Umwelt

Klimaschutz

Der Klimawandel ist eine zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Zwar sind wir bisher von direkten Auswirkungen des Klimawandels nur wenig betroffen. Da aber auch unser Unternehmen durch seine Geschäftstätigkeit erzeugt, möchten wir dazu beitragen, das Klima zu schützen. Aufgrund zunehmender gesetzlicher Regulierung und steigender Energiekosten zahlt sich Klimaschutz auch finanziell immer mehr aus.

Unsere Grundsätze

Unser Beitrag zum Klimaschutz

Wir wollen unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Unser Ziel ist es, sowohl unsere direkten Treibhausgasemissionen (Scope 1) als auch die indirekten Emissionen (Scope 2) bis 2020 im Vergleich zu 2006 um 20 % zu reduzieren. Scope 1 umfasst Emissionen, die bei uns selbst entstehen, beispielsweise bei der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen. Scope 2 bezieht sich auf Emissionen aus zugekaufter Energie wie etwa Strom oder Fernwärme. Weltweit sind 37 Standorte von uns für rund 80 % unserer Treibhausgasemissionen verantwortlich. Auf sie legen wir mit unseren Maßnahmen daher einen Schwerpunkt.

Ein wesentlicher Bestandteil von Klimaschutz ist für uns das Einsparen von Energie. Durch technische Anpassungen und Modernisierungen verbessern wir die Energieeffizienz in unserer Forschung, in unserer Produktion sowie in unseren Gebäuden. Weitere Treibhausgase sparen wir ein, indem wir vermehrt erneuerbare Energien einsetzen. Darüber hinaus reduzieren wir die Emissionen, die direkt durch die Energieerzeugung und in der Produktion entstehen.

Für die weltweite Steuerung aller Klimaschutzmaßnahmen ist unsere Konzernfunktion Environment, Health, Safety, , Quality (EQ) verantwortlich (siehe hierzu auch Betrieblicher Umweltschutz). An jedem Standort setzen operative Einheiten die vorgegebenen Maßnahmen um.

Gesetzliche Rahmenbedingungen für den Klimaschutz

Wir unterliegen verschiedenen nationalen wie internationalen Energie- und Emissionsvorschriften. Dazu gehören beispielsweise das Energieeinsparungsgesetz, das Erneuerbare-Energien-Gesetz und der Emissionshandel der Europäischen Union (EU). So schreibt etwa die EU-Richtlinie 2012/27/EU vor, dass wir Energiemanagementsysteme einrichten oder regelmäßig Energieaudits durchführen müssen. Die Standorte, die diesen Verpflichtungen unterliegen, sind für deren Umsetzung selbst verantwortlich und lassen sich durch interne oder externe Experten auditieren.

Vor dem Hintergrund des Pariser Klimaschutzabkommens von 2015 und dem Start der vierten Handelsperiode des EU-Emissionshandels (2021-2030) erwarten wir künftig eine strengere Regulierung für Treibhausgasemissionen. Wir rechnen damit, in der vierten Handelsperiode Emissionszertifikate hinzukaufen zu müssen, die wir in der dritten Handelsperiode (2013-2020) noch überwiegend kostenlos erhalten.

Strategische Ansätze zum Klimaschutz

Unser strategisches Edison-Programm bündelt seit 2009 alle Maßnahmen, mit denen wir die Energieeffizienz verbessern und prozessbedingte Treibhausgasemissionen reduzieren. Hier arbeitet die Konzernfunktion Environment, Health, Safety, Security, Quality mit einer Arbeitsgruppe zusammen, in der alle Unternehmensbereiche vertreten sind. Alle Standorte können Projekte vorschlagen. Die Arbeitsgruppe bewertet die Vorschläge anhand von drei Kriterien: erstens die Höhe der absoluten CO2-Einsparungen, zweitens die möglichen Kosteneinsparungen und drittens das Verhältnis zwischen CO2-Einsparungen und den dafür benötigten Investitionskosten.

Interne Standards und externe Zertifizierung

Ein konzernweit einheitliches Management von Energie und prozessbedingten Emissionen wird durch unsere -Standards (Corporate Environment, Health and Safety Standards) zu Energiemanagement und Emissionen von Kühlmitteln sichergestellt. Sie wurden 2016 auch an den Standorten von Sigma-Aldrich eingeführt. Wir prüfen die Einhaltung aller EHS-Standards stichprobenartig durch lokale Audits des Standortmanagements.

