Unsere Geschäftstätigkeit berührt die Interessen vieler Menschen. Deshalb ist für uns der Austausch mit unseren verschiedenen Stakeholdern (Anspruchsgruppen) sehr wichtig. Unser Ziel ist es, unterschiedliche Interessen möglichst in Einklang zu bringen, Vertrauen aufzubauen und langfristig zu erhalten. Im Dialog mit den verschiedenen Anspruchsgruppen legen wir unsere Entscheidungen offen und machen unser Handeln transparent, um die Akzeptanz für unsere Geschäftstätigkeit zu erhöhen.
Dialog auf unterschiedlichen Ebenen
Zu unseren wichtigsten Anspruchsgruppen zählen unsere Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner, Patienten, die Merck-Familie sowie unsere Lieferanten. Wir stehen mit ihnen fortlaufend in Kontakt und nutzen dafür unterschiedliche Formate: Wir führen Stakeholder-Befragungen durch, veranstalten themenspezifische Dialoge und tauschen uns in Gesprächs- und Informationsforen oder im Zuge unserer Interessensvertretung (Advocacy) sowie unserer Verbandsarbeit aus.
Unsere Stakeholder
Regelmäßige Stakeholder-Dialoge
Wir befragen regelmäßig unsere Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner sowie andere relevante Stakeholder-Gruppen. Wir möchten wissen, welche Themen sie gegenwärtig und zukünftig für unser Unternehmen als wichtig erachten und wie sie unsere Leistung bei den einzelnen Themen bewerten. Wir möchten auch erfahren, welche Ansprüche sie an uns als verantwortungsvoll wirtschaftendes Unternehmen stellen. Die Ergebnisse dieser Dialoge und unsere Reaktion darauf greifen wir in unserem CR-Bericht auf.
Im Oktober 2018 führten wir eine konzernweite Mitarbeiterbefragung in 22 Sprachen durch. Etwa 45.000 Beschäftigte haben teilgenommen; das sind 86 % unserer Belegschaft.
Fachspezifische Dialoge
Unsere Geschäftstätigkeit in den Bereichen Healthcare, Life Science und Performance Materials berührt die Interessen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen. Mit ihnen tauschen wir uns mittels Befragungen, Workshops und Seminaren oder im Rahmen großer Kongresse aus. Unsere Fachabteilungen organisieren diesen Austausch – je nach Thema und Bedeutung entweder auf lokaler, nationaler oder internationaler Ebene. Darüber hinaus engagieren wir uns in branchenspezifischen Netzwerken und nehmen an Fachtagungen teil. Zu folgenden ausgewählten Themen haben wir uns im Berichtszeitraum verstärkt eingebracht.
Den Schutz der öffentlichen Gesundheit verbessern: Bei diesem Thema kooperieren wir mit dem Pharmaceutical Security Institute (PSI). Die Non-Profit-Organisation hat sich zum Ziel gesetzt, den Informationsaustausch über Produktfälschungen zu verbessern und Behörden dabei zu helfen, Sanktionen gegen Produktfälscher durchzusetzen. Durch die Teilnahme an Konferenzen und Netzwerktreffen des PSI bringen wir uns aktiv in diese Arbeit ein. Im September 2018 veranstalteten wir das „PSI Meeting“ der Regionen Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA) sowie das „PSI Technical Forum“. Ziel dieser Konferenzen war es, neue Maßnahmen abzustimmen und sich über effiziente Analysemethoden und -techniken für die forensische Erkennung von Fälschungen auszutauschen. Zu den Teilnehmern gehörten Sicherheits- und Analyseexperten von 27 Pharmaunternehmen sowie Behördenvertreter. Weitere Informationen hierzu im Kapitel „Produktbezogene Kriminalität“.
Gewässer vor Spurenstoffen schützen: Im Berichtsjahr haben wir uns über Industrieverbände an der zweiten Phase des Dialogprozesses „Umgang mit Spurenstoffen“ beteiligt. Gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen, anderen Unternehmen, dem Umweltbundesamt und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sollen unterschiedliche Interessen im Umgang mit Spurenstoffen zusammengeführt und Maßnahmen zur Spurenstoffvermeidung identifiziert werden. Der Dialog soll als Grundlage für eine Strategie der Bundesrepublik Deutschland zum Schutz der Gewässer vor Spurenstoffen dienen. Weitere Informationen zum Thema Wasser im Kapitel „Wassermanagement“.
Gemeinsam die Glimmer-Lieferkette stärken: 2018 haben wir erneut aktiv die Arbeit der Responsible Mica Initiative (RMI) unterstützt und durch gezielte Mitarbeit in Arbeitsgruppen vorangetrieben. Die RMI hat sich zum Ziel gesetzt, die Rückverfolgbarkeit von indischem Glimmer entlang der Lieferkette zu verbessern. Dafür nahmen wir an Dialogen der RMI mit verschiedenen Interessengruppen und auch an Konferenzen teil. Im April 2018 beteiligten wir uns beispielsweise am „Terre des Hommes Mica Stakeholder Event“ in Den Haag (Niederlande). Die Veranstaltung lud zu kritischen Diskussionen über die Relevanz von Glimmer in der Automobil- und Elektroniklieferkette ein. Im März 2018 nahmen wir zudem an der Child Labor Platform (CLP) der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) in Paris (Frankreich) teil. Im Fokus stand, wie Kinderarbeit im Sandstein- und Glimmerbergbau sowie auf Kakaoplantagen bekämpft werden kann. Weitere Informationen befinden sich im Kapitel „Glimmer-Lieferkette“.
