Unser Unternehmen entwickelt Arzneimittel, die Menschen mit schweren Krankheiten helfen. Bevor die Medikamente behördlich zugelassen werden, testen wir ihre Sicherheit und Wirksamkeit in klinischen Studien mit Patienten und – falls erforderlich – auch mit gesunden Probanden. Diese Studien laufen in der Regel über mehrere Jahre. Zuvor müssen wir in umfangreichen vorklinischen Tests belegen, dass das jeweilige Medikament keine inakzeptablen Risiken birgt. Zu diesen Tests gehören normalerweise auch Tierversuche.
Unser Ansatz für sichere und transparente klinische Studien
Wir betreiben hochwertige klinische Forschung, die stets mit geltenden Gesetzen und Bestimmungen im Einklang steht. Bei der Durchführung klinischer Studien halten wir die weltweit höchsten ethischen und wissenschaftlichen Standards ein.
Klinische Studien führen wir nur zu Fragestellungen durch, die für Patienten, Angehörige der Heilberufe oder die Gesellschaft von Belang sind. Arzneimittel, die getestet werden sollen, müssen ein hohes therapeutisches Potenzial und ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis aufweisen. Darüber hinaus muss es eine fundierte, anerkannte wissenschaftliche Methode geben, um die betreffende wissenschaftliche oder medizinische Fragestellung zu untersuchen. In eine Studie werden nur so viele Teilnehmer wie nötig aufgenommen, um die jeweilige Fragestellung zu beantworten.
An oberster Stelle stehen für uns die Sicherheit, das Wohlergehen, die Würde sowie die Rechte der Patienten und der gesunden Probanden, die an unseren klinischen Studien teilnehmen. Wir setzen die Studienteilnehmer wissentlich weder unangemessenen Risiken noch irreversiblen Schädigungen aus. Der Schutz der Privatsphäre und die Vertraulichkeit personenbezogener Daten – im Einklang mit den gesetzlichen Vorschriften – hat für uns einen hohen Stellenwert.
Klinische Studien in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen
Wir führen alle unsere klinischen Studien gemäß den lokalen Gesetzen und Bestimmungen durch und befolgen alle maßgeblichen internationalen wissenschaftlichen und ethischen Standards – unabhängig von Region oder Land. Unsere Arzneimittelentwicklung dehnen wir bewusst auf unterschiedliche Märkte aus. Auf diese Weise tragen wir den dringenden Gesundheitsbedürfnissen in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen Rechnung und fördern die Entwicklung ihrer Gesundheitssysteme.
Bei der Durchführung klinischer Studien in Ländern mit geringem und mittlerem Einkommen, in denen sich Gesundheitsversorgung und -infrastruktur gewöhnlich auf einem niedrigeren Niveau befinden, gilt darüber hinaus:
- Wir führen klinische Studien nur in einem Umfeld durch, in dem die Regeln der „Guten klinischen Praxis“ eingehalten werden können.
- Wir untersuchen Krankheiten und innovative Arzneimittel nur dann, wenn sie für die Bevölkerung vor Ort bedeutend sind.
- Wir führen klinische Studien nur in Ländern durch, in denen wir für das getestete Arzneimittel voraussichtlich eine Zulassung beantragen und es Patienten zur Verfügung stellen werden – vorausgesetzt, wir konnten seine Sicherheit und Wirksamkeit nachweisen.
- Wir stellen sicher, dass kein Teilnehmer einer klinischen Studie aufgrund seiner ethnischen Herkunft, seines Geschlechts oder seines sozioökonomischen Status diskriminiert wird.
Wie wir klinische Studien überwachen und steuern
Unser „Head of Global Research and Development“ trägt die Verantwortung für die Arzneimittelentwicklung und den damit verbundenen Überwachungs- und Steuerungsprozess. Gemeinsam mit dem „Global Head of Innovative Medicine Franchises“ leitet er unsere „Development Decision Group“ (DDG). In diesem Biopharma-Komitee, das die bereichsübergreifende Entwicklung neuer Arzneimittel überwacht und steuert, sitzen Entscheidungsträger aus allen maßgeblichen Funktionsbereichen.
