Viele Menschen sind krank, ohne dies zu wissen. Die Folge: Obwohl wirksame Arzneimittel und Therapien zur Verfügung stehen, werden sie nicht oder nicht rechtzeitig behandelt. Deshalb führen wir weltweit Aufklärungskampagnen durch und verbessern das Wissen um Krankheiten, ihre Symptome und mögliche Therapien. Im Rahmen unserer Strategie für besseren Zugang zu Gesundheit in Ländern niedrigen und mittleren Einkommens fördern wir das Bewusstsein für Krankheiten und unterstützen Gesundheitspersonal, Gemeinden und Patienten dabei, gut informierte Entscheidungen zu treffen.
Unsere Grundsätze
Weltweite Aufklärungskampagnen
Regelmäßig führen wir auf der ganzen Welt Aufklärungskampagnen zu verschiedenen Krankheiten durch. Dabei konzentrieren wir uns auf jene, über die wir aufgrund unseres Kerngeschäfts ein großes Fachwissen haben: Dazu gehören vor allem Krebs – insbesondere Dickdarm-, Kopf-und Hals-Krebs – sowie Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes und Multiple Sklerose (MS). Häufig arbeiten wir dabei mit Patientenorganisationen zusammen. Im Berichtszeitraum haben wir insgesamt 17 Kampagnen durchgeführt beziehungsweise uns daran beteiligt – und damit Millionen von Menschen erreicht. Besonders erfolgreich war 2016 erneut unsere jährliche Schilddrüsenkampagne im Rahmen der Internationalen Woche der Schilddrüsengesundheit. Aber auch die „Make Sense Campaign Head & Neck Cancer Awareness Week“ und die „World MS Day 2016 Campaign“ erfuhren viel Aufmerksamkeit.
Mit speziellen Aufklärungskampagnen gehen wir zudem auf besondere lokale Bedürfnisse ein etwa zum Thema Anämie (Blutarmut) in Indonesien oder Unterernährung in Kenia. Hier arbeiten wir in der Regel eng mit nationalen Regierungen und anderen politischen oder gesundheitspolitischen Akteuren zusammen. Weitere Informationen dazu gibt es unter Zugang zu Gesundheit.
Aus- und Weiterbildung des Gesundheitspersonals
In Entwicklungsländern möchten wir das Personal des öffentlichen und privaten Gesundheitswesens dazu befähigen, ihre Entscheidungen zur Prävention, Diagnose und Behandlung von Krankheiten auf Basis des neuesten medizinischen Fachwissens zu treffen. Unser Capacity Advancement Program (CAP) ist auf fünf Jahre angelegt: Damit möchten wir in Afrika, Asien, Lateinamerika und dem Mittleren Osten unter anderem die ärztliche Ausbildung verbessern. Weitere Schwerpunkte sind die Weiterbildung medizinischer Fachkräfte in Indien im Rahmen unseres Projekts Su-Swastha und die Ausbildung von Apothekenhelfern in Tansania. Eine Übersicht aller Projekte findet sich hier.
Dieses Engagement ist Teil unserer Aktivitäten, mit denen wir uns für einen besseren Zugang zu Gesundheit einsetzen.
Fortschritt
Social-Media-Kampagne zu Kopf-Hals-Krebs
Jedes Jahr unterstützen wir die Make-Sense-Kampagne – eine Initiative der Europäischen Kopf-Hals-Gesellschaft (EHNS). Ihr Ziel: das Bewusstsein für Kopf-Hals-Krebs und dessen Symptome in der Bevölkerung zu erhöhen. So soll die Früherkennung gefördert und die Behandlung verbessert werden. Außerdem möchten wir der Fehleinschätzung entgegentreten, dass Kopf-Hals-Krebs hauptsächlich bei älteren Rauchern und Alkoholikern vorkommt. Tatsächlich erkranken auch junge Erwachsene daran. Unter dem Motto „Letting our tongues do the talking“ riefen wir unsere Mitarbeiter im September 2016 dazu auf, Fotos mit herausgestreckter Zunge zu machen: Mehr als 200 Bilder aus 22 Ländern gingen bei uns ein. Mit der Kampagne konnten wir über unsere Social-Media-Kanäle weltweit rund 122.000 Menschen erreichen und so auf Kopf-Hals-Krebs aufmerksam machen.
