Weltweit steigt die Anzahl der Gebiete, in denen Wasserknappheit herrscht. An unseren Standorten sind wir auf die Verfügbarkeit von Wasser angewiesen. Gleichzeitig werden Gesetze zum Wasserschutz fortlaufend verschärft. Unsere Abwässer können Spurenstoffe wie Schwermetalle oder pharmazeutische Wirkstoffe enthalten. Nachhaltiges Wassermanagement ist deshalb ein Schwerpunkt unseres betrieblichen Umweltschutzes.
Unser Ansatz für ein nachhaltiges Wassermanagement
Nachhaltiges Wassermanagement bedeutet für uns, den Status der Gewässer, aus denen wir Frischwasser beziehen oder in die wir gereinigte Abwässer einleiten, nicht negativ zu beeinflussen.
Für unser nachhaltiges Wassermanagement nutzen wir ein Bewertungstool des Verbands der Europäischen chemischen Industrie (CEFIC). Damit bewerten unsere Standorte ihr Wassermanagement. Auf Basis dieser Bewertung erstellen sie einen Maßnahmenkatalog und setzen ihn schrittweise um. Dabei werden Best-Practice-Beispiele identifiziert und mit anderen Standorten geteilt.
Darüber hinaus haben wir uns zum Ziel gesetzt, unseren Wasserverbrauch an Standorten in Wasserstressgebieten bis 2020 um 10 % zu reduzieren. Dazu analysieren wir systematisch unsere Wasserverbrauchsdaten. Wir nutzen beispielsweise den „Water Risk Filter“ des World Wide Fund For Nature (WWF) oder den „Aqueduct Water Risk Atlas“ des World Resources Institute (WRI). Mit ihrer Hilfe erkennen wir beispielsweise, ob ein Standort in einem Wasserstressgebiet liegt. Ein Wasserstressgebiet liegt dann vor, wenn die Wasserentnahme größer ist als der Zufluss.
Aber auch an weniger kritischen Standorten wollen wir ein effizientes Wassermanagement unterstützen. Dazu bauen wir unsere Best-Practice-Sharing-Plattform für nachhaltiges Wassermanagement aus. Die Plattform listet Beispiele erfolgreicher Maßnahmen auf und ermöglicht es unseren EHS-Beauftragten, Erfahrungen auszutauschen.
Zugleich stehen wir in der Verantwortung, die Belastung des Abwassers an allen Standorten so gering wie möglich zu halten. Daher ist die Prüfung des standortbezogenen Wassermanagements Teil der EHS-Audits, die wir regelmäßig an unseren Produktions- und Entwicklungsstandorten durchführen.
Produktionsstandorte stehen stärker im Fokus unseres Wassermanagements als Verwaltungsstandorte, da von ihnen das höchste Potenzial für Gewässerbeeinflussungen ausgeht.
Wie wir unser Wassermanagement regeln
Die oberste Verantwortung für das Wassermanagement trägt die Konzernfunktion „Environment, Health, Safety, Security, Quality“ (EQ) („Betrieblicher Umweltschutz“). An unseren Standorten setzen Techniker in enger Abstimmung mit EHS-Managern Maßnahmen zur Verbrauchsreduzierung und zur Abwasserreinigung um.
Wozu wir uns verpflichten: Standards und Vorgaben
2018 ersetzten wir unseren EHS-Standard „Water Protection“ durch zwei neue konzernweite EHS-Standards: „Sustainable Water Management Part 1 – Waste water“ und „Sustainable Water Management Part 2 – Water use and stormwater protection“. Die beiden neuen Standards beschreiben, wie wir moderne Mechanismen eines nachhaltigen Wassermanagements in unser Managementsystem integrieren. Beide Standards basieren auf den Verpflichtungen, die wir im Rahmen der weltweiten Initiative „Responsible Care®“ eingegangen sind. Mit dem Standard „Waste water“ führt unser Unternehmen innerhalb der nächsten Jahre eine Methode ein, mit der sich Abwassereinleitungen in die Umwelt bewerten lassen. Der Standard „Water use and stormwater protection“ enthält globale Vorgaben für den verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Wasser. Außerdem legt er fest, wie wir Risiken steuern, die sich aus direkter oder indirekter Wasserentnahme ergeben. Auch Risiken wie kontaminiertes Regenwasser oder Überflutungen deckt der Standard ab. Durch interne Audits kontrollieren wir die Einhaltung der Standards. Alle Standorte sind verpflichtet, die Risiken und Auswirkungen ihrer Abwasserfrachten – also der Schadstoffe in ihren Abwässern – zu ermitteln und zu bewerten. Darüber hinaus bekennen sie sich zum verantwortungsvollen Umgang mit Wasser und zur Analyse von Entnahme- und Regenwasserrisiken.
