Abfall enthält wertvolle Rohstoffe, die der Produktion wieder zugeführt werden können. Wir legen daher großen Wert auf die Vermeidung beziehungsweise weitest gehende Wiederverwertung unserer Abfälle.
Unsere Grundsätze
Abfälle vermeiden, wiederverwerten, entsorgen
Wir wollen die Umweltauswirkungen unseres Abfalls so weit wie möglich minimieren und den Verlust von Rohstoffen begrenzen. Das bedeutet zunächst, dass wir versuchen, Abfälle zu vermeiden. Da dies nicht immer machbar ist, möchten wir die anfallenden Abfälle soweit wie möglich wiederverwerten. Abfälle, die nicht wiederverwertet werden können, entsorgen wir umweltverträglich und nach höchsten Entsorgungsstandards.
Abfallmanagement auf Konzern- und Standortebene
Das Abfallmanagement ist Teil unseres unternehmensweiten Umweltmanagementsystems, das nach der internationalen Norm ISO 14001 zertifiziert ist. Die oberste Verantwortung trägt unsere für den betrieblichen Umweltschutz zuständige Konzernfunktion Environment, Health, Safety, Security, Quality (EQ). Neben der externen Zertifizierung prüfen wir unser Abfallmanagement zusätzlich im Rahmen von internen EHS-Audits (Corporate-Environment-Health-and-Safety-Audits). Unsere lokalen EHS- und Standortmanager informieren und sensibilisieren wir regelmäßig zum Thema Abfallentsorgung. So stellen wir sicher, dass unsere Umweltstandards überall eingehalten werden.
Mit unserem konzernweit gültigen EHS-Standard „Waste Management“ haben wir einen einheitlichen Rahmen für das Abfallmanagement an allen Standorten geschaffen. Er definiert organisatorische Strukturen und Mindestanforderungen. Nach diesem Standard dokumentieren alle Standorte ihre Abfälle nach Art und Menge und übermitteln sie an die Konzernfunktion EQ.
Das Merck Waste Scoring System
Anfallender Abfall wird in unserem Unternehmen bisher auf verschiedene Arten verwertet beziehungsweise entsorgt. Um unsere unterschiedlichen Abfallarten noch besser steuern zu können, haben wir 2016 das Merck Waste Scoring System entwickelt. Es basiert auf den fünf Stufen der sogenannten Abfallhierarchie:
- Abfallvermeidung
- Stoffliche Verwertung
- Energetische Verwertung
- Thermische Beseitigung
- Deponierung
Grundsätzlich verschlechtert sich die Ressourcenbilanz der Abfälle von Stufe eins zu Stufe fünf. Die Abfallvermeidung ist die beste und anzustrebende Form des Abfallmanagements, da wir so den Rohstoffverbrauch und Umweltbelastungen vermeiden. Die stoffliche Verwertung ermöglicht das Recyceln der im Abfall enthaltenen Rohstoffe. Durch sie können je nach Abfallart bedeutende Mengen an Rohstoffen und Energie eingespart werden, auch wenn damit teilweise die Produktqualität abnimmt (Downcycling). Als energetische Verwertung von Abfällen gelten Verfahren, bei denen die Abfälle Primärrohstoffe ersetzen. Klassisches Beispiel ist die Energieerzeugung in Müllverbrennungsanlagen, die den Einsatz fossiler Brennstoffe reduziert. Abfälle zur Beseitigung werden thermisch entsorgt oder auf Deponien eingelagert und sind für die Rückgewinnung von Rohstoffen verloren.
Für jede Abfallart – beispielsweise Plastik, Papier, Metall, Glas oder gefährliche Abfälle – ist eine Einzelbetrachtung nötig.
Merck Waste Score als Steuerungskennzahl
Durch den im Jahr 2016 neu entwickelten Merck Waste Score können wir das Ziel der Ressourceneinsparung für unsere Abfallarten messbar machen und das Abfallaufkommen der Standorte miteinander vergleichen: Dazu wird die Abfallmenge eines Standortes den fünf Stufen der Abfallhierarchie zugeordnet und mit einem Faktor multipliziert. Die Summe der Ergebnisse aller Stufen bezogen auf die Gesamtabfallmenge ergibt dann den Merck Waste Score.