Twitter-Marathon zu Multipler Sklerose
Wir wollen Menschen, die an Multiple-Sklerose (MS) leiden unterstützen. Regelmäßig machen wir auf die Krankheit aufmerksam. Beispielsweise beteiligten wir uns im Mai 2016 – gemeinsam mit der MS International Federation (MSIF) und lokalen MS-Patientenorganisationen – am World MS Day. Das Motto für 2016 lautete: Unabhängigkeit. Mithilfe unserer weltweiten Patientenbotschafter für MS haben wir zwei Filme mit den Titeln „MS – a silent disease“ und „MS Does Not Stop Me“ produziert. Sie zeigen, wie Menschen mit MS ihre Unabhängigkeit wahren und sich nicht von der Krankheit unterkriegen lassen. Kernstück der Kampagne im Jahr 2016 war eine 24-Stunden-Twitter-Kampagne in 24 Ländern. Unter Verwendungen verschiedener Hashtags, beispielsweise „#strongerthanMS“ oder „#msday24“, twitterten unsere Mitarbeiter und Multiplikatoren weltweit zum Thema MS. Zugleich hoben wir mit dieser Aktion das Engagement unserer weltweiten Standorte für MS-Betroffene hervor. Dieses reicht von Spendensammlungen zur Unterstützung lokaler Patientenorganisationen bis hin zur Veranstaltung von Rockkonzerten. Die Kampagne generierte insgesamt 2,7 Millionen Eindrücke.
Schilddrüsengesundheit: Mütter im Fokus
Zum achten Mal unterstützten wir im Berichtsjahr die Internationale Woche der Schilddrüsengesundheit der Thyroid Federation International (TFI). Laut einer von uns im Jahr 2016 beauftragten Studie können 84 % der Mütter weltweit die gängigsten Symptome von Schilddrüsenerkrankungen bei ihren Kindern nicht richtig deuten. Ziel unserer Kampagne war es daher, Eltern dieses Wissen zu vermitteln. Dafür entwickelten wir mit der TFI ein Video, ein Kinderbuch sowie weitere Informationsmaterialien. Darin werden die Symptome einer Schilddrüsenüber- beziehungsweise Schilddrüsenunterfunktion anhand der beiden Schmetterlingsfiguren „Hypo“ und „Hyper“ erklärt. Die Kampagne erreichte etwa 20 Millionen Menschen in 34 Ländern. Mehr als 14.500 Personen erhielten zudem einen Schilddrüsen-Check und wurden bei Auffälligkeiten zur weiteren Untersuchung an eine allgemeinmedizinische Arztpraxis verwiesen. Mehr Informationen hierzu in unserer Story Leben verbessern.
Weltweites Engagement für Frauengesundheit
Berufsstätige Frauen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftskraft und zum Wohlstand einer Gesellschaft – jedoch nur, wenn sie gesund sind. In vielen Ländern verhindern gesundheitliche Probleme die Erwerbstätigkeit oder berufliche Karriere von Frauen. Beides stellt sowohl Volkswirtschaften als auch Unternehmen vor Herausforderungen. Wie sehr sich eine erhöhte Beschäftigung von Frauen und ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis auf den wirtschaftlichen Erfolg auswirken, belegt eine Studie: Laut der Unternehmensberatung McKinsey könnte sich das weltweite Bruttoinlandsprodukt dadurch bis 2025 jährlich um bis zu 28 Billionen Dollar erhöhen.
