Die Kosten für verschreibungspflichtige Arzneimittel machen in den OECD-Ländern zwischen 6 und 29 % der Gesamtausgaben im Gesundheitswesen aus. Dank der Fortschritte bei der Erforschung und Entwicklung innovativer Medikamente verändert sich die Gesundheitsversorgung heutzutage jedoch stark: Chronische Erkrankungen – die größten Kostentreiber – können dank dieser Medikamente effizienter und kostengünstiger behandelt werden.
Unser Ansatz zur Preisgestaltung von Arzneimitteln
Wir wollen sicherstellen, dass alle Patienten Zugang zu den wirksamsten Arzneimitteln für ihre Erkrankungen erhalten. Deshalb arbeiten wir daran, dass die Kosten für diese Arzneimittel keine Hürde für den Zugang zur Behandlung darstellen. Wir stehen für eine flexible und gerechte Preisgestaltung – innerhalb eines Landes wie auch länderübergreifend. Dementsprechend passen wir unsere Preise den lokalen Marktgegebenheiten an und berücksichtigen dabei auch folgende Faktoren: die Zahlungs- und Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems, geografische Gegebenheiten und vorhandene Infrastruktur, die gesetzlichen Anforderungen, den ungedeckten medizinischen Bedarf und sozioökonomische Aspekte wie die Zahlungsfähigkeit der Patienten. Dabei arbeiten wir eng mit Regierungen und anderen Stakeholdern zusammen. Außerdem beobachten wir kontinuierlich die sich verändernden Gesundheitssysteme und -märkte, die Preisbildungs- und Erstattungssysteme sowie gesetzliche und behördliche Leit- und Richtlinien. Bei Bedarf justieren wir unsere Preise entsprechend.
Unsere Preise überprüfen wir jährlich. So stellen wir sicher, dass sie den Bedürfnissen der Patienten gerecht werden. Ein konzernweit einheitliches, datenbasiertes Vorgehen hilft uns dabei, unsere lokale Preisgestaltung zu steuern. Um unsere Produkte den Patienten in bestimmten Ländern zu bezahlbaren Preisen anbieten zu können, nehmen wir unter anderem an staatlichen Ausschreibungen teil, führen Niedrigpreis-Zweitmarken oder Markengenerika ein oder bieten unsere Produkte im Rahmen von Patient-Access-Programmen an.
Darüber hinaus ermöglichen wir Erstattungsvereinbarungen mit Risikoteilung. Zudem wollen wir die Dateneffizienz in Gesundheitssystemen verbessern, um eine optimale Verteilung der finanziellen Mittel und Ressourcen sicherzustellen.
Wie wir Arzneimittelpreise gestalten
Unsere Einheit „Pricing and Market Access“ legt unsere Markteinführungspreise fest. Dabei stimmt sie sich mit weiteren relevanten Geschäftseinheiten ab. Seit einer Reorganisation im Jahr 2018 berichtet die Einheit „Pricing and Market Access“ an den Chief Operating Officer des Unternehmensbereichs Healthcare. Unsere jeweiligen Landesgesellschaften sind für das Preismanagement und die kontinuierliche Anpassung der Preise an die Gegebenheiten vor Ort verantwortlich.
Wozu wir uns verpflichten: Leitlinien und Grundsätze zu Arzneimittelpreisen
Die Bezahlbarkeit unserer Gesundheitslösungen ist eine Komponente unseres umfassenderen Versprechens gegenüber den Patienten. Dieses Versprechen beinhaltet, den Zugang zu Gesundheitslösungen zu verbessern, ihre Verfügbarkeit zu erhöhen und das Bewusstsein für Krankheiten zu schärfen. Die Preisgestaltung bei Arzneimitteln unterliegt den Vorgaben unserer übergeordneten „Access to Health Charta“; Details regelt unsere Richtlinie „Preisgestaltung bei Arzneimitteln“. Mit unserer „Patient Access Programs Policy“ definieren wir zusätzlich Standards, um Arzneimittel zu reduzierten Preisen anzubieten.
Kundenorientierte Vertragsmodelle
Wir setzen uns dafür ein, eine wertorientierte Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Eine Preis- und Vertragsgestaltung, die alle lokalen gesetzlichen Vorgaben berücksichtigt, ist dabei ein zentraler Aspekt. Je nach Produkt und Markt entwickeln wir mit Kostenträgern – beispielsweise Krankenversicherern und -kassen – verschiedene Kostenerstattungs- und Vertragsmodelle. Ziel ist es, den Patienten schnellen Zugang zu unseren Innovationen zu ermöglichen. Ein Beispiel hierfür ist die Vereinbarung zur Risikoteilung, die wir in Großbritannien geschlossen haben: Dort erhalten alle Multiple-Sklerose-Patienten unverzüglich Zugang zu unserem Medikament Mavenclad®; das staatliche Gesundheitssystem muss nur für die Medikamentenkosten der Patienten aufkommen, die auf das Arzneimittel ansprechen. Seit Anfang 2018 haben bereits 488 britische Patienten eine entsprechende Erstattung der Medikamentenkosten erhalten.
