Die Kosten für verschreibungspflichtige Arzneimittel betrugen 2017 in den OECD-Ländern zwischen 6 und 29 % der Gesamtausgaben im Gesundheitswesen. Doch dank der Fortschritte bei der Erforschung und Entwicklung innovativer Medikamente verändert sich das: Chronische Erkrankungen – die größten Kostentreiber – können effektiver und kostengünstiger behandelt werden.
Unser Ansatz zur Preisgestaltung von Arzneimitteln
Wir wollen sicherstellen, dass alle Patienten die wirksamsten Arzneimittel für ihre jeweilige Erkrankung erhalten. Deshalb arbeiten wir daran, dass die Kosten für diese Arzneimittel keine Hürde für den Zugang zur Behandlung darstellen. Wir stehen für eine flexible und gerechte Preisgestaltung – landesintern wie auch länderübergreifend. Dementsprechend passen wir unsere Preise den lokalen Marktgegebenheiten an. Dabei berücksichtigen wir auch die Zahlungs- und Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems, geografische Gegebenheiten und vorhandene Infrastruktur. Außerdem beachten wir gesetzliche Anforderungen, den ungedeckten medizinischen Bedarf und sozioökonomische Aspekte wie die Zahlungsfähigkeit der Patienten. Unser Ansatz umfasst auch eine enge Zusammenarbeit mit Regierungen und anderen Stakeholdern. Außerdem beobachten wir die Veränderungen der Gesundheitssysteme und -märkte, der Preisbildungs- und Erstattungssysteme sowie der gesetzlichen und behördlichen Leit- und Richtlinien. Bei Bedarf passen wir unsere Preise entsprechend an.
Zudem unterziehen wir unsere Arzneimittelpreise einer jährlichen Überprüfung. So stellen wir sicher, dass sie den Bedürfnissen der Patienten nach bezahlbarem Zugang zu Medikamenten gerecht werden. Ein konzernweit einheitliches, datenbasiertes Vorgehen hilft uns dabei, unsere lokale Preisbildung zu steuern. Um unsere Produkte den Patienten in bestimmten Ländern zu bezahlbaren Preisen anbieten zu können, nehmen wir unter anderem an staatlichen Ausschreibungen teil, führen Niedrigpreis-Zweitmarken oder Markengenerika ein und bieten unsere Produkte innerhalb von Patient-Access-Programmen an.
Darüber hinaus ermöglichen wir Erstattungsvereinbarungen mit Risikoteilung. Zudem wollen wir einen Beitrag dazu leisten, die Dateneffizienz in Gesundheitssystemen zu verbessern, um eine optimale Verteilung der finanziellen Mittel und Ressourcen sicherzustellen.
Wie wir Arzneimittelpreise gestalten
Unsere Einheit „Global Pricing and Market Access“ legt die Markteinführungspreise fest. Dabei stimmt sie sich mit den jeweiligen Geschäftseinheiten ab. Die Einheit berichtet direkt an ein Mitglied unseres „Healthcare Executive Committee“. Unsere Landesgesellschaften verantworten das Preismanagement und die kontinuierliche Anpassung der Preise an die Gegebenheiten vor Ort.
Wozu wir uns verpflichten: Leitlinien und Grundsätze zu Arzneimittelpreisen
Gesundheitslösungen müssen bezahlbar sein: Das ist unser Versprechen gegenüber den Patienten. Darüber hinaus versprechen wir, den Zugang zu Gesundheitslösungen zu erleichtern, deren Verfügbarkeit zu verbessern und das Bewusstsein für Krankheiten zu schärfen. Bei der Preisgestaltung der Arzneimittel richten wir uns nach den Vorgaben unserer übergeordneten „Access to Health Charta“; Details regelt unsere Richtlinie „Preisgestaltung bei Arzneimitteln“. Mit unserer „Patient Access Programs Policy“ definieren wir außerdem Standards, um Arzneimittel zu reduzierten Preisen anzubieten.
Kundenorientierte Vertragsmodelle
Wir setzen uns dafür ein, eine wertorientierte Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Das bedeutet vor allem, dass unsere Preis- und Vertragsgestaltung alle lokalen gesetzlichen Vorgaben berücksichtigt. Je nach Produkt und Markt entwickeln wir – gemeinsam mit Kostenträgern wie Krankenversicherern und Krankenkassen – verschiedene Kostenerstattungs- und Vertragsmodelle. Sie tragen dazu bei, Patienten schnellen Zugang zu unseren Innovationen zu ermöglichen. Ein Beispiel hierfür ist die Vereinbarung zur Risikoteilung, die wir in Großbritannien und Irland geschlossen haben: Dort erhalten alle Multiple-Sklerose-Patienten unverzüglich Zugang zu unserem Medikament Mavenclad®; das staatliche Gesundheitssystem muss nur für die Medikamentenkosten solcher Patienten aufkommen, die auf das Arzneimittel ansprechen. Muss die Behandlung auf eine alternative Substanz umgestellt werden, gewähren wir dem staatlichen Gesundheitssystem einen teilweisen Preisnachlass. Bis Ende 2019 erhielten bereits rund 1.300 Patienten in Großbritannien und rund 250 Patienten in Irland eine entsprechende Erstattung der Medikamentenkosten. Im Oktober 2018 trafen wir eine vergleichbare erfolgsabhängige Vereinbarung (Pay-for-Performance-Vereinbarung) für Mavenclad® mit der GWQ ServicePlus AG. Diesem Netzwerk gehören etwa 60 Krankenkassen mit elf Millionen Patienten in Deutschland an.
