Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur und mit Ressourcen steht im Zentrum nachhaltigen Handelns. Auch wir sehen uns hier in der Pflicht: Der Unternehmensbereich Performance Materials produziert Materialien, mit denen unsere Kunden nachhaltigere Produkte entwickeln können: beispielsweise Flüssigkristalle, die Displays effizienter machen, oder Materialien, die Solarzellen und organische Photovoltaik immer besser werden lassen.
Unser Unternehmensbereich Life Science entwickelt Technologien und Lösungen, um Forschung und Biotechproduktion einfacher, schneller und erfolgreicher zu machen. Auch hier denken wir Nachhaltigkeitsaspekte bereits bei der Produktentwicklung mit.
Unsere Grundsätze
Performance Materials
Der Unternehmensbereich Performance Materials stellt zahlreiche Produkte her, die unseren Kunden helfen, nachhaltige und umweltschonende Produkte herzustellen. Folgende maßgebliche Richtlinien fassen unsere Anforderungen zusammen:
- Product Safety Chemicals Policy: Hier sind unsere konzernweiten Anforderungen an die Produktsicherheit geregelt.
- Green Product Policy: Sie stellt sicher, dass wir alle internationalen und länderspezifischen Gesetze und Verordnungen (REACH, RoHS-Richtlinie der Europäischen Union) sowie industrie- und kundenspezifische Anforderungen einhalten. Sie verbietet es zudem, akut toxische, mutagene oder anderweitig gefährliche Stoffe zu verwenden, die im Endprodukt verbleiben.
- Wir befolgen die sogenannte Halogen-free Policy unserer Kunden für Produkte aus den Geschäftsfeldern Display Materials sowie Pigments & Functional Materials.
Unsere Rohstoffe für die Kosmetikindustrie erfüllen die hohen Standards der Kosmetikverordnung, beispielsweise der „Guten Herstellungspraxis“ (EFfCI-GMP) an allen Herstellungsorten.
Best-Practice-Beispiele für mehr Nachhaltigkeit
Unsere Produkte im Unternehmensbereich Performance Materials leisten auf unterschiedliche Weise einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit:
Energieeffiziente Displays
Flüssigkristalle (Liquid Crystals, LC) sorgen in Computerbildschirmen und Fernsehgeräten für eine hohe Bildqualität und reduzieren so ihren Stromverbrauch. Denn unsere PS-VA-Technologie (Polymer-Stabilized Vertical Alignment) richtet die Flüssigkristalle so aus, dass die Hintergrundbeleuchtung wesentlich besser genutzt werden kann. Für sie wird im Display am meisten Strom benötigt. Dank der PS-VA-Technologie kann somit der Stromverbrauch der Endgeräte im Vergleich zur Vorgängertechnologie signifikant reduziert werden.
Die nächste anspruchsvolle Flüssigkristalltechnologie ist SA-VA (Self-Aligned Vertical Alignment); 2017 werden die ersten Produkte auf dem Markt erwartet. SA-VA ist umweltfreundlich und ressourcenschonend, weil durch sie bei der Display-Herstellung weniger Energie und Lösungsmittel benötigt werden. Außerdem ist sie effizienter, da weniger Prozessschritte notwendig sind. Weil die SA-VA-Technologie darüber hinaus bei niedrigeren Temperaturen verarbeitet werden kann, eignet sie sich für sensible Materialien etwa in Premiumprodukten oder in Zukunftsanwendungen wie flexiblen Displays.
Displays mobiler Endgeräte haben immer höhere Auflösungen. Gleichzeitig sollen sie möglichst energieeffizient sein. Mit den Flüssigkristallen für Touchscreen-Anwendungen setzen wir genau dort an: Die dahinter stehende Ultra-Brightness-Fringe-Field-Switching -Technologie (UB-FFS) erhöht die Lichtdurchlässigkeit in Displays um 15 %. Das kann den Energieverbrauch von Smartphones oder Tablets um etwa 30 % reduzieren und damit die Akkulaufzeit verlängern. Gleichzeitig verbessert sie die Bildauflösung. Derzeit entwickeln wir diese Technologie weiter. Sie soll beispielsweise auch in LCD-Fernsehern zum Einsatz kommen.
