Weltweit wollen wir den Zugang zu Gesundheitsversorgung verbessern. Deshalb sehen wir es als unsere Pflicht und Verantwortung an, wichtige technologische Fortschritte mit anderen zu teilen. Dieses Maß an Transparenz setzt jedoch einen soliden, berechenbaren und ebenso transparenten gesetzlichen Rahmen voraus. Nur so können sich Pharmaunternehmen darauf verlassen, dass ihre Rechte an geistigem Eigentum geschützt und Patente durchgesetzt werden. Patente bieten uns in einem ausreichenden Zeitraum Schutz, um unsere Forschungs- und Entwicklungskosten auszugleichen.
Unser Ansatz für den Austausch und Schutz geistigen Eigentums
Welche Ansätze wir und andere Arzneimittelhersteller hinsichtlich unseres geistigen Eigentums verfolgen, beeinflusst den Zugang zur Gesundheitsversorgung. Wir verzichten in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen oft darauf, Patentanträge einzureichen oder Patente durchzusetzen. In Märkten, in denen wir Produkte zum Patent anmelden, handeln wir transparent: Wir bemühen uns, Daten im größtmöglichen Umfang zu teilen und den öffentlichen Zugang zu Informationen aus klinischen Studien zu verbessern. Über den Patentstatus unserer Produkte berichten wir in einer öffentlich zugänglichen Datenbank. Wir befürworten darüber hinaus freiwillige Lizenzvereinbarungen aller Art. Zu diesen zählen nicht exklusive freiwillige Lizenzen, rechtlich verbindliche Anspruchsverzichtsvereinbarungen oder Klauseln, die darauf abzielen, den Zugang zu Gesundheitsversorgung auszuweiten. Zusätzlich begrüßen wir das Konzept von Patentpools. Solche Patentpools sollten unserer Ansicht nach allerdings so strukturiert sein, dass sie den Zugang zu Medikamenten verbessern, wettbewerbswidriges Verhalten verhindern und geografische Einschränkungen überwinden. Wir erwägen den Beitritt zu Patentpools, wenn sie für unser Portfolio bedeutsam sind und alle Wirksamkeits-, Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen erfüllen.
Der verantwortungsvolle Umgang mit geistigem Eigentum stellt kein Hindernis dar für den Zugang zu Gesundheit. Im Gegenteil: Er garantiert Sicherheit und hohe Qualität für Patienten weltweit. Für fast alle Medikamente, die die drängendsten Krankheiten in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen behandeln, besteht kein Patentschutz. Studien zufolge sind 90 % bis 95 % der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als unentbehrlich klassifizierten Arzneimittel (WHO Model List of Essential Medicines) nicht durch Patente geschützt. Wir bieten 46 unentbehrliche Arzneimittel und Produkte an: 27 von ihnen stehen auf der WHO-Liste, 29 gelten als sogenannte Erstlinientherapien.
Mit unseren Access-to-Health-Initiativen und -Partnerschaften ermöglichen wir den Zugang zu Patentinformationen. In manchen Fällen gewähren wir außerdem Zugang zu Teilen unserer Wirkstoffdatenbanken. Das gilt für Forschungsprojekte mit offenem Innovationsansatz ebenso wie für neuartige Forschungs- und Entwicklungsplattformen, wo wir auf der Suche nach neuen Wirkstoffen mit anderen zusammenarbeiten.
Zugang zu und Kontrolle von geistigem Eigentum
Merck Open Innovation ist ein gemeinsames, funktionsübergreifendes Programm unter der Leitung unserer beiden Einheiten „Access-to-Health“ und „Patents Healthcare“. Es hat zum Ziel, die Bezahlbarkeit unserer Lösungen zu verbessern, indem wir unser geistiges Eigentum teilen. Dies kann die frühe Entdeckung von Arzneimitteln für Krankheiten beschleunigen, bei denen ein großer ungedeckter medizinischer Bedarf besteht, wir aber nicht über entsprechende Expertise verfügen. Wir leisten so unseren Beitrag dazu, innovative Gesundheitslösungen zu entwickeln, die sich an den Bedürfnissen der ärmsten Bevölkerungsgruppen orientieren. Dabei konzentrieren wir uns zunächst auf vernachlässigte Tropenkrankheiten.
Unser „Open Innovation Committee“ stellt technisches Wissen bereit, gibt strategische Leitlinien vor und trifft Entscheidungen hinsichtlich unserer Strategie, Aktivitäten und Partnerschaften zur offenen Innovation. Unser „Head of Access to Health“ und der Leiter der international aufgestellten Einheit „Patents Healthcare“ leiten das Komitee gleichberechtigt; es ist Teil der „Open Innovation Initiative“.