Für unser Onkologie-Präparat Erbitux®, unser Multiple-Sklerose-Präparat Rebif® und unser Wachstumshormon Saizen® bieten wir mittlerweile ebenfalls Vertragsmodelle an, die den Medikamentenzugang für Patienten erleichtern. Zusätzlich deckeln wir in manchen Ländern die Maximalkosten pro Patient und schließen Risikoteilungsvereinbarungen.
Preisgestaltungsmodelle für die Versorgung einkommensschwacher Patienten
Wir arbeiten eng mit Regierungen und anderen Stakeholdern zusammen. Ziel ist es, neuartige, differenzierte Modelle für die Preisgestaltung von Arzneimitteln zu entwickeln. In Afrika, Asien, Lateinamerika und im Nahen Osten verkaufen wir in einigen Ländern Produkte zu reduzierten Preisen. In Indien kooperieren wir dafür beispielsweise mit Vertretern des öffentlichen Sektors wie Bharat Heavy Electricals Limited (BHEL) oder Oil and Natural Gas Corporation (ONGC): Ziel ist es, Patienten mit geringer Zahlungsfähigkeit reduzierte Preise für bestimmte allgemeine Arzneimittel und Schilddrüsenprodukte anzubieten.
Außerdem beteiligen wir uns regelmäßig an staatlichen Ausschreibungen für Produkte, mit denen öffentliche Krankenhäuser einkommensschwache Patienten versorgen. Viele dieser Ausschreibungen finden in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen statt.
Niedrigpreis-Zweitmarken
Für einige unserer bestehenden Marken etablieren wir sogenannte Niedrigpreis-Zweitmarken – hauptsächlich in Ländern mit einem großen Anteil an Patienten mit sehr niedrigen Einkommen. In Brasilien gibt es elf unserer Produkte auch als günstigere Zweitmarke. Auch in Ländern wie Mexiko, den Philippinen, Polen und Südafrika sind unsere Niedrigpreis-Zweitmarken erhältlich.
Markengenerika
In Zusammenarbeit mit Partnern bieten wir vor allem in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen Markengenerika an, um den dringenden Bedarf an bezahlbaren hochwertigen Arzneimitteln zu decken. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf Medikamenten zur Behandlung von Krankheiten, die in diesen Ländern besonders häufig vorkommen. So tragen wir dazu bei, einen besseren Zugang zu Arzneimitteln zu sichern – bei gleichbleibend hoher Qualität, aber zu niedrigeren Preisen. Auf den Philippinen brachten wir entsprechend bereits vier und in Angola drei Markengenerika auf den Markt. Darüber hinaus führten wir in Brasilien und Mexiko jeweils ein Markengenerikum ein.
Patient-Access-Programme
Wir führen weltweit Patient-Access-Programme durch. Dabei bieten wir bestimmte Produkte in einigen Ländern zu günstigeren Preisen an. Ein Beispiel sind die Programme, mit denen wir in China den Zugang zu unserem Krebsmedikament Erbitux® erleichtern, das unter anderem bei Dickdarmkrebs zum Einsatz kommt. Diese Programme richten sich vor allem an Patienten mit niedrigem Einkommen, die das Medikament kostenlos erhalten. Seit Oktober 2012 profitierten rund 12.900 Patienten in China von unseren Erbitux®-Spenden. Das Programm lief aus, als Erbitux® in den Erstattungskatalog des staatlichen Gesundheitswesens in China aufgenommen wurde. Das bedeutet, dass Patienten jetzt unverzüglich Zugang zu dem Produkt erhalten.
Ähnliche Hilfsprogramme unterhalten wir in anderen Ländern. In Indien beispielsweise bieten wir ebenfalls ein Patient-Access-Programm für Erbitux® an; unter bestimmten Bedingungen stellen wir kostenlose Behandlungszyklen zur Verfügung. Etwa 2.300 Patienten nehmen jedes Jahr an diesem Programm teil. In Ländern wie China und Peru bieten wir kostenlos einen Biomarker-Test an: Mit diesem lässt sich ermitteln, ob jemand überhaupt auf die Behandlung mit Erbitux® anspricht. Seit 2014 kam dieses Programm ungefähr 40.800 Patienten in China zugute.
Zusätzlich zu unseren Onkologie-Initiativen bieten wir solche Access-Programme auch für unsere Präparate Rebif®, Gonal-F® und Saizen® an. In China betreiben wir beispielsweise den „Gonal-F-Baby Fund“: Damit unterstützen wir finanziell die Fruchtbarkeitsbehandlung von Paaren mit geringen Einkommen, die Schwierigkeiten haben, ein Baby zu bekommen.