Ein effizientes Energiemanagement spielt eine besonders wichtige Rolle für den Klimaschutz und zunehmend auch für unsere Kunden. Unter anderem aus diesen Gründen haben sich bis Ende 2016 13 unserer Standorte dazu entschieden, sich nach der internationalen Energiemanagement-Norm zertifizieren zu lassen. Weitere Standorte bereiten sich derzeit auf diese Zertifizierung vor.

Mitarbeiter für den Klimaschutz sensibilisieren

Wir motivieren unsere Mitarbeiter, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. In unserem Mitarbeitermagazin „pro“ und einem Mitarbeiter-Newsletter berichten wir regelmäßig über unsere konzernweiten Klimaschutzmaßnahmen. In unserem Intranet stellen wir ihnen Informationen und Tipps zur Verfügung. Außerdem unterstützen wir Mitarbeiter, die sich klimaschonend fortbewegen wollen. So ersetzen wir beispielsweise fortlaufend unseren Pool an Leasingfahrzeugen mit effizienteren Modellen. Auf diese Weise wollen wir den durchschnittlichen CO2-Ausstoß unserer Dienstwagenflotte bis zum Jahr 2020 im Vergleich zu 2013 um 30 % reduzieren. Zusätzliche Anreize schaffen wir mit dem sogenannten Jobticket für den öffentlichen Nahverkehr und unserem attraktiven Leasingangebot von Fahrrädern.

Transport auf Schiffe verlagern

Um die Treibhausgasemissionen, die durch den Transport unserer Produkte entstehen, zu reduzieren, verlagern wir ihn möglichst vom Luftweg auf das Schiff. Dies ist allerdings nur bei jenen Produkten möglich, die durch eine längere Transportzeit keinen Schaden nehmen. Gleichzeitig darf das Service-Niveau für unsere Kunden nicht unter einem längeren Transport leiden.

Transparenz bei CO2-Emissionen und Energieverbrauch

Seit 2008 berichten wir im Rahmen des CDP (ehemals Carbon Disclosure Project) ausführlich über unsere Klimaschutzmaßnahmen. Wir erfassen unsere Treibhausgasemissionen nach dem international anerkannten Standard des Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol). Dabei berichten wir über Scope 1 und 2 sowie über Teile von Scope 3. Unter Scope 3 fallen Emissionen, die außerhalb unserer direkten Tätigkeiten entstehen, beispielsweise bei der Herstellung und dem Transport von Rohstoffen, Produkten sowie Abfällen oder durch die Geschäftsreisen unserer Mitarbeiter. Die Erfassung ist entsprechend komplex. Wir ermitteln Scope-3-Emissionen aus den Geschäftsreisen und dem Berufsverkehr unserer Belegschaft, die Emissionen aus dem Abfallmanagement sowie die Emissionen aus der Herstellung und dem Transport von Energieträgern.

Neben den Emissionen messen wir an unseren Standorten auch die Energieverbräuche. Die Energienutzung außerhalb unseres Tätigkeitsbereichs, beispielsweise bei der Herstellung unserer Rohstoffe, erfassen wir nicht. Für diese komplexen Berechnungen liegen uns keine ausreichenden Daten vor.

Fortschritt

Leicht gesunkener Energieverbrauch

Wir haben 2016 insgesamt 2.253 Gigawattstunden Energie verbraucht im Vergleich zu 2.256 Gigawattstunden in 2015. Bezogen auf den Umsatz im Jahr 2016 betrug unsere Energieintensität 0,150 kWh/€.

Emissionen trotz Wachstum gesenkt

Unsere Treibhausgasemissionen haben wir trotz Wachstum des operativen Geschäfts im Vergleich zum Jahr 2006 um rund 10 % gesenkt. Im Jahr 2016 stießen wir insgesamt 715.000 Tonnen an CO2-Äquivalenten aus, im Jahr 2015 waren es 729.000 Tonnen.

Zwischen 2006 und 2016 haben sich unsere Umsätze mehr als verdoppelt. Demnach haben sich unsere Emissionen im Verhältnis zum Umsatz stark reduziert. Aufgrund der bereits erwähnten Übernahmen hatten wir uns für die Standorte des Unternehmensbereiches Life Science ein Zwischenziel gesetzt: Die Treibhausgasemissionen unseres ehemaligen Merck-Millipore-Geschäfts wollten wir bis Ende 2015 um 10 % gegenüber 2006 senken. Dieses Ziel haben wir Ende 2015 mit einer Reduktion um 11 % sogar übertroffen.