Die öffentlich-private Partnerschaft (Public Private Partnership, PPP) „Healthy Women, Healthy Economies” (HWHE) stellt sich genau dieser Herausforderung. Zusammen mit Regierungsvertretern der USA und weiterer Länder haben wir die HWHE im Jahr 2014 unter der Schirmherrschaft der Asia-Pacific Economic Cooperation (APEC) ins Leben gerufen. Ihre Mitglieder aus Wirtschaft, Staat und Gesellschaft haben ein sogenanntes Toolkit (Werkzeugkasten) mit politischen Maßnahmen entwickelt. Diese sollen die Barrieren überwinden, mit denen Frauen aufgrund gesundheitlicher Probleme in der Arbeitswelt zu kämpfen haben. Im September 2015 wurde dieses Maßnahmenpaket im Rahmen des Forums „APEC Women in Economy“ eingeführt.
Gemeinsam mit der philippinischen Regierung haben wir das erste HWHE PPP ins Leben gerufen: Es geht dabei speziell um Schilddrüsenerkrankungen, von denen Frauen überproportional häufig betroffen sind. In Jordanien starteten wir ein ähnliches Programm: Gemeinsam mit der Nichtregierungsorganisation „Royal Health Awareness Society“ möchten wir auch hier das Bewusstsein für Schilddrüsenerkrankungen bei Frauen steigern.
Seit 2016 kooperieren wir zudem mit der American Cancer Society (ACS), um für Krebserkrankungen von Frauen zu sensibilisieren. Im November 2016 veröffentlichten wir den Bericht „The Global Burden of Cancer in Women”. Er dokumentiert die Sterbe- und Inzidenzraten von Krebserkrankungen bei Frauen und zeigt deren weltweite Verteilung auf.
Su-Swastha in Indien: Gesundheitsversorgung auf dem Land
Etwa 700 Millionen Inder leben in ländlichen Gebieten und haben dort keinen Zugang zu wirksamer und bezahlbarer Gesundheitsversorgung. Denn diese konzentriert sich auf die indischen Megastädte: Hier arbeiten 80 % der Ärzte und Pflegefachkräfte; hier stehen 70 % der Krankenhausbetten. Mit unserem Projekt Su-Swastha wollen wir die Gesundheitsversorgung im ländlichen Indien verbessern: So stellen wir dort unter anderem kostengünstige Arzneimittel zur Verfügung. Gleichzeitig klären wir Bevölkerung und Mediziner vor Ort über alltägliche Gesundheitsprobleme und deren Behandlung auf. Bei wöchentlichen Gemeindetreffen informieren Fachleute beispielsweise zu Husten, Kinderkrankheiten oder Präventionsmaßnahmen. Darüber hinaus gibt es kostenlose Gesundheitschecks für die Bevölkerung und Weiterbildungsmaßnahmen für Ärzte. 2016 erreichten wir 26.129 Menschen bei insgesamt 1.238 Gemeindetreffen.
Für unser Engagement wurden wir im Access to Medicine Index 2016 gewürdigt.
Ausbildung von Apothekenhelfern in Tansania
Die Gesundheitssysteme zahlreicher Entwicklungsländer kämpfen mit einem Mangel an pharmazeutischen Fachkräften. In Tansania etwa gibt es derzeit lediglich rund 3.000 Apotheker, pharmazeutische Assistenten und pharmazeutisch-technische Assistenten – für mehr als 40 Millionen Einwohner. Dieses Missverhältnis trägt dazu bei, dass sich die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung vor allem auf dem Land schwierig gestaltet.
Aus diesem Grund unterstützten wir drei Jahre lang – von Anfang 2014 bis Ende 2016 – den Ausbau von vier Ausbildungseinrichtungen für Apothekenhelfer. Dabei kooperierten wir mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), dem tansanischen kirchlichen Ausbildungsinstitut Kilimanjaro School of Pharmacy, Boehringer Ingelheim und Bayer HealthCare. Gemeinsam überabeiteten wir vorhandene Lehrpläne und entwickelten sie weiter zu einem neuen, modularen Lehrplan für eine ein- bis dreijährige pharmazeutische Ausbildung. Als Modellschule wurde die Kilimanjaro School of Pharmacy (KSP) mit einem Labor und einer Bibliothek ausgestattet und wird auch darüber hinaus unterstützt. Der Global Pharma Health Fund spendete zudem vier Minilabs und schulte Tutoren von acht tansanischen Ausbildungseinrichtungen darin, diese Kompakt-Labore fachgerecht zur Aufdeckung von gefälschten Arzneimitteln zu nutzen.