2017 werden wir mit diesem System die Abfallentsorgung konzernweit bewerten. Wir werden diese Bewertung als Basis nutzen, um einen Zielwert für den Merck Waste Score zu definieren und die Fortschritte unseres Abfallmanagements zu messen.
Verantwortung für den gesamten Entsorgungsprozess
Als Abfallerzeuger sind wir bis zur endgültigen Entsorgung für unseren Abfall verantwortlich. Daher wählen wir unsere Dienstleister mit größter Sorgfalt aus und legen die Entsorgungsbedingungen stets vertraglich fest. Jeder unserer Dienstleister muss belegen können, dass er unseren Abfall ordnungsgemäß beseitigt. Mit regelmäßigen Audits kontrollieren wir die fachgerechte Entsorgung unserer Abfälle, insbesondere wenn es sich um gefährliche Abfälle handelt.
Fortschritt
Gesunkenes Abfallaufkommen
Unser Abfallaufkommen ist im Jahr 2016 auf 254 Kilotonnen gesunken. 2015 waren es noch 317 Kilotonnen. Der Grund für den starken Rückgang liegt vor allem an den geringeren Mengen von Boden-, Bauschutt-, Abbruchabfällen. Diese Abfälle machen nach wie vor den größten Anteil unseres gesamten Abfallaufkommens aus: 30 % im Jahr 2016 und 49 % im Jahr 2015. Insbesondere der Umbau unserer Unternehmenszentrale in Darmstadt verursachte große Mengen solcher Abfälle.
Abfalltrennung durch die Mitarbeiter
An unserem Standort Molsheim in Frankreich führten wir bereits vor mehr als fünf Jahren ein Recyclingsystem ein und entwickeln es seitdem ständig weiter. Bei den dort durchgeführten Funktions- und Labortests fallen regelmäßig größere Mengen Abfall an. Die lokalen EHS-Beauftragten haben deswegen ein Trennsystem entwickelt, Schulungen durchgeführt und die nötigen Prozesse verbessert. Heute trennen die Mitarbeiter vor Ort bis zu zehn unterschiedliche Abfallarten. Mehr als fünf Tonnen Plastikabfälle werden so pro Jahr recycelt.
60 % weniger Lösungsmittel verbraucht
In Shizuoka, Japan, haben wir im Berichtszeitraum durch den Einsatz von speziellen Kunststoffauskleidungen in unseren Containern für Spezialchemikalien große Mengen eines Essigsäureester-Derivats eingespart. Davor war es als Lösungsmittel zur Reinigung der Container nötig. Der Standort spart davon nun 70 Tonnen pro Jahr ein, das entspricht mehr als 60 % dieses dort zur Reinigung eingesetzten Lösungsmittels.
Shizuoka reduziert Filterabfälle
In Shizuoka haben wir 2015 außerdem den mehrstufigen Filterprozess von Fotolacken auf einen einstufigen Prozess umgestellt. Dadurch wird nun nur noch ein einziger (statt mehrerer) Filter verwendet, so werden 70 % der Filterabfälle eingespart. Wir führten den einfachen Filterprozess 2016 auch an den Standorten in Hsinchu, Taiwan, und Suzhou, China, ein. So vermieden wir dort jeweils 50 % unserer Filterabfälle. Derzeit prüfen wir, ob wir den neuen Filterprozess noch an weiteren Standorten einführen können.
Recyclingzyklus spart Lösungsmittel
In Kaohsiung, Taiwan, haben wir bereits 2012 einen Recyclingzyklus für das Lösungsmittel Diisopentylether aufgesetzt und seitdem kontinuierlich verbessert. 2016 konnten wir damit 88 % des Lösungsmittels wiederverwenden. Innerhalb von vier Jahren sparten wir so etwa 200 Tonnen Lösungsmittelabfall und mehr als zwei Millionen Euro ein. Einen ähnlichen Recyclingzyklus konnten wir in Kaohsiung auch für die Lösungsmittel Aceton und Pentan einführen.