Verpackungen schützen unsere Produkte vor äußeren Einflüssen. Sie sorgen dafür, dass sie unbeschadet beim Kunden ankommen. Allerdings müssen sie über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts intakt bleiben, um diese Sicherheit zu garantieren. In puncto Nachhaltigkeit arbeiten wir einerseits daran, den Verpackungsmaterialeinsatz zu reduzieren. Andererseits setzen wir dort, wo es möglich ist, zunehmend umweltschonende Materialien ein. Mit Recyclingprogrammen helfen wir unseren Kunden sowohl bei der fachgerechten Entsorgung als auch bei der Wiederverwertung unserer Produkte und Verpackungen.
Unsere nachhaltige Verpackungsstrategie
Wir wollen unsere Produkte in Verpackungen ausliefern, die für die Kunden sicher, einfach in der Handhabung und möglichst nachhaltig sind. Die mehr als 300.000 Produkte in unserem Life-Science-Sortiment – von Bio- und Laborchemikalien über Filtermaterialien und -systeme bis hin zu Instrumenten – stellen die unterschiedlichsten Anforderungen an die jeweilige Verpackung. Unser Ziel ist es, Verpackungen nachhaltiger zu gestalten, damit sowohl unsere Kunden als auch wir die Umweltbelastung reduzieren können. Um dieses Ziel zu erreichen, entwickelten wir eine Strategie zu nachhaltigen Verpackungen für den Unternehmensbereich Life Science. Sie hat die folgenden drei Säulen: Ressourcen optimieren – nachhaltigere Materialien verwenden – für eine Kreislaufwirtschaft planen. Im Jahr 2018 definierten wir Ziele und Vorgaben gemeinsam mit internen Stakeholdern aus Beschaffung und Vertrieb sowie der Gruppe „Global Packaging Material“. Ab Dezember 2018 haben wir damit begonnen, unseren Plan für nachhaltige Verpackungen umzusetzen und intern zu kommunizieren.
Basierend auf diesen drei Säulen haben wir vier Ziele gesetzt:
- Verpackungsmenge verringern
- Entwaldung stoppen
- Nachhaltigkeit von Kunststoff verbessern
- Recycling optimieren
Aus diesen Zielen leiteten wir interne Vorgaben bis zum Jahr 2022 ab. Zudem identifizierten wir viele Maßnahmen, um diese Vorgaben zu erfüllen.
Unser Programm „Design for Sustainability“
Das Design-for-Sustainability-Programm (DfS) hilft dem Unternehmensbereich Life Science dabei, Produkte mit möglichst geringen Umweltauswirkungen zu entwickeln. Dabei geht es unter anderem darum, wiederverwendbare oder recyclingfähige Materialien einzusetzen, die man leicht zurückgewinnen oder trennen kann. Mithilfe des DfS-Ansatzes arbeiten wir kontinuierlich daran, den ökologischen Fußabdruck unserer Produkte zu verkleinern und ihre Entsorgung für unsere Kunden so einfach wie möglich zu machen.
Nachhaltigere Verpackungsmaterialien einsetzen
Viele unserer Verpackungen basieren auf Holzfasern. Wir arbeiten laufend daran, den Anteil der von uns verwendeten Wellpappe zu erhöhen, der nach den Standards für nachhaltige Forstwirtschaft zertifiziert ist. Dazu gehören die „Sustainable Forestry Initiative“ (SFI), der „Forest Stewardship Council“ (FSC) und das „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“ (PEFC). Um das Ziel „Entwaldung stoppen“ zu erfüllen, sorgen wir dafür, dass keine unserer faserbasierten Verpackungsmaterialien zur Entwaldung beitragen. Wir sind dabei, neue Prozesse zu definieren: Wir wollen den Anteil der holz- und faserbasierten Verpackungsmaterialien nachverfolgen, die nach mindestens einem der oben genannten Standards zertifiziert sind. Diese Kennzahl wollen wir in Zukunft berichten.
Zellulose und Luftkissen statt Polystyrol und Schaumstoff
Reagenzflaschen aus Glas sicherten wir für den Versand in der Vergangenheit mit Formteilen aus expandiertem Polystyrol (EPS), damit sie während des Transports nicht zerbrachen. EPS, auch bekannt als Styropor®, gilt zwar als hervorragendes Puffermaterial, ist aber aus nicht erneuerbaren Petrochemikalien hergestellt und schwer zu recyceln. Formteile aus Faserstoff hingegen lassen sich mit anderen Papiermaterialien recyceln und für Lagerung und Transport kompakt zusammenpressen. Wir verfolgen ein Substitutionsprogramm und ersetzen EPS weitestmöglich durch Formteile aus Zellulose- und Recyclingpapierfasern.
Wir sichern bereits heute einige unserer Flaschen im 4x4-Liter-, 4x2,5-Liter- und 6x1-Liter-Versandkarton durch Formteile aus Faserstoff. Dadurch ersetzen wir jährlich etwa zwei Millionen EPS-Formteile. Für den Versand anderer Flaschengrößen führen wir derzeit Sicherheitstests neuer Faserteile durch. Insgesamt nutzten wir 2018 etwa 669 Tonnen Verpackungsmaterial aus Faserstoff.
Wir suchen nach umweltfreundlicheren Alternativen für den sicheren Versand unserer Produkte. Deshalb entwickeln wir gemeinsam mit einem Biotechunternehmen eine nachhaltigere Großpackung für den Transport unserer Millistak+® Pod Disposable Depth Filter. Eine Lebenszyklusanalyse zeigte, dass wir eine Reduzierung der genutzten Wellpappe um 24 % erreicht haben: Dies bedeutet in der Folge 17 % weniger Treibhausgasemissionen durch den Lebenszyklus der Verpackungsmaterialien. Außerdem benötigen unsere Kunden 70 % weniger Zeit im Prozess mit der Bearbeitung der Produkte und deren Verpackung.