Wozu wir uns verpflichten: transparente und berechenbare Rahmenbedingungen unterstützen
Wir unterstützen TRIPS, ein internationales Übereinkommen der Welthandelsorganisation (WTO) über handelsbezogene Aspekte der Rechte an geistigem Eigentum. Außerdem befürworten wir Nachträge zu TRIPS, beispielsweise die Doha-Erklärung (Special Declaration on the TRIPS Agreement and Public Health) aus dem Jahr 2001. Die Doha-Erklärung verlängert für Länder niedrigen oder mittleren Einkommens die Frist, die TRIPS-Bestimmungen für pharmazeutische Patente umzusetzen, bis zum Jahr 2033.
Initiative verbessert Zugang zu Patentinformationen
Unser Unternehmen ist Gründungsmitglied der „Patent Information Initiative for Medicines“ (Pat-INFORMED), die von 20 führenden, forschenden Biopharmaunternehmen ins Leben gerufen wurde. Pat-INFORMED fungiert als weltweites Zugangsportal zu Arzneimittelpatentinformationen. Es stellt Instrumente und Ressourcen bereit, um herauszufinden, ob Patente für Produkte existieren, an denen nationale und internationale Beschaffungsagenturen interessiert sind. Diese Transparenz soll es den Arzneimittelbeschaffungsagenturen erleichtern, Zugang zu grundlegenden Patentinformationen zu erhalten. Diese Informationen sind notwendig für das Krankheitsmanagement sowie für viele andere Herausforderungen, die im Bereich der öffentlichen Gesundheit bewältigt werden müssen. Pat-INFORMED umfasst Patentinformationen zu niedermolekularen Arzneimitteln für die Bereiche Onkologie, Hepatitis C, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, HIV, Diabetes und Atemwegserkrankungen. Außerdem enthält die Plattform alle Produkte der WHO Model List of Essential Medicines, die nicht in einen dieser Therapiebereiche fallen. Die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) und der internationale Pharmaverband International Federation of Pharmaceutical Manufacturers and Associations (IFPMA) unterstützen diese Initiative.
Pat-INFORMED umfasst zurzeit Informationen zu mehr als 14.000 Einzelpatenten aus 600 Patentfamilien und 169 internationale Freinamen (International Nonproprietary Names, INNs). INNs sind international anerkannte eindeutige Namen, mit denen pharmazeutische Substanzen oder Wirkstoffe in Arzneimitteln bezeichnet werden, die ein breites Spektrum an Krankheiten abdecken.
Kooperation zur offenen Innovation: WIPO Re:Search
Wir sind weiterhin Mitglied der öffentlich-privaten Partnerschaft WIPO Re:Search. Ihre Aufgabe ist es, die Entdeckung und Produktentwicklung von Arzneimitteln, Impfstoffen und Diagnoseformen zu beschleunigen. Beispielsweise sollen neue Lösungen für Menschen entwickelt werden, die an vernachlässigten Tropenkrankheiten, Malaria und Tuberkulose leiden. Dazu stellen die Mitglieder der internationalen Gesundheitsforschung geistiges Eigentum und Know-how zur Verfügung. Wir arbeiten über die WIPO-Re:Search-Plattform auch mit der Universität Yaoundé I in Kamerun (Afrika) zusammen. Ziel ist es, die Infektionskrankheit Buruli-Ulkus zu bekämpfen. Darüber hinaus bauen wir unsere Zusammenarbeit mit der University of California, San Diego (USA), aus. Gemeinsam wollen wir potenzielle Heilmittel für Onchozerkose, Leishmaniose, Morbus Chagas und die afrikanische Schlafkrankheit finden.
Initiative „Drugs for Neglected Diseases“
Zusammen mit der Initiative „Drugs for Neglected Diseases“ (DNDi) beteiligen wir uns am Projekt „Drug-Discovery-Booster“ für vernachlässigte Tropenkrankheiten. Dieses verfolgt einen offenen Innovationsansatz, bei dem die teilnehmenden Unternehmen zeitgleich an neuen Behandlungsformen für Leishmaniose und Morbus Chagas forschen. Sieben weitere Unternehmen (AbbVie, Astellas, AstraZeneca, Celgene, Eisai, Shionogi und Takeda) arbeiten mit uns an diesem Projekt.