Zudem optimieren wir unsere Produktions- und Reinigungsprozesse, um die Rückstände pharmazeutischer Wirkstoffe im Abwasser zu minimieren. Alle Produktionsstandorte für Pharmazeutika verfügen außerdem über Abwasseraufbereitungsanlagen und messen regelmäßig die Zusammensetzung ihres Abwassers.
Wasser aus eigenen Quellen
Wir beziehen unser Prozesswasser größtenteils aus eigenen Brunnen und unser Trinkwasser von örtlichen Versorgern. In keinem Fall beeinträchtigen wir sensible Wasserquellen. Dennoch beobachten wir im Rahmen unseres nachhaltigen Wassermanagements Trends, die dazu führen könnten, dass Quellen möglicherweise als sensibel eingestuft werden.
Wasserentnahmen (in Mio. Kubikmeter)1
1 Exlusive Consumer Health.
Das Kühlwasser für unsere Produktionsprozesse führen wir größtenteils im Kreislauf. Je nach gesetzlichen Vorgaben und je nach Energiebilanz nutzen wir zur Kühlung aber auch Frischwasser im Durchlauf. In ausgesuchten Anwendungen bereiten wir die Produktionsabwässer auf und verwenden sie wieder. Insgesamt haben wir im Jahr 2018 24,4 Mio. Kubikmeter Wasser wiederverwertet.
Neue Standards und umfassende Analysen
Um unsere Wassermanagement-Ziele erreichen zu können, führten wir 2018 zwei neue Standards ein – „Sustainable Water Management Part 1 – Waste water“ und „Sustainable Water Management Part 2 – Water use and stormwater protection“.
Wir setzen das „Cefic Flagship Self-Assessment“ des Verbands der Europäischen chemischen Industrie um. Dazu führten wir in den Jahren 2016 und 2017 an unseren Standorten eine Datenerhebung zum Umgang mit Wasser durch. 2018 werteten wir diese Daten aus und begannen, die Umwelteinflüsse, die durch unsere Wassereinleitungen entstehen, zu beurteilen. Die Ergebnisse werten wir kontinuierlich aus, bei Bedarf ergreifen wir standortspezifische Maßnahmen.
Wasserverbrauch senken
Wir wollen unseren Einfluss auf die Wassersituation im Umfeld unserer Standorte minimieren. 2018 lagen unsere Wasserentnahmen bei 14,7 Mio. Kubikmetern. 883.213 Kubikmeter Wasser stammten aus Wasserstressgebieten. Unsere Standorte, die in Wasserstressgebieten liegen, müssen ihren Wasserverbrauch transparent darstellen und Prozessschritte identifizieren, die besonders viel Wasser benötigen. Anschließend führen wir Maßnahmen ein, mit denen diese Standorte ihren Wasserverbrauch senken können.
Dies betrifft die Produktionsstandorte Mexiko-Stadt (Mexiko), Mollet del Vallès (Spanien) sowie Kankakee (Illinois, USA) und Norwood (Ohio, USA). Sie verbrauchen insgesamt mehr als 30.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr. Unser Ziel ist es, dort bis 2020 10 % der jährlich verbrauchten Wassermenge im Vergleich zu 2014 einzusparen. Gleiches gilt für unsere Standorte in Savannah (Georgia, USA) sowie Hsinchu und Taoyuan (beide Taiwan), an denen erhöhte Risiken durch die örtlichen Grundwasserbedingungen beziehungsweise durch saisonale Wasserknappheit bestehen. Ende 2018 sparten wir an unseren Standorten in Wasserstressgebieten insgesamt rund 10,8 % Wasser ein. So senkte unser US-Standort in Savannah seinen Wasserverbrauch um 3 %, indem wir das Verfahren zur Waschung von Pigmenten in den örtlichen Drucktrommelfiltern optimierten. An unserem spanischen Standort in Mollet installierten wir 2018 eine Filteranlage, die zukünftig durch eine verbesserte Wasserzirkulation ebenfalls etwa 3 % des lokalen Wasserverbrauches einsparen soll.