Gesamte Treibhausgasemissionen (in kt)1

(Scope 1 und Scope 2 des Greenhouse Gas Protocol)

1 Die Treibhausgasemissionen wurden in Übereinstimmung mit dem Greenhouse Gas Protocol für alle vorherigen Jahre (bis zum Basisjahr 2006) auf die aktuelle Unternehmensstruktur des Berichtsjahrs bezogen und bei Zukäufen (z. B. Sigma-Aldrich 2015) und Verkäufen von Unternehmen/Unternehmensteilen oder der Änderung von Emissionsfaktoren rückwirkend angepasst (portfoliobereinigt).

Hunderte Klimaschutzprojekte angestoßen

Mit den zirka 270 Edison-Maßnahmen, die seit 2012 angestoßen wurden, wollen wir mittelfristig rund 94.000 Tonnen CO2 jährlich einsparen. Insgesamt haben wir durch die Edison Projekte seit 2012 circa 82.000 MWh Energie einsparen können. Die größten Einsparungen erzielten wir dabei beim Stromverbrauch, der sich um knapp 64.000 MWh verringerte.

Für das Jahr 2017 sind 81 neue Projekte bewilligt worden. Damit erhoffen wir uns zusätzliche Einsparungen von circa 34.000 Tonnen CO2 pro Jahr.

In den Jahren 2015 und 2016 haben wir beispielsweise folgende Projekte durchgeführt:

  • Unser japanischer Standort Onahama hat einen der höchsten Energieverbräuche unseres Unternehmens. Für die Pigmentproduktion ist eine große Menge Dampf erforderlich. Daher haben wir 2015 die Prozessdampferzeugung in der Produktion von Kerosin- auf Erdgasfeuerung umgestellt. Auch für die Befeuerung der Pigmentöfen verwenden wir nun Erdgas statt Flüssiggas. Diese Maßnahmen senken den CO2-Ausstoß um insgesamt rund 3.200 Tonnen pro Jahr. Diese Anpassung haben wir 2016 erfolgreich auf andere Standorte übertragen. So haben wir in Shizuoka, Japan, die Dampferzeugung von Schweröl auf Erdgas umgestellt sowie das Kessel- und Leitungssystem erneuert. Der Standort konnte auf diese Weise seine CO₂-Emissionen bei der Herstellung von Hightech-Chemikalien für die Mikrochip- und Display-Industrie um rund 850 Tonnen CO₂ pro Jahr verringern.
  • Für etwa 29 % unseres weltweiten Energieverbrauchs sind unsere deutschen Produktionsstandorte Darmstadt und Gernsheim verantwortlich. Daher investierten wir rund 27 Mio. € in den Bau von zwei modernen Energiezentralen, die im Jahr 2014 und Ende 2015 in Betrieb genommen wurden. Sie versorgen sowohl die pharmazeutische Produktion und Forschung als auch die chemischen Betriebe und Labors mit Strom, Wärme sowie Kälte. Die neuen Anlagen reduzieren unseren CO2-Ausstoß insgesamt um rund 2.500 Tonnen pro Jahr.
  • In Schanghai, China, nahmen wir im Sommer 2015 eine neue Photovoltaik-Anlage in Betrieb, die den CO2-Ausstoß an diesem Standort jährlich um circa 280 Tonnen reduziert.

Klimafreundliche Mobilität: Jobtickets, Leasingfahrräder und finanzielle Zuschüsse

Wir bieten unserer Belegschaft in Darmstadt ein sogenanntes Jobticket für den öffentlichen Nahverkehr an, dessen Kosten wir anteilig übernehmen. Im Jahr 2016 nutzten es mehr als 3.800 Beschäftigte. Seit 2016 kann sich unsere Belegschaft alternativ mithilfe eines Online-Tools zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen.

Unsere Mitarbeiter in den USA aus dem Unternehmensbereich Life Science können ihre Elektroautos kostenlos an speziellen Ladestationen direkt an den Standorten aufladen. Seit 2016 verfügt auch der Standort Darmstadt über solche Ladestationen. An einzelnen Standorten in Frankreich und Irland ist dieser Service ebenfalls verfügbar.

