Weltweit herrscht in immer mehr Regionen Wasserknappheit. Auch wir sind auf die Verfügbarkeit von Wasser angewiesen. Nachhaltiges Wassermanagement ist deshalb ein Schwerpunkt unseres betrieblichen Umweltschutzes. Unsere Abwässer können zudem Spurenstoffe wie Schwermetalle oder pharmazeutische Wirkstoffe enthalten. Bei unseren Maßnahmen zum Wassermanagement beachten wir alle geltenden Gesetze zum Wasserschutz, die fortlaufend verschärft werden.
Unser Ansatz für ein nachhaltiges Wassermanagement
Nachhaltiges Wassermanagement bedeutet für uns, den Status der Gewässer, aus denen wir Frischwasser beziehen oder in die wir gereinigte Abwässer einleiten, nicht negativ zu beeinflussen.
Um nachhaltiges und effizientes Wassermanagement zu fördern, nutzen wir ein Bewertungstool des Verbands der Europäischen chemischen Industrie (Cefic). Damit evaluieren unsere Standorte ihr Wassermanagement. Auf dieser Basis erstellen sie einen Maßnahmenkatalog und setzen ihn schrittweise um.
Darüber hinaus haben wir uns zum Ziel gesetzt, unseren Wasserverbrauch an Standorten in Wasserstressgebieten bis 2020 um 10 % im Vergleich zum Jahr 2014 zu reduzieren. Dazu analysieren wir systematisch unsere Wasserverbrauchsdaten. Wir nutzen beispielsweise den „Water Risk Filter“ des World Wide Fund For Nature (WWF) oder den „Aqueduct Water Risk Atlas“ des World Resources Institute (WRI) um zu erkennen, ob ein Standort in einem Wasserstressgebiet liegt. Ein Wasserstressgebiet liegt dann vor, wenn die Wasserentnahme größer ist als der Zufluss.
Zugleich stehen wir in der Verantwortung, die Belastung des Abwassers an allen Standorten so gering wie möglich zu halten. Daher ist die Prüfung des standortbezogenen Wassermanagements Teil unserer EHS-Audits, die wir regelmäßig an unseren Produktions- und Entwicklungsstandorten durchführen.
Produktionsstandorte stehen stärker im Fokus unseres Wassermanagements als Verwaltungsstandorte, da von der Produktion das höhere Potenzial für Gewässerbeeinflussungen ausgeht.
Wie wir unser Wassermanagement regeln
Die oberste Verantwortung für das Wassermanagement trägt die Konzernfunktion „Environment, Health, Safety, Security, Quality“ (EQ) („Betrieblicher Umweltschutz“). An unseren Standorten ergreifen Techniker in enger Abstimmung mit EHS-Managern Maßnahmen, um den Wasserverbrauch zu senken und das Abwasser zu reinigen.
Integration von Versum Materials und Intermolecular
Im Zuge der Integration der von uns akquirierten Unternehmen Versum Materials und Intermolecular prüfen wir die dort bestehenden Managementstrukturen, Policies, Standards und Prozesse für Wassermanagement. Wo notwendig, implementieren wir unsere internen, unternehmensweiten Vorgaben. Ebenso prüfen wir den bisherigen Erhebungsprozess für Wasser- und Abwasser-Kennzahlen und arbeiten an einer Vereinheitlichung der Methodologie sowie der Zeitvorgaben. Ab dem Berichtsjahr 2020 beziehen wir Wasser- und Abwasser-Kennzahlen für Versum Materials und Intermolecular in unsere Berichterstattung ein.
Wozu wir uns verpflichten: Standards und Vorgehen
Unsere konzernweiten Standards „Sustainable Water Management Part 1 – Waste water“ und „Sustainable Water Management Part 2 – Water use and stormwater protection“ beschreiben, wie wir moderne Mechanismen eines nachhaltigen Wassermanagements in unser Managementsystem integrieren. Beide Standards basieren auf den Verpflichtungen, die wir im Rahmen der weltweiten Initiative „Responsible Care®“ eingegangen sind. Mit dem Standard „Waste water“ verfügen wir über eine Bewertungsmethode für Abwassereinleitungen in die Umwelt. Der Standard „Water use and stormwater protection“ enthält konzernweit verpflichtende Vorgaben für den verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Wasser. Außerdem legt er fest, wie wir Risiken steuern, die sich aus direkter oder indirekter Wasserentnahme ergeben. Auch deckt der Standard Risiken wie kontaminiertes Regenwasser oder Überflutungen ab. Mit internen Audits kontrollieren wir, dass unsere Standorte die Standards einhalten. Sie alle sind verpflichtet, die Risiken und Auswirkungen ihrer Abwasserfrachten – also der Schadstoffe in ihren Abwässern – zu ermitteln und zu bewerten sowie Entnahme- und Regenwasserrisiken zu analysieren.
Wir arbeiten zudem fortlaufend daran, unsere Produktions- und Reinigungsprozesse zu optimieren. So minimieren wir beispielsweise die Rückstände pharmazeutischer Wirkstoffe im Abwasser. Alle Produktionsstandorte für Pharmazeutika verfügen über Abwasseraufbereitungsanlagen und messen regelmäßig die Zusammensetzung ihres Abwassers.
Wasser aus eigenen Quellen
Unser Prozesswasser beziehen wir größtenteils aus eigenen Brunnen und unser Trinkwasser von örtlichen Versorgern. In keinem Fall beeinträchtigen wir sensible Wasserquellen. Dennoch behalten wir durch unser nachhaltiges Wassermanagement Trends im Blick, die dazu führen könnten, dass Quellen zukünftig als sensibel eingestuft werden.
