Lieferanten

Standards in der Lieferkette

Unser Unternehmen benötigt zahlreiche Rohstoffe, Verpackungsmittel, technische Produkte, Komponenten und Dienstleistungen. Diese beziehen wir von mehr als 70.000 Lieferanten aus über 130 Ländern.

Unsere Grundsätze

Lieferantenmanagement

Ein Ziel unseres Lieferantenmanagements ist die Einhaltung grundlegender Umwelt- und Sozialstandards – nebst hoher Qualität, Liefersicherheit und wettbewerbsfähigen Preisen. Dazu haben wir entsprechende Strategien, Prozesse und Richtlinien eingeführt, die wir kontinuierlich verbessern. So wollen wir Verstöße gegen unsere Standards in der Lieferkette vermeiden.

Wir stufen unsere Lieferanten nach ihrem Risikopotenzial ein. Dabei betrachten wir das Landesrisiko, die Produktkategorie und den Umsatz, den sie mit uns generieren. Besonderes Augenmerk richten wir dabei auf die Lieferanten aus Nicht-OECD-Ländern. Hier stufen wir das Risiko höher ein, dass Umwelt- und Sozialstandards möglicherweise nicht eingehalten werden.

Richtlinien regeln Anforderungen an Lieferanten

Wir erwarten von allen Lieferanten und Dienstleistern, dass sie Umwelt- und Sozialstandards einhalten. Diese leiten sich vor allem aus den Kernarbeitsnormen der International Labour Organization (ILO) und dem UN Global Compact ab.

Zudem unterstützen wir die -Initiative des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME). Der Verband setzt sich für Compliance in der Beschaffung ein. Außerdem haben wir den Verhaltenskodex des BME unterzeichnet. Er enthält unter anderem Regelungen zur Bekämpfung von Korruption, Kartellen und Kinderarbeit sowie Regelungen zur Wahrung der Menschenrechte, zum Schutz von Umwelt und Gesundheit und zur Förderung von fairen Arbeitsbedingungen.

Unsere Einkaufsrichtlinie, die Group Procurement Policy, konkretisiert unsere Erwartungen an unsere Lieferanten und legt fest, wie wir die Einhaltung unserer Standards überwachen. Die Richtlinie berücksichtigt sowohl interne als auch externe Regelwerke. Dazu gehören der Merck-Verhaltenskodex, die Merck-Menschenrechtscharta, unsere EHS-Policy (Environment, Health and Safety Policy), die Umweltmanagementnorm und der BME-Verhaltenskodex.

In den Merck Responsible Sourcing Principles präzisieren wir die Corporate-Responsibility-Anforderungen (CR-Anforderungen) an unsere Lieferanten. Außerdem verpflichten wir sie dazu, diese auch an ihre eigenen Lieferanten weiterzugeben. Die Merck Responsible Sourcing Principles sind konzernweit in unsere Allgemeinen Geschäftsbedingungen integriert.

Organisation und Verantwortlichkeiten

Unsere Konzernfunktion Group Procurement ist dafür verantwortlich, CR-Anforderungen in unsere Beschaffungsprozesse und unser Lieferantenmanagement zu integrieren. Alle Maßnahmen werden von einer Koordinationsstelle innerhalb dieser Konzernfunktion gesteuert: Diese aktualisiert regelmäßig unsere Richtlinien, prüft bestehende Prozesse und koordiniert unsere Mitgliedschaften in Industrieinitiativen. Unsere Einkaufsmitarbeiter in allen Ländern werden über die Richtlinien und Prozesse informiert.

Wenn sich rechtliche Rahmenbedingungen verändern, nehmen wir diese Änderungen auf und leiten – falls notwendig – entsprechende Maßnahmen ein. Ein aktuelles Beispiel ist der UK Modern Slavery Act von 2015. Er verpflichtet Unternehmen, die in Großbritannien einen bestimmten Umsatz überschreiten, über ihre Maßnahmen gegen den internationalen Menschenhandel zu berichten. 2017 werden wir dies erstmals umsetzen.

Lieferantenbewertung: Mitgliedschaft bei TfS

2014 sind wir der Industrieinitiative Together for Sustainability (TfS) beigetreten. TfS stellt über die EcoVadis-Plattform umfangreiche Lieferantenbewertungen zur Verfügung. Wir fordern unsere Lieferanten auf, sich von EcoVadis bewerten zu lassen. Mittlerweile haben wir durch die Plattform Zugriff auf die Bewertungen von 670 unserer wichtigsten Lieferanten – 400 dieser Bewertungen wurden auf unsere Initiative hin erstmals erstellt. Die Lieferanten werden entweder auf der Basis von Selbstauskünften und öffentlich verfügbaren Informationen oder durch Audits bewertet. Seit unserem Beitritt zu der Initiative wurden 26 durch uns initiierte TfS-Audits bei unseren Lieferanten durchgeführt. Nach unserem Beitritt zu TfS haben wir zunächst bei unseren Rohstofflieferanten begonnen, die TfS-Methodik einzuführen. Mittlerweile haben wir sie auf unsere gesamte Beschaffung ausgeweitet, dazu gehören beispielsweise auch Beratungsdienstleistungen, Informationstechnologien oder Logistikleistungen. Derzeit entwickeln wir eine Methode, um die TfS-Ergebnisse systematisch bei der Lieferantenbewertung und -auswahl zu berücksichtigen.