Unter dem Dach der DDG überwachen zwei weitere Ausschüsse die Durchführung unserer klinischen Studien. Das „Integrated Clinical Study Committee“ (ICSC) ist zuständig für die vom Unternehmen durchgeführten Studien mit Arzneimitteln, die sich in der klinischen Entwicklung befinden. Das „Global Medical Decision Board“ (GMDB) ist verantwortlich sowohl für unsere eigenen Studien zu bereits zugelassenen Arzneimitteln als auch für sämtliche von unabhängigen Prüfärzten durchgeführte und von unserem Unternehmen unterstützte Studien (sogenannte Investigator Sponsored Studies, ISS). Beide Gremien setzen sich aus medizinisch-wissenschaftlichen Experten und Führungskräften mit langjähriger Erfahrung in der klinischen Forschung zusammen. Das ICSC erhält außerdem Unterstützung von unseren „Therapeutic Area Review Boards“, die sorgfältige wissenschaftliche Bewertungen neuer Studienkonzepte durchführen. Unsere Entwicklungs- und Studienteams legen dem jeweils zuständigen Gremium klinische Studienkonzepte vor. Alle Gremien treten regelmäßig zusammen, um die vorgeschlagenen Konzepte umfassend zu prüfen. Dabei ermitteln sie, ob unsere Studien wissenschaftlich fundiert sind, einen berechtigten wissenschaftlichen Zweck verfolgen und gemäß neuesten Standards sowie guter fachlicher Praxis durchgeführt werden.
Für die Erstanwendung eines neuen Arzneimittels beim Menschen müssen einige Bedingungen erfüllt sein: Es müssen ausreichende Belege dafür vorliegen, dass das Arzneimittel einen möglichen therapeutischen Nutzen besitzt, dass es ausreichend sicher für die Anwendung am Menschen ist und dass es ein positives Nutzen-Risiko-Profil aufweist. Den kritischen Schritt zu einer ersten klinischen Prüfung am Menschen gehen wir erst nach umfassenden vorklinischen Tests. Die Entscheidung hierüber obliegt einem gesonderten Gremium, der „Human Exposure Group“ unter dem Vorsitz unseres „Global Chief Medical Officers“.
Mögliche Risiken für Studienteilnehmer analysieren wir kontinuierlich – sowohl vor Beginn als auch im Verlauf unserer klinischen Studien. Unser „Medical Safety and Ethics Board“ (MSEB) überwacht die Sicherheit der Teilnehmer unserer klinischen Studien und überprüft bei Bedarf das Nutzen-Risiko-Profil des Prüfarzneimittels. Weitere Informationen zum MSEB finden sich im Kapitel „Patientensicherheit“.
Eventuelle Probleme können die Produktteams oder andere Gremien an die jeweils zuständigen Gremien melden. Dies ist in den entsprechenden Standardarbeitsanweisungen und Ausschusssatzungen festgehalten. Wenn einzelne Mitarbeiter Rat suchen oder Bedenken zu ethischen Fragen haben, können sie sich unmittelbar an den Vorsitzenden oder an ein ständiges Mitglied eines Ausschusses wenden.
Wozu wir uns verpflichten: internationale Leitlinien und Vereinbarungen
Unsere Richtlinie „Human Subjects Research and Development“ bildet den Rahmen für die Durchführung klinischer Studien. Sie sorgt dafür, dass wir alle geltenden rechtlichen, ethischen und wissenschaftlichen Standards einhalten. Hierzu zählen neben den einschlägigen nationalen Gesetzen und Bestimmungen die folgenden Regelwerke:
- Die Leitlinien der „Guten klinischen Praxis“ (Good Clinical Practice, GCP) des „Internationalen Rats zur Harmonisierung technischer Anforderungen für die Zulassung von Humanarzneimitteln“ (International Council for Harmonisation of Technical Requirements for Pharmaceuticals for Human Use, ICH)
- Die Deklaration von Helsinki des Weltärztebundes
- Der Belmont Report des Office for Human Research Protections, USA
- Gute Pharmakovigilanz-/Labor-/Herstellungs-/Vertriebspraxis (GVP/GLP/GMP/GDP)
- Die internationalen ethischen Grundsätze für gesundheitsbezogene Forschung mit Menschen (International Ethical Guidelines for Health-related Research Involving Humans) des „Rats für Internationale Organisationen der medizinischen Wissenschaft“ (Council for International Organizations of Medical Sciences, CIOMS)