Bewertung unseres Wassermanagements
Neben unseren Klimaschutzmaßnahmen berichten wir seit 2016 auch zum Thema Wasser an das CDP (ehemals „Carbon Disclosure Project“). Die Initiative erfragt einmal jährlich die Umweltdaten von Unternehmen und bewertet deren Prozesse und Leistungen auf einer Skala von A bis D-. 2018 erhielten wir für unser Wassermanagement ein „B-“ (2017: B).
Wasserschutzmaßnahmen in Indien
Auch an Standorten außerhalb von Wasserstressgebieten setzen wir Wasserschutzmaßnahmen um. Unsere Produktionsstandorte in Indien verfolgen eine „Zero Discharge Policy“, die vorgibt, dass Wasser nach Nutzung und Aufbereitung wieder versickert wird. Zudem sammeln wir am Standort Bangalore das anfallende Regenwasser und lassen es ebenfalls versickern. So tragen wir dazu bei, den Trend eines sinkenden Grundwasserspiegels zu stoppen.
Unsere Abwässer
2018 sind bei uns insgesamt 13,6 Mio. Kubikmeter Abwasser angefallen. Davon waren 9,7 Mio. Kubikmeter Süßwasser, welches wir in Oberflächengewässer einleiteten, und 3,9 Mio. Kubikmeter anderes Wasser, das durch externe Kläranlagen aufbereitet oder umweltschondend entsorgt wurde. Etwa 50 % der gesamten Abwassereinleitungen fallen an vier unserer Standorte an. Gernsheim (Deutschland) leitet seine geklärten Abwässer in den Rhein; Savannah (Georgia, USA) in den Savannah River und Onahama (Japan) in den Pazifischen Ozean. Unser in Darmstadt anfallendes Abwasser wird in unseren Anlagen aufbereitet und gelangt über den sogenannten Oberflächenwasserkörper Schwarzbach-Ried in den Rhein. Unsere Einleitung lag 2018 bei etwa 4 % des mittleren Jahresabflusses des Oberflächenwasserkörpers Schwarzbach-Ried. Wir arbeiten daran, die steigenden gesetzlichen Qualitätsvorgaben zu erfüllen. Dazu stimmen wir uns regelmäßig mit den zuständigen Behörden ab.
Abwässer durchgängig kontrollieren
Unsere zwei 2018 eingeführten Standards für nachhaltiges Wassermanagement beinhalten auch Vorgaben zum Thema Abwasser. Wir sind dabei, eine Methode einzuführen, die die Grundlage für eine umfassende Abwasserbewertung schafft. Verantwortlich für die Ermittlung von entsprechenden Verbesserungspotenzialen sind unsere einzelnen Standorte. Sie müssen außerdem die jeweiligen Vorgaben der lokalen Behörden einhalten.
Antibiotikarückstände in Abwässern
Wir verarbeiten im geringen Umfang auch Antibiotikawirkstoffe. Die dabei anfallenden Abwässer unterziehen wir vor der Einleitung in die Umwelt einem zusätzlichen Reinigungsverfahren. Im Berichtsjahr führten wir zudem eine systematische Bewertung durch, um unternehmensweit den Einfluss von Herstellung und Umgang mit Antibiotika auf die Umwelt zu ermitteln. Als Folge daraus überprüften wir die Abwasser-Vorbehandlungsanlage an unserem Standort in Mollet (Spanien). Die Analyse ergab, dass die Antibiotika-Rückstände dort unterhalb der Nachweisgrenze liegen, das Abwasser also einen guten Reinigungsgrad aufweist.