Fast Fact

TfS-Initiative

Die TfS-Initiative wurde 2011 von Unternehmen der chemischen Industrie ins Leben gerufen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, globale Lieferketten systematisch hinsichtlich ökologischer und sozialer Aspekte zu bewerten und zu verbessern. Die beteiligten Unternehmen nutzen die Ergebnisse der Lieferantenbewertungen gemeinsam. Dabei werden wettbewerbsrechtliche Beschränkungen berücksichtigt.

Eigene Audits abhängig vom Risikopotenzial

Ergänzend zu den TfS-Audits führen wir jährlich eigene CR-Audits bei ausgewählten Lieferanten durch. Die Auswahl dieser Lieferanten ist abhängig von ihrem Risikopotenzial. Dazu teilen wir die Lieferanten nach den Kriterien Landesrisiko, Produktkategorie und Umsatz in Risikogruppen ein. Generell stufen wir Lieferanten aus Nicht-OECD-Ländern in höhere Risikogruppen ein. Unabhängig davon auditieren wir auch Lieferanten, bei denen wir Hinweise haben, dass unsere Anforderungen nicht eingehalten werden.

Stellen wir während eines Audits Abweichungen von den Merck Responsible Sourcing Principles oder landesspezifischen rechtlichen Anforderungen fest, stufen wir diese Mängel als kritisch, wesentlich oder gering ein. Das Ergebnis des Audits teilen wir dem Lieferanten in einem Bericht mit. Das Auditteam legt zudem fest, in welchem zeitlichen Abstand Folgeaudits stattfinden sollen.

Wir fordern vom betroffenen Lieferanten einen sogenannten Corrective Action Plan ein, der beschreibt, mit welchen Maßnahmen die Mängel korrigiert werden sollen. Bei kritischen oder wesentlichen Abweichungen überprüfen wir zudem, inwiefern die definierten Korrekturmaßnahmen umgesetzt wurden. Sind die Korrekturmaßnahmen nicht zufriedenstellend, ziehen wir in Betracht, die Geschäftsbeziehung zu beenden.

Fast Fact

Einstufung von Mängeln

Kritische Mängel: Jeder als kritisch eingestufte Mangel muss so schnell wie möglich behoben oder gemindert werden. Der Lieferant muss innerhalb einer Woche nach Erhalt des Auditberichts einen Vorschlag mit Korrekturmaßnahmen bei uns einreichen.

Wesentliche Mängel: Bei jeder als wesentlich eingestuften Beobachtung muss der Lieferant innerhalb eines Monats nach Erhalt des Auditberichts reagieren und Korrekturmaßnahmen benennen.

Geringfügige Mängel: Jede Beobachtung, die als geringfügig eingestuft wird, erfordert keinen formellen Plan mit Korrekturen. Die Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen wird nicht nachverfolgt.

Lokale Lieferanten bei einigen Waren bevorzugt

Wir haben keine internen Richtlinien, die vorgeben, lokale Lieferanten bei der Vergabe von Aufträgen prinzipiell zu bevorzugen. Die von uns beschafften Waren und Dienstleistungen kaufen wir in der Regel weltweit ein, abhängig von der Verfügbarkeit und dem Angebot. So spielt etwa die Verfügbarkeit von Produktionstechnologien an den verschiedenen Produktionsstandorten eine Rolle: Nicht jedes Produkt ist gleichermaßen in jedem Land verfügbar.

Allerdings haben lokale Anbieter in einigen Fällen einen Vorteil. So kann es günstiger sein, ein Produkt vor Ort einzukaufen, da in diesem Fall zusätzliche Transportkosten wegfallen. Dies trifft häufig auf Verpackungsmaterialien zu. Länderspezifische Regularien wie Importzölle oder Lizenzen fließen ebenfalls in die Entscheidung ein, ob wir unsere Waren lokal oder international beziehen. Auch schreiben in einigen Ländern lokale Gesetze vor, Lieferanten aus der Region zu beauftragen. Dies gilt vor allem im pharmazeutischen Bereich.