- Die „Gemeinsame Position zur Offenlegung von Informationen über klinische Studien in Studienregistern und Datenbanken“ (Joint Position on the Disclosure of Clinical Trial Information via Clinical Trial Registries and Databases) und die „Gemeinsame Position zur Veröffentlichung klinischer Prüfungsergebnisse in der wissenschaftlichen Literatur“ (Joint Position on the Publication of Clinical Trial Results in the Scientific Literature) des Internationalen Pharmaverbands (International Federation of Pharmaceutical Manufacturers & Associations, IFPMA), des Europäischen Dachverbands der Arzneimittelunternehmen und ‑verbände (European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations, EFPIA), des Verbands japanischer Arzneimittelhersteller (Japan Pharmaceutical Manufacturers Association, JPMA) und des amerikanischen Pharmaverbands (Pharmaceutical Research and Manufacturers of America, PhRMA)
- Die von EFPIA und PhRMA herausgegebenen „Grundsätze für den verantwortungsvollen Austausch von Daten klinischer Studien“ (Principles for Responsible Clinical Trial Data Sharing) sowie die Grundsätze des IFPMA für den verantwortungsvollen Austausch von Daten klinischer Studien
Regelmäßige Kontrolle klinischer Studien
Unser Verfahren bei klinischen Prüfungen wird von den Gesundheitsbehörden regelmäßig auf die Einhaltung der maßgeblichen Gesetze und Richtlinien kontrolliert. Zusätzlich führen wir eigene Audits zur Qualitätssicherung durch. Diese Audits werden von der Funktion „Research and Development Quality“ geplant und basieren auf einer Qualitätsrisikobewertung. Damit identifizieren wir die Bereiche, die einem internen oder externen Audit zu unterziehen sind. In beiden Fällen reagieren wir sofort auf Beanstandungen, indem wir korrigierende und vorbeugende Maßnahmen festlegen und umsetzen, um unsere Prozesse zu verbessern.
Verantwortungsvolle Durchführung klinischer Studien
Vor der Aufnahme von Studienteilnehmern muss jede klinische Studie zunächst von einer qualifizierten unabhängigen Ethikkommission beurteilt und genehmigt werden. Außerdem müssen alle im jeweiligen Land erforderlichen behördlichen Genehmigungen vorliegen. Gemäß den Leitlinien der „Guten klinischen Praxis“ (ICH-GCP) müssen alle Teilnehmer vor ihrer Aufnahme in eine klinische Studie eine ausdrückliche Einwilligungserklärung abgeben. Sie werden in verständlicher Sprache umfassend über alle Aspekte der klinischen Studie aufgeklärt – unter anderem über potenzielle Risiken und den möglichen Nutzen einer Teilnahme. Alle Teilnehmer erhalten ausreichend Zeit und Gelegenheit, sich über Einzelheiten zu informieren, bevor sie sich für oder gegen eine Teilnahme entscheiden. Der Prüfarzt oder eine andere qualifizierte, mit der Studie vertraute medizinische Fachkraft beantworten sämtliche Fragen. Soweit möglich, werden auch nicht-interventionelle Studien (Beobachtungsstudien) von einer Ethikkommission beurteilt.
Jede Studie folgt genau festgelegten Abläufen. Dadurch wird sichergestellt, dass sie nach höchsten Qualitätsmaßstäben und im Einklang mit den Leitlinien der „Guten Arbeitspraxis für die Entwicklung und Herstellung von Arzneimitteln“ (GxP), den ethischen Prinzipien der Deklaration von Helsinki und anderen internationalen Richtlinien und Regelungen durchgeführt wird. Auch im Jahr 2019 identifizierten Dritte oder Aufsichtsbehörden keine wesentlichen Probleme mit Auswirkungen auf Patientenrechte, Patientensicherheit oder die Datenintegrität einer Studie.
Wir erheben und übermitteln fortlaufend Informationen zur Sicherheit unserer Prüfarzneimittel. Wichtige neue Erkenntnisse, die für die Sicherheit von Studienteilnehmern bedeutend sind, teilen wir den Prüfärzten unverzüglich mit. So gewährleisten wir die sichere Anwendung unserer Arzneimittel. Mögliche Nebenwirkungen und Risiken berücksichtigen wir sowohl bei der Bewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses unserer Produkte als auch beim Risikomanagement. Soweit erforderlich, aktualisieren wir die Produktinformationen einschließlich der Prüfarztbroschüre und der Informationen für Studienteilnehmer. Weitere Informationen hierzu finden sich im Kapitel „Patientensicherheit“.
