Als produzierendes Wissenschafts- und Technologieunternehmen hat unsere Geschäftstätigkeit Auswirkungen auf die Umwelt: Es entstehen beispielsweise Luftemissionen, Abwässer und Abfälle. Zudem verwenden wir Materialien, die die Umwelt negativ beeinflussen können, sofern sie nicht fachgerecht gehandhabt werden. Wir erfüllen daher an allen Produktionsstandorten strenge Schutzvorgaben und passen uns kontinuierlich neuen regulatorischen Anforderungen an. Da zudem natürliche Ressourcen immer knapper werden, hat die effiziente Nutzung von Energie, Wasser und Materialien eine hohe Bedeutung für uns.
Unser Ansatz zum betrieblichen Umweltschutz
Um negative Umweltauswirkungen zu minimieren und die Umwelt zu schützen, ist ein ganzheitlicher Ansatz nötig. Unser Ziel ist es, schädliche Emissionen in die Luft, ins Wasser und ins Erdreich strengstens zu überwachen und so weit wie möglich zu vermeiden.
Wie wir unseren betrieblichen Umweltschutz organisieren
Zum 1. Oktober 2018 hat Belén Garijo, Mitglied der Geschäftsleitung, die Verantwortung für den betrieblichen Umweltschutz von Walter Galinat übernommen. Dieser Verantwortungsbereich umfasst neben dem übergeordneten betrieblichen Umweltschutz auch die Themen Klimaschutz, Wassermanagement, Abfall und Recycling sowie Prozess- und Anlagensicherheit. Für die weltweite Steuerung aller dazugehörigen Maßnahmen ist die Konzernfunktion „Environment, Health, Safety, Security, Quality“ (EQ) zuständig. Vor Ort sind die jeweiligen Standortleiter für den operativen Umweltschutz und die Arbeitssicherheit verantwortlich. Sie werden durch EHS-Manager (Environment-, Health- and Safety- Manager) – an kleinen Standorten von EHS-Koordinatoren – in ihrer täglichen Arbeit unterstützt und beraten. Diese lokalen EHS-Organisationen berichten an die Konzernfunktion EQ und arbeiten eng mit dieser zusammen.
Im Jahr 2018 umfasste unsere EHS-Organisation mehr als 200 EHS-Manager – vor Ort unterstützt durch weiteres Personal. Die Konzernfunktion EQ führt an den verschiedenen Standorten jährlich Schulungen zu dem jeweiligen EHS-Aufgabenbereich durch. Alle neuen EHS-Manager absolvieren ein dreitägiges EHS-Initialtraining (EHStart-up!) in unserer Darmstädter Firmenzentrale. Das Training schult zu Themen wie unserem „Rapid Incident Report System“ (RIRS, siehe unten), Energieeffizienz und Klimaschutz, Abwässer, Arbeitssicherheit und Prozesssicherheit.
Die Leitung der Konzernfunktion EQ informiert die Geschäftsleitung regelmäßig – meist monatlich – über den betrieblichen Umweltschutz. Halbjährlich erstellt EQ einen Bericht zu Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsthemen für die Geschäftsleitung. Dieser umfasst auch Klimaschutz, Wassermanagement, Abfall und Recycling sowie Prozess- und Anlagensicherheit. Der Fokus des Berichts liegt auf den erreichten Fortschritten. Er dokumentiert und bewertet die Arbeit der EHS-Funktion; die Geschäftsleitung nutzt ihn als Informationsquelle sowie als Nachweis für die Zertifizierung nach ISO 14001 und BS OHSAS 18001.
Unsere Geschäftsleitung ist verantwortlich für die Freigabe interner Richtlinien, beispielsweise unserer EHS-Policy (Environmental, Health and Safety Policy). Interne Standards gibt der Leiter der Konzernfunktion EQ frei. Standards sind operative Rahmenvorgaben, Richtlinien hingegen eine übergeordnete Darstellung unserer Unternehmensposition zu einem Thema.
Info
Unsere Konzernfunktion EQ (Environment, Health, Safety, Security, Quality)
Aufgaben der konzernweiten Governance- und Service-Einheit „Environment, Health, Safety, Security, Quality“
- Entwicklung und Implementierung der konzernweiten EQ-Strategie
- Durchführung von Umwelt- und Sicherheitsaudits
- Compliance-Audits zur Überprüfung der Einhaltung von Regularien
- Implementierung der EQ-Managementsysteme
- Durchführung von EQ-Verbesserungsprogrammen
- Beratung bei Investitionen, Verfahrenentwicklungen und Akquisitionen
- Durchführung von Schulungen
Aufgaben der lokal operativen Einheiten:
- Abwasserbehandlung
- Abfallmanagement
- Umweltanalytik
- Anlagensicherheit
- Arbeits- und Gesundheitsschutz
- Feuerschutz/Gefahrenabwehr
- Genehmigungsverfahren
Festgelegte Meldeprozesse bei Vorfällen
Um kritische Situationen, Beinaheunfälle und Umweltvorfälle schnellstmöglich zu bearbeiten und Folgemaßnahmen einzuleiten, hat unser Unternehmen Meldeprozesse (EHS Leading Rate) etabliert. Durch diese halten wir den jeweiligen Vorfall, seine Schwere und alle Aktivitäten zur Risikominderung fest. Die Vorfälle werden konzernweit erfasst und halbjährlich an die Geschäftsleitung berichtet.