Ausbau unseres Capacity Advancement Program
Im Jahr 2012 starteten wir das sogenannte Capacity Advancement Program (CAP): Im Rahmen dieser Initiative kooperieren wir mit akademischen Einrichtungen in verschiedenen Ländern. Unser Ziel ist es, medizinisches Fachpersonal in Forschung und Entwicklung, klinischer Forschung und Arzneimittelsicherheit zu schulen. So tragen wir einerseits zum Aufbau medizinischer Kompetenzen bei; andererseits stärken wir das öffentliche Bewusstsein für nichtübertragbare Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Krebs und Unfruchtbarkeit. Die CAP-Initiative umfasst verschiedene Programme mit unterschiedlichen Schwerpunkten.
Bis Ende 2016 erreichte das Merck Universities Program 17.000 Studierende von Universitäten in Kenia, Uganda, Tansania, Mosambik, Namibia, Ghana, Äthiopien, Angola, Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten: Sie profitierten von einer in Europa akkreditierten klinischen Ausbildung zur Behandlung von Diabetes und Bluthochdruck. Unser Ziel ist es, bis Ende 2018 über 25.000 Studierende in dieses Programm einzubinden. Erstmalig verliehen wir in den Jahren 2015 und 2016 Auszeichnungen an 20 Medizinstudenten von Universitäten in Kenia, Uganda, Tansania, Ghana, Nigeria, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indonesien und Indien: Mit dem Merck Diabetes Award und dem Merck Hypertension Award fördern wir Forschung und Bewusstseinsbildung für Diabetes und Bluthochdruck.
Mit unserem Merck Africa Embryology Training Program erleichtern wir den Zugang zu Fertilitätsbehandlungen: Hierzu bieten wir ein dreimonatiges Praxisseminar an, von dem bereits zehn Embryologen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara profitierten.
Außerdem bot der Merck-Africa-Luminary-Kongress im Jahr 2016 Seminarveranstaltungen für 460 afrikanische Ärzte, politische Entscheidungsträger und Forscher an. Das Thema: Behandlung, Früherkennung und Prävention von nichtübertragbaren Krankheiten. 2015 starteten wir außerdem eine Aufklärungskampagne für Diabetes, Bluthochdruck und Krebs: Damit erreichten wir über 175.000 Menschen in Kenia. Bis 2018 möchten wir mit 200.000 Menschen in Kontakt treten und beispielsweise Diabetes-Screening anbieten.
Mit unserer Initiative Merck More than a Patient richten wir uns an Frauen nach überstandener Krebserkrankung: Durch Schulungen und vielfältige Unterstützung befähigen wir sie, ihr eigenes Geschäft aufzubauen, um ein unabhängiges Leben zu führen. Auch im Rahmen der Merck-More-than-a-Mother-Initiative bieten wir Informationen, Ausbildung und Gesundheitsversorgung. Parallel dazu arbeiten wir an der Veränderung von kulturellen Stereotypen, die Unfruchtbarkeit und ungewollt kinderlose Frauen stigmatisieren. Unser Empowering Berna Project hilft betroffenen Frauen, ebenfalls ihr eigenes Geschäft aufzubauen und so finanzielle Unabhängigkeit zu erlangen: 2016 nahmen an diesem Projekt über 1.000 Frauen teil – aus Ghana, aus der Zentralafrikanischen Republik, von der Elfenbeinküste, aus Uganda, Kenia und Nigeria.
Der UNESCO-Merck Africa Research Summit 2016 setzte sich zum Ziel, Frauen zu fördern, die im Gesundheitswesen und in der Forschung arbeiten. In Afrika sind Frauen in diesen Fachgebieten unterrepräsentiert. Im Rahmen dieses Gipfels haben wir außerdem erstmalig afrikanische Wissenschaftlerinnen mit den Best African Woman Research Awards geehrt, um den Beitrag von Frauen in den sogenannten MINT-Berufen hervorzuheben.