Weltweite Beschaffung

Der Gesamtwert aller beschafften Güter und Dienstleistungen belief sich 2015 auf rund 5,2 Mrd. €, 2016 waren es 6,5 Mrd. € (inklusive Sigma-Aldrich). Von den 2016 beschafften Gütern und Dienstleistungen (inklusive F&E-Leistungen) entfielen 48 % auf Lieferanten, die in Ländern der Europäischen Union (EU) ansässig sind, und 37 % auf Lieferanten aus OECD-Ländern außerhalb der EU. Der Anteil an Gütern und Dienstleistungen, die aus Nicht-OECD-Ländern außerhalb der EU stammen, ist von 15 % im Jahr 2015 auf 14 % im Jahr 2016 gesunken.

Anteile am gesamten Beschaffungsvolumen

Fortschritt

Aktuelle Auditergebnisse

Neben den über TfS initiierten Audits haben wir unserem Risikoansatz folgend im Jahr 2015 vier eigene CR-Audits durchgeführt. 2016 waren es drei CR-Audits. Dabei haben wir unsere Lieferanten sowohl auf ökologische als auch auf soziale Kriterien überprüft. Die festgestellten Mängel mit ökologischen Auswirkungen betrafen die Überschreitung von Emissionsgrenzen und die Entsorgung von Abfällen. Bei sozialen Aspekten konnte in einem Fall die Zahlung von Mindestlöhnen nicht eindeutig nachgewiesen werden. Um die Mängel zu beheben, haben wir mit den entsprechenden Lieferanten einen Maßnahmenplan vereinbart und überprüft, ob die Verbesserungen umgesetzt wurden. Mit zwei Lieferanten mussten wir aufgrund der festgestellten Mängel die Geschäftsbeziehungen beenden. Bei den Audits haben wir keine Anhaltspunkte für Verletzungen des Rechts auf Versammlungsfreiheit beziehungsweise Kollektivvereinbarungen oder mögliche Kinder-, Zwangs- oder Pflichtarbeit entdeckt.

Lieferantenbewertung

Im Zuge der TfS-Lieferantenbewertungen konzentrierten wir uns in den Jahren 2015 und 2016 auf die CR-Leistungen wichtiger Bestandslieferanten. Bei 45 Lieferanten haben wir mögliche negative Auswirkungen identifiziert. Diese betrafen in 20 Fällen den Bereich Ökologie, in 38 Fällen Arbeitspraktiken und Menschenrechte sowie in 14 Fällen Auswirkungen auf lokale Gemeinschaften und die Gesellschaft. Bei einzelnen Lieferanten trafen mehrere Aspekte zu. Im Jahr 2017 stoßen wir Maßnahmen an, um identifizierten negativen Auswirkungen zu begegnen. Neue Lieferanten haben wir bisher noch nicht in diese Bewertungen einbezogen.

Lieferanten-Workshops zu CR-Standards

Unser Ziel ist es, langfristig mit unseren Lieferanten zusammenzuarbeiten. Wir wollen sie dabei unterstützen, unsere Standards einzuhalten. 2016 haben wir deshalb einen Lieferanten-Workshop in China durchgeführt. Dabei standen neben Qualitätsanforderungen auch unsere CR- und EHS-Standards auf der Agenda. Wir beteiligen uns zudem an den lokalen und regionalen Lieferanten-Workshops der TfS-Initiative. 2015 fand ein solcher Workshop in Brasilien statt, 2016 in Indien.

Gute Bewertung im EcoVadis-Rating

Als Mitglied der Industrieinitiative TfS fordern wir unsere Lieferanten auf, sich von der unabhängigen Rating-Agentur EcoVadis bewerten zu lassen. Auch wir selbst lassen uns beurteilen: 2016 hat EcoVadis uns für unsere Nachhaltigkeitsleistungen den Goldstatus zugesprochen. Mit 75 von 100 Punkten zählen wir zu den besten fünf Prozent aller erfassten Unternehmen. EcoVadis bewertet Zulieferer aus 101 Ländern sowie 150 Branchen in den vier Kategorien Umwelt, Arbeitsbedingungen, verantwortungsvolle Geschäftspraktiken und Lieferkette. Vor allem unser ganzheitliches Umweltmanagement-System und unsere klaren Menschenrechtsanforderungen wurden positiv bewertet. Die gute Einstufung nützt auch unserem Geschäft: Kunden, die besonderen Wert auf CR-Aspekte legen, fragen solche Bewertungen zunehmend bei uns an.

Compliance
Unter dem Begriff Compliance wird die Einhaltung von Gesetzen und Regelwerken sowie unternehmensinternen freiwilligen Kodizes zusammengefasst. Compliance ist Bestandteil der ordnungsgemäßen Unternehmensführung.
ISO 14001
Diese internationale Norm legt weltweit anerkannte Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem fest.