Gesellschaft

Gesundheit

Wir unterstützen weltweit Gesundheitsprojekte. Vor allem möchten wir die ausrotten. Wir gehen aber auch gegen Arzneimittelfälschungen in Entwicklungs- und Schwellenländern vor.

Unsere Grundsätze

Bilharziose bekämpfen

Mehr als 200 Mio. Menschen in Afrika leiden an der tropischen Wurmerkrankung Bilharziose (Schistosomiasis). Schätzungsweise mehr als 280.000 der Betroffenen sterben jedes Jahr an den Folgen dieser parasitären Erkrankung.

In den 1970er Jahren entwickelten wir im Rahmen einer Forschungskooperation den Wirkstoff Praziquantel. Es ist der einzige Wirkstoff, mit dem alle Formen der Bilharziose behandelt werden können. Seit 2007 spenden wir Praziquantel-Tabletten an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) – je nach Bedarf bis zu 250 Mio. Stück jährlich.

Uns ist bewusst, dass wir allein mit Tablettenspenden die tückische Krankheit nicht ausrotten werden. Daher haben wir Ende 2014 die Global Schistosomiasis Alliance (GSA) ins Leben gerufen, um noch verbleibende Lücken im Kampf gegen die Krankheit zu schließen. Zu den Gründungsmitgliedern zählen unter anderem die Bill & Melinda Gates Foundation, die Schistosomiasis Control Initiative, die United States Agency for International Development (USAID, US-Behörde für internationale Entwicklung) und die Hilfsorganisation World Vision International.

Im Rahmen des von uns initiierten Pediatric Praziquantel Consortiums entwickeln wir derzeit eine Praziquantel-Formulierung für Kleinkinder. Außerdem unterstützen wir Bildungsprogramme an afrikanischen Schulen: Mit Comic-Broschüren und Postern klären wir die Kinder über die Ursachen von auf und vermitteln, wie sie sich vor der Krankheit schützen können.

Einsatz gegen Arzneimittelfälschungen

Die kriminalpolizeiliche Organisation Interpol schätzt, dass bis zu 30 % aller Medikamente in Entwicklungsländern illegal, gefälscht oder von minderer Qualität sind – eine mitunter tödliche Gefahr.

Der von unserem Unternehmen getragene gemeinnützige Verein Global Pharma Health Fund (GPHF) hat sich dem Kampf gegen Arzneimittelfälschungen verschrieben: Mit dem vom GPHF entwickelten Minilab – einem mobilen Kompaktlabor in einem tropentauglichen Koffer – können gefälschte Medikamente schnell, einfach und preiswert nachgewiesen werden. Damit kann geschultes Personal verdächtige Arzneimittel auf äußerliche Auffälligkeiten, Identität und Gehalt der Arzneimittelwirkstoffe prüfen. Es gibt derzeit kein vergleichbares Produkt. Der GPHF stellt die Minilabs zum Selbstkostenpreis zur Verfügung.

Die meisten Länder, in denen die Kompaktlabore zum Einsatz kommen, liegen in Afrika und in Asien. Sie werden hauptsächlich von nationalen Gesundheitsbehörden eingesetzt – oftmals in Zusammenarbeit mit Laboren der amtlichen Arzneimittelkontrolle oder im Rahmen multilateraler Gesundheitsprojekte unter Führung von verschiedenen UN-Organisationen (unter anderem WHO, UNOPS, UNICEF), der US-amerikanischen und der deutschen Entwicklungshilfe (beispielsweise USAID, PQM/USP, PFSCM, GIZ), dem Global Fund (GFATM) und kirchlichen Netzwerken (EPN, Difäm).

Allein oder in Kooperation mit internationalen Partnern schult der GPHF zudem Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen vor Ort, die Tests mit dem Kompaktlabor korrekt durchzuführen.

Gesundheitsprojekte weltweit

Auch unsere Landesgesellschaften unterstützen weltweit Gesundheitsprojekte. Im Fokus dieser Projekte stehen dabei vor allem die Förderung der lokalen Gesundheitsinfrastruktur, die Aus- und Weiterbildung von medizinischem Personal sowie die gesundheitliche Aufklärung.

Fortschritt

Bilharziose: 100 Millionen Kinder behandelt

2016 spendeten wir der WHO mehr als 200 Mio. Praziquantel-Tabletten für 33 afrikanische Länder. Seit dem Start des Programms haben wir ihr mehr als 500 Mio. Tabletten kostenlos zur Verfügung gestellt. Insgesamt konnten über 100 Mio. Patienten – vor allem Schulkinder– behandelt werden.