Durch unser „Rapid Incident Report System“ (RIRS) werden schwerwiegende Vorfälle schnellstmöglich an die Geschäftsleitung, die Konzernfunktionen EHS sowie „Group Communications“ gemeldet. Solche Vorfälle können beispielsweise Todesfälle, Unfälle mit mehreren Verletzten oder Schäden über die Werksgrenzen hinaus sein, aber auch Umweltkatastrophen wie Erdbeben oder Überschwemmungen. Dank RIRS können wir die Reaktionen aller Beteiligten schnell koordinieren und andere möglicherweise betroffene Standorte umgehend informieren. Um das RIRS noch schneller und effektiver zu machen, haben wir es Ende 2018 auf eine web-basierte Form umgestellt.
Wozu wir uns verpflichten: Standards und Handlungsanweisungen
Die Grundlage für unser betriebliches Umweltmanagement bildet die konzernweite EHS-Policy (Corporate Environment, Health and Safety Policy), die durch unsere Geschäftsleitung bestätigt wurde. Die Richtlinie orientiert sich an den Anforderungen der „Responsible Care® Global Charter“ der chemischen Industrie sowie an der Umweltmanagement-Norm ISO 14001. Sie betont die Verantwortung unserer Führungskräfte für die Handlungsfelder Umweltschutz, Gesundheit und Sicherheit. Darüber hinaus wendet sie sich an unsere Lieferanten und ermutigt diese, bezüglich Umweltschutz und Sicherheit ebenfalls verbesserte Standards einzuführen. Sie ergänzt damit die „Responsible Sourcing Principles“ unseres Einkaufs.
Interne Richtlinien, Standards und Handlungsanweisungen konkretisieren, wie wir die Grundsätze unserer EHS-Policy in die Praxis umsetzen. Das Handbuch „Merck Group EHS, Security and Quality Manual“ beispielsweise beschreibt, wie wir Umweltschutz und Arbeitssicherheit konzernweit organisieren. Den betrieblichen Umweltschutz regeln wir zudem in weiteren internen Standards, zum Beispiel im „Air Emissions Standard“, im „Waste Management Standard“ oder im „Energy Management Standard“.
Um mögliche EHS-Risiken bei Akquisitionen, Verkäufen oder Standortschließungen einschätzen zu können, bewerten wir sie im Rahmen einer „Due Diligence“. Diesen Prozess beschreibt unser „EHS Due Diligence and Post Merger Transaction Standard“. Neue Standorte haben bei Audits eine hohe Priorität.
Unsere internen Richtlinien, Standards und Handlungsanweisungen überprüfen wir regelmäßig. 2018 haben wir mehrere Standards und Prozesse überarbeitet oder neu eingeführt. Beispielsweise aktualisierten wir den Standard „Office and Field Service Safety“. Damit legen wir nun einen stärkeren Fokus auf die Sicherheit von Bereichen außerhalb der Produktion. Auch den Standard „Occupational Hygiene“ passten wir an. Mithilfe dieser Neuerungen möchten wir Arbeitsplatzbelastungen noch besser erfassen und ihnen entgegenwirken. 2018 führten wir darüber hinaus den aus zwei Teilen bestehenden „Sustainable Water Management Standard“ ein. Er ersetzt unseren Standard „Water Protection“ und regelt die Kontrolle von Emissionen in Abwässern, die Analyse des Wasserverbrauchs und den Schutz vor Regenwasserrisiken wie beispielsweise kontaminiertem Regenwasser.
Wesentliche Aufwände für Umweltschutzmaßnahmen und -investitionen
Die Verhinderung und Überwachung von Emissionen in die Luft, ins Wasser und ins Erdreich ist für unser Unternehmen mit erheblichen Ausgaben verbunden. Auch die ordnungsgemäße Abfallentsorgung verursacht hohe Kosten. Zudem haben wir Rückstellungen für Grundwasser- und Bodensanierungen gebildet. So stellen wir sicher, sicher, dass wir alle anfallenden Maßnahmen durchführen können. Unsere Rückstellungen für Umweltschutzmaßnahmen lagen zum 31. Dezember 2018 bei insgesamt 137 Mio. €. Davon entfielen 94 % auf die Merck KGaA. Diese und alle im Folgenden berichteten Umwelt-bezogenen Kennzahlen enthalten keine Daten zum Consumer-Health-Geschäft, da dieses zum 1. Dezember 2018 an Procter & Gamble übergegangen und bereits im April 2018 als aufgegebener Geschäftsbereich im Sinne des IFRS 5 klassifiziert worden ist.