350 Jahre Neugierde: Anlässlich unseres 350-jährigen Bestehens waren wir Hauptsponsor der „Curious2018 – Future Insight Conference“. Auf dieser Konferenz, die im Juli in Darmstadt stattfand, präsentierten renommierte Wissenschaftler, darunter sechs Nobelpreisträger, ihre Arbeiten vor rund 1.300 geladenen Gästen. Auf der Konferenz haben wir den „Future Insight Prize“ ins Leben gerufen. Mit ihm wollen wir zur Entwicklung innovativer wissenschaftlicher Lösungen aufrufen, um existenzielle Herausforderungen der Menschheit zu lösen. Den ersten „Future Insight Prize“ vergeben wir 2019 für Erfolge auf dem Gebiet der Pandemie-Vorbereitung. Weitere Informationen befinden sich im Kapitel „Innovation und Digitalisierung“.
Gesprächs- und Informationsforen
An großen Standorten haben wir Gesprächs- und Informationsforen für die Anwohner eingerichtet. In Darmstadt informieren wir bei den sogenannten Rahmenplanungstreffen bereits seit 1994 jährlich Vertreter von Stadt, Regierungspräsidium und Nachbarschaft und diskutieren über die Entwicklung des Standorts. 2018 standen neue Arbeitswelten für die Zukunft im Fokus. Beispielsweise ging es darum, wie wir moderne Arbeitsplätze gestalten und talentierte Mitarbeiter gewinnen.
Politische Interessenvertretung und Verbandsarbeit
Wir bringen uns aktiv in den politischen Prozess ein. Unsere Positionen und Sichtweisen legen wir im direkten Dialog mit Politikern oder im Rahmen unserer Verbandsarbeit dar. Wichtige nationale und internationale Branchenverbände, in denen wir Mitglied sind und auch Funktionen übernehmen, sind beispielsweise:
- Verband der Chemischen Industrie e. V. (VCI),
- Verband der Europäischen Chemischen Industrie (The European Chemical Industry Council, Cefic),
- Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V. (vfa),
- Vereinigung European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (EFPIA) und
- der weltweit tätige Zusammenschluss International Federation of Pharmaceutical Manufacturers & Associations (IFPMA).
Beispiele für Funktionen, die unsere Geschäftsleitungsmitglieder dort übernehmen, zeigt die folgende Auflistung:
Stefan Oschmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung:
- European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations (EFPIA), Präsident
- Verband der Chemischen Industrie e. V. (VCI), Präsidiumsmitglied
Udit Batra, Mitglied der Geschäftsleitung und CEO Life Science:
- Greater Boston Chamber of Commerce, Mitglied des Vorstands
- Massachusetts High Technology Council (MHTC), Mitglied des Vorstands
- University of Delaware, Fachbereich Chemieingenieurwesen, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats
- Princeton University, Fachbereich Chemieingenieurwesen, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats
Kai Beckmann, Mitglied der Geschäftsleitung und CEO Performance Materials:
- Bundesarbeitgeberverband Chemie e. V. (BAVC), Präsident
- Industrie- und Handelskammer Darmstadt Rhein Main Neckar (IHK), Vizepräsident
- Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD), Vorsitzender des Kuratoriums
- Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Vizepräsident
Belén Garijo, Mitglied der Geschäftsleitung und CEO Healthcare:
- Pharmaceutical Research and Manufacturers of America (PhRMA), Vorstandsmitglied
Marcus Kuhnert, Mitglied der Geschäftsleitung und Chief Financial Officer:
- Landesverband der Chemischen Industrie e. V. in Hessen (VCI Hessen), stellvertretender Vorsitzender
Beteiligung an Initiativen
Wir kooperieren mit zahlreichen gesellschaftlich relevanten Organisationen, beispielsweise mit dem Goethe-Institut, der Gemeinsamen Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) (Pharmadialog) oder dem World Environment Center (WEC). Außerdem beteiligen wir uns an Initiativen und Projekten, die unseren Anspruch an verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln teilen. Deshalb unterstützen wir beispielsweise die Initiative „Leitbild für verantwortliches Handeln in der Wirtschaft“ und engagieren uns im Rahmen der Initiativen Chemie3 und Responsible Care®.
Finanzielle Beiträge an die Politik
Wir spenden weder an politische Parteien und zugehörige Organisationen, noch bieten wir ihnen andere finanzielle Werte oder Dienstleistungen. Unsere Zuwendungen an Inhaber eines öffentlichen Amts oder Bewerbern auf ein solches sowie an politische Initiativen müssen stets im Einklang mit den Landesgesetzen des Empfängers stehen. Dies ist in unseren internen Richtlinien festgelegt. In den USA gibt es Political Action Committees (PACs), über die unsere Mitarbeiter politische Kandidaten und Organisationen durch Spenden unterstützen. Dabei handelt es sich nicht um Spenden des Unternehmens, sondern um Zuwendungen der Mitarbeiter. Die gespendeten Beträge werden an die US-Wahlaufsichtsbehörde gemeldet und veröffentlicht.