Produkte

Zugang zu Gesundheit

Weltweit fehlt etwa 400 Millionen Menschen der Zugang zu einer angemessenen und bezahlbaren medizinischen Grundversorgung – vor allem in Ländern mit geringen bis mittleren Einkommen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) entfallen jedoch rund 90 % der weltweiten auf diese Regionen. Zusammen mit starken Partnern stellen wir uns dieser komplexen Herausforderung: Wir forschen an innovativen Lösungen, entwickeln neue Ansätze und verbessern bestehende Programme für die Menschen vor Ort. Gesundheitslösungen müssen zudem bezahlbar und zugänglich sein. Außerdem schaffen wir ein breites Bewusstsein für Krankheiten und ihre Behandlung. Der Access to Medicine Index bestätigte unsere Fortschritte im Einsatz für einen besseren Zugang zu Gesundheit (Access to Health oder A2H): Im Jahr 2016 belegten wir Platz vier – damit verbesserten wir uns um zwei Plätze im Vergleich zu 2014.

Unsere Grundsätze

Unser strategischer Ansatz

Wir wollen den Zugang zu hochwertigen Gesundheitslösungen für benachteiligte Bevölkerungsgruppen und Gemeinschaften in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen verbessern. Dieses Ziel ist Kern unseres A2H-Ansatzes. Stefan Oschmann, Vorsitzender der Geschäftsleitung und CEO, fokussierte seine Präsidentschaft der Internationalen Vereinigung der Verbände der Pharmahersteller (IFPMA), die er von 2014 bis Ende 2016 innehatte, auf das Leitthema „Accelerating Access“ – Beschleunigung des Zugangs zu hochwertigen Gesundheitslösungen für Menschen in Ländern niedrigen bis mittleren Einkommens.

Im Januar 2017 haben wir mit 21 führenden Pharmaunternehmen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die globale Initiative Access Accelerated angekündigt. Ziel ist es, Vorsorge und Behandlung von nicht-übertragbaren Krankheiten in Ländern niedrigen und mittleren Einkommens zu verbessern.

Um den Zugang zu Gesundheitslösungen zu verbessern, nutzen wir unser Know-how aus allen Unternehmensbereichen. Uns ist bewusst, dass einzelne Unternehmen oder Organisationen den Zugang zu Gesundheit nur sehr eingeschränkt verbessern können. Daher arbeiten wir eng mit vielen verschiedenen Partnern zusammen.

Unsere A2H-Strategie konzentriert sich auf die folgenden vier Themen:

  • Availability (Verfügbarkeit): Wir erforschen, entwickeln und verbessern Gesundheitslösungen für den nicht gedeckten medizinischen Bedarf und passen sie an die lokalen Bedürfnisse an. 
  • Accessibility (Erreichbarkeit): Wir fördern Initiativen, die die Lieferketten stärken und lokale Gesundheitslösungen entwickeln. Medikamente sollen schnell und sicher dorthin gelangen, wo sie benötigt werden. 
  • Affordability (Bezahlbarkeit): Wir unterstützen Menschen, die notwendige Gesundheitslösungen nicht bezahlen können. Weitere Informationen dazu finden sich in den Kapiteln Arzneimittelpreise und Gesellschaft.
  • Awareness (Bewusstsein): Wir schärfen das Bewusstsein vor Ort, indem wir Gesundheitspersonal, Gemeinden und Patienten dabei helfen, gut informierte Entscheidungen zu treffen.

Die 4 As

In unserer A2H-Charta haben wir unsere Leitlinien zu den folgenden Themen festgeschrieben:

Im Berichtszeitraum haben wir unsere A2H-Strategie und unsere Ziele an den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen ausgerichtet. Dafür wurden wir im Access to Medicine Index 2016 gewürdigt.

A2H-Programme effektiv steuern

Unsere Access-to-Health-Einheit untersucht die Faktoren, die unterversorgten Bevölkerungsgruppen den Zugang zu Gesundheitsleistungen erschweren. Sie entwickelt anschließend gemeinsam mit verschiedenen Partnern Ideen, um die Versorgung zu verbessern. Unterstützt wird die Einheit von einem Steuerungskomitee, dem Vertreter unseres Healthcare- und Life-Science-Unternehmensbereichs sowie Vertreter von Länderorganisationen angehören. Dies stellt sicher, dass die entwickelten Programme sowohl unsere Geschäftsstrategie unterstützen als auch lokal umgesetzt werden können, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Um die Wirkung unserer Programme zu bewerten, entwickeln wir derzeit quantitative und qualitative Kennzahlen. Sie sollen uns anzeigen, wo unsere Stärken liegen und an welchen Stellen wir noch besser werden müssen.