Schaltbare Fenster
Fenster, die sich in Sekundenschnelle verdunkeln lassen – das macht unsere sogenannte Flüssigkristallfenster-Technologie (Liquid-Crystal-Window-Technologie, LCW) möglich. Gleichzeitig kann damit die Wärme, die durch Sonneneinstrahlung in Gebäuden entsteht, reguliert werden. So können die Fenster, die wir unter der Marke licrivision™ vertreiben, den Energiebedarf von klimatisierten Gebäuden laut ersten Messungen um bis zu 40 % reduzieren und konventionelle Verschattungsmethoden ersetzen. Wir investieren derzeit in den Niederlanden 15 Mio. € in den Bau einer Produktionsanlage für Flüssigkristallfenster-Module. Die Herstellung der schaltbaren Glasmodule soll dort Ende 2017 beginnen. Mehr Informationen in unserer Story Zukunft entdecken.
OLEDs
Organische Leuchtdioden (OLEDs) erhöhen ebenfalls die Energieeffizienz von Displays. Außerdem sorgen sie für leuchtende Farben und gestochen scharfe Bilder. Für die effiziente Produktion großflächiger OLED-Displays forschen wir seit einigen Jahren an innovativen Druckverfahren. Dafür arbeiten wir eng mit Druckerherstellern zusammen. Im September 2016 eröffneten wir an unserem Standort Darmstadt eine neue Produktionsanlage für OLED-Materialien. Mit einer Summe von rund 30 Mio. € ist die Anlage eine der größten Einzelinvestitionen, die wir in den vergangenen Jahren am Standort Darmstadt getätigt haben.
Innovationen für die Photovoltaik
Wir bieten Materialien an, mit denen die Photovoltaikindustrie hocheffiziente Solarzellen herstellen kann. Sie machen die innovative Nutzung von Photovoltaik möglich: beispielsweise für flexible, halbtransparente und leichtgewichtige Solarzellen, die unter anderem in Gebäuden, auf geraden oder gewölbten Oberflächen oder sogar in Kleidung eingesetzt werden können.
Verzicht auf Mikroplastik
Wir stellen Pigmente und funktionelle Füllstoffe auf mineralischer Basis her, die von der Kosmetikindustrie für unterschiedliche Zwecke in Formulierungen eingesetzt werden. So stellt unsere Produktreihe RonaFlair® Functional Fillers eine Alternative zu festen Mikroplastik-Partikeln in Hautpflegeprodukten dar.
Mikroplastik gelangt unter anderem über die Nutzung kosmetischer Produkte in Gewässer und Meere beziehungsweise auf Landflächen. Es steht in der Kritik, da die dort lebenden Organismen es nicht abbauen können. Mit unseren mineralischen Alternativen unterstützen wir etwa die Erklärung des europäischen Kosmetikverbandes Cosmetics Europe, bis zum Jahr 2020 auf Mikroplastik in abzuspülenden Produkten zu verzichten.
Mehr Naturkosmetik
Immer mehr Verbraucher legen Wert auf Naturkosmetik. Gemeinsam mit unseren Kunden aus der Kosmetikindustrie reagieren wir auf diese wachsende Nachfrage. Dazu entwickeln wir kosmetische Rezepturen, die strengen Kriterien entsprechen. Die meisten unserer kosmetischen Rohstoffe erfüllen die Kriterien des Ecocert-Cosmos-Standards für organische und natürliche Kosmetik.
Life-Science
Wir wollen die Auswirkungen reduzieren, die unsere Life-Science-Produkte auf Umwelt und Gesundheit haben. Dies gilt für alle Lebensphasen von der Produktherstellung über die Verwendung der Produkte bis hin zur Entsorgung. Gleichzeitig sollen unsere Produkte leistungsfähiger und benutzerfreundlicher werden. Daher stellen wir uns gleich zu Beginn der Produktentwicklung die Frage, wie wir diese Anforderungen am besten vereinen können.