Wasserentnahme (in Mio. Kubikmeter) – 20191
1) Die Zahlen enthalten keine Daten von Versum Materials, da der Prozess der Integration noch läuft. Für weitere Informationen siehe Berichtsprofil.
Das Kühlwasser für unsere Produktionsprozesse führen wir größtenteils im Kreislauf. Je nach gesetzlichen Vorgaben und je nach Energiebilanz kühlen wir aber auch per Frischwasser im Durchlauf. In ausgesuchten Anwendungen bereiten wir die Produktionsabwässer auf und verwenden sie wieder. Insgesamt verwerteten wir im Jahr 2019 23,3 Mio. Kubikmeter Wasser wieder.
Umfassende Analysen
Wir setzen das „Cefic Self-Assessment“ des Verbands der Europäischen Chemischen Industrie um. Dazu erhoben wir zunächst, wie unsere Standorte mit Wasser umgehen. Kontinuierlich bewerten wir aufgrund dieser Erhebungen die Umwelteinflüsse, die durch unsere Wassereinleitungen entstehen. Bei Bedarf ergreifen wir standortspezifische Maßnahmen.
Wasserverbrauch senken
Wir wollen unseren Einfluss auf die Wassersituation im Umfeld unserer Standorte minimieren. 2019 lagen unsere Wasserentnahmen bei 14 Mio. Kubikmetern. 784.661 Kubikmeter Wasser stammten aus Wasserstressgebieten. Dies betrifft unsere Produktionsstandorte in Mexiko-Stadt (Mexiko), Mollet del Vallès (Spanien), Kankakee (Illinois, USA) Norwood (Ohio, USA), Savannah (Georgia, USA) sowie Hsinchu und Taoyuan (beide Taiwan). Diese sieben Standorte müssen einerseits ihren Wasserverbrauch transparent darstellen und andererseits Prozessschritte identifizieren, die besonders viel Wasser benötigen. Darauf aufbauend erarbeiten wir Maßnahmen, um den Wasserverbrauch der Standorte zu senken. Unser Ziel ist es, in Wasserstressgebieten bis zum Jahr 2020 10 % der jährlich verbrauchten Wassermenge im Vergleich zu 2014 einzusparen. Ende 2019 lagen die Einsparungen an den betroffenen Standorten bei insgesamt rund 21 % gegenüber 2014. Die starke Steigerung im Vergleich zum Vorjahr (2018: 11 %) ergibt sich unter anderem aus Produktionsrückgängen an unserem Standort in Savannah.
Bewertung unseres Wassermanagements
Neben unseren Klimaschutzmaßnahmen berichten wir auch zum Thema Wasser an das CDP (ehemals „Carbon Disclosure Project“). Die Initiative erfragt einmal jährlich die Umweltdaten von Unternehmen und bewertet deren Prozesse und Leistungen auf einer Skala von A bis D-. 2019 erhielten wir für unser Wassermanagement ein „B“ (2018: B-).
Unsere Abwässer
2019 sind bei uns insgesamt 13,2 Mio. Kubikmeter Abwasser angefallen. Davon waren 9,3 Mio. Kubikmeter Süßwasser, das wir in Oberflächengewässer einleiteten, und 3,9 Mio. Kubikmeter anderes Wasser, das durch externe Kläranlagen aufbereitet oder umweltschonend entsorgt wurde. Etwa 50 % der gesamten Abwassereinleitungen fallen an drei unserer Standorte an. Gernsheim (Deutschland) leitet seine geklärten Abwässer in den Rhein und Onahama (Japan) in den Pazifischen Ozean. Unser am Standort Darmstadt anfallendes Abwasser wird in unseren Anlagen aufbereitet und gelangt über den Oberflächenwasserkörper Schwarzbach/Ried in den Rhein. Die von uns eingeleitete Menge an behandeltem Abwasser entspricht etwa 4 % der jährlichen Wassermenge des Oberflächenwasserkörpers Schwarzbach/Ried. Ende des Jahres 2019 wurde eine neue Einleiterlaubnis für die Jahre 2020 bis 2034 erteilt. Wir erfüllen alle darin aufgeführten Vorgaben. Hinsichtlich der strenger werdenden gesetzlichen Anforderungen zur Einleitung von behandeltem Abwasser stimmen wir uns regelmäßig mit den zuständigen Behörden ab.
Abwässer durchgängig kontrollieren
Unsere beiden Standards für nachhaltiges Wassermanagement beinhalten auch Vorgaben zum Thema Abwasser. Unsere Standorte sind verantwortlich dafür, ihr Abwassermanagement zu bewerten und entsprechende Verbesserungspotenziale zu ermitteln. Sie müssen außerdem die jeweiligen Vorgaben der lokalen Behörden einhalten. Für jeden unserer Geschäftsbereiche ist ein Experte benannt, der die Standorte dabei unterstützt.
Antibiotikarückstände in Abwässern
Wir verarbeiten in geringen Mengen auch Antibiotikawirkstoffe. Die Abwässer, die dabei anfallen, unterziehen wir einem zusätzlichen Reinigungsverfahren, bevor wir sie in die Umwelt einleiten. 2018 bewerteten wir weltweit systematisch, wie unser Unternehmen durch Herstellung von und Umgang mit Antibiotika die Umwelt beeinflusst. Das Ergebnis bestätigte die Wirksamkeit unserer Reinigungsverfahren: Die Antibiotika-Rückstände waren in allen Fällen minimal und lagen unterhalb der örtlich geltenden Nachweisgrenzen.