Darüber hinaus beteiligen wir uns an branchenweiten Initiativen und entwickeln gemeinsam mit anderen Unternehmen neue Ansätze, um die Wirksamkeit unserer Maßnahmen für den Zugang zu Gesundheit zu bewerten. Beispielsweise unterzeichneten wir 2016 die „Business for Social Responsibility’s (BSR) Guiding Principles on Access to Healthcare“. Als Mitglied der sogenannten BSR Healthcare Working Group leiteten wir die Entwicklung des Leitfadens Advancing Access to Healthcare Metrics. Dieser soll Pharmaunternehmen und Hersteller von Medizinprodukten darin unterstützen, ihre Leistungsmessung und Berichterstattung im Bereich Zugang zu Gesundheit zu verbessern.

Geistiges Eigentum austauschen und schützen

Die Entwicklung neuer Arzneimittel erfordert hohe Investitionen – ohne Garantie auf Erfolg. Zehn bis 15 Jahre kann es dauern, bis eine wirksame Gesundheitslösung marktreif ist. Pharmaunternehmen brauchen deshalb einen soliden, transparenten und berechenbaren rechtlichen Rahmen für ihre Rechte am geistigen Eigentum und die Durchsetzung von Patenten, die einen ausreichenden Zeitraum und Schutz für die Kompensierung der Forschungs- und Entwicklungskosten bieten.

Ein verantwortungsvoller Umgang mit geistigem Eigentum ist kein Hindernis für den Zugang zu Gesundheit. Er garantiert Sicherheit und hohe Qualität für Patienten weltweit. Für fast alle Medikamente, die die drängendsten Krankheiten in Entwicklungsländern behandeln, besteht kein Patentschutz. Beispielsweise sind 95 % der von der WHO im Jahr 2013 als unentbehrlich klassifizierten Arzneimittel nicht durch Patente geschützt.

Fast fact

Unentbehrliche Arzneimittel

Wir bieten 45 Arzneimittel an, darunter Bisoprolol/Amlodipine, Metformin (Glucophage®) und Praziquantel, die von der WHO als unentbehrlich und/oder als Erstlinientherapie (first-line treatment) klassifiziert sind.

Unsere Leitlinien zum geistigen Eigentum haben wir in der Charta zu Access to Health in Entwicklungsländern – Rechte am geistigen Eigentum beschrieben:

Unser Unternehmen reicht in den meisten Entwicklungsländern weder Patentanträge ein noch setzen wir solche durch. In Märkten, in denen wir Produkte zum Patent anmelden, verpflichten wir uns, einerseits den Datenaustausch mit Forschern zu fördern, andererseits den öffentlichen Zugang zu Informationen aus klinischen Studien zu verbessern. Über den Patentstatus unserer Produkte berichten wir in öffentlich zugänglichen Datenbanken. Wir befürworten darüber hinaus freiwillige Lizenzvereinbarungen jeder Art – einschließlich nicht exklusiver freiwilliger Lizenzen und rechtlich verbindlicher Anspruchsverzichtsvereinbarungen oder -klauseln, die auf die Verbesserung des Zugangs zu Gesundheit abzielen. Wir unterstützen das -Abkommen der Welthandelsorganisation WTO zu handelsbezogenen Aspekten von Rechten am geistigen Eigentum und deren Ergänzungen, beispielsweise die Doha-Deklaration (Special Declaration on the TRIPS Agreement and Public Health) aus dem Jahre 2001. Die Doha-Deklaration verlängert die Frist, die TRIPS-Bestimmungen für pharmazeutische Patente umzusetzen, für diejenigen Länder auf 2033, die als am wenigsten entwickelt klassifiziert sind (). Dies wurde am 6. November 2015 vom WTO-Rat entschieden – und wir unterstützen diese Entscheidung. Darüber hinaus fördern wir das Konzept von sogenannten . Patentpools sollten unserer Ansicht nach allerdings so strukturiert sein, dass sie den Zugang zu Medikamenten verbessern und deshalb wettbewerbsbeeinträchtigende Effekte sowie geografische Einschränkungen verhindern. Wir erwägen den Beitritt zu Patentpools, wenn sie für unser Portfolio bedeutend sind und alle Wirksamkeits-, Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen erfüllen.

Wir fördern die frühe Wirkstoffforschung zu Infektionskrankheiten und teilen unser Wissen und unser geistiges Eigentum. Wir sind eines der über 100 Mitglieder der offenen Innovationsplattform WIPO Re:Search. Sie wird von der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) gefördert. 2015 starteten wir in diesem Rahmen die erste Kooperation mit der University of Buea in Kamerun. Unser gemeinsames Ziel: Wir möchten Substanzen aus unserer Wirkstoffdatenbank nutzen, um eine Therapie gegen (Flussblindheit) zu entwickeln. Anfang 2016 erhielt die Kooperation ein Forschungsstipendium des britischen Wellcome Trusts.

Unser transparenter Umgang mit geistigem Eigentum wurde ebenfalls im Access to Medicine Index 2016 gewürdigt.

Im Dialog mit Stakeholdern

Kooperation und Dialog sind Schlüsselinstrumente, um den Zugang zu Gesundheit zu verbessern. Zu unseren Partnern zählen multilaterale Organisationen, Regierungen und NGOs ebenso wie akademische Einrichtungen, Fachverbände des Gesundheitswesens, Unternehmen und Experten aus dem Privatsektor.

Mit unserer Veranstaltungsreihe Access Dialogues schufen wir eine Plattform, auf der Interessenvertreter aus dem öffentlichen und privaten Bereich sowohl Informationen als auch Best-Practice-Beispiele austauschen. Ziel ist es, gemeinsam Verbesserungsideen für den Zugang zu Gesundheitsversorgung zu finden. Die Access Dialogues sind Teil unserer A2H-Aktivitäten und unseres Engagements für mehr Gesundheitsbewusstsein. Sie sollen Stakeholdern helfen, gut informierte Entscheidungen zu treffen.

2015 richteten wir in diesem Rahmen die Veranstaltung „Innovative Intellectual Property and Access Dialogue“ aus. Gemeinsam mit führenden Experten für geistiges Eigentum und weltweite Gesundheit diskutierten wir Herausforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten unserer Strategie für den Umgang mit geistigem Eigentum.

Darüber hinaus fanden im Berichtszeitraum gemeinsam mit der sogenannten Accessibility Platform Dialoge zum Thema „Herausforderungen in lokalen Lieferketten“ statt. Die Accessibility Platform ist eine Multi--Initiative, die das Ziel verfolgt, eine sichere, schnelle und effiziente Verteilung von Arzneimitteln zu gewährleisten. Weitere Informationen zur Accessibility Platform finden sich unter Lieferkette.

Fortschritt

Gute Platzierung im Access to Medicine Index

Alle zwei Jahre beurteilt die niederländische Access to Medicine Foundation die Leistungen von Pharmaunternehmen. Sie bewertet im sogenannten Access to Medicine Index, inwieweit sie den Zugang zu Arzneimitteln in Entwicklungsländern verbessert haben. 2016 belegten wir den vierten Platz. Die Stiftung würdigte uns vor allem dafür, dass wir unsere Strategien und Ziele stärker mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen verknüpft haben. Folgende Initiativen wurden darüber hinaus als Best-Practice-Beispiele hervorgehoben:

Austausch für eine bessere Gesundheitsversorgung

Unser Vorsitzender der Geschäftsleitung und CEO, Stefan Oschmann, nahm im Berichtszeitraum an verschiedenen Veranstaltungen teil. Beispielsweise hielt er im September 2015 bei einer Veranstaltung im Rahmen der 70. Generalversammlung der Vereinten Nationen einen Vortrag zur Rolle der Privatwirtschaft in der weltweiten Gesundheitsversorgung. Um diese Fragestellung ging es auch im Mai 2015 bei einer Veranstaltung am Rande der 68. World Health Assembly (WHA) der WHO. Außerdem nahm Oschmann im März 2015 als Industrievertreter an einem Treffen der Internationalen Expertengruppe für Notfallschutz (International Expert Group on Emergency Preparedness, IEG) teil. Die Versammlung wurde vom US-amerikanischen Unternehmer Bill Gates im Auftrag der deutschen Bundeskanzlerin und G7-Präsidentin Angela Merkel einberufen.

Diskussionen auf globaler Ebene

Während des Berichtszeitraums waren wir an vielen weiteren Veranstaltungen beteiligt, hier eine Auswahl:

  • Diskussionsrunde „Building the Path to Universal Health Coverage: Innovative Financing in Access to Medicines“ von UNITAID, Norwegian Church Aid und Medicines Patent Pool (MPP) im September 2015 in Oslo, Norwegen.
  • Münchner Sicherheitskonferenz zum Thema globale Sicherheit und Außenpolitik im Februar 2016, Forum zu aktuellen Krisen und zukünftigen Herausforderungen für die internationale Gesundheitssicherheit.
  • Geneva Health Forum (GHF) im April 2016, Sponsoring der Veranstaltung und Organisation der Diskussionsrunde „Empowerment: Providing tools to make informed health decisions for chronic diseases aligned with the WHO 2030 Health Workforce Strategy“.
  • Supply Chain Conference des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) im Februar 2016; Thema: Die Zusammenarbeit verschiedener Stakeholder im Rahmen der Accessibility Platform für einen bestmöglichen Einfluss auf die Weltgesundheit.
  • Veranstaltung am Rande der 69. World Health Assembly der WHO im Mai 2016; Thema: Lokale Lieferketten mit Hilfe von Multi-Stakeholder-Initiativen stärken, um Zugangsbarrieren abzubauen.

Aktivitäten auf lokaler Ebene

Auch auf lokaler Ebene waren wir 2015 und 2016 im Austausch mit Stakeholdern aktiv – im Folgenden einige Beispiele:

  • Fortsetzung unserer dreijährigen Kampagne „Indonesia Free Anemia“ in Indonesien: Aufklärung über die Ursachen und die Behandlung von Blutarmut mithilfe sozialer Medien.
  • Gemeinsam gegen Mangelernährung: Wir unterstützen die Initiative „Beyond Zero“ der kenianischen Regierung. Unser Ziel: die Gesundheitsversorgung von Müttern und Kindern verbessern.
  • Verschiedene Aktivitäten in China: Aufklärung über Schilddrüsenerkrankungen durch Bildungsprogramme, die Weiterbildung von Ärzten, Forschungsprojekte; Zusammenarbeit mit der National Health & Family Planning Commission und medizinischen Einrichtungen wie der chinesischen Ärztekammer.
Krankheitslast
Die Krankheitslast misst die durch Krankheit verlorenen Lebensjahre sowie Lebensjahre, die mit gesundheitlichen Einschränkungen der Bevölkerung eines Landes verbunden sind.
TRIPS
Das Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums oder TRIPS-Abkommen (englisch Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights) ist eine internationale Vereinbarung. Es soll sicherstellen, dass die Maßnahmen und Verfahren zur Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums nicht zu Schranken für den rechtmäßigen Handel werden.
LDC
Least Developed Countries (LDC) sind Länder, die gemäß sozioökonomischen Kriterien der Vereinten Nationen am wenigsten entwickelt sind.
Patentpool
Unter einem Patentpool versteht man ein Konsortium von konkurrierenden Firmen, das den beteiligten Partnern eine gegenseitige Nutzung von sich ergänzenden Patenten erlaubt.
Onchozerkose
Onchozerkose ist eine chronische Erkrankung, die durch Fadenwürmer verursacht wird und in den tropischen Gebieten Afrikas und Südamerikas vorkommt. Bei etwa 10 % der Erkrankten führt sie zur Erblindung, der sogenannten Flussblindheit.
Stakeholder
Als Stakeholder bezeichnet man Personen oder Organisationen, die ein Interesse und/oder einen berechtigten Anspruch an einem Unternehmen haben. Zu den Stakeholdern gehören beispielsweise Mitarbeiter, Geschäftspartner, Nachbarn von Standorten oder Aktionäre.
Bilharziose
Schistosomiasis oder Bilharziose ist eine Wurmkrankheit, die in warmen Binnengewässern durch Schnecken als Zwischenwirt verbreitet wird.