Klinische Studien mit schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen
Die Durchführung klinischer Studien mit schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen – etwa mit Kindern oder Menschen mit geistiger Behinderung – erfordert besondere Aufmerksamkeit und Sorgfalt, um höchste ethische und wissenschaftliche Standards sicherzustellen. Das Wohlbefinden des Einzelnen hat für uns höchste Priorität. Darum führen wir nur dann Studien mit Teilnehmern aus schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen durch, wenn es erstens wissenschaftlich gerechtfertigt ist und es zweitens keine andere Möglichkeit gibt, aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten. Bei der Durchführung derartiger Studien – vor allem bei der Aufklärung der Teilnehmer und der Einholung ihrer Einwilligung – halten wir uns genau an alle gesetzlichen Regelungen.
Unter unserer Leitung führte das pädiatrische Praziquantel-Programm zusammen mit einem Konsortium aus Partnern in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen klinische Studien mit schutzbedürftigen Bevölkerungsgruppen durch. Ziele des Programms sind die Entwicklung, Zulassung und Bereitstellung einer für Kinder unter sechs Jahren geeigneten Formulierung von Praziquantel für die Behandlung von Bilharziose. Da klinische Daten ebenso fehlen wie eine geeignete kinderfreundliche Rezeptur von Praziquantel, werden Kinder dieser Altersgruppe derzeit noch nicht behandelt. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Phase I-Studien zur Bioverfügbarkeit mit gesunden Erwachsenen in Südafrika und der Geschmacksstudie mit Kindern im Alter von sechs bis elf Jahren in Tansania, wurde im November 2018 die Phase II in der Elfenbeinküste abgeschlossen. Die Ergebnisse bestätigten, dass die orodispersible Formulierung bis zur Zulassung verfolgt werden sollte. Die entscheidende Phase III-Studie, die in Kenia und der Elfenbeinküste durchgeführt wird, begann im September 2019.
Das klinische Studienprogramm wurde gemäß den Empfehlungen der amerikanischen Arzneimittelbehörde (United States Food and Drug Administration, FDA) und der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zur Entwicklung von Arzneimitteln für Kinder konzipiert. Geplant und umgesetzt wurde es mit Unterstützung der Aufsichtsbehörden sowie eines Gremiums internationaler Experten, dem auch Klinikärzte aus endemischen Ländern angehören. Weitere Einzelheiten beschreibt das Kapitel „Gesundheit für alle“.
Ergebnisorientierte Zusammenarbeit mit Partnern
Um eine breite und fundierte Basis für die Entwicklung neuer Arzneimittel zu schaffen, arbeiten wir bei unseren klinischen Studien häufig mit externen Partnern aus Wissenschaft und Industrie sowie mit medizinisch-wissenschaftlichen Beratungsgremien, Dienstleistern und Lieferanten zusammen. Wir erwarten von allen unseren Partnern, dass sie bei der Durchführung klinischer Prüfungen die gleichen hohen Standards einhalten wie wir. Das gilt insbesondere für Auftragsforschungsinstitute (Contract Research Organizations, CRO), die klinische Studien in unserem Auftrag durchführen.
Wir haben etablierte Prozesse für die Auswahl, Genehmigung, Beauftragung und Überwachung von CROs festgelegt. Die Zusammenarbeit mit beauftragten Dienstleistern regeln umfangreiche Handbücher. An die erbrachten Leistungen stellen wir höchste Qualitätsanforderungen, die wir in konkreten Qualitätsvereinbarungen festhalten; diese definieren auch Rollen und Verantwortlichkeiten. Anhand eines Risikobewertungsansatzes lassen wir Dienstleister regelmäßig auditieren. Damit wollen wir sicherstellen, dass sie alle maßgeblichen Bestimmungen und Richtlinien sowie die in den genannten Handbüchern und Vereinbarungen definierten Anforderungen einhalten. Das gilt auch für Prüfzentren (beispielsweise Krankenhäuser), die in unsere klinischen Studien eingebunden sind. Im Jahr 2019 ergaben diese Audits erneut keine Anhaltspunkte für systematische oder erhebliche Verstöße gegen die oben genannten Standards. Eine einzelne kritische Beobachtung gab es hinsichtlich computergestützter Systeme. Die Ursache wurde gefunden und mit geeigneten korrigierenden und vorbeugenden Maßnahmen beseitigt.