Anzahl gespendeter Praziquantel-Tabletten an die WHO (in Mio.)

* Im Jahr 2014 hat Merck rund 75 Millionen Tabletten produziert. 72,2 Millionen davon hat das Unternehmen in Absprache mit der WHO bis Jahresende in 20 afrikanische Länder geliefert.

Derzeit arbeiten wir außerdem an der Weiterentwicklung von Praziquantel, damit auch Kinder unter sechs Jahren behandelt werden können. Bisher ist dies nicht möglich. 2016 starteten wir dazu eine -Studie an der Elfenbeinküste.

Weltweiter Einsatz gegen Bilharziose

Seit 2014 hat sich die Global Schistosomiasis Alliance (GSA) als zentrale Plattform im Kampf gegen Bilharziose etabliert. In verschiedenen Arbeitsgruppen entwickeln die Partner konkrete Projekte zur Ausrottung der Krankheit in Subsahara-Afrika. Im Oktober 2015 veranstaltete die GSA eine Konferenz in Cotonou, Benin, um den Austausch der in den endemischen Ländern zuständigen NTD-Projektmanager (NTD = Neglected Tropical Diseases) untereinander zu verbessern. Die Forschungsgruppe der GSA organisierte in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Institut für parasitäre Erkrankungen (National Insitut of Parasitic Diseases) im Juni 2016 eine Konferenz für internationale Bilharziose-Experten.

Die GSA hat mit ihrer Website und ihrer Social-Media-Präsenz darüber hinaus eine erfolgreiche Kommunikationsplattform entwickelt. 2015 konnte sie beispielsweise durch die digitale Kampagne Something in the Water ein größeres Bewusstsein für Bilharziose schaffen. Sie gewann sechs prestigeträchtige Preise: die deutschen Auszeichnungen Deutscher Digital Award, German Brand Award und Econ Special Award, den europäischen Preis Silver People's Lovie Award sowie die US-amerikanischen Auszeichnungen Annual Multimedia Award und W3 Award.

Bildungsprogramm zu Bilharziose ausgeweitet

Gemeinsam mit der WHO stellen wir afrikanischen Schulen Poster und Broschüren in verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Sie sind in Englisch, Französisch, Arabisch, Portugiesisch und Swahili erhältlich. Im Jahr 2016 haben wir das Bildungsprogramm ausgeweitet und der WHO insgesamt 340.000 Broschüren für zehn Länder gespendet (Elfenbeinküste, Mali, Burundi, Kongo, Nigeria, Ruanda, Ghana, Sudan, Guinea Bissau, Tansania).

Starke Partner

Das für das Praziquantel-Spendenprogramm verantwortliche Team erhielt 2015 einen internen Merck Award in Höhe von 10.000 €. Dieses Geld spendeten die Mitarbeiter an die NALA Foundation für ein WASH-Projekt (Wasser, Sanitäre Anlagen, Hygiene) in Äthiopien. Das Projekt soll die Wasserversorgung an Schulen verbessern, um dort eine angemessene sanitäre Versorgung sicherzustellen. Es ist ein Beispiel dafür, wie die NALA-Stiftung daran arbeitet, die grundlegenden Ursachen der Wurmerkrankung Bilharziose zu bekämpfen.

Fast Fact

NALA Foundation

Die NALA Foundation bekämpft die Ursachen von vernachlässigten Tropenkrankheiten und andere oftmals durch Armut verursachte Krankheiten. Durch Aufklärungsarbeit und die Einbindung von lokalen Gemeinschaften soll ein Verhaltenswandel herbeigeführt werden.

2015 unterstützten wir zudem die URAHA Foundation Germany, einen lokalen Radiosender im Norden Malawis aufzubauen. Der Sender namens Radio Dinosaur berichtet in den lokalen Sprachen Kyangonde und ChiTumbuka über Politik, Umweltangelegenheiten, Geschichte, Kultur und Gesundheit – darunter auch Beiträge zur Aufklärung über Bilharziose.

Arzneimittelfälschung: Minilab-Nutzung ausgeweitet

Der von uns getragene gemeinnützige Verein Global Pharma Health Fund (GPHF) entwickelte 2016 Testmethoden für fünf weitere Arzneistoffe. Ab 2017 können nun mit dem Kompaktlabor insgesamt 85 Arzneimittelwirkstoffe getestet werden – vom Malariamittel über Antibiotika bis zu Schmerz- und Fiebermitteln.

