2018 698.000 Tonnen an CO2-Äquivalenten aus, im Jahr 2017 waren es 704.000 Tonnen. Die Intensität der Treibhausgasemissionen betrug im Berichtszeitraum 0,047 kg CO2eq-Emissionen pro Euro Umsatz.
Zwischen 2006 und 2018 haben sich unsere Umsätze mehr als verdoppelt. Demnach reduzierten sich unsere Emissionen im Verhältnis zum Umsatz deutlich.
Gesamte Treibhausgasemissionen (in Kilotonnen)1
(Scope 1 und Scope 2 des „Greenhouse Gas Protocol“)
Strategisches Programm zum Klimaschutz
Unser strategisches Edison-Programm bündelt seit 2009 alle Maßnahmen, mit denen wir die Energieeffizienz verbessern und prozessbedingte Treibhausgasemissionen senken. Dazu arbeitet die Konzernfunktion EQ mit einer Arbeitsgruppe zusammen, in der alle Unternehmensbereiche vertreten sind. Alle Standorte können Projektvorschläge zur Reduzierung von CO2-Emissionen einreichen.
Mit den über 360 Edison-Maßnahmen, die wir seit 2012 angestoßen haben, wollen wir mittelfristig rund 177.000 Tonnen CO2 jährlich einsparen. Insgesamt haben wir durch die Edison-Projekte seit 2012 circa 89.000 Megawattstunden Energie eingespart, der überwiegende Teil davon war Strom.
Von den 48 Edison-Projekten, die für 2018 genehmigt waren, haben wir bis zum Jahresende 34 Projekte umgesetzt oder gestartet. Diese Projekte sollen mittelfristig circa 75.000 Tonnen CO2 einsparen. Zudem sammelten wir – wie schon in den Vorjahren – neue Projektvorschläge.
Die Schwerpunkte der laufenden Effizienzprojekte lagen im Berichtszeitraum auf der Optimierung von Klima- und Belüftungsanlagen, der Nutzung und Optimierung von Elektromotoren sowie der Energieerzeugung. Der Fokus lag dabei auf Anlagen in Deutschland, den USA und der Schweiz.
Bereits 2017 verabschiedete unsere Geschäftsleitung zudem einen Maßnahmenplan, mit dem die noch fehlenden Einsparungen zur Erreichung unseres Klimaziels verwirklicht werden sollen. 2018 entschied sie ergänzend, die Erreichung des Klimaziels durch den Einkauf von Strom aus erneuerbaren Energien voranzutreiben.
Investitionen in erneuerbare Energien
Wir nutzen weltweit Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von circa 2.500 Kilowatt. An unserem Standort in Burlington (Massachusetts, USA), installierten wir 2017 eine Solaranlage. Mit einer Leistung von 182 Kilowatt erzeugte diese 2018 etwa 136.000 Kilowattstunden Strom und reduzierte so unsere Emissionen um etwa 37 Tonnen.
Mitarbeiter für den Klimaschutz sensibilisieren
Wir motivieren unsere Mitarbeiter, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. In unserem EHS-Newsletter berichten wir jährlich über konzernweite Klimaschutzmaßnahmen. Informationen und Tipps stehen allen Beschäftigten im Intranet zur Verfügung. Außerdem unterstützen wir Mitarbeiter, die sich klimaschonend fortbewegen möchten. So ersetzen wir beispielsweise fortlaufend unseren Pool an Leasingfahrzeugen mit effizienteren Modellen. Auf diese Weise wollen wir den durchschnittlichen CO2-Ausstoß unserer Dienstwagenflotte konzernweit bis zum Jahr 2020 um 30 % im Vergleich zu 2013 reduzieren.
Zuschüsse für unsere Mitarbeiter
Im Januar 2017 haben wir den CO2-Emissionswert für neu zugelassene Dienstfahrzeuge der Merck KGaA von 150 g/km auf maximal 135 g/km reduziert. Aktuell sind wir dabei, unsere Emissionsgrenzen für Fahrzeuge auf die neuen Vorgaben (Prüfzyklus) anzupassen. In unseren deutschen Tochtergesellschaften bieten wir Mitarbeitern, die freiwillig klimaschonende Fahrzeuge wählen, einen Zuschuss von 100 € zur monatlichen Leasingrate an.
Der durchschnittliche Emissionswert unserer Dienstwagenflotte in Darmstadt und Gernsheim liegt derzeit bei 122 g/km. Der Anteil an Elektrofahrzeugen beträgt dabei rund 15 %.
In den USA unterstützen wir unsere Mitarbeiter finanziell bei klimaschonenden Maßnahmen. Sie erhalten bis zu 1.000 US-Dollar Zuschuss beim Bau einer privaten Solaranlage, bis zu 100 US-Dollar Zuschuss, um ein Energie-Audit für ihr eigenes Haus durchzuführen, und bis zu 3.500 US-Dollar Zuschuss beim Kauf eines Hybrid- oder Elektroautos. Bisher förderten wir bei 55 unserer Beschäftigten den Bau von Solaranlagen. Bereits 361 Mitarbeiter unterstützten wir dabei, auf ein Hybrid- oder Elektrofahrzeug umzusteigen.