Wir sind Mitglied von TransCelerate, einem Konsortium aus 20 Pharmaunternehmen, das eine effiziente, effektive und hochwertige Bereitstellung neuer Medikamente fördern will. Derzeit leiten wir eine Initiative im Zusammenhang mit dezentralen (virtuellen) klinischen Studien.
Intensiver Dialog mit Patienten und Patientenorganisationen
Wir wollen sicherstellen, dass die Stimme und die Bedürfnisse sowohl der Patienten als auch ihrer Betreuungspersonen bei der Entwicklung und Durchführung klinischer Studien angemessen berücksichtigt werden. Aus diesem Grund gründeten wir die „Patient Advisory Boards (PAB). Sie sind einer unserer wichtigsten Kommunikationskanäle. Unsere „PAB Charter“ beschreibt, wie Patientenorganisationen (Patient Advocacy Groups) in unsere klinische Forschung einzubinden sind. Bei Sitzungen von Beratungsgremien werden Patienten, Betreuungspersonen und Vertreter von Patientenorganisationen eingeladen, ihre Erfahrungen und Sichtweisen hinsichtlich klinischer Studien weiterzugeben. Diese Gelegenheit nutzen wir, um verschiedene Aspekte der Arzneimittelentwicklung wie Prüfplandesign, Schulungsmaterialien, Technologie und innovative Ansätze für klinische Studien zu erörtern. Unsere Einheit „Global Clinical Operations“ (GCO) bewertet und verwendet diese Informationen auf vielfältige Weise. Vorrangig achtet sie darauf, dass der Patient bei allem, was wir tun, im Mittelpunkt steht. Im Jahr 2019 gründeten wir den ersten Patientenbeirat in Asien – ein weiterer Fortschritt, um dieses Ziel zu verwirklichen.
Darüber hinaus beteiligen wir uns an mehreren Organisationen, die sich schwerpunktmäßig mit der Patientenorientierung in klinischen Studien befassen. In den USA sind wir aktives Mitglied der „Clinical Trials Transformation Initiative“ (CTTI), die sich vornehmlich der Qualität und Effizienz klinischer Studien widmet. In Europa beteiligen wir uns an der „Europäischen Patientenakademie zu therapeutischer Innovation“ (European Patients' Academy on Therapeutic Innovation, EUPATI), einer öffentlich-privaten Partnerschaft im Rahmen der „Innovative Medicines Initiative“ (IMI). Unsere ursprünglich für den Zeitraum 2012 bis 2017 befristete Beteiligung verlängerten wir bis Ende 2019. EUPATI ist ein vom Europäischen Patientenforum (EPF) geleitetes gesamteuropäisches Projekt, an dem neben Pharmaunternehmen auch Patientenorganisationen, Universitäten und gemeinnützige Organisationen beteiligt sind.
Verantwortungsvoller Datenaustausch
Wir unterstützen die Fachwelt bei der Weiterentwicklung des medizinischen und wissenschaftlichen Wissens. So ermöglichen wir fundierte Entscheidungen im Gesundheitswesen zum Wohle der Patienten. Qualifizierten Forschern stellen wir auf Anfrage Prüfpläne, anonymisierte Patientendaten, Studiendaten und klinische Studienberichte zur Verfügung. Wir teilen Daten und Informationen in Übereinstimmung mit den gemeinsamen Grundsätzen von EFPIA und PhRMA für den verantwortungsvollen Austausch von Daten klinischer Studien („Principles for Responsible Clinical Trial Data Sharing“):
- Die Privatsphäre der Patienten schützen
- Die Integrität nationaler regulatorischer Systeme respektieren
- Anreize für Investitionen in biomedizinische Forschung erhalten
Im Jahr 2019 erhielten wir keine begründeten Beschwerden von Patienten, Studienteilnehmern oder Aufsichtsbehörden über die Verletzung der Privatsphäre im Zusammenhang mit klinischen Studien.