Seit 1998 lieferte der GPHF insgesamt 795 Minilabs zum Selbstkostenpreis in 95 Länder; in den Jahren 2015 und 2016 waren es allein 109 Minilabs. Davon gingen 80 % nach Afrika südlich der Sahara. Von den 109 Minilabs spendete der GPHF sieben und unser Unternehmen neun Kompaktlabore an afrikanische Arzneimittelbehörden und Gesundheitsprojekte in Ghana, Tansania, Mosambik, Botswana, in der Republik Kongo und an der Elfenbeinküste.

Im Berichtszeitraum wurden darüber hinaus insgesamt sechs Minilab-Schulungen in Tansania, Angola, Kenia, Sambia, Ruanda und Mosambik mit weit über 100 Teilnehmern durchgeführt. Auch in Deutschland gab es im Jahr 2016 einen ganztägigen Minilab-Workshop. Er fand im Rahmen des Kurses „Pharmazie in der Entwicklungszusammenarbeit und Katastrophenhilfe“ des Pharmazeutischen Instituts der Universität Tübingen statt.

Neue Kooperation gegen Arzneimittelfälschung

Im Jahr 2016 kooperierte der GPHF erstmals mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Rahmen eines Projekts für die sechs Mitgliedsstaaten der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC). Dafür bestellte das BMZ insgesamt 20 Minilabs, von denen sechs für Ruanda bestimmt waren sowie jeweils sechs für Burundi und Tansania/Sansibar. 2016 fand zudem eine erste zentrale Minilab-Schulung für Teilnehmer aus den EAC-Mitgliedsstaaten Ruanda, Burundi, Uganda, Kenia und Tansania/Sansibar in der ruandischen Hauptstadt Kigali statt. Umgesetzt wird das Projekt von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB).

Weltweite Projekte

In Indien kooperieren wir mit der Non-Profit-Organisation Narmada Samagra. Deren sogenannte River Ambulance unterstützt Menschen in der entlegenen Region entlang des Narmada-Flusses mit medizinischem Personal und Gesundheitslösungen. Anfang 2016 spendeten wir Narmada Samagra ein neues Boot, damit sie zukünftig noch mehr Menschen erreichen. Die River Ambulance erreicht etwa 12.000 Menschen auf einer Flusslänge von 200 Kilometern.

Wir setzen uns weltweit für eine verbesserte medizinische Versorgung ein. Unser Global Medical Education Department fördert pro Jahr eine Vielzahl an Weiterbildungsinitiativen für Fachkräfte des Gesundheitswesens. Wir helfen damit, das Fachwissen von Ärzten und Pflegekräften zu stärken, sie für Krankheitsbilder zu sensibilisieren und mit fortschrittlichen Behandlungsmethoden vertraut zu machen. Die gesteigerte Kompetenz der Fachkräfte kommt letztendlich den Patienten zugute. 2016 förderten wir über 90 verschiedene Weiterbildungsprogramme von 25 unabhängigen Bildungsträgern aus dem Medizinbereich mit über 10 Mio. €. Über 150.000 medizinische Fachkräfte haben auf digitalen Lernplattformen und Weiterbildungen von den Angeboten dieser Bildungsträger profitiert.

Wir unterstützen eine große Bandbreite weiterer Projekte. Eine Übersicht dazu bietet unsere Website.

Vernachlässigte Tropenkrankheiten
Vernachlässigte Tropenkrankheiten (Neglected Tropcial Diseases (NTD)) treten vornehmlich in Entwicklungsländern auf. Zu ihnen zählen Bilharziose (Schistosomiasis), Eingeweidewürmer, Trachom, lymphatische Filariose und Onchozerkose. Diese Gruppe von Krankheiten wird als "vernachlässigt" bezeichnet, da ihnen - trotz einer erheblichen Zahl von Betroffenen - in der Vergangenheit im Vergleich zu anderen Krankheiten weniger Aufmerksamkeit und Forschungsmittel zugekommen sind.
Bilharziose
Schistosomiasis oder Bilharziose ist eine Wurmkrankheit, die in warmen Binnengewässern durch Schnecken als Zwischenwirt verbreitet wird.
Bilharziose
Schistosomiasis oder Bilharziose ist eine Wurmkrankheit, die in warmen Binnengewässern durch Schnecken als Zwischenwirt verbreitet wird.
Phase II
Klinische Studien der Phase II prüfen eine neue biomedizinische Intervention oder Verhaltensintervention bei einer größeren Personengruppe (einige Hundert), um die Wirksamkeit zu ermitteln und die Sicherheit weiter zu untersuchen.
Quelle: http://www.who.int/ictrp/glossary/en/