Umwelt

Wasser­management


In immer mehr Regionen der Welt ist die Versorgung mit Trinkwasser schwierig. Auch wir sind an unseren Standorten auf die Verfügbarkeit von Wasser in angemessener Qualität angewiesen. Wir verwenden es in der Produktion unter anderem zur Kühlung, als Prozesswasser oder zur Abluftreinigung. Nachhaltiges Wassermanagement ist deshalb ein Schwerpunktthema in unserem betrieblichen Umweltschutz. Gleichzeitig können unsere Abwässer enthalten, beispielsweise Schwermetalle oder pharmazeutische Wirkstoffe. Aus diesem Grund ist auch der Schutz der Ressource Wasser eine elementare Aufgabe für uns.

Unsere Grundsätze

Verbrauch reduzieren, Belastungen minimieren

Wir wollen unseren Wasserverbrauch verringern. Dies gilt besonders in Regionen, in denen Wasser immer knapper wird. Zugleich stehen wir in der Verantwortung, die Belastung des Abwassers an allen Standorten so gering wie möglich zu halten.

Die oberste Verantwortung für das Wassermanagement trägt die für unseren betrieblichen Umweltschutz zuständige Konzernfunktion Environment, Health, Safety, , Quality (EQ). An unseren Standorten setzen Techniker in enger Abstimmung mit -Managern (Environment-Health-and-Safety-Managern) Maßnahmen zur Verbrauchsreduzierung um. Sie werden regelmäßig von der Konzernfunktion EQ geschult.

Nachhaltiges Wassermanagement

Wir analysieren systematisch unsere Wasserverbrauchsdaten. Für die Bewertung nutzen wir Tools wie den Water Risk Filter des World Wide Fund For Nature (WWF) oder den Aqueduct Water Risk Atlas des World Resources Institute (WRI). Mit ihrer Hilfe erkennen wir etwa, ob ein Standort in einem sogenannten Wasserstressgebiet liegt, in dem die Wasserentnahme größer ist als der Zufluss. Anfang 2016 haben wir uns das Ziel gesetzt, an Standorten mit hohem Verbrauch bis 2020 ein nachhaltiges Wassermanagementsystem einzuführen.

Für unser nachhaltiges Wassermanagement nutzen wir ein Bewertungstool des Verbands der Europäischen chemischen Industrie (CEFIC). Damit bewerten unsere Standorte ihr Wassermanagement. Auf Basis dieser Bewertung erstellen sie einen Maßnahmenkatalog und setzen ihn schrittweise um.

Aber auch an weniger kritischen Standorten wollen wir ein effizientes Wassermanagement unterstützen. Dazu bauen wir unsere sogenannte Best-Practice-Sharing-Plattform für Wassermanagement-Projekte kontinuierlich aus. Die Plattform ermöglicht es unseren EHS-Beauftragten, sich auszutauschen und ihre Erfahrungen miteinander zu teilen.

Wasserverbrauch reduzieren

Standorte, die in Wasserstressgebieten liegen, müssen ihren Wasserverbrauch transparent darstellen und Prozessschritte identifizieren, die besonders viel Wasser benötigen. Anschließend etablieren wir Maßnahmen, mit denen die einzelnen Standorte ihren Wasserverbrauch reduzieren können.

Die Produktionsstandorte Mexiko-Stadt (Mexiko), Mollet del Vallès (Spanien) sowie Kankakee und Norwood (beide USA) liegen in Wasserstressgebieten und verbrauchen mehr als 30.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr. Außerdem besteht an unseren Standorten in Savannah (USA) sowie Hsinchu und Taoyuan (beide Taiwan) ein erhöhtes Risiko durch die lokalen Grundwasserbedingungen beziehungsweise durch saisonale Wasserknappheit. An diesen Standorten wollen wir bis 2020 jeweils 10 % der Wassermenge im Vergleich zu 2014 einsparen.

Standard zum Wasserschutz

Unsere Prozesse und Verantwortlichkeiten für sauberes Abwasser sind in unserem EHS-Standard „Water Protection“ definiert. Er basiert auf den Verpflichtungen, die wir im Rahmen der weltweiten Initiative Responsible Care® eingegangen sind. Danach verpflichten sich alle Standorte, die Risiken und Auswirkungen ihrer Abwasserfrachten, also der Schadstoffe in ihren Abwässern, zu ermitteln und zu bewerten.

Durch interne Audits kontrollieren wir regelmäßig, ob unser EHS-Standard „Water Protection“ eingehalten wird. Auch unser konzernweites Umweltmanagementsystem nach dem internationalen Standard berücksichtigt Aspekte des Wassermanagements. Dabei stehen Produktionsstandorte stärker im Fokus als Verwaltungsstandorte.

Rückstände minimieren

Wir wollen die verbleibenden Substanzen in unseren Abwässern reduzieren. Dazu arbeiten alle unsere Standorte einen sogenannten Water Pollution Response Plan aus und setzen die darin enthaltenen Maßnahmen um.

Einen besonderen Fokus legt unser -Standard „Water Protection“ auf Spurenstoffe mit Auswirkungen auf die Umwelt. So optimieren wir beispielsweise die Produktions- und Reinigungsprozesse, um die Rückstände pharmazeutischer Wirkstoffe im Abwasser so weit wie möglich zu reduzieren. Alle Produktionsstandorte für Pharmazeutika verfügen außerdem über Abwasseraufbereitungsanlagen und messen regelmäßig die Zusammensetzung ihres Abwassers.

Fortschritt

Wasser aus eigenen Quellen

Wir beziehen unser Grundwasser größtenteils aus eigenen Brunnen und unser Trinkwasser von lokalen Versorgern. In keinem Fall werden sensible Wasserquellen beeinträchtigt.