Mehr Pappe statt Plastik
In der Regel liefern wir Lösungsmittel in Kunststoffflaschen, aber Titripac® bietet eine umweltfreundlichere Alternative: Es ist ein Kunststoffbeutel mit integriertem Entnahmehahn, der von einem Wellpappekarton umgeben ist. Das erhöht die Recyclingfähigkeit der Verpackung und reduziert gleichzeitig das Gewicht um mehr als die Hälfte. Dadurch sind die entstehenden Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus um 61 % geringer als bei den herkömmlich genutzten Kunststoffflaschen. Da der Entnahmehahn das Produkt vor Verunreinigungen schützt, kann der Inhalt bis zum letzten Tropfen genutzt werden: Es fallen weniger Chemikalienabfälle an.
EPS-Boxen mehrfach verwenden
Viele unserer Life-Science-Produkte müssen beim Versand gekühlt werden. Daher verschicken wir sie in speziellen EPS-Boxen. Um Abfall zu vermeiden, bieten wir unseren Kunden in den USA an, die Boxen an uns zurückzuschicken. Wenn sie voll funktionstüchtig sind, verwenden wir sie wieder. Im Berichtsjahr haben wir so über 14.000 Boxen mindestens einmal wiederverwendet. Das entsprach etwa 5 % der Lieferungen von den drei Distributionszentren, die diese Verpackungsart versenden.
Edelstahlkanister in Produktion integrieren
In China, Korea und Taiwan liefern wir die Flüssigkristallmischungen des Unternehmensbereichs Performance Materials in Edelstahlkanistern an die Display-Hersteller. Unsere Kunden nutzen diese Standardkanister unseres Unternehmens ohne Umfüllen direkt an den Produktionslinien. Anschließend gehen die leeren Behälter zur Reinigung und Wiederbefüllung an uns zurück. 2018 waren in diesem geschlossenen Kreislauf 1.374 standardisierte Kanister im Umlauf. Sie werden über mehrere Jahre genutzt.
Stahl statt Glas
Mit unserem Kreislaufsystem zur Lieferung von Massengütern liefern wir unseren Life-Science-Kunden in den USA benötigte Lösungsmittel in speziellen, wiederverwendbaren Stahlbehältern wie dem EMD ReCycler®. Die leeren Edelstahlbehälter können unsere Kunden zur erneuten Befüllung an uns zurücksenden. Dadurch reduzieren wir den Verbrauch von Primärpackmitteln deutlich. Im Berichtsjahr befüllten wir mehr als 14.000 dieser wiederverwendbaren Stahlbehälter.
Auch in Europa verwenden wir wiederverwendbare Edelstahlbehälter, um Lösungsmittel zu liefern, die in großen Mengen für die präparative Chromatografie benötigt werden. Unsere Kunden senden die restentleerten Behälter an uns zurück, wo sie fachgerecht gereinigt und wiederverwendet werden. Derzeit sind in Europa etwa 32.000 dieser serialisierten Edelstahlbehälter im Umlauf. Die Rücklaufquote beträgt rund 90 %.
Neue nachhaltige Membranverpackungen für Scheibenfilter
Wir überarbeiteten die Membranboxen für unsere Scheibenfilter, damit unsere Kunden ihre eigenen Nachhaltigkeitsziele erfüllen können. Dabei standen Benutzerfreundlichkeit und eine reduzierte Umweltbelastung im Vordergrund. Die neue Membranboxverpackung wird mit 22 % weniger Kunststoff hergestellt und verwendet statt Polystyrol Polypropylen: Dieses hat ein um 43 % geringeres Treibhauspotenzial als Polystyrol. Weitere Verbesserungen sind der Verzicht auf Schaumstoffeinlagen und die Beschaffung der Materialien vor Ort. Dadurch verringerten wir Transportaufwand und Emissionen. Das neue Design reduziert außerdem die Treibhausgasemissionen über den gesamten Produktlebenszyklus um 180 Tonnen pro Jahr. Eine Lebenszyklusanalyse für dieses neue Verpackungsdesign zeigte folgende Nachhaltigkeitsvorteile gegenüber dem vorherigen Design auf:
- 22 % weniger Gewicht von Produktverpackungen
- 33 % weniger Treibhausgasemissionen
- 27 % weniger nicht erneuerbare Energien
Weiterentwicklung des Recyclingprogramms
Zusammen mit einem Entsorgungsunternehmen aus dem US-Bundesstaat Massachusetts bieten wir ein umfassendes Recyclingprogramm für unsere Life-Science-Kunden in den USA an: Wir sammeln und desinfizieren Produktabfälle aus ihren Forschungslabors und ihrer biopharmazeutischen Produktion. Danach recyceln wir sie fast vollständig zu Plastikplatten. Diese kommen in unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz, beispielsweise im Baugewerbe, im Landschaftsbau, im Transportwesen und im Wasserbau. Das Programm beinhaltet zum einen unser Biopharma-Recyclingprogramm, zum anderen das Recyclingprogramm für Wasserfilterkartuschen Ech2o™.
Wir weiten unser Programm in den USA kontinuierlich aus und prüfen Optionen in anderen Regionen, etwa Europa und Asien. Derzeit nehmen zwölf Kunden an dem Programm teil. Seit Programmstart verwerteten wir 2.738 Tonnen Abfall, die durch den Gebrauch unserer Produkte angefallen waren. Allein im Jahr 2018 waren es 1.218 Tonnen.