Ladeinfrastruktur an unseren Standorten
Unser Unternehmensfuhrpark in Darmstadt und Gernsheim umfasst 23 Elektrofahrzeuge (Stand: Dezember 2018), die unsere Beschäftigten für Dienstfahrten nutzen. Wir wollen unserer Belegschaft aber auch Anreize geben, Elektromobilität privat zu nutzen. Im Mitarbeiterparkhaus unseres Darmstädter Firmensitzes stellen wir daher zehn Ladesäulen bereit, um Elektrofahrzeuge mit Ökostrom zu laden. Darüber hinaus stehen am Standort sechs weitere Ladesäulen und 15 Ladeboxen für Abteilungsfahrzeuge zur Verfügung. In den nächsten Jahren wollen wir dieses Angebot an unseren deutschen und europäischen Standorten fortlaufend ausbauen. Die Abwicklung der Ladevorgänge erfolgt einheitlich über die Buchungsplattform „eCharge“. Mitarbeiter, die bereits auf der Plattform angemeldet sind, haben außerdem Zugriff auf ein deutschlandweites Netz von 6.000 Ladepunkten in 740 Städten.
2018 installierten wir acht neue Ladestationen in den USA und der Schweiz. In den USA können wir unseren Mitarbeitern landesweit nun an elf Standorten 43 solcher Stationen bieten. Darüber hinaus verfügen wir über insgesamt zehn Ladestationen (Stand: Dezember 2018) an unseren europäischen Standorten in Frankreich, Irland und der Schweiz.
Jobticket und Fahrgemeinschaften
Wir bieten unserer Belegschaft in Darmstadt ein Jobticket für den öffentlichen Nahverkehr an, dessen Kosten wir anteilig übernehmen. Im Jahr 2018 nutzten mehr als 5.800 Beschäftigte das Angebot. Alternativ können sich unsere Mitarbeiter mithilfe eines Online-Tools zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen.
Leasingfahrräder in Deutschland
An unseren deutschen Standorten fördern wir die klimafreundliche Mobilität unserer Mitarbeiter zudem durch die Möglichkeit, Fahrräder zu günstigen Tarifen gegen Entgeltumwandlung zu leasen („bike4me“). Im Jahr 2018 hat unsere Belegschaft 161 Leasingverträge abgeschlossen.
Außerdem kann unser Personal deutschlandweit auf den Service „Call a Bike“ der Deutschen Bahn (DB) zugreifen und die Leihfahrräder bis zu einer halben Stunde kostenfrei nutzen. Die DB richtete rund um unsere Darmstädter Standorte zusätzliche Ausleihstationen ein; 2018 sponserten wir 100 Leihfahrräder in der Stadt.
Transport auf Schiffe verlagern
Um die Treibhausgasemissionen zu senken, die durch den Transport unserer Produkte entstehen, verlagern wir Transporte möglichst vom Luftweg auf das Schiff. Dies ist allerdings nur bei Produkten möglich, die eine längere Transportzeit unbeschadet überstehen. Gleichzeitig darf das Serviceniveau für unsere Kunden nicht unter einem längeren Transport leiden. Den Rohstoff Glimmer lassen wir beispielsweise hauptsächlich per Schiff transportieren.
Transparenz bei CO2-Emissionen und Energieverbrauch
Die Organisation CDP (ehemals „Carbon Disclosure Project“) beurteilt neben Erfolg und Strategie bei Emissionseinsparungen von Treibhausgasen auch, wie Unternehmen Risiken und Folgen des Klimawandels minimieren. Dabei bewerten sie Unternehmen nach einer Skala, die von der Bestnote A bis D- reicht. Wir wurden 2018 mit C bewertet (2017: B). Die schwächere Bewertung ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass wir im Bezugsjahr unserem ehrgeizigen Emissionsziel nicht näher gekommen sind.
Seit 2008 berichten wir im Rahmen des CDP ausführlich über unsere Klimaschutzmaßnahmen. Wir erfassen unsere Treibhausgasemissionen nach dem international anerkannten Standard des „Greenhouse Gas Protocol“ (GHG Protocol). Dabei berichten wir über Scope 1 und Scope 2 sowie über Teile von Scope 3. Von den Scope-3-Emissionen ermitteln wir die Emissionen der Geschäftsreisen und des Berufsverkehrs unserer Belegschaft, des Abfallmanagements sowie der Herstellung und des Transports von Energieträgern. Neben diesen Emissionen messen wir an unseren Standorten auch die Energieverbräuche. Die Energienutzung außerhalb unseres Tätigkeitsbereichs, beispielsweise bei der Herstellung unserer Rohstoffe, erfassen wir nicht. Für diese komplexen Berechnungen liegen uns keine ausreichenden Daten vor.