Unsere Wasserentnahmen waren im Berichtszeitraum wie folgt:

Wasserentnahmen (in Mio. Kubikmeter)

Unser Kühlwasser für Produktionsprozesse führen wir größtenteils im Kreislauf. Abhängig von den gesetzlichen Vorgaben und im Falle einer günstigeren Energiebilanz nutzen wir zur Kühlung aber auch Frischwasser im Durchlauf. In ausgesuchten Anwendungen bereiten wir die Produktionsabwässer auf und verwenden sie wieder. Insgesamt haben wir im Jahr 2015 23,0 Mio. Kubikmeter Wasser wiederverwertet. 2016 waren es 22,7 Mio. Kubikmeter.

Wasserschutzmaßnahmen umgesetzt

In Savannah, USA, haben wir Ende 2015 einen neuen Prozess entwickelt, der eine nitratfreie Produktion von Bismuthoxychlorid-Produkten erlaubt. Dank dieser Neuerung vermeiden wir nun Schadstoffe wie Nitrat und Stickoxid und reduzieren den Wasserverbrauch um circa 85 %. Das sind 21.500 Kubikmeter pro Jahr. Am Standort Hsinchu, Taiwan, recyceln wir seit 2015 das Kondenswasser aus Heizung, Lüftung und Klimatisierung. So konnten wir im Berichtszeitraum den Wasserverbrauch pro Jahr bereits um 5 % reduzieren. 2016 sparten wir so mehr als 1.300 Kubikmeter Wasser.

Auch der Standort Kankakee in den USA weist einen hohen Wasserverbrauch auf. Hier haben wir über die Jahre 2015 und 2016 Einsparungen von zirka 30 % erzielt, indem wir die eigene Frischwasseraufbereitungsanlage optimierten.

Auch an Standorten außerhalb von Wasserstressgebieten setzen wir Wasserschutzmaßnahmen um. Unsere Produktionsstandorte in Indien verfolgen eine sogenannte Zero Discharge Policy, unter der Wasser nach der Nutzung und Aufreinigung wieder versickert wird. Zudem sammeln wir am Standort Goa das anfallende Regenwasser und lassen es ebenfalls versickern. Dort konnten wir den Trend des sinkenden Grundwasserstandes mit diesem Verfahren stoppen.

China: Energie und Wasser zugleich eingespart

Wie der Verbrauch verschiedener Ressourcen zusammenhängen kann, zeigt ein Projekt an unserem Standort in Suzhou, China. Dort konnten wir beim Recycling eines Lösungsmittelgemisches mittels Destillation gleichzeitig Wasser und Energie sparen. Wir belassen einen Restanteil Wasser, das sonst als Abwasser entsorgt werden müsste, in dem Gemisch. Damit konnten wir die Abwassermenge um knapp 633.000 Kubikmeter pro Jahr reduzieren. Dies entspricht einer Einsparung von rund 66 % der Abwassermenge. Kunden, die das Lösungsmittelgemisch wieder einsetzen, müssen es nicht erneut mit Wasser mischen – und sparen so ebenfalls Wasser. Zudem konnten wir dadurch mehr als 390.000 Kilowattstunden Strom (etwa 22 % des Verbrauchs) sowie circa 263.000 Kubikmeter Flüssigerdgas (etwa 57 % des Verbrauchs) einsparen.

Abwässer durchgängig kontrolliert

Unser Wassermanagement wurde im Berichtszeitraum kontinuierlich nach dem Water-Protection-Standard kontrolliert. Dazu fanden insgesamt 77 interne EHS-Audits und 18 Audits durch externe Zertifizierer nach ISO 14001 statt.

2016 sind bei uns insgesamt 12,1 Mio. Kubikmeter Abwasser angefallen. 2015 waren es 11,8 Mio. Kubikmeter. Unser in Darmstadt anfallendes Abwasser wird in unseren Anlagen gemäß dem Stand der Technik aufbereitet und gelangt über den Oberflächenwasserkörper Schwarzbach-Ried in den Rhein. Unsere Einleitung lag 2016 bei etwa 5 % des mittleren Jahresabflusses des Oberflächenwasserkörpers Schwarzbach-Ried. Wir arbeiten kontinuierlich daran, die steigenden gesetzlichen Qualitätsvorgaben zu erfüllen. Dazu stimmen wir uns regelmäßig mit den zuständigen Behörden ab. Darüber hinaus haben wir im Berichtszeitraum keine weiteren Mengen von Abwasser in Gewässer abgeleitet.

Spurenstoffe
Spurenstoffe bezeichnen im Wasser gelöste Stoffe, die auch als Mikroverunreinigungen oder Mikroschadstoffe bezeichnet werden. Es handelt sich dabei um synthetische Substanzen, die in Konzentrationen von Nano- bis zu einigen Mikrogramm pro Liter Wasser vorkommen.
Security
Security (deutsch: Sicherheit) umfasst alle notwendigen Maßnahmen und Leitungs- und Kontrollaktivitäten zur Aufdeckung, Auswertung, Behandlung und Abwehr von Sicherheitsbedrohungen und kriminellen Machenschaften gegenüber Unternehmen. Sie dienen dem Schutz der Mitarbeiter sowie unserer materiellen und immateriellen Vermögenswerte
EHS
Environment, Health and Safety: Mit der Abkürzung werden Umweltmanagement, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit in Betrieben beschrieben.
ISO 14001
Diese internationale Norm legt weltweit anerkannte Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem fest.
EHS
Environment, Health and Safety: Mit der Abkürzung werden Umweltmanagement, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit in Betrieben beschrieben.