Für unser Onkologie-Präparat Erbitux®, das Multiple-Sklerose-Präparat Rebif® und das Wachstumshormon Saizen® haben wir ebenfalls Vertragsmodelle geschaffen, um den Zugang der Patienten zum Medikament zu erleichtern: Dazu deckelten wir in manchen Ländern die Maximalkosten pro Patienten. Zudem gibt es dort ebenfalls Risikoteilungsvereinbarungen.
Preisgestaltungsmodelle für die Versorgung einkommensschwacher Patienten
Wir arbeiten eng mit Regierungen und anderen Stakeholdern zusammen, um innovative, differenzierte Modelle für die Preisgestaltung von Arzneimitteln zu ermöglichen. In Afrika, Asien, Lateinamerika und im Nahen Osten stellen wir in einigen Ländern bestimmte Produkte zu reduzierten Preisen zur Verfügung. In Indien arbeiten wir beispielsweise gemeinsam mit Vertretern des öffentlichen Sektors wie Bharat Heavy Electricals Limited (BHEL) oder Oil and Natural Gas Corporation (ONGC) an der Entwicklung von alternativen Modellen für Patienten mit geringem Einkommen beziehungsweise geringer Zahlungsfähigkeit.
Außerdem beteiligen wir uns regelmäßig an staatlichen Ausschreibungen für Produkte, die in öffentlichen Krankenhäusern zur Versorgung von einkommensschwachen Patienten eingesetzt werden. Viele dieser Ausschreibungen finden in Entwicklungsländern statt.
Niedrigpreis-Zweitmarken
Für einige unserer bestehenden Marken etablieren wir sogenannte Niedrigpreis-Zweitmarken – insbesondere in Ländern mit einem großen Anteil an Patienten mit sehr niedrigen Einkommen. In Brasilien stehen zwölf unserer Produkte auch als günstigere Zweitmarke zur Verfügung. Weitere Beispiele für Länder in denen wir Niedrigpreis-Zweitmarken anbieten, sind Mexiko, die Philippinen, Polen und Südafrika.
Markengenerika
In Zusammenarbeit mit Partnern führen wir vor allem in Schwellenländern Markengenerika ein, um vor Ort den Bedarf an bezahlbaren hochwertigen Arzneimitteln zu decken. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf Medikamenten zur Behandlung von Krankheiten, die in diesen Ländern besonders häufig vorkommen. Auf diese Weise sichern wir einen besseren Zugang zu Arzneimitteln bei garantiert hoher Qualität, aber niedrigeren Preisen. Ein Beispiel hierfür sind die Philippinen, in denen bisher vier Markengenerika eingeführt wurden.
Patient-Access-Programme
Weltweit führen wir Patient-Access-Programme durch, in denen wir bestimmte Produkte in einigen Ländern zu günstigeren Preisen anbieten. Dazu gehören beispielsweise Programme in China mit erweitertem Zugang zu unserem Krebsmedikament Erbitux®, das unter anderem bei Dickdarmkrebs zum Einsatz kommt. Sie richten sich vor allem an Patienten mit geringem Einkommen, die das Medikament kostenlos erhalten. Bisher profitierten rund 11.500 Patienten in China von unseren Erbitux®-Spenden.
Ähnliche Hilfsprogramme unterhalten wir in anderen Ländern. In Indien beispielsweise bieten wir Erbitux® ebenfalls zu reduzierten Preisen an. Bisher nahmen mehr als 1.700 Patienten an dem Programm teil. In Ländern wie China, Peru und den Philippinen bieten wir den Biomarker-Test kostenlos an, mit dem sich ermitteln lässt, ob jemand auf die Behandlung mit Erbitux® überhaupt ansprechen kann.
Auch für unsere Präparate Rebif®, Gonal-F® and Saizen® bieten wir ähnliche Access-Programme an. In China zum Beispiel bieten wir mit dem Gonal-F-Baby Fund ein Access-Programm an, das Paaren mit einem geringen Einkommen, die ihr einziges Baby verloren haben, eine finanzielle Unterstützung für die Fertilitätsbehandlung zur Verfügung stellt.