Parkplatzsanierung fortgeführt
Im Jahr 2018 schlossen wir die zehnjährige Parkplatzsanierung am Standort Gernsheim ab. Der Umfang der Altlasten-Sanierung stellte sich als deutlich größer heraus als zunächst angenommen. Im Rahmen der Sanierung entsorgten wir Hexachlorcyclohexan-Rückstände (HCH), die sich im Erdreich unter dem Parkplatz befanden. Sie wurden ordnungsgemäß in externen Verbrennungsanlagen beseitigt.
Bewertung von Umweltaspekten und Meldung von Verstößen
Grundsätzlich führen wir alle drei Jahre risikobasierte Bewertungen sowie interne und externe Audits an all unseren Produktionsstandorten durch. Ziel ist es, unsere Auswirkungen auf die Umwelt zu analysieren und zu verringern. Damit stellen wir auch die Einhaltung unserer Vorgaben sicher. Diese Bewertungen führt die Konzernfunktion EQ durch. Bei Bedarf leiten wir anschließend geeignete Maßnahmen ab. Zudem sind Meldemechanismen vorhanden, um mögliche Verstöße gegen Vorgaben aufzudecken. Bei unseren „Corporate EHS-Audits“ wurden im Jahr 2018 80 % der auditierten 40 Standorte mit „gut“ oder „befriedigend“ bewertet. Die Bewertung erfolgt auf einer fünfstufigen Skala: „ausgezeichnet“, „gut“, „befriedigend“, „schlecht“ und „kritisch“. Je nach Bewertung passen wir die Häufigkeit der Audits an. Bei guten Audit-Ergebnissen auditieren wir den Standort seltener, bei signifikanten Verstößen kann die Audit-Frist auch verkürzt werden.
Zudem können Mitarbeiter eventuelle Verstöße gegen unsere Vorgaben der Compliance-Abteilung melden. Jeder dieser Verstöße wird an die Geschäftsleitung gemeldet. Im Berichtszeitraum 2018 registrierten wir konzernweit keine signifikanten Verstöße gegen Umweltgesetze und -vorschriften.
Gruppenzertifikat nach ISO 14001:2015
Seit 2009 hält unser Unternehmen für die Norm ISO 14001 ein Gruppenzertifikat. Dies bedeutet, dass alle Produktionsstandorte mit mehr als 50 Mitarbeitern das Zertifikat einführen müssen. Anderen Standorten steht die Zertifizierung frei. Neue Standorte müssen schrittweise ein entsprechendes Umweltmanagementsystem mit festen Messgrößen aufbauen, beispielsweise zu Treibhausgasemissionen und zum Wasserverbrauch, und sich nach ISO 14001 zertifizieren lassen. Durch jährliche interne Audit-Berichte und Management-Reviews ermöglicht uns ein Gruppenzertifikat, einen besseren Überblick über die Leistungen aller Standorte zu erhalten.
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Standorte weltweit umfasst das ISO 14001-Zertifikat.
Jedes Jahr lassen wir unsere Zertifizierung extern überprüfen. Im Rahmen einer Stichprobe für das Gruppenzertifikat wurden 2018 zehn Standorte extern auditiert. Alle geprüften Standorte bestanden das Audit. 2018 wurden zwei neue Standorte in das Gruppenzertifikat aufgenommen. Darüber hinaus stellen wir in internen Audits sicher, dass unsere Vorgaben eingehalten werden.
Stakeholder-Dialog
In Verbänden tauschen wir uns zu übergeordneten Umweltthemen aus. 2018 beteiligten wir uns beispielsweise an Diskussionen zur Abschaffung des Heizwertkriteriums zwischen dem Verband der Chemischen Industrie e. V. (VCI) und dem deutschen Gesetzgeber. Bis Ende des Jahres 2018 leitete unser Unternehmen den Fachausschuss Anlagensicherheit des VCI. Zudem bringen wir uns als Mitglied des „European Process Safety Center“ und der Kommission für Anlagensicherheit des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zu Themen wie Prozess- und Anlagensicherheit ein. Seit 2018 beteiligen wir uns darüber hinaus an einem Stakeholder-Dialog zur Entwicklung einer Gewässer-Spurenstoffstrategie des Bundes.
Themen mit lokaler Bedeutung besprechen wir auch in Bürgerdialogen vor Ort.