Mit unserem Design-for-Sustainability-Programm (DfS) haben wir dafür einen umfassenden Ansatz entwickelt. Das DfS-Programm stellt unseren Produktentwicklern verschiedene Werkzeuge zur Verfügung. Damit können sie analysieren, wie das Produkt die folgenden Bereiche beeinflusst: Materialien, Energie und Emissionen, Abfall, Wasser, Verpackung, Einsatzfähigkeit und Innovation. Für jeden dieser Bereiche entwickelten wir verschiedene Nachhaltigkeitskriterien, die in eine sogenannte Score Card eingehen. Unser Ziel ist es, mit einem neuen Produkt möglichst viele dieser Kriterien zu verbessern. Um die möglichen Umweltauswirkungen in verschiedenen Produktlebensphasen zu verstehen, führen wir beispielsweise Produktlebenszyklus-Analysen durch. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen geben uns Aufschluss über das Verbesserungspotenzial des Produktes und werden in der weiteren Entwicklung berücksichtigt. Dabei stehen die beteiligten Experten aus Forschung und Entwicklung, Produktmanagement, Qualität und Einkauf sowie anderen Fachabteilungen in engem Austausch. Im Rahmen des DfS-Prozesses haben wir die Produkteigenschaften bei 32 % unserer BioMonitoring- Produktentwicklungen und -weiterentwicklungen in mindestens drei der von uns definierten Nachhaltigkeitskriterien verbessern können. In Zukunft wollen wir auch unsere Lieferanten in unser Design-for-Sustainability-Programm einbeziehen. 2016 starteten wir ein Pilotprojekt, um die entsprechenden Anforderungen an unsere Lieferanten zu definieren.
Darüber hinaus entwickeln unsere Life-Science-Forschungsteams innovative Lösungen im Sinne der zwölf Prinzipien der Grünen Chemie, die die Chemiker Dr. Paul T. Anastas und Dr. John C. Warner aufstellten. Das Ziel: Forschung so umweltverträglich wie möglich zu gestalten und negative Einflüsse auf die menschliche Gesundheit zu minimieren. Im Rahmen der Grünen Chemie suchen Forscher beispielsweise nach alternativen, umweltfreundlichen Reaktionsmedien mit höheren Reaktionsgeschwindigkeiten und niedrigeren Reaktionstemperaturen, um die Produktion energieeffizienter zu gestalten. Insgesamt bieten wir mehr als 700 Produkte an, die mit den Prinzipien der Grünen Chemie einhergehen und so eine „grünere“ Alternativen zu herkömmlichen Produkten sind.
Große Bandbreite an Lösungen
Unser Life-Science-Portfolio umfasst eine Vielzahl an Produkten. Sie alle weisen unterschiedliche Eigenschaften auf, die wir bei unserem DfS-Ansatz und im Rahmen der Grünen Chemie berücksichtigen. Die nachfolgenden Beispiele illustrieren dies:
Umweltfreundlichere Laborfilter
Mithilfe unseres DfS-Ansatzes konnten wir die Umweltauswirkungen unseres Laborfilters EZ-Fit™ Manifold deutlich reduzieren. Für den EZ-Fit™ Manifold benötigen wir im Vergleich zu seinem Vorgängerprodukt Hydrosol Manifold 47 % weniger Rohstoffe. Seine Verpackung besteht zu 100 % aus recyclingfähiger Wellpappe. Insgesamt sind 99 % der Produktbestandteile recycelbar. Die Filtrationsköpfe sind leicht abzunehmen, sodass nicht das gesamte Gerät, sondern nur die Köpfe im Autoklaven gereinigt werden müssen. Das spart Energie und reduziert die Kohlendioxidemissionen, die bei der Reinigung entstehen, um 91 %. 2016 erweiterten wir unser Filtrationssortiment außerdem um ein Einweg-Filtrationsgerät. Es kommt bei der Bestimmung der Keimzahl in flüssigen Proben zum Einsatz. Hier verbesserten wir dank unserem DfS-Ansatz vor allem die Verpackungen.
„Grünere“ Chemie
Unsere „grüneren“ Lösungsmittel basieren im Vergleich zu herkömmlichen Lösungsmitteln auf natürlichen Ressourcen wie Maiskolben oder Zuckerrohrbagasse. Sie sind umweltverträglicher, leichter biologisch abbaubar und einfacher zu recyceln. Ein Beispiel ist das Lösungsmittel Cyrene™, das wir 2016 auf den Markt brachten. Es basiert auf Abfallzellulose und wird unter anderem als Alternative zu Dimethylformamid (Ameisensäure) eingesetzt. Ameisensäure ist in den vergangenen Jahren wegen seiner erbgutverändernden Eigenschaften zunehmend in die Kritik geraten. Mit Cyrene™ unterstützen wir unsere Kunden in der pharmazeutischen und agrochemischen Industrie, ihre Produktionsprozesse umweltfreundlicher und sicherer zu gestalten.