Offenlegung von klinischen Studien und Veröffentlichung der Ergebnisse
Wir sind dazu verpflichtet, die Erkenntnisse aus unseren klinischen Studien offenzulegen. Im Einklang mit unserer „Clinical Trial Disclosure Policy“ geschieht dies öffentlich – und zwar vollständig, korrekt, ausgewogen, transparent und zeitnah. Designs und Ergebnisse unserer klinischen Studien werden in der internationalen Datenbank ClinicalTrials.gov des amerikanischen „National Institute of Health“ (NIH) veröffentlicht. Sie sind außerdem über die „International Clinical Trials Registry Platform“ der Weltgesundheitsorganisation (ICTRP) zugänglich. Darüber hinaus veröffentlichen wir die Ergebnisse unserer klinischen Studien im Einklang mit EU-Bestimmungen in der Datenbank „European Union Drug Regulatory Authorities Clinical Trials“ (EudraCT), die die Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) betreibt. Falls das Landesrecht es vorschreibt, veröffentlichen wir die Studienergebnisse auch auf anderen öffentlich zugänglichen Plattformen. Im Jahr 2019 stellten wir den Teilnehmern von elf Studien sogenannte „Lay Patient Summaries“ zur Verfügung. Es handelt sich dabei um Zusammenfassungen von klinischen Studienergebnissen für Laien mit Erläuterungen der Ergebnisse in allgemeinverständlicher Sprache. Seit November 2019 stellen wir auf unserer Webseite für klinische Studien Zusammenfassungen klinischer Studienberichte sowie „Lay Patient Summaries“ bereit.
Die Ergebnisse unserer klinischen Studien veröffentlichen wir im Einklang mit den maßgeblichen Gesetzen und Branchenkodizes in medizinischen Fachzeitschriften. Dabei richten wir uns vor allem nach der jeweils aktuellen Version der „Good Publication Practice“ (GPP3) und den Empfehlungen des „International Committee of Medical Journal Editors“ (ICMJE). Unsere Richtlinie über medizinische Publikationen („Medical Publications Policy“) stellt sicher, dass wir alle maßgeblichen Standards einhalten. Wissenschaftliche Publikationen zu unseren Produkten erfolgen außerdem nach vorgegebenen Standardverfahren.
Immunonkologie: wichtige Meilensteine klinischer Forschung
Die Immunonkologie untersucht, inwieweit durch eine Aktivierung oder Stärkung des körpereigenen Immunsystems eine Immunreaktion gegen Krebs hervorgerufen werden kann. In einer strategischen Allianz mit dem amerikanischen Pharmaunternehmen Pfizer entwickeln wir derzeit Bavencio® (Avelumab). Dabei handelt es sich um einen Anti-PD-L1-Antikörper, den wir ursprünglich zur potenziellen Behandlung unterschiedlicher Tumore entdeckt und entwickelt hatten. 2015 starteten wir innerhalb dieser Kooperation JAVELIN, unser umfassendes internationales klinisches Studienprogramm. Dabei untersuchen wir den potenziellen therapeutischen Nutzen von Avelumab bei verschiedenen Tumorarten. Bis Ende 2019 wurden im Rahmen dieses Programms mehr als 12.200 Patienten untersucht.
Bis Ende 2019 erhielt Avelumab in 50 Ländern – darunter die EU, Japan und die USA – die Marktzulassung für die Behandlung von Patienten mit metastasierendem Merkelzell-Karzinom, einer seltenen und aggressiven Form von Hautkrebs. Außerdem erhielt Avelumab in drei Ländern die behördliche Zulassung für die Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Urothelkarzinom im Anschluss an eine platinhaltige Chemotherapie. Bei einem Urothelkarzinom handelt es sich um einen bösartigen Tumor des Urothels – also des harnwegauskleidenden Deckgewebes.
Darüber hinaus wurde Avelumab in Kombination mit Axitinib im Jahr 2019 von der amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) und der Europäischen Kommission für die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom zugelassen. Unterdessen wird Avelumab in mehreren noch andauernden Phase-III-Zulassungsstudien in verschiedenen Tumorarten untersucht, einschließlich der Behandlung von Lungenkrebs und Kopf-Hals-Tumoren sowie als Erstbehandlung des Urothelkarzinoms.