Ab Januar 2017 wird der CO2-Emissionswert für neu zugelassene Dienstfahrzeuge von 150 g/km auf maximal 135 g/km weiter reduziert. In den meisten unserer deutschen Tochtergesellschaften bieten wir Mitarbeitern, die freiwillig noch klimaschonendere Fahrzeuge wählen, einen Zuschuss von 100 € zur monatlichen Leasingrate an. Bisher konnten wir die CO2-Emissionen unserer Dienstwagenflotte um 12 % im Vergleich zu 2013 reduzieren. Zukünftig wollen wir unseren Mitarbeitern diesen Anreiz in Deutschland flächendeckend anbieten.

Unsere Belegschaft in Darmstadt und Gernsheim kann alternativ auch Fahrräder gegen Entgeltumwandlung leasen (bike4me). 2017 wollen wir das Angebot auf alle Mitarbeiter in Deutschland ausweiten.

Außerdem können sie deutschlandweit den DB-Service „Call a Bike“ zu günstigen Konditionen nutzen und sich so für kurze Zeit Fahrräder leihen. Die Deutsche Bahn richtete rund um unsere Darmstädter Standorte zusätzliche Ausleihstationen ein; unser Unternehmen sponsert überdies weitere 50 Fahrräder in der Stadt.

Auch in den USA unterstützen wir unsere Mitarbeiter finanziell bei einer klimaschonenden Lebensweise. Sie erhalten bis zu 1.000 US-Dollar Zuschuss beim Bau einer privaten Solaranlage, bis zu 100 US-Dollar Zuschuss bei einer Energieberatung für ihr eigenes Haus und bis zu 3.500 US-Dollar Zuschuss beim Kauf eines Hybrid- oder Elektroautos. Die letzte Maßnahme hat bereits mehr als 200 Mitarbeiter dazu bewegt, auf ein Hybrid- oder Elektrofahrzeug umzusteigen.

CO₂-Emissionen im Transport verringert

Im Jahr 2016 haben wir weitere Transportstrecken von der Luft auf die See verlagert. Unter anderem befördert unser Unternehmensbereich Performance Materials seine Produkte zwischen Deutschland und Japan sowie zwischen Japan und Korea mit dem Schiff statt mit dem Flugzeug. Auch unser Unternehmensbereich Life Science hat den Transport zwischen den USA und Argentinien auf die See verlagert. Dank dieser Veränderungen sparen wir jährlich insgesamt 300 Tonnen CO2 ein.

Positive Bewertung durch das CDP

2016 hat das CDP sein Bewertungsmodell erneuert und vergibt nun nur noch eine Bewertung pro Unternehmen. In die Beurteilung fließen nicht nur Erfolge und Strategien bei der Einsparung von Treibhausgasemissionen ein. Das CDP beurteilt auch, wie wir als Unternehmen Risiken und Folgen des Klimawandels minimieren. Die Bewertungsskala reicht von der Bestnote A bis D-.

Nach diesem neuen Modell wurden wir 2016 mit A- bewertet. Als „Sector Leader DACH Region“ gehören wir zu den 16 % der besten Unternehmen in der Kategorie Healthcare, Pharma & Biotech in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Noch mit dem alten Bewertungsmodell wurde im Jahr 2015 unsere Performance mit C und unsere Berichterstattung mit 98 von 100 Punkten bewertet. Damit belegten wir Platz sechs der Kategorie Healthcare in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Treibhausgase
Treibhausgase sind Gase in der Atmosphäre, die zur globalen Erwärmung beitragen. Man unterscheidet zwischen natürlich vorkommenden Treibhausgasen und Treibhausgasen, die durch Menschen verursacht werden (z. B. CO2-Emissionen durch die Verbrennung fossiler Energieträger).
Security
Security (deutsch: Sicherheit) umfasst alle notwendigen Maßnahmen und Leitungs- und Kontrollaktivitäten zur Aufdeckung, Auswertung, Behandlung und Abwehr von Sicherheitsbedrohungen und kriminellen Machenschaften gegenüber Unternehmen. Sie dienen dem Schutz der Mitarbeiter sowie unserer materiellen und immateriellen Vermögenswerte
EHS
Environment, Health and Safety: Mit der Abkürzung werden Umweltmanagement, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit in Betrieben beschrieben.
ISO 50001
Diese internationale Norm legt weltweit anerkannte Anforderungen an ein Energiemanagementsystem fest.