Instrumente für Biokraftstoffe
Unsere Messgeräte der Guava®-HT-Reihe kommen in der Erforschung und Entwicklung von Biokraftstoffen zum Einsatz. Unsere Kunden nutzen die Guava-Instrumente beispielsweise, um eine Algenspezies zu finden, die sich gut für die Dieselproduktion eignet. Unsere Messgeräte werden auch bei der Herstellung von Ethanol aus Zucker genutzt. Mit ihrer Hilfe lässt sich testen, welche Bakterien Zucker verdauen und so Gase erzeugen, die zu Ethanol raffiniert werden können.
Energieeffiziente Sterilitätstests
Mithilfe des DfS-Ansatzes senkten wir den Energieverbrauch unserer Steritest™ Symbio-Pumpen für Sterilitätstests. Sie verbrauchen im Vergleich zur Vorgängerversion 15 bis 30 % weniger Energie.
Werkzeug zur Bewertung der Nachhaltigkeitsleistung von Chemikalien
2016 haben wir unter dem Namen Dozn™ ein Werkzeug eingeführt, mit dem wir die „grünen“ Alternativen von Chemikalien bewerten können. Damit schaffen wir Transparenz für unsere Kunden. Anhand der zwölf Prinzipien der Grünen Chemie bewerten wir, wie unsere Produkte in drei Hauptkategorien abschneiden: verbesserte Ressourcennutzung, effizienter Energieeinsatz und minimierte Gefahren für Mensch und Umwelt. Für jedes der zwölf Prinzipien wird eine Punktzahl vergeben – dadurch können die Produkte einfach verglichen werden. Die Bewertungsergebnisse lassen wir durch eine unabhängige Organisation überprüfen. Bisher haben wir mehr als 40 Produkte anhand der Matrix bewertet und anschließend verbessert.
Fortschritt
Displaying Futures – jährlicher Zukunftsdialog
Pionierleistungen wie unsere effiziente Display-Technologie UB-FFS sind nur durch die enge Zusammenarbeit mit Partnern möglich. Wir suchen den Austausch mit Vordenkern, die weit in die Zukunft blicken und bahnbrechende Technologien ersinnen. Aus diesem Grund haben wir das jährliche Symposium Displaying Futures ins Leben gerufen, das 2016 bereits zum siebten Mal stattfand.
Im September 2016 lautete das Motto ”Driving Forces – Inspired by Performance Materials”. In unserer Darmstädter Unternehmenszentrale tauschten sich Experten aus verschiedenen Bereichen zur Mobilität der Zukunft aus: von Autos, die miteinander kommunizieren, bis zu autonomen Fahrzeugen.
2015 fanden zwei Veranstaltungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten statt: Im Oktober trafen wir uns mit Architekten und Designern in Chicago (USA). Wir sprachen über Materialien, die die Architektur verändern werden, und stellten unsere Flüssigkristallfenster-Technologie einem breiten Publikum vor. Im November kamen unter dem Titel „The Future is HOW? Inspired by Performance Materials“ internationale Experten – beispielsweise aus der Display- und Elektronikbranche – in San Francisco (USA) zusammen. Sie diskutierten, wie Materialien und Hightech-Chemikalien in künftigen Anwendungen eingesetzt werden können.
Mehrfach ausgezeichnet
2015 erhielten wir für unsere UB-FFS-Technologie den Deutschen Innovationspreis. Diese Technologie senkt den Strombedarf der Displays von mobilen Endgeräten. Unsere drei Life-Science-Produkte Titripac®, EZFit™ Manifold und SNAP i.d.® 2.0 wurden 2016 jeweils mit dem „Green Good Design Award“ für nachhaltiges Produktdesign ausgezeichnet. Gewürdigt wurde dabei zugleich unser Design-for-Sustainability- Programm, durch das wir diese Produkte verbessert haben.
Für die enge Zusammenarbeit über Firmengrenzen hinweg wurden wir im Juni 2016 mit dem „Enterprise Innovation Award“ der Technischen Universität Darmstadt ausgezeichnet. In einem Gemeinschaftsprojekt mit Siemens entwickelten wir Hochleistungswerkstoffe für energieeffiziente Generatoren. Die neuartigen Materialien machen die Generatoren nicht nur effizienter und leistungsfähiger, sondern ermöglichen auch eine ressourcenschonende Bauweise.