Im Jahr 2019 schlossen wir eine weltweite Allianz mit dem Unternehmen GlaxoSmithKline zur gemeinsamen Entwicklung und Vermarktung von Bintrafusp alfa, ein bifunktionelles Fusionsprotein für die Immuntherapie. Das Präparat befindet sich in der klinischen Entwicklung, wozu auch potenzielle Zulassungsstudien zählen. Es könnte zur Behandlung mehrerer schwer behandelbarer Krebsarten eingesetzt werden.
Frühen Zugang zu neuen Arzneimitteln ermöglichen
Nicht alle Patienten haben die Möglichkeit, an einer klinischen Studie teilzunehmen. Wer nicht teilnehmen kann, muss warten, bis ein neues Arzneimittel zugelassen wird. Durch unser Early-Access-Programm ermöglichen wir Patienten unter bestimmten Bedingungen einen frühen Zugang zu neuen, möglicherweise lebensrettenden Medikamenten. Das Angebot richtet sich an Menschen mit schwerwiegenden Erkrankungen, die bereits alle verfügbaren Therapieformen erfolglos durchlaufen haben. So können sie Medikamente erhalten, die bereits klinisch getestet sind, aber noch keine Marktzulassung haben. Darüber hinaus bieten wir Patienten, die an einer unserer klinischen Studien teilnahmen, unter bestimmten Bedingungen auch nach Beendigung der Studie Zugang zum Prüfarzneimittel an (sogenannter Post-Study Access). Auch hier halten wir uns an strenge gesetzliche, ethische und wissenschaftliche Standards. Durch eine gründliche Bewertung aller verfügbaren Daten stellen wir sicher, dass der potenzielle Nutzen für die Patienten die möglichen Risiken überwiegt. Auf unserer Webseite veröffentlichten wir Positionspapiere zu Early Access und Post-Study Access.
Förderung unabhängiger humanmedizinischer Forschungsprojekte
Wir führen nicht nur eigene klinische Forschungsprogramme und Studien durch, sondern fördern außerdem Studien, die von unabhängigen Prüfärzten vorgeschlagen und durchgeführt werden – sogenannte Investigator Sponsored Studies (ISS). Unsere ISS-Grundsätze, die wir im Jahr 2018 auf unserer Webseite veröffentlichten, definieren eine ISS als „einen unaufgeforderten Antrag zur Finanzierung und/oder Bereitstellung eines in Entwicklung oder auf dem Markt befindlichen Arzneimittels durch einen Dritten (Prüfarzt/Prüfzentrum), der als den Aufsichtsbehörden gegenüber verantwortlicher Sponsor eine unabhängige wissenschaftliche Untersuchung anstößt und durchführt“. Wir stellen finanzielle oder materielle Unterstützung für unabhängige humanmedizinische Forschungsprojekte bereit. Damit wollen wir einerseits die Weiterentwicklung des klinischen und medizinischen Wissens sowie der Patientenversorgung in unseren therapeutischen Interessengebieten fördern, andererseits die sichere und effektive Anwendung unserer Produkte unterstützen. Wir geben solchen Forschungsprojekten Vorrang, die innovativ sind und das Potenzial besitzen, bestimmte ungedeckte medizinische oder wissenschaftliche Bedürfnisse zu erfüllen. Die Prinzipien, Rahmenbedingungen und Standards sowohl für die Förderung von ISS als auch für unsere Zusammenarbeit mit unabhängigen Prüfärzten ergeben sich aus unseren ISS-Grundsätzen sowie aus unserer entsprechenden Richtlinie und Standardarbeitsanweisung.
Aufarbeitung der Vergangenheit
In den 1950er und 1960er Jahren lieferten Pharmaunternehmen in Deutschland ihre Medikamente zur Durchführung klinischer Studien an verschiedene Einrichtungen, typischerweise an Universitätskliniken oder Hausärzte, in bestimmten Fällen aber auch an Kinderheime. Seit 2015 stellen wir Forschern Akten aus dem historischen Archiv unserer Darmstädter Konzernzentrale zur Verfügung und unterstützen sie bei der umfassenden historischen Forschung zu diesem Thema. Dabei wahren wir uneingeschränkte Transparenz. Ist die Arbeit der Forscher abgeschlossen, können ihre Erkenntnisse für eine abschließende Beurteilung dieses komplexen Themas genutzt werden.
Quelle: http://www.who.int/ictrp/glossary/en/
Quelle: http://www.who.int/ictrp/glossary/en/
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Quelle: http://www.who.